Wie leben? Wie wohnen? Wie arbeiten? Zukunftsbilder im Hack Museum

Hack Museum

Wie leben? Ausstellung im Hack Museum Ludwigshafen

Im Hack Museum war ich nun schon lange nicht mehr, was nicht daran liegt, dass es für eine Mannheimerin wie mich auf der falschen Rheinseite liegt. Ehrlich! Für eine gute Ausstellung fahre ich sogar nach Ludwigshafen.

Allein, es gab schon lange keine Ausstellung mehr, die mich gelockt hätte. Aber jetzt:

Wie leben?
Zukunftsbilder von Malewitsch bis Fujimoto

Wie wollen wir leben? Wie wollen wir wohnen? Wie wollen wir arbeiten? Welche Gedanken haben sich Künstler dazu gemacht?

Das ist ein Ausstellungsthema, das perfekt zu Ludwigshafen passt.

Diese Stadt leidet noch heute unter den Folgen städtebaulicher Visionen vergangener Zeiten: marode Hochstraßen, verödete Fußgängerzonen und einem Bahnhof, bei dem das Umsteigen vom Regional- in den Fernverkehr zum Wanderevent mutiert. (Immerhin wurde in Ludwigshafen 1902 der Pfälzerwald-Verein gegründet.)

Was noch möglich gewesen wäre

Mit etwas mehr Mut oder einem größeren Budget oder mit etwas weniger Sponsoring durch die BASF hätte man genau das zum wichtigen Neben-Thema der Ausstellung machen können. So kommen die lokalen Besonderheiten nur am Rande vor. Die Siedlung am Ebert Park wird erwähnt, die BASF-Fotografien von Robert Häusser begrüßen den Besucher gleich am Eingang neben den Berufsbildern von August Sander – das ist schön und verankert die Ausstellung in der Region. Aber hier wäre noch mehr möglich gewesen.

Macht aber nichts: diese Ausstellung rockt!

Macht aber nichts, denn es bleiben auch so noch mehr als genug Themen übrig. Und yeah: diese Ausstellung rockt, denn sie springt kreuz und quer von der Malerei zum Design zur Architektur zum Film zur Forschung und zur Industrie (erwähnte ich schon, das BASF gesponsored hat?) Ein bisschen Skulptur hat auch noch hineingepasst. Perfekt, denn wenn sich die Ausstellung der kompletten Bandbreite menschlichen Lebens widmet – wohnen, leben, arbeiten – muss auch die komplette Bandbreite der Kunst in der Ausstellung vorkommen.

An manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Erläuterungen gewünscht. Warum wurden auf einmal variable, offene Grundrisse in der Architektur wichtig? Welches Menschenbild und welche Wünsche an die Zukunft steckten dahinter? Dieses Auslassen von Zusammenhängen führte bei meinem Museumsbesuch jedoch zu einer höchst interessanten Tonspur: Museumsbesucher, die ihren Begleitern das erklärten, was die Informationstafeln verschwiegen.

Das Hack Museum wird für mich immer das Museum bleiben, in dem ich Malewitsch für mich entdeckte. Um so mehr hat es mich gefreut, dass ihm und seinen Architektona ein Abschnitt der Ausstellung gewidmet ist.

Doch wie es sich in einer guten Ausstellung gehört kam das Highlight für mich unerwartet: Fantasy Landscape von Verner Panton; eine begehbare Raumskulptur aus Textil. Zieht die Schuhe aus, geht rein, lümmelt darin rum und entspannt, chilled, relaxed: es wirkt!!!

Wie leben? Zukunftsbilder von Malewitsch bis Fujimoto ist für mich eine rundum gelungene Ausstellung und ich freue mich, dass das Hack Museum wieder da ist – alive and kicking.

Quellen des Lebens – die zweite Ausstellung

Weniger erschlossen hat sich mir die parallel laufende Ausstellung „Quellen des Lebens.
Vom Ursprünglichen in der Kunst des Expressionismus bis zur Nachkriegszeit“ die Bestände aus der Sammlung zeigt und diese mit Fundstücken aus der Steinzeit kombiniert. Der Dialog, der durch thematische Oberbegriffe wie Kindheit und Natur entstehen soll, funkioniert bei mir nicht.

Trotzdem war es schön, mal wieder die Bilder von August Macke, Ferdinand Leger, Max Ernst und Miro zu sehen. Alte Bekannte, denen ich lange nicht mehr begegnet war, und die mich immer noch genau so begeistern wie damals vor dem Umbau des Museums.

10€ Eintritt kostet die Ausstellung. Das ist nicht wenig. Es gab mal eine Zeit, da war das Hack Museum ein günstiges Museum mit dem klaren Auftrag, in der Arbeiterstadt Ludwigshafen für Bildung zu sorgen. Das ist lange her. Das Folkwang Museum in Essen, das einen ähnlichen Hintergrund hat, ist jetzt zu diesem ursprünglichen Bildungsauftrag zurückgekehrt. Dort ist der Eintritt wieder frei.

Infos zur Ausstellung im Hack Museum Ludwigshafen:

Wie leben?
Zukunftsbilder von Malewitsch bis Fujimoto

Geplant bis 28. Februar 2016

Alle Infos hier auf der Webseite des Hack Museums Ludwigshafen

 

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