Niemalsland – wiedergelesen, neugelesen, oder was?

Niemalsland ebbokIch beginne, an meinem Lesergedächtnis zu zweifeln*. Hatte ich Niemalsland von Neil Gaiman schon mal gelesen? Oder hatte ich nur so viel über das Buch gelesen, dass ich der Meinung war, es schon zu kennen? Oder hatte ich so viele Bücher von Neil Gaiman und anderen Autoren gelesen, die Ideen und Motive aus Niemalsland aufgreifen, zitieren, klauen oder verfremden, dass mir manche Personen und Schauplätze schon vertraut waren?

Ich weiß es nicht, ich werde es auch nicht mehr klären können.

Es dauerte ein paar Dutzend Seiten, dann war mir diese Frage auch unwichtig. Die Geschichte hatte mich in ihren Bann gezogen und dort blieb ich.

Neil Gaiman ist einfach ein begnadeter Geschichtenerzähler, ein Fabulierer und Weltenerfinder, ein Verknüpfer von dem, was wir kennen, mit dem, was er sich ausdenkt. Das Abenteuer, das ganz Andere, das Große, Wahre und Edle – es ist genau neben uns, zum Greifen nahe.

Das Scheitern allerdings auch. Abenteuer zu erleben, ohne sich mindestens nasse Füße zu holen, ist nicht möglich.

Niemalsland – Unter-London

In Niemalsland ist es der Schlamm der Londoner Kanalisation, der für nasse Füße sorgt, und er ist noch ekliger, als ihr es euch jetzt vorstellt. Dort, in Unter-London, versammeln sich Menschen, Wesen, Mythen und Artefakte, die aus der Zeit, aus unserer Realität gefallen sind.

Sie können uns sehen. Wir können sie höchstens erahnen. Das ist auch gut so, denn ihr Leben würde uns überfordern. Oder zum über-uns-hinaus-wachsen zwingen. Richard, der Held aus Niemalsland, der nie zum Held geboren wurde, kann es euch berichten.

Ich mag die Sorgfalt, mit der Neil Gaiman seinen Helden unter die Erde führt und auch wieder nach oben. Andere Autoren würden mit dem Showdown die Geschichte als erledigt betrachten. Doch auch wenn der Held über sich hinausgewachsen ist geht das Leben weiter. In Niemalsland wird auch das erzählt.

Ich habe Niemalsland in der alten Ausgabe als Heyne Taschenbuch gelesen. Es gibt auch eine Neu-Übersetzung bei Eichborn / Bastei Lübbe – erstmals ungekürzt. Ob diese sich lohnt weiß ich nicht. Nach meinen Erfahrungen mit den Marketing-Sprüchen des Verlags zu „Der Ozean am Ende der Straße“ hege ich meine Zweifel.

Niemalsland von Neil Gaiman HeyneAngaben zum Buch:

Neil Gaiman

Niemalsland

Rezension zur Neuübersetzung bei TOR Online.

Verschiedene Ausgaben bei Heyne Taschenbuch, als Comic und Fernseh-Serie und bei Eichborn.

*Zum Glück habe ich jetzt einen Buch-Blog. Alles, was ich seit Oktober 2012 gelesen habe, wird hier verlässlich mit-protokolliert. Oder hatte ich da letztens nicht schon was vergessen?

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