#litcamp16: das erste Barcamp für Literatur in Heidelberg und meine erste Session

Die Vorbereitung meiner Session für das #litcamp16 knapp zusammengefasstFreitag Abend dachte ich mir, dass ich auf meinem zweiten Barcamp meine erste Session halten könnte. Samstag fühlte sich die Idee immer noch gut an. Also schnappte ich mir die Postkarte von „Fairer BuchmarktEvery time you steal an e-book, a unicorn dies und einen Kuli von Jokers, einem der Sponsoren des #litcamp16, und schrieb mein Session-Konzept auf.

Die Buchblogger, die unbekannten Wesen war von mir angedacht als Informationssession für Autoren, Verlage und Pressemenschen mit anschließender Diskussion mit Bloggern. Spontan unterstützt hat mich Alexandra vom Blog Bücherkaffee – Danke!

Ich hoffe natürlich, dass jemand diese Session protokolliert und drücke demjenigen fest die Daumen, dass er damit auch den Tolino Reader gewinnt – womit ich einen weiteren Sponsor im Text unterbekommen habe 🙂

Das war mein Einstieg in die Session:

Vorneweg: Blogger sind ein freies und wildes Völkchen. Wenn ich Verallgemeinerungen treffe habe ich immer ein wenig ein schlechtes Gewissen. Aber irgendwie muss ich ja Struktur in das Ganze bringen.

Wieviele aktive Buchblogs gibt es in Deutschland?

Schaut auf der Topliste von Tobi – er listet derzeit über 1200 aktive Buchblogs auf. Beachtet dabei, dass sein Ranking den Grad der Vernetzung angibt und kein Reichweiten-Ranking darstellt.

Warum bloggen Buchblogger?

Ein Buchblog ist immer auch ein persönliches Lesetagebuch; ein Erinnerungsmedium.

Mit einem Buchblog hofft man, Gleichgesinnte zu treffen. Ich habe oft gehört „In meinem Freundeskreis bin ich die einzige, die liest“. Nun, spätestens nach einem Jahr Buchbloggerei hat sich das geändert!

Natürlich haben Buchblogger auch eine Mission: Lesen ist cool; Leute, lest mehr Bücher.

Kreativität ausleben, Neues lernen, den technischen Horizont erweitern – all das lebt man mit seinem Buchblog aus.

Der 5. Punkt, der vorher gar nicht auf meinem Plan stand und spontan in die Rede hüpfte, bringt eine Meta-Ebene dazu: mit seinem Blog gestaltet man das Internet mit und überlässt es nicht den großen Marken. Ein Internet von Menschen für Menschen, ein Raum der Begegnung und der Kommunikation – dazu tragen Buchblogger bei.

Was ist ein guter Blog?

Wenn er Dir gefällt, wenn Du dort immer wieder gerne liest, ist er gut. Ganz einfach.

OK, stellen wir die Frage anders: was ist ein relevanter Blog?

Ab hier ist es schwieriger. Ein Ansatz, die Relevanz zu ermitteln, sind Tools wie Sistrix: Sichtbarkeitsanalyse und Keyword-Struktur. Kostet Zeit. Für Menschen, die es eiliger haben, empfehle ich diesen Ansatz: rechtsgültiges Impressum, mindestens 1 Jahr alt, mehr als 100 Beiträge, bloggt regelmäßig (ab 3 bis 4x im Monat).

Was für eine Reichweite hat ein Blog? Wie häufig wird ein Blog-Beitrag gelesen?

Ich gehe davon aus, dass sich mein Blog hier eher im unteren Mittelfeld bewegt. Das sind meine Zahlen:

Wenn ein Blogbeitrag schlecht läuft, findet er 20 Leser; wenn er gut läuft auch mal 150. Das sind die Zahlen für die ersten 10 Tage, also für den Zeitraum, in dem der Blogbeitrag noch frisch und neu ist. Zu diesen Zahlen muss man noch die Leser zählen, die meinen Hinweis auf den Beitrag zumindest auf Facebook, Twitter & Co. gesehen haben und so wissen, dass es eine Rezension zu diesem Buch gibt. Diese Impressionen machen geschätzt noch einmal 100 bis 300 Menschen aus.

Nicht viel, oder?

Danach beginnt Phase 2 im Leben eines Blog-Beitrags. 60 bis 70% meiner Leser kommen über die Google-Suche. Wenn das Buch gesucht wird, dann stehen die Chancen gut, dass der suchende Mensch meinen Beitrag findet. Aber eben nur wenn es gesucht wird!

Damit liegt der Spielball wieder im Feld der Autoren und Verlage: macht was mit den Blog-Beiträgen! Teilt sie, verbreitet sie, baut sie auf Euren Webseiten ein, sprecht darüber.

Ungefähr hier endete der vorbereitete Teil meiner Session und die Diskussion und der Erfahrungsaustausch begannen. Alexandra vom Bücherkaffee erzählte sehr frei und offen, was sie alles macht, um ihren Blogbeiträgen zu mehr Reichweite zu verhelfen: von bezahlten Facebook-Posts über gut ausgesteuerte Verbreitung via Socialmedia bis zu Google+ war da alles dabei.

Doch wie finden Autoren und Blogger zusammen?

Dieser Tweet fasst eigentlich alles zusammen:

Natürlich hatten alle Blogger Schauergeschichten parat von Mails, die besser nie geschrieben worden wären und die auch nie zu einer Rezension führten. Eigentlich würden wir uns alle gerne über Rezensionsanfragen freuen, doch derzeit sind es schlichtweg zu viele. 5 bis 10 Anfragen die Woche sind keine Seltenheit, selbst dann, wenn man explizit auf der „Über mich Seite“ stehen hat, dass man keine Rezensionsexemplare annimmt. Mein Kinderbuch-Blog scheint eine Besonderheit aufzuweisen: ich war die einzige Bloggerin im Raum, bei der auch Autoren anrufen. Übrigens auch keine gute Idee, genauso wie Unverlangt-Sendungen, eBook als Mail-Anhang, Nachhaken nach 14 Tagen oder Bücher in Rechnung stellen.

Auch wenn die anwesenden Blogger schätzten, dass nur 20% der Anfragenden sich vorher mit dem Blog auseinandergesetzt haben, gab es doch den Konsens: #ishaltso, da muss man drüber stehen.

Mails, die alle wichtigen Infos enthalten (Link zum Buch oder zur Leseprobe nicht vergessen!) und nett geschrieben sind, werden auch wirklich noch gelesen, trotz der Masse.

Was kann man sonst noch tun? Mein Tipp für Autoren: Netzwerk aufbauen, bevor man es braucht. So, wie ich es bei einer Bilderbuch-Autorin mal erleben durfte. Sie hatte munter auf allen Kinderbuch-Blogs kommentiert und mitdiskutiert OHNE darauf hinzuweisen, dass es ja bald eine neues Bilderbuch …

Als sie mich dann Monate später anschrieb, ob ich denn Interesse an einem Rezensionsexemplar hätte, konnte ich antworten: zu spät, ich habe es schon gelesen, finde es toll und schreibe gerade am Blog-Beitrag.

In diesem Fall kann ich nur sagen: alles richtig gemacht.

Ich hoffe, dass ich mit meiner Session zumindest genug richtig gemacht habe, dass alle Anwesenden Inspiration und Tipps für sich mitnehmen konnten. Dieses Protokoll ist sicherlich nicht vollständig. Schreibt mir in die Kommentare, was fehlt, und ich ergänze den Beitrag! Oder schickt mir Eure Links zu Eurem Fazit, dann verlinke ich darauf.

Und hier findet Ihr alle Infos zum Literaturcamp Heidelberg! Es war eine großartige Veranstaltung, geprägt von Respekt, Herzlichkeit, Offenheit und echtem Austausch ohne Akquise-Absichten.

 


Kommentare

#litcamp16: das erste Barcamp für Literatur in Heidelberg und meine erste Session — 2 Kommentare

  1. Pingback: Markierungen 06/15/2016 - Snippets

  2. Pingback: Literaturcamp 2016 im Dezernat 16 in Heidelberg – Benjamin Spang

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.