Kunst kommt von Kopfschütteln

Ist das Kunst oder kann das weg? Sachbuch Rezension

Mülltrennung für Kunst-Liebhaber

Kunst kommt von Kopfschütteln. Allein für diesen Satz bin ich dem Buch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ schon dankbar. Das ist für mich die griffigste Erklärung für meine Herangehensweise an moderne – damit meine ich SEHR moderne – Kunst. Kunst, die ein Kopfschütteln bei mir auslöst, mag ich, denn sie berührt mich. Kunst, die mich nicht berührt, ist uninteressant.

So mache ich mir das Leben als Museumsbesucherin und Kunst-Konsumentin einfach. Den ganzen Diskurs-Ballast wie „Das ist eine Hommage an …“ oder „Der Künstler kritisiert damit…“ oder auch „Wie schon Beuys sagte …“ blende ich damit aus. Einfach so. Das ist die Kunst mir wert.

Vom wahren Wert der Kunst lautet der Untertitel des Buches. Ist Kunst dann viel wert, wenn sie teuer gehandelt wird? Oder dann, wenn sie von Menschen wie mir genossen und rezipiert wird? Oder dann, wenn sie viele Besucher ins Museum lockt, die im Schnitt nur wenige Sekunden vor einem Bild verweilen?

Der Reiz des Buches lag für mich darin, dass Wissen zur Rezeption von Kunst aus vielen Bereichen zusammengeführt wurde. Für mich war hier vieles neu – inbesondere bei dem Thema Konzeption von Ausstellungen und der Frage, wie sich Museumsbesucher eigentlich die Kunstwerke anschauen.

Gebt der Kunst einen realen Wert!

Kunst, die im Museum ausgestellt wird, wird nicht gehandelt und hat daher keinen Preis. Ihre Bedeutung für die Kunstgeschichte ist wandelbar. Worin besteht also ihr Wert?

Im System der Währung Kunst figuriert das Museum gewissermaßen als Bank.
S. 155

Die Schlussfolgerung der Autoren finde ich durch und durch sympathisch: gebt der Kunst wieder einen realen Wert jenseits von Kunstmarkt-Preisen und Ausstellungserfolgen. Macht sie Euch zu eigen, genießt sie, nehmt sie mit in euer alltägliches Leben, redet darüber.

Über Kunst zu reden …

Verschweigen möchte ich aber auch nicht, dass ich große Probleme hatte, ins Buch zu finden. Der Einstieg war zäh, das Ende leider auch. Abhilfe wäre einfach: gelegentliche Absätze und ähnliche Layout-Auflockerungen würden bereits helfen. Die Textblöcke sind erschlagend.

Doch mein Durchhalten wurde mit grandiosen Passagen voll von bissigem Humor belohnt. Es gibt viel zu Lachen in „Ist das Kunst oder kann das weg?“; Lachen gepaart mit Kopfschütteln ergibt Erkenntnisgewinn.

Deswegen möchte ich mit einem Zitat aus dem Buch enden, dass eine Abwandlung eines Spruchs des Komikers Martin Mull ist:

Über Kunst zu reden ist so schwer wie Architektur zu tanzen.
S. 224

Infos zum Buch:

Christian Saehrendt
Steen T. Kittel

Ist das Kunst oder kann das weg?
Vom wahren Wert der Kunst

Dumont Verlag
ISBN 978-3-8321-9772-8

Das Vorläufer-Buch ist ebenfalls sehr zu empfehlen:

Das kann ich auch!
Gebrauchsanweisung für moderne Kunst

Lieber Dumont Verlag: danke für das Rezensionsexemplar!

„I went to a museum …“ der Song meiner Lieblingsband The Cramps war die perfekte Begleitung für diesen Blog-Beitrag.

 

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