Die Chroniken vom Anbeginn – Adopt a Blogger Gastrezension

 Und dann machen wir daraus einen Film, ein Computerspiel, T-Shirt und Lesezeichen …

Wenn der Autor gleich an die Zweit-Verwertung denkt

Mit meiner Besprechung zu John Stephens Jugendbuch „Die Chroniken vom Anbeginn“  bin ich bei Brösels Bücherregal zu Gast.

Lest dort meine Meinung zu den ersten beiden Folgen der Trilogie: „Das Buch Emerald“ und „Das Buch Rubyn“.

Einerseits hat mich die Geschichte gut unterhalten, andererseits habe ich mich sehr daran gestört, das der Autor bei jeder Zeile und jeder Wendung die Verfilmung, das dazugehörige Merchandising und das Computerspiel im Kopf hatte.
Für mich sollte beim Schreiben nun mal stets das Buch im Vordergrund stehen.

Update April 2016

Beim Relaunch von Brösels Bücherregal ist meine Gastrezension verloren gegangen. Daher poste ich meinen Beitrag noch einmal hier:

Ich hatte „Das Buch Emerald“ mit nur sehr geringen Erwartungen gestartet. Mal schnell rein lesen – Trilogie, amerikanischer Autor, Jugend-Fantasy, Filmrechte verkauft. Klingt nicht gerade nach einer Überraschung.

In Teilen haben mich „Das Buch Emerald“ und die Fortsetzung „Das Buch Rubyn“ dann doch überrascht. Das liegt an der Sorgfalt, mit der John Stephens seine Helden beschreibt und dem Leser nahebringt. Der Autor räumt der Lebensgeschichte der drei Geschwister, die in gruseligen Waisenhäusern aufwachsen, viel Raum ein. Kate, Michael und Emma haben ihre Eltern unter mysteriösen Umständen verloren. Die drei halten zusammen wie Pech und Schwefel und kappeln sich wie ganz normale Geschwister. Die besonders intensive Geschwisterliebe beschreibt der Autor sehr ausführlich, denn sie ist entscheidend für den weiteren Verlauf der Geschichte. Jedes Kind wird mit seinen ganz besonderen Talenten ein magisches Buch suchen und kann diese Aufgabe nur lösen, weil die Geschwisterliebe so ist, wie sie ist – mit allen Streitigkeiten, Schuldgefühlen und Versöhnungen. Das klingt jetzt nach einer langen, langatmigen Einführungsphase – aber dem ist nicht so. Das Buch ist spannend von Anfang an obwohl die eigentliche Action im ersten Band erst spät beginnt.

Überrascht hat mich auch, das Spannung und Action immer wohldosiert und altersgerecht blieben. Allerdings habe ich hier den Verdacht, das das weniger eine Leistung des Autors als vielmehr eine Leistung des deutschen Lektorats und des Übersetzers ist. Auf jeden Fall bieten die Chroniken von Anbeginn großartige, mitreißende Unterhaltung ohne unnötige Grausamkeiten.

Also alles fein?

Nein.

Ich hatte beim Lesen stets den Eindruck, das John Stephens nicht damit zufrieden ist, ein Buch zu schreiben. Das Buch ist für ihn wohl nur eine Bewerbungsmappe, um die Filmrechte zu verkaufen. An das Merchandising zum Film hat er genauso gedacht wie an das Computerspiel – und das schadet dem Buch. Da wird geflohen und geklettert und den Hang runtergerutscht und wieder ein Stück hochgeklettert und dann die Waffe verloren … im Film machen sich solch spannungssteigernde Elemente sicherlich hervorragend. Im Buch gehen sie mir auf die Nerven, denn sie dienen weder der Handlung, noch der Atmosphäre noch der Charakterisierung.

Wenn ich ein Buch lese, möchte ich ein Buch lesen und Autoren, die statt eines Buches einen „Ich erobere die Unterhaltungsindustrie“ – Masterplan abliefern, sind mir zutiefst suspekt.

4 Kommentare

  1. Hat mir gut gefallen, deine Rezension zu präsentieren 🙂

  2. Ich lass mal liebe stöbergrüße da 🙂
    Tolle Idee mit der Rezensionsart 🙂

    Liebe grüße Nikki

  3. Danke! Und die nächste Adoptionsrunde kommt bestimmt!

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