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Frankreich verstehen mit Baguette, Merguez und French Tacos: Nadia Pantel – Das Camembert-Diagramm

Buch von Nadia Pantel: Das Camembert-Diagramm. Ein etwas anderes Frankreich-Porträt

Wenn ich an Frankreich denke, denke ich an Essen und Trinken. Nadia Pantel würde das verstehen. In ihrem Buch „Das Camembert-Diagramm“ nähert sie sich den aktuellen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen unseres Nachbarlandes auf ihre ganz eigene Art: über Austern, Baguette, Couscous, French Tacos und Merguez. Das mag wie ein Umweg klingen. Doch bei einem Land wie Frankreich ergeben sich so schnell Erklärungen, die sehr gut funktionieren. Das beginnt mit dem traditionellen Baguette, das schon immer ein hochpolitisches Produkt ist. Seine Entstehung hängt mit der Französischen Revolution zusammen. Per Dekret vom 15. November 1793 mussten alle Bäcker nur noch eine einzige Brotsorte backen, das sogenannte „Pain Égalité“ (Gleichheitsbrot), das eine vorgegebene Menge hochwertiges Mehl enthielt. Kein feines Weißbrot mehr für die Reichen und Kleiebrot für die Armen: Reichtum und Armut sollten aus der Ernährung verschwinden. Laut Nadia Pantel wurde das Baguette später UNESCO Weltkulturerbe, „weil es das französische Talent symbolisiert, mithilfe eines Nahrungsmittels die ganz…

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Ein Buch, das gegen Provence-Weh und Frankreich-Vermissung hilft

In einem Jahr, in dem das Nachbarland Frankreich unerreichbar schien, habe ich mich mit dieser Anthologie getröstet: Provence fürs Handgepäck. Es hat gewirkt! Nicht nur, dass dieses Buch mein Fernweh gemildert hat – ich bin dadurch auch mal wieder durch Genre und Epochen gestreunt, die sonst nicht den Weg auf meinen Lesestapel finden. Klassiker wie Stendhal und Daudet, Plauder-VIPs wie Günter Sachs und natürlich Peter Mayle, dessen Bücher ich immer nur erfolgreich in der Buchhandlung verkauft, aber nie gelesen habe. Nur den Handke, den hätte es für mich nicht gebraucht. Diese mutwillige Unrhythmik, dieses reingrätschen in Satzstrukturen. Nur, weil er es kann und die Leserin seinem Genie zu folgen hat. Brauche ich nicht. Gestört hat es mich aber nicht, denn es war genug Schönes da. Lavendeliges und Honigsüßes genau wie Herbes und vom Mistral Vorangetriebenes. Landleben und mondäne Strandpromenaden, Berge und Meer. Jede Facette kann für sich alleine stehen und alle zusammen haben sich für…

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Charme, Erotik, Provokation: ein Blick auf Bücher aus Frankreich

Zitronentörtchen aus Frankreich

Alle lasen Bukowski, also las ich Anais Nin, damals im Gymnasium. Verstanden habe ich sie erst mal nicht. Dazu fehlte mir noch vielerlei Erfahrung. Aber das störte mich nicht: Die Faszination war groß und das genügte mir vollkommen. Aber hoppla,  was sucht Anis Nin in diesem  Beitrag? Nun, dass ihre Bücher zwar in Paris entstanden sind und wohl auch nur dort entstehen konnten, sie aber gar keine Französin ist, fiel mir erst später auf. Dieser erste Kontakt mit französischer Literatur oder mit dem, was ich für französische Literatur hielt, enthielt also schon alles, was mich in meinem weiteren Leserinnen-Leben begleiten würde. Frankreich, das war Lust, Charme, Erotik, Grenzgänger, freieres Denken, Kunst, eigensinnige Frauen. Zudem zeigt dieser Erstkontakt auch, dass immer mein Bild von Frankreich meinen Blick auf die Bücher überlagert hat. So war Literatur aus Frankreich vor allen Dingen immer eines: das, was deutsche oder angelsächsische Literatur nicht hatte. Zur französischen Literatur griff ich stets…

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Anselm Kiefer ganz nah: Museum Haus Kiefer in Rastatt-Ottersdorf

Anselm Kiefer hat das Haus, in dem er aufgewachsen ist, zum Museum gemacht und ich war dort. Dieser Satz klingt harmlos. Aber so ist es nicht. Das Erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an Kunst von Anselm Kiefer denke, ist Monumentalität. Überwältigung. Vielschichtigkeit. Die komplette Menschheitsgeschichte – Götter, Mythen, Lyrik, Weltkriege und gescheiterte Entnazifizierung – zu Kunst verdichtet. Große Menschheitsthemen. Doch sein Elternhaus, das jetzt zum Museum wurde, ist klein. Stimmt das? Im kleinen Rastatt-Ottersdorf ist es eines der größeren Häuser. Früher war es eine Schule, dann Wohnungen für Lehrer. Kann dieser Ort die Bilder von Anselm Kiefer überhaupt aufnehmen? Ja, er kann – und genau das ermöglichte mir einen ganz neuen Zugang zum Werk Anselm Kiefers. Ein Ort ohne Eile, an dem das Sonnenlicht über alte Dielen wandert Rastatt-Ottersdorf ist beschaulich. Das Museum für den großen Künstler ist schon da, die Hinweisschilder werden irgendwann folgen. Gemach, die Landschaften der Rheinauen sind…

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Mit Fantasy-Büchern durch die Blog-Flaute

Mit diesen Fantasy-Büchern durch die Lese- und Blog-Flaute

Manchmal verläuft lesen und bloggen asymmetrisch. Im Frühjahr hatte ich eine Blog-Flaute und habe kaum noch Beiträge veröffentlicht. Erst die Ermahnung der Leipziger Buchmesse hat mich wieder ins Tun gebracht: Leider erfüllt ihr Blog derzeit nicht unsere Kriterien für die Presse-Akkreditierung. Aber sie können das ändern! Liebe Messe, danke für den Tritt in den Allerwertesten! Ihr habt mir damit etwas Gutes getan. Denn bloggen ist mein Stricken, ein Hobby, das mich entspannt. Wenn ich schreibe, bin ich ausgeglichener. Es hilft mir, mich und meine Gedanken zu sortieren. Ich bin seitdem wieder »back on the blog«. Allerdings haben sich in der Zwischenzeit 31 Bücher angesammelt, über die ich noch nicht geschrieben habe. Zum Teil liegt die Lektüre mittlerweile so lange zurück, dass ich sie fast noch einmal lesen müsste, um eine ausführliche Rezension zu schreiben. Deswegen folgen jetzt Notizen zu vier Fantasy-Büchern, die ich während meiner Blog-Flaute gelesen habe! Dreizehnfurcht von Wieland Freund Dieses Buch hat…

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Voyage, Voyage. Eine Reise durch die französische Popmusik

Voyage, Voyage! Mein nicht repräsentativer Test im Freundeskreis hat ergeben, dass wirklich jede*r bei Erwähnung des Songs von Desireless sofort einen Ohrwurm hat. Kein Wunder: 1986 kam niemand an diesem Lied vorbei. Im Sommer 1987 lief es immer noch. Es gibt noch ein paar französische Sommerhits, die nach Deutschland schwappten. »Ella, elle l’a« von France Gall, »Etienne« von Guesch Patti oder »Joe le taxi« von Vanessa Paradis hatten jedoch alles eines gemeinsam: Sie hatten Charme, klangen erfrischend ungewohnt, trieben uns aber eher von der Tanzfläche. Eine ganz andere Wirkung auf uns hatten Bands wie Les Rita Mitsouko oder Les Negresses Vertes, die zuverlässig auf unseren Mixtapes waren und uns auf der Fahrt in den Südfrankreich-Urlaub begleiteten. Bis heute gehört diese Urlaubsstimmung für mich zum Zauber französischer Popmusik. Trotzdem hätte ich nie behauptet, dass ich einen Überblick über Rock und Pop aus Frankreich hätte. Ich hätte auch gar nicht gewusst, wie ich den bekommen könnte. Wo…

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Hôtel Provençal. Eine Geschichte der Côte d’Azur

Es war einmal ein prunkvolles Hotel, das über Juan-les-Pins thronte, einem kleinen Ort an der Côte d’Azur, der damals noch kein Seebad und auch kein touristisches Zentrum war. „Hôtel Provençal“ erzählt nicht nur seine Geschichte von der Gründung bis zum Zerfall. Mit seinem facettenreichen Buch schildert Lutz Hachmeister auch, wie die Côte d‘Azur zu dem wurde, was sie heute ist. Doch vor allem berichtet er von den Sehnsüchten und Träumen der Menschen, die es an die Mittelmeerküste zog. Mal ging es darum, freier und selbstbestimmter zu leben. Manchmal auch nur darum, günstiger zu leben, als das zum Beispiel in den USA möglich war. Mal lockten das Licht und das gute Wetter, mal die Freunde, die schon längst dort waren und von der Gegend schwärmten. Dann verflog die Leichtigkeit und es galt, durch Flucht in den Süden das Überleben zu sichern. Nach dem Krieg gab es einen Bau-Boom, an dem die Mafia mitverdiente. Denn immer präsent…

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Niemals – Graphic Novel von Bruno Duhamel

Niemals könnte ich einen Comic nicht lieben, in dessen Mittelpunkt eine Heldin wie Madeleine steht. Eine blinde, alte Dame, die ein absolut eigenständiges Leben führt und mit einem hinterfotzigen Humor gesegnet ist. Nur der Neue im Dorf, ein schwarzer Feuerwehrhauptmann, ist ihr gewachsen. „Wenn sie jetzt nicht mit mir reden und mich aus dem Haus werfen, sage ich allen, dass das daran liegt, dass ich schwarz bin. Egal ob sie blind sind.“ Ihm erzählt sie, warum sie ihr Haus auf den Klippen der Steilküste nicht verlassen möchte – obwohl sie weiß, dass es bei einem der nächsten Stürme abstürzen wird. Denn während die Dorfbewohner sie für eine sture alte Frau halten, die die Gefahr nicht sieht, weiß Madeleine sehr wohl, was sie tut: auf den Tod warten. Derweil erlaubt sie sich Späße mit der Begriffsstutzigkeit der Dorfbewohner und treibt den Bürgermeister, der sie ins Altersheim verfrachten will, in den Wahnsinn. Doch vor allem lässt sie…

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Zarter Schmelz – Ralf Königs Hommage an Lucky Luke

Du weißt, du bist in Frankreich, wenn eine Stadt in der Provinz mehr Comic-Läden hat als die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar. Gerade im letzten Herbst in Arles erlebt. Und du weißt, dass ein deutscher Comiczeichner etwas ganz, ganz Besonderes ist, wenn sein neues Werk im Stapel in der FNAC ausliegt, direkt neben Isnogud. Und der absolute Ritterschlag ist es wohl, wenn ein deutscher Zeichner eine Folge eines Comic-Klassikers übertragen bekommt – so wie Flix mit Spirou in Berlin und Ralf König mit seiner Hommage Lucky Luke – Zarter Schmelz. Vielleicht war das der Moment, in dem ich begriff, dass Ralf König mehr ist als der Comic-Künstler, mit dem ich wie so viele in meiner Generation lernte, Schwule zu verstehen. Und auch mehr als „der wohl berühmteste Schwulencomiczeichner der Welt“, wie ihn die SZ titulierte. Sie wurden mit seinem Comic nicht recht warm (ja, ich zahl schon in die Schlechte-Wortwitz-Kasse ein). Ich hingegen habe einen vergnüglichen Abend…

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Der Sommer der Wildschweine – und der Gedanken

Wann soll man seinen Gedanken freien Lauf lassen, wenn nicht im Urlaub? Genau das macht Leo. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit ist sie mit ihren Mann in Urlaub gefahren. In den Süden Frankreichs, ins Languedoc. Wohin auch sonst, wenn es sich um einen Roman von Birgit Vanderbeke handelt. Die ersten Tage sind noch nah am Alltagsleben von Solo-Selbstständigen, denen immer die Angst vor der nächsten Wirtschaftskrise im Nacken sitzt. Sie arbeiten, halten online Kontakt mit Auftraggebern und Kunden, mit ihren erwachsenen Kindern und dem Weltgeschehen. Dann kommt ein Sommergewitter. Straße, Wasser, Strom und Internet – alles weg für drei Tage. Währenddessen streifen Lous Gedanken durch das Leben und die Welt. Stricken und Umweltkrise, Familiengründung und Weltwirtschaft, Keyword-Texte und Gespräche mit lieben Menschen: Was wie eine wirre Aneinanderreihung einer Frau, die sehr viel Zeit online verbringt, wirkt, hat System. Denn alles ist mit allem verbunden und selbst so etwas privates wie die Wahl des…

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Der Deutsche Sprachverein und sein Kampf gegen Fremdwörter

Das Buch beginnt grandios mit der Lebensgeschichte des Generalpostmeisters Heinrich Stephan (1831 bis 1897). Seine Mission war es, eine einheitliche und verständliche Terminologie für das frisch vereinte deutsche Postwesen zu schaffen. Einschreiben statt rekommandiert oder Umschlag statt Couvert sind nur zwei Beispiele dafür. Auch bei der Bahn gab es viel zu tun: Aus dem französischen Billet wurde damals eine deutsche Fahrkarte. Womit auch die Hauptschlagrichtung der Sprachpfleger klar wird: Es galt, französische Begriffe zu vermeiden. Was mehr mit der Haltung gegenüber dem „Erzfeind Frankreich“ als mit der tatsächlichen Verständlichkeit zu tun hatte. Denn „Dame“ war auch damals kein unübliches Wort, wurde aber trotzdem vom „Allgemeinen Deutschen Sprachverein“ bekämpft. Sendungsbewusstsein und Nationalismus: der „Allgemeine Deutsche Sprachverein“ Der Sprachverein war ein Männerbündnis, getragen von Beamten, Lehrern, Dozenten. Bildungsbürger, deren Horizont von Goethe und den alten Griechen bestimmt wurde. Männer, die an das „genuin deutsche Denken und Fühlen“ glaubten. Undiplomatischer ausgedrückt: Patriarchen, Chauvinisten, Nationalisten und Rassisten. Ein ähnlicher…

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Mit Ilija Trojanow auf Reisen – egal wohin

Was bringt mir das Reisen in Gedanken und auf den Buchseiten? Mir jede Menge. Ich war ein wenig skeptisch, ob mir Aufenthalte in fremden Ländern via Buch zu Pandemie-Zeiten gut tun. Der Frühjahrsurlaub fiel für mich aus, die nahe Grenze zu Frankreich ist noch immer geschlossen. Erinnern mich Berichte von fremden Ländern dann nicht zu sehr an das, was fehlt? An das Nicht-reisen-können, an das zuhause-bleiben-sollen? Macht ein Buch, das von der Lust am Reisen handelt, nicht depressiv in diesen seltsamen Tagen? Mitnichten. Im Gegenteil. Es tut mir gut. Zum Glück ist mein Gemüt in der Lage, auch in diesen Tagen Bücher als ganz eigene Welt zu betrachten. Losgelöst von allem, was an Alltag erinnert. Oder an Realität. Bücher sind Fluchtlektüre. Schon immer gewesen. Und wenn alles gut läuft – so wie bei diesen Reisereportagen und Miniaturen, kehre ich bereichert und gestärkt zurück. Mit Ilija Trojanow durch die Welt zu bummeln macht mir immer Spaß.…

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