Leichte Sprache, einfache Sprache, Online-Sprache

Buchcover: Ratgeber Leichte Sprache aus dem Duden Verlag„Du verbindest hier mit einem ‚und‘ – schau doch mal, ob Du zwei Sätze daraus machen kannst.“ Dieser Schreibtipp war für mich der Auslöser, mich mit Leichter Sprache zu beschäftigen.*

Doch solche Vereinfachungen, die die Lesbarkeit von Online-Texten deutlich erhöhen, sind eigentlich gar nicht das Thema bei Leichter Sprache. Hier geht es um Inklusion von Menschen mit Sprachverständnis-Schwierigkeiten und um Barriere-Freiheit.

Was bringt es mir also für meine Arbeit als Online-Texterin und für mein Hobby Bloggen, mich mit Leichter Sprache zu befassen? Eine Menge. Beginnen wir am Anfang, mit der Definition.

Was ist Leichte Sprache?

Ein schönes Beispiel findet Ihr auf der Webseite Hurraki, dem Wörterbuch für Leichte Sprache:

Hurraki ist ein Wörterbuch für Leichte Sprache

Viele Menschen reden umständlich. Nicht jeder versteht das.

Die Wörter bei Hurraki soll jeder verstehen können.

Niemand soll ausgegrenzt werden.

Quelle: https://hurraki.de/wiki/Hauptseite

Genau so funktioniert Leichte Sprache: kurze Sätze, eine Information pro Satz, allgemein bekannte Wörter. Dabei folgt die Sprache einem klaren Regelwerk. Leichte Sprache ist immer grammatikalisch korrekte Sprache. Sätze wie „Du gehen Bahnhof“ sind keine leichte Sprache, sondern ein Hindernis. Durch solche Sätze gewöhnen sich Menschen mit Lernschwierigkeiten erst ein falsches Deutsch an, um dann später mühsam die Fehler wieder zu verlernen. Für die meisten Leser ist Leichte Sprache nämlich nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zur nächst komplizierteren Stufe, der Einfachen Sprache. Wenn alles klappt kommen sie irgendwann am Ziel an: Standard-Deutsch.

Korrekte Leichte Sprache ist also nicht, was man so eben mal aus dem Bauch heraus formuliert – es ist eine Übersetzungsleistung. Und was für eine! Wer einmal Übersetzungen von juristischen Fachtexten gelesen hat, wird verstehen, was ich meine.

Regeln der Leichten Sprache

Alle Regeln der leichten Sprache kann man nachlesen. Vieles wird online erläutert. Ich habe zum Buch gegriffen – ganz traditionell zum Duden:

Duden Ratgeber Leichte Sprache
Die wichtigsten Regeln und Empfehlungen für die Praxis

von Ursula Bredel und Christine Maaß

Ich bin keine Sprachwissenschaftlerin und stehe immer ein wenig fasziniert vor solchen Ausführungen. Wenn ich lese, welche Regeln und Konzepte es alles gibt, dann bin ich jedesmal erstaunt, das wir uns überhaupt verständigen können.

Was bringt es mir?

Erst einmal ein Grundverständnis dafür, was sich alles vereinfachen lässt. Das ist für mich nützliches Handwerkszeug. Vieles war bekannt, gerät aber doch leicht in Vergessenheit. Nach den gründlichen Erklärungen und den vielen Beispielen ist mir jetzt wieder klarer, worauf ich achten muss. Nicht nur Füllwörter streichen, sondern generell kürzere Sätze bilden. Nicht nur auf das „man“ verzichten, sondern von vornherein aktiv formulieren. Weil jetzt die beiden letzten Sätze in diesem Beitrag mit einem „Nicht“ beginnen, fällt mir auch siedend heiß wieder ein, dass Verneinungen generell schwieriger zu verstehen sind. Der Leser stellt sich erst das vor, was beschrieben wird, um es dann zu negieren. Das ist kompliziert und stört den Lesefluss.

Auch eigentlich banale Grundlagen sind bei mir jetzt wieder präsenter. Nicht einfach drauf los schreiben, sondern erst für mich die Aussage des Textes klären. Klingt wirklich banal, oder? Doch jeder kennt Texte, bei denen das offensichtlich nicht beherzigt wurde.

Nun denn, beim Bloggen werde ich das sicherlich nicht immer beherzigen. Manchmal wollen Texte einfach auf eine andere Art hinaus in die Online-Welt. Doch um sich das zu erlauben ist es gut, zu wissen, wie ich es einfacher formulieren könnte. Dann kann ich mich immer noch bewusst für eine andere Version entscheiden.

Informationen zur Leichten Sprache findet Ihr zum Beispiel hier:

Absolut lesenswert finde ich Nachrichten in leichter Sprache wie zum Beispiel bei Nachrichten leicht. Da bekommt man einen guten Eindruck von der Übersetzungsleistung, die für solche Texte nötig ist, und fragt sich, warum wir alle uns nicht viel häufiger leichter ausdrücken.

*Es gibt noch ein weiteres ‚und‘, das mir viel zu häufig begegnet. Meine ebenfalls bloggende Kollegin und ich nennen es schon das „Blogger-Und“: Hauptsätze, die mit ‚Und‘ beginnen. Korrekt ist das nur selten. Dafür aber nah an der gesprochenen Sprache. Von dort findet es seinen Weg erst in viele Blog-Artikel, dann in Online-Texte. In letzteres gehört es auf keinen Fall.

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