Gamification als Lebensprinzip: Gamify your Life

Sachbuch: Gamify your Life. Durch Gamification das eigene Leben verbessern.

Gamify your Life. Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben

Gamification, das bedeutet doch Highscores sammeln und Badges freischalten, die mir alle bestätigen, dass ich einen „great job“ mache und „awesome“ sei, oder?

Das war so in etwa mein Wissensstand über Gamification vor der Lektüre von Gamify your  Life – Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben von Jane McGonigal.

Falsch war das nicht. Aber Gamification ist deutlich mehr und genau in diesem „mehr“ verbirgt sich der interessante Teil. Wenn in der Achtsamkeitspraxis ein Tag lang die nicht-dominante Hand benutzt wird, dann könnte man das durchaus auch als Gamification beschreiben.

Aber der Reihe nach: wie können uns Spiele gesünder, glücklicher und resilienter machen?

Gamification: Kleine Spieleinheiten, große Wirkung

Nehmen wir mal an, wir haben ein inniges, aber ungesundes Verhältnis zu unserer Couch. Vielleicht, weil wir eine Verletzung auskurieren oder weil wir an Depression erkrankt sind. Auf jeden Fall ist die Idee, aufzustehen und uns zu bewegen, ungefähr so leicht umzusetzen wie die Besteigung eines Dreitausenders. Kommt vor, sollte aber anders werden. Was tun?

Aufstehen, bis 5 zählen, und, wenn möglich und einem selbst angenehm, „Ich stehe!“ rufen. Dann wieder zurück auf die Couch. Das ist ok. Vielleicht kann man aber auch, wenn man schon mal steht, Bonuspunkte sammeln und einmal um den Tisch laufen?

Jane MacGonigal liefert nicht nur äußerst kreative Beispiele, was man in solchen lähmenden Situationen alles konkret machen könnte – sie begründet auch mit Beispielen aus dem Leben und aus der Forschung, warum solche Mini-Aktionen bereits einen Unterschied machen. Wir gewinnen Handlungshoheit zurück, wir überraschen Gehirn und Nervensystem mit einer neue Verhaltensvariante, die positive neurophysiologische Folgen haben wird.

Für mich klingt das machbarer als To-Do-Listen, Verpflichtungserklärungen und Motivationskärtchen am Spiegel. Doch was mich endgültig überzeugt hat, ist das Gesamtkonzept, in das diese Mini-Lösungen eingebunden werden: Power-Ups, Bösewichte, Quests, Verbündete, Geheime Identität und epische Siege.

Boss-Gegner Steuererklärung

Gamification Grundsätze: Sie sind stärker als sie glauben. Sie sind von potenziellen Verbündeten umgeben. Sie sind der Held ihrer eigenen Geschichte.

Ich bin stärker als ich glaube. Ich bin von potenziellen Verbündeten umgeben. Ich bin die Heldin meiner eigenen Geschichte.

Bloß nicht davonrennen vor diesem Gegner! Beim Computerspiel gehen wir ja auch nicht davon aus, dass wir das letzte Level auf Anhieb lösen werden. Nein, wir scheitern und versuchen es erneut. Wie kann es uns gelingen, diesen Spielgeist auf das Alltagsleben zu übertragen?

In dem wir das Leben aufschlüsseln wie ein Spiel. Zuerst sammeln wir Power-Ups. Bei Super Mario sind das Münzen, im wahren Leben sind das Kleinigkeiten, die uns gut tun. Ich dachte ja, ich hätte das längst. Aber Jane MacGonigal würde 15 Minuten Gymnastik, was ich beispielsweise bisher dafür verwendet haben, eher in den Bereich der Quest legen. Viel zu kompliziert, viel zu fordernd. Ein Power-Up ist jetzt zum Beispiel bei mir aufstehen, ans Fenster gehen, in die Ferne schauen. Entspannt Augen und Geist, sorgt für Bewegung und ist so gut wie immer umsetzbar.

Ein Power-Up ist eine positive Aktivität, die Sie leicht unternehmen können und die einen kurzen Moment der Freude, der Stärke, des Muts oder der Verbindung schafft.
Gamify your Life – S. 202

Wer den Boss-Gegner Steuererklärung angeht, der sollte sich vorher viele Power-Ups bereit gelegt haben.

Der Bösewicht ist in dem Fall schnell benannt: Dark Lord Steuererklärung. Er bringt aber Verbündete mit wie Angst vor der Deadline, Mount Ablage, Formular-Phobie oder das Ich-kann-das-nicht-Gespenst. Welche Power-Ups würden bei welchem Bösewicht helfen?

Das große Ziel, das uns den epischen Sieg bringen wird, ist klar: fristgerechte Abgabe der Steuererklärung. Das zerlegen wir jetzt in Mini-Ziele und Kleinst-Herausforderungen, die sogenannten Quests. Bei mir wäre das traditionell gewesen, dass ich zuerst meine Ablage in Ordnung bringe. Ihr ahnt es: in Gamify your Life empfiehlt Jane MacGonigal deutlich kleinere Herausforderungen. Quests sind für sie „einfache, tägliche Projekte, die Ihnen helfen, Ihre größeren Ziele zu erreichen.“

Das ist, was für mich das Gamification-Konzept zu etwas ganz Besonderem macht! Anstatt ehrfürchtig an den Marathon zu denken freue ich mich lieber daran, meine Laufschuhe zu schnüren und bringe durch solche Mini-Aktionen und Kleinst-Siege Veränderungen in meinem Leben voran. Das funktioniert, weil es gute Laune macht und sich Gehirn und Gewohnheiten automatisch mit der Zeit daran ausrichten.

Was ist Dein Spiel?

Gut, um den Marathon geht es bei mir nicht. Zu den vielen kleinen und großen Baustellen in meinem Leben gehört aber zum Beispiel der Bösewicht namens Bewegungsarmut. 25 Jahre lang bin ich durch den Laden gerannt, bin in die Hocke, um ein Buch aus dem untersten Handlager nachzulegen, um mich kurz darauf zu strecken, um einem Kind etwas aus dem obersten Regal zu geben. Ich habe mich verrenkt, um die überformatigen Kalender als Geschenk zu verpacken und habe Kisten geschleppt. Kurz: jetzt im Büro-Alltag mangelt es mir nicht nur an Bewegung an sich sondern auch an Abwechslung in der Bewegung. Dazu hatte ich auch schon im Beitrag Sitzen gefährdet die Gesundheit geschrieben.

Gamification: die Prinzipien.: Fordern sie sich, sammeln sie PowerUps, Bösewichte, Quests, Verbündete, Geheimidentität, epischer Sieg

Gamification – der 7-Punkte-Plan.

Mehr Bewegung ins Leben bringen ist eine Aufgabenstellung, die perfekt für eine Runde Gamify your Life geeignet ist!

Heute habe ich schon ein neues Power-Up entdeckt in Form einer Katzenfigur, die einen sehr gelenkigen Buckel macht. Quests habe ich auch absolviert: den Wäschekorb über den Kopf gestemmt, ans Fenster gelaufen, um zu schauen ob der Baum noch da ist und im Stehen die Schuhe gebunden. Während bisher bei so etwas mein innerer Kritiker nur zynisch gelacht hat, gelingt es mir jetzt von Mal zu Mal besser, diese Kleinigkeiten als Erfolg zu bewerten. Womit ich einen neuen Bösewicht benannt hätte. Ein Verbündeter begleitet mich mit seinem Rollator bei Mini-Spaziergängen – ja, Verbündete kann man überall finden!

Mal sehen, was morgen an Fähigkeiten und Quests dazu kommt! Schließlich habe ich keine Lust, immer wieder das gleiche Level zu spielen. Mit den Prinzipien von Gamify your Life. Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben wird mir das auch garantiert nicht passieren!

Angaben zum Buch:

Sachbuch Gamify your Life (eBook (EPUB)) Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter lebenJane McGonigal

Gamify your Life 
Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben

Herder Verlag
ISBN: 978-3-451-30494-1

Leseprobe beim Verlag

TedTalks mit Jane McGonnical

 

SuperBetter – das Spiel zum Buch

Aus den Theorien, Ideen und Beobachten von Jane MacGonical heraus ist ein Spiel entstanden, sozusagen das Gamification-Game: SuperBetter. Die App ist für mich eine gute Möglichkeit, das gesamte Gamification-Konzept umzusetzen und mich nicht nur auf das zu beschränken, was mir leicht fällt!

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