Tut verlinken eigentlich weh?

In love with a blogger oder die Sache mit dem verlinkenIch verlinke gerne und großzügig. Weil ich nicht möchte, dass das Internet eine einzige große Shopping-Mall ist, verlinke ich nicht nur auf empfehlenswerte Buchhandlungen wie Schmitz Junior und die Schiller Buchhandlung, sondern auch auf die Webseiten von Autoren, Übersetzern und Illustratoren, auf weiterführende Artikel im Internet und auch auf Rezensionen auf anderen Blogs.

An meinen Statistiken sehe ich, dass meine Leser diesen Service gerne nutzen. Logisch: Links machen ja den besonderen Reiz des Internets aus. Von Artikel zu Artikel springen, hier eine Info, dort ein Meinungsschnipsel einsammeln – das ist unterhaltsam, inspirierend und informativ.

Das wüssten die Leser auch auf den Seiten der Verlage, Autoren und Illustratoren zu schätzen, wenn – ja wenn – dort ein Link wäre.

Doch bis auf wenige löbliche Ausnahmen fehlt der meist. Warum eigentlich? Tut verlinken weh?

Verlinken als Dank

Zu jeder Buch-Rezension gehören für mich mindestens zwei Links auf den Verlag; einer auf die Startseite und einer auf die Buch-Detailseite. Egal, ob es sich bei dem besprochenen Buch um ein Rezensionsexemplar oder ein gekauftes Buch handelt: dieser Link ist meine Art, DANKE zu sagen. Danke, dass ihr dieses Buch veröffentlicht habt; danke, dass ihr mein Leserleben bereichert.

Das Verlinken kostet mich Zeit. Ich kann montags anhand der Fehlermeldungen auf meinen Blogs genau sehen, welche Verlagsseiten am Wochenende mal wieder down waren. Das muss ich alles prüfen und manuell auf meiner Seite wieder freischalten. Jeder Relaunch einer Webseite, jede fehlende Weiterleitung löst bei mir eine Fehlermeldung aus. Ich korrigiere penibel jeden dieser fehlerhaften Links.

Verlage profitieren von den Buch-Blogs und von ihren Links. Ein Danke in Form eines Links auf den Blog oder die Rezension wäre eine feine Sache.

Ein Link schenkt Sichtbarkeit

Buch-Blogger können sehr eitel sein. Wenn ein Verlag auf seiner Webseite aus meiner Rezension zitiert, dann ist das für mich immer noch so etwas wie ein Ritterschlag. Ein Lob für meine Arbeit als Blogger, das zugleich auch ein wenig die Sichtbarkeit meines Blogs erhöht. Oder erhöhen würde, wenn das Zitat mit einem Link verbunden wäre.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass ich durch meine Rezension zur Wahrnehmung des Buches beitrage und damit das Marketing des Verlags unterstütze. Bei einem guten Buch tue ich das gerne, deswegen bin ich ja Buch-Blogger. Doch nur wenige Verlage unterstützen die Sichtbarkeit der Blogs mit einer vergleichbaren Geste. Warum eigentlich nicht?

Was spricht eigentlich gegen verlinken?

Da kann ich nur raten und mutmaßen. Vielleicht sind es technische Probleme und auf der Webseite sind einfach keine Links im Textfeld möglich. Vielleicht arbeitet die Abteilung, die die Beleglinks der Blogger bekommt, nicht so ganz harmonisch mit der Abteilung zusammen, die den Online-Auftritt betreut. Vermutlich steht dieses Thema einfach nur sehr weit unten auf der Prioritätenliste, irgendwo weit unter dem Punkt „könnte man auch mal machen“.

Das wäre schade. Nicht nur, weil ein Verlag von einer lebendigen, gut sichtbaren Buch-Blogger-Szene profitiert und weil sich solche Investitionen in das Netzwerk rentieren. Es wäre auch aus Leser-Sicht schade, denn dem Leser werden so Bucheindrücke und andere nützliche Zusatzinfos vorenthalten.

Sollten Netzwerk und Lesernutzen als Argumente noch nicht genügen, gibt es noch ein weiteres: SEO.

Eine Verlinkung zur Rezension auf einem Blog bietet dem Leser einen echten Mehrwert. Google mag genau solche Webseiten, die mehr Informationen anbieten als ein reiner Online-Shop das normalerweise vermag. Gerade in der Buchbranche, in der auf allen Seiten mit den immer gleichen, viel zu kurzen Klappentexte gearbeitet wird, sind Zusatzinfos und Links daher wichtig. Auch die naürlichere Linkstruktur durch ausgehende Links macht sich positiv bemerkbar.

Also liebe Verlage und Autoren, schenkt den Bloggern einen Link – es tut auch nicht weh!

Verlinken, aber wie und wo?

Anhand meiner Blog-Statistiken habe ich einige positive Beispiele zusammengetragen. Dabei fällt auf, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten zu verlinken es gibt. Auf folgende Verlinkungen wurde von den Lesern gerne geklickt:

GeschichtenAgentin:

Direkt beim Buch: Hermann Schmidt Verlag – Schrift wirkt

Lesermeinung bei Blackbox Gardening, Ulmer Verlag

Kaum als Rezensionslink zu erkennen, wird aber trotzdem genutzt: Die Tai-Chi-Methode, Institut für ganzheitliche Gesundheit

Als Pressestimme mit Link: Awake – Trinity Verlag

Buchkind:

Autorin Annette Langen, direkt beim Buch: Osterhase für einen Tag

Nur Link, ohne Zitat: Aracari Verlag, Heute flieg ich

Als Teil der Presseschau auf der Startseite beim Kindermund Verlag

Mo Anders als Beispiel für Self-Publisher – Links auf der Vorstellungsseite.

Wie haltet Ihr das mit den Links? Verlinkt Ihr gerne und großzügig? Und verlinken Verlage und Autoren auch auf Euch? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

 

 

11 Kommentare

  1. Wahre Worte. Vielen Dank dafür. Meine Erfahrung ist, daß zum einen in den Verlagen fürs Verlinken noch kein Bewußtsein gibt, zum anderen vor allem kleinere Verlage beispielsweise der Lychatz Verlag gerne auf Rezensionen verlinken.

    • Den Eindruck, dass kleinere Verlage hier wendiger sind, teile ich. Zumindestens die Kleinverlage, die das Online-Marketing für sich entdeckt haben.

  2. Pingback:Tut verlinken eigentlich weh? - Eine Antwort - Pudelmützes BücherweltenPudelmützes Bücherwelten

  3. Hallo Dagmar!
    Wir waren uns ja schon auf Facebook einig, wie wichtig verlinken ist. Leider lässt das mehr und mehr nach. Als ich 2004 meinen Blog mit den ersten Artikeln bestückte, wurde noch fleißig verlinkt. Immer wieder gab es Trackbacks, die automatisch bei mir eintrudelten. Heute ist das nicht mehr so. Die Leute verlinken nicht mehr. Die Blogger nicht, die Verlage selten, die Autoren kaum. Ich bin Blogger, ich bin Autor und ich habe mehrere weitere Seiten und Blogs, die ich betreue bzw. die mir selbst gehören – ich verlinke immer und kann nicht verstehen, warum das Vernetzen nachgelassen hat. Deinem Artikel kann ich in allem zustimmen.
    Vernetzung ist die Höflichkeit im Netz, leider fehlt es daran.

    Beste Grüße, Nicole

    • Hallo Nicole,
      auch mein Trackback-Eingang ist so ruhig, dass ich letzt geprüft habe, ob er überhaupt funktioniert. Die Technik war unschuldig.

      Du hast völlig recht: ich hätte den Beitrag auch auf die Blogger ausdehnen können, die immer weniger verlinken. Das ist genauso schade und eigentlich auch sehr seltsam, denn die Buch-Blogger sind als Menschen sehr gut miteinander vernetzt. Das bildet sich nur nicht in den Blogbeiträgen ab.

      Doch beim Verlinken geht es für mich um viel mehr als nur um Mehrwert und um Höflichkeit; es geht um die Frage, was für ein Internet wir eigentlich haben wollen. Mit unserem (Link)Verhalten gestalten wir dieses #neuland.

      Liebe Grüße
      Dagmar

  4. Hallo Dagmar!

    Ich musste grinsen, denn auch ich hatte geprüft, ob meine Technik versagt hatte. Alles okay. Ich habe dann sogar selbst Links zwischen meinen Blogs verschickt – klappt alles. Ich glaube, es ist ein bisschen Faulheit, gekoppelt mit Neid, Egoismus und Ignoranz. „Mein Artikel! Äh. Wie ich darauf gekommen bin, wer sich noch darüber Gedanken gemacht hat, das verrate ich nicht.“
    Die Konsequenzen – darüber denken nur wenige nach. So wird das Internet zu einer Ego-Spielwiese, die letzendlich keinem mehr nützen wird.

    Ich hatte im Dezember 2014 dazu auch schon mal etwas gebloggt…. dahinein würde ich jetzt deinen Artikel einpflegen. http://www.nicole-rensmann.de/2014/12/18/kolumne-mein-blog-dein-blog-vom-bloghaus-mit-fenstern/

    Beste Grüße, Nicole

  5. Pingback:Kolumne: Mein Blog. Dein Blog. Vom Bloghaus mit Fenstern. – Nicole RensmannNicole Rensmann

  6. Hey 🙂

    Ich habe auch den Eindruck, dass das Verlinken im Lauf der Zeit weniger geworden ist … Früher war es gang und gäbe, dass Blogs Blogrolls hatten. Heute wissen viele – glaube ich – gar nicht mehr, was das ist. Ob das eine Zeitfrage ist, kann ich nicht beantworten.

    Ich verlinke bei mir, wenn ich das Gefühl habe, dass es hilfreich ist und wenn ich dazu aufgefordert werde (bei Bloggdeinbuch zum Beispiel). Ich bin hier aber auch ein bisschen eigen, weil ich mein Blog nicht unbedingt als gratis Linkschleuder hergeben möchte. Also: Links ja, aber unter Vorbehalt.

    Liebe Grüße
    Ascari

  7. Hallo Ascari!

    Wenn du keine Gratislinkschleuder sein willst, dann fügst du bei deinem Link das „no follow“ mit ein. Dann gibst du zwar dem Kunden die Möglichkeit die Quelle nachzulesen oder eine weitere Info zu finden, doch die Suchmaschinen sehen den Link nicht als Empfehlung und zählen ihn auch nicht.

    Beste Grüße, Nicole

  8. „…Sollten Netzwerk und Lesernutzen als Argumente noch nicht genügen, gibt es noch ein weiteres: SEO…“

    Ich denke, mit diesem Satz hast Du den berühmten Nagel auf den Kopf getroffen. So habe ich an mir selbst beobachtet, dass ich

    a) sehr gerne gute Textbeiträge lese und dann auch bereitwillig den Links folge, um einfach noch weiter zu „stöbern“,
    b) Links nach wie vor für die Suchmaschinenoptimierung wichtig sind.

    Und das „Schindluder“, das Einige in der Vergangenheit bei letzterem getrieben haben („Massenlinks“, „Linkschleudern“ etc.) dürfte dazu beigetragen haben, dass etliche Anbieter eben vorsichtiger geworden sind und bspw. Verlinkungen gar nicht mehr anbieten (trotz „no follow“-Option).

    Fazit: Ich denke, es ist wie im wahren Leben. Wer mit Augenmaß agiert, Links setzt (und Verlinkungen anbietet) kann einen echten Mehrwert für seine Leser bieten.

    Liebe Grüße,
    Alexander

    • Von Massenlinks zu No-Links-at-all. Ich hoffe, dass sich alles wieder einpendelt, denn ohne Links macht das Internet einfach keinen Spaß.

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