Andreas Séché – Zeit der Zikaden – Rezension

Zeit der Zikaden - Roman von Andreas SéchéWir müssen über den Schluss reden. Wirklich!

„Zeit der Zikaden“ von Andreas Séché hat einen einzigartigen Schluss.

Ein Paukenschlag voll leiser Töne.  Eine solche Formulierung ist unmöglich und genau so endet der Roman. Unmöglich großartig.

Mein Leserinnen-Herz fieberte mit dem Helden mit und meine Lese-Erfahrung beruhigte mich, das Andreas Séché seinen Selim schon nicht vereinsamt sterben lassen wird. Doch die Wendung, die die Geschichte nimmt, übertrifft alle meine Lese-Erwartungen und lässt mich verblüfft zurück.

Dann müssen wir noch über Musik reden.

Zumindestens meint der Verlag das und erweckt den Anschein, als wäre „Zeit der Zikaden“ ein Buch über klassische Musik. Das ist nicht falsch, aber zu kurz gegriffen. Es geht darum, wie Kunst Emotionen wecken kann und welche Kraft Menschen daraus schöpfen können. Das kann klassische Musik, aber auch die Poesie und die Architektur können das. Auch diese Künste spielen in dem Buch eine wichtige Rolle und deswegen gefällt mir diese marketing-technische Verengung auf Geige und klassische Musik nicht.

Dann müssen wir über Politik reden.

Ein orientalisches Land, das zur Diktatur wird. Ach ja, der Fanatismus … Nein. Der Islam hat diesmal nichts damit zu tun. Ganz im Gegenteil – der ganz private Glaube ist das, was den Menschen in harten Zeiten Zuversicht vermittelt. Der Weg in die Diktatur ist diesmal ein anderer. Ein Kunstgriff des Autors, der damit dem Leser einen Spiegel vor die Nase hält.

Dann müssen wir über Liebe reden.

Aber das überlasse ich mit Freuden Andreas Séché, denn der kann das besser als ich. Viel besser. Sehr viel besser.

Dann müssen wir über Lesepausen reden.

Wer „Zeit der Zikaden“ in einem Rutsch durchliest, weil er unbedingt wissen will, wie die Geschichte von Selim und Miriam weitergeht, wird es ein zweites Mal lesen müssen. Geht gar nicht anders, denn „Zeit der Zikaden“ ist ein Buch der besonderen Sätze. Lesen, Pause machen, nachwirken lassen. Ich habe lange gebraucht für die 176 Seiten, unüblich lange. Und das war gut so.
Und jetzt müssen wir nicht mehr reden, sondern lesen. 
Da ich „Zwitschernde Fische“ schon gelesen habe werde ich zu „Namiko und das Flüstern“ greifen. Ich werde es mir gut einteilen, denn mehr gibt es bisher von Andreas Séché nicht.

Ein Kommentar

  1. Das klingt so spannend. Kommt sofort auf meine to read list.

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