Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst - ZitatNatürlich ist mein Leserinnen-Herz für schön gestaltete Bücher besonders empfänglich. Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst hat ein wunderbar griffiges Papier mit einer leichten Struktur, ein sehr stimmiges Cover, Illustrationen, die wie ein Begleit-Akkord dem Text eine weitere Stimme hinzufügen und ein Layout, das den Inhalt unterstützt.

Mein Leserinnen-Kopf hingegen sucht Inspiration und Ideen. Beide zusammen freuen sich über eine gute Geschichte und eine klug gewählte Sprache.

Mit Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst sind beide glücklich – Kopf und Herz.

Wenn Du einen Zen-Mönch um Rat fragst

Wenn Du einen Zen-Mönch um Rat fragst, kann es sein, dass Dich die Antwort eine Weile beschäftigen wird. Gelassenheit und Weisheit gibt es immer noch nicht als Zaubertrank mit sofortiger Wirkung.

Als Leser sollte man daher Zeit für dieses Buch einplanen, das einen schon durch seinen Aufbau entschleunigt. Jedes Kapitel widmet sich einem großem Lebensthema wie Innehalten, Leidenschaft, Beziehungen, Zukunft und Spiritualität und wird mit einer persönlichen Geschichten eingeleitet. Dann folgen mehreren Seiten mit Sinnsprüchen und Weisheiten. Als Abschluss bietet der Zen-Mönch Haemnin Sunim noch konkreten Rat an.

Dann legt man Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst am besten erst einmal zur Seite und lässt den Text sacken. Wer durch das Buch durch hetzt bringt sich selbst um viel Genuss. Innehalten ist nicht nur Thema des Buches, sondern auch sein Prinzip.

Es gibt viel mehr gewöhnliche Stunden im Leben als außergewöhnliche. Wir stehen im Supermarkt in der Schlange. Wir verbringen Stunden mit der Fahrt zur Arbeit und zurück. Wir gießen die Blumen und füttern unsere Haustiere. Glück bedeutet, in diesen gewöhnlichen Stunden einen Moment der Freude zu finden.

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst – S. 182

Humor, Weisheit und Bescheidenheit

Haemin Sunim ist ein leiser, bescheidener Erzähler. Sein ausgeprägter Humor ist sanft, eher ein Schmunzeln. Er lacht mit den Menschen, nicht über sie. Seine Geschichten und Beobachtungen erzählt er in einem Tonfall, der Ruhe ausstrahlt. Schon allein dadurch gelingt es dem Leser, sich auf das Innehalten einzulassen.

Zudem berichtet der Autor sehr ehrlich aus seinem Leben, auch über Dinge und Ereignisse, die ihm heute eher peinlich sind. Doch alles, was geschah, war eine Möglichkeit zu lernen, und machte ihn zu dem, was er heute ist. Wenn er es gelernt hat, kann es jeder lernen.

Seine stille, bescheidene Art zu erzählen und der kluge Aufbau des Buches, das im klaren Rhythmus zwischen Anekdoten, fast poetischen Weisheiten und konkreten Ratschlägen wechselt, hat mich begeistert.

Was für ein Unterschied zu der Sammlung buddhistischer Weisheitsgeschichten „Die Kuh, die weinte“, die mir mit der Selbstdarstellungs-Show des Autors so gewaltig auf die Nerven ging – hier meine Rezension!

Auf das Innehalten folgt der Aufbruch

Ein solcher Grenzgänger zwischen den Welten wie Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst, der persönliche Anekdoten mit universeller Weisheit und den Buddhismus mit dem modernen Alltag verbindet, braucht besondere Illustrationen.

Youngcheol Lee fügt der humorvollen und bescheidenen Erzählstimme des Autors Haemin Sunim und dem klugen Aufbau des Buches eine weitere Ebene hinzu. Seine Bilder führen den Menschen aus der Stille wieder hinaus in die Weite. Auf das Innehalten in der Lektüre folgt der Aufbruch, voller Vertrauen in die Menschen, das Leben und die Welt.

Hamein Sunim - Buch-Cover Die schönen Dinge siehst Du nur wenn du langsam gehstWeitere Infos zum Buch:

Haemin Sunim

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Ins Deutsche übertragen von Claudia Seele-Nyima
Illustrationen von Youngcheol Lee

Scorpio Verlag
ISBN 978-3-95803-134-0

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