Nehmt den ganzen Menschen wahr: »Empathische Führung« von Lunia Hara

Dass ich noch einmal einen Management-Ratgeber lese, war so nicht geplant. Meine Karriereplanung ist genauso abgeschlossen wie meine Familienplanung. Es waren die Begriffe »empathisch« und »Mitgefühl« die mich bei Lunia Haras Buch elektrisierten. Sollte es jetzt wirklich in den Führungsetagen angekommen sein, dass da nicht eine Ressource am Schreibtisch sitzt – sondern ein Mensch, mit allem, was zum Menschsein gehört? Die Antwort ist ein Jein. Ja, es gibt mittlerweile mehr Führungskräfte wie Lunia Hara, die immer den ganzen Menschen mitdenken. Aber wenn ich lese, wie viele Seiten sie dafür verwendet, zu beweisen, dass alle von einem dem Menschen zugewandten Führungsstil profitieren – auch die Bilanzen, der ROI und die Manager*innen selbst – dann weiß ich: Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Das Seelenleben bleibt nicht zuhause – Gedanken zu Lunia Haras »Empathische Führung« Wie begann das eigentlich bei mir? Warum interessiere ich mich für Mitgefühl und Empathie in…

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Anleitung zum Unkreativsein

Kreativität im Keim zu ersticken und Veränderungen ins Leere laufen zu lassen ist einfach. Entscheidungsprozesse aufbauschen, Kompetenzen anzweifeln und im richtigen Moment Killerphrasen verwenden – schon verdorrt der kleine Keimling, der eine große, gute Idee werden möchte, noch bevor er das Sonnenlichts des Erfolgs erblicken konnte. Wer kreative Arbeit wertschätzt, sollte die Techniken des Unkreativseins genauso verstehen wie das Handwerkszeug der Kreativen. Daher ist der Ratgeber von Dirk von Gehlen gar nicht so ironisch, wie er den Anschein weckt. Zu Beginn jedes Kapitels erklärt der Autor er erst einmal, wie sich gute Ideen in dieser Phase verhindern lassen. Damit wendet er eine sehr wirksame Kreativitätstechnik an, die er im Buch auch immer wieder aufgreift: den Perspektivwechsel. Überhaupt ist seine Herangehensweise sehr praxisnah. So, wie er es beschreibt, lässt sich arbeiten. Egal, ob es dabei um Produkte, Workflows, Visuals oder Texte geht. Im Team, in Organisationen, in Firmen. Der Weg von…

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Workbook gegen Kopfchaos: Blick in den Maschinenraum eines neurodivergenten Gehirns

Den Ratgeber „Dein Workbook gegen Kopfchaos. Strategien und Methoden für neurodivergente Menschen“ wollte ich aus zwei Gründen lesen. Einmal, weil ich mir sicher war, dass auch ich darin gute Tipps und Tricks finden werde, wie ich mit den Herausforderungen des Alltags besser klar komme. Spoiler: Das war so. Der zweite Grund war, dass ich in den letzten Jahrzehnten ein paar Mal mit Menschen zusammen gearbeitet habe, von denen ich im Nachhinein vermute, dass sie im neurodivergenten Spektrum unterwegs waren. Damals kannte ich weder den Begriff noch das Konzept dahinter. Wäre die Zusammenarbeit besser gewesen, wenn ich Wissen über Neurodivergenz gehabt hätte? Bestimmt. Hätten wir besser miteinander gearbeitet, wenn ich die Strategien gegen Kopfchaos gekannt hätte? Spoiler: eher nicht. Denn das ist nicht das Ziel des Ratgebers. Dieses Workbook wurde vor allem für neurodivergente Menschen geschrieben. Es setzt sehr konsequent bei den Betroffenen und ihrer Verantwortung für sich selbst an. Selbstermächtigung…

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Meine innere WG und Ich: IFS – Internal Family Systems

Jedes Mal, wenn ich bloggen möchte, bekomme ich Gesellschaft. „Sport wäre besser“ höre ich dann. Oder „So irrelevant wie Briefmarken sammeln“. Ganz selten auch ein giftiges Zischen „Bilde dir bloß nix auf das Geschreibsel ein.“ Doch je länger ich dann schreibe, umso leiser werden diese Stimmen. Bis ich den Punkt erreiche, an dem es in mir ganz ruhig wird und ich eine wohltuende Weite bei gleichzeitigem Fokus empfinde. Vielleicht ist das Flow. Auf jeden Fall ist das der Grund, warum ich sage: andere stricken, ich blogge. Heike Mayer kennt sich mit solchen Stimmen bestens aus. Deswegen hat sie den Ratgeber „Ich steh mir selbst nicht mehr im Weg. Innere Persönlichkeitsanteile erkennen, verstehen und heilen“ geschrieben. Ihr Buch ist eine Einführung in die Welt des Internal Family Systems (IFS), einer innovativen Therapiemethode, die von Richard Schwartz entwickelt wurde. Ich hatte noch nie davon gehört, aber das ist für die Lektüre auch…

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Bye-Bye Blähbauch

„Ich habe gepupst“ ist ein Satz, der nur dann Charme und Witz hat, wenn er von einem 5-jährigen Kind aus dem Off in eine Videokonferenz hinein gekräht wird. In allen anderen Situationen des Erwachsenenlebens sorgt er für weniger Erheiterung. Doch was tun, wenn Blähungen der tägliche Begleiter sind – sogar dann, wenn es am Tag vorher keine Käsespätzle mit einer extra Portion Zwiebeln gab? Zuallererst den kurzen Selbsttest aus „Bye-Bye Blähbauch“ machen. Anhand weniger Fragen wird hier eingekreist, wo die Blähungen überhaupt sitzen – Oberbauch oder Unterbauch – und was die mögliche Ursache sein könnte. Denn nicht immer sind die Zwiebeln schuld. Gründe für einen aufgeblähten Bauch gibt es viele. Kohlenhydrate-Unverträglichkeit oder Luft schlucken, Verstopfung oder saurer Magen, SIBO oder eine Störung des Zusammenspiels zwischen Zwerchfell und Bauch: Jede Ursache will anders behandelt werden. Gutgemeinte Tipps wie „Iss täglich einen Apfel und eine Scheibe Vollkornbrot“ oder „Nimm Probiotika!“ können helfen…

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Das Buch über das Älterwerden

Keine Lektüre hat mich in diesem Jahr so berührt wie Lucy Pollocks Sachbuch über das Älterwerden. Gerade weil es mir im positiven Sinne so nahe ginge, fühlte ich mich lange Zeit nicht in der Lage, darüber zu bloggen. Jetzt will ich es versuchen, denn es ist ein Buch, dem ich so viele Leserinnen und Leser wünsche, wie nur möglich. Dr. Lucy Pollock ist Fachärztin für Geriatrie. Kenntnisreich vermittelt sie den neuesten Stand der Forschung. Dabei verliert sie nie den Kontakt zum ganz normalen Alltag der Senior:innen und den Sorgen der Angehörigen. Doch das ist es nicht, weswegen mich ihr Buch so begeistert. Auch nicht die Tatsache, dass sie begnadet gut und abwechslungsreich erzählt. Was das Buch auszeichnet, ist die Haltung der Autorin zu ihrem Thema. Lucy Pollock ist jemand, der die alten Menschen ins Herz geschlossen hat und sie so annimmt, wie sie sind. Gebrechlich und willensstark, schusselig und voller…

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Zeitmanagement weiter denken: Intervalle statt Büro-Arbeitszeiten

Vom klassischen Zeitmanagement zu einem Buch mit dem Untertitel „Arbeitest du noch oder lebst du schon?“: Es wirkt wie ein weiter Weg, den Lothar Seiwert mit seinen Ratgebern zurückgelegt hat. Mit seinen ersten Büchern habe ich gelernt, einen Filofax-Kalender zu führen (und ihn jedes Jahr aufs neue Ungefähr ab April ignoriert.) Mit „Noch mehr Zeit für das Wesentliche. Zeitmanagement neu entdecken.“ näherte er sich schon mehr meiner Art zu denken und zu leben an. Hier schwang die Frage mit, was im Leben mir wie viel Zeit wert ist. Wer planen will, sollte nicht nur seine To-dos, sondern auch seine Werte kennen, um so besser entscheiden zu können, wie viel Zeit er für was aufwenden will. Jetzt geht Seiwert zusammen mit Silvia Sperling noch einen Schritt weiter. Es geht nicht nur darum, wie viel Zeit ich in ein Projekt investieren will, sondern auch wann. Leistungsintervalle – wann mache ich was am…

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Rassismus verlernen. Eine Anleitung.

Womit soll ich bei diesem Buch anfangen? Vielleicht mit jenen 30 Sekunden auf dem Fahrrad. Ich war 10 Jahre alt. Ein Kopftuch war für mich ein normales Kleidungsstück. Meine Mutter trug es beim Wandern, meine Oma bei der Hausarbeit und ich, wenn ich Ohrenschmerzen hatte. So wie an jenem Tag, als ein Junge aus meinem Vorort mir „Scheiß Türkin“ hinterher brüllte. Lange Jahre habe ich die Geschichte so erzählt, dass ich an dem Tag erlebt und gelernt habe, was Rassismus bedeutet. Das würde ich heute nicht mehr sagen. Der Schreck mag groß gewesen sein, doch die Gefahr war für mich nach 30 Sekunden vorbei. Menschen, die wirklich von Rassismus bedroht sind, können die Situation im Gegensatz zu mir nicht verlassen. Die Gefahr begleitet sie überall hin. Es sind solche Unterschiede, die uns die Autorinnen des Ratgebers „Dear Discrimination – Ein Mitmachbuch zur antirassistischen Weiterbildung“ nahe bringen wollen. Das tun sie…

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Ein gut getarntes Lehrbuch der Hauswirtschaft – lässig und nützlich

Dieses Buch teilt das Schicksal vieler Ratgeber: Es wird häufiger gelesen als darüber gesprochen und geschrieben wird. Ob Fußpilz, Haushaltsführung oder versterbende Zimmerpflanzen: Einen Ratgeber liest man, weil man ein Defizit verspürt. Wenn es sich dabei um ein schickes Thema wie Female Empowerment oder Anti-Rassismus handelt, zeigt man noch gerne: Ich empfinde einen Mangel und ich möchte ihn beheben. Doch wer mag schon Nachholbedarf bei grundlegenden Hauswirtschafts-Themen wie Putzen oder Wäsche waschen zugeben? Ich bin jetzt über 50 und gestehe, dass es immer noch genug Arbeiten im Haushalt gibt, die ich schneller, besser oder einfach nur geschickter erledigen könnte. Dazu kam, dass ich während der Corona-Krise mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbrachte und mir Stellen auffielen, die ich sonst übersehen habe. Spinnweben im Treppenhaus, ehemals weiße Fugen in der Dusche und Konserven, die ich einem Museum spenden könnte – in der Phase habe ich sie alle gefunden. „Und…

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So klappt’s mit dem Welt retten: enkeltauglich leben

Ratgeber enkeltauglich leben

Enkeltauglich leben – das war die Formulierung in der Klima-Debatte, bei der ich Hoffnung schöpfte. Mit diesem emotionalen und nach vorne gewandten Begriff muss doch jeder verstehen, worum es geht! Ganz so kam es dann doch nicht. Aber „enkeltauglich Leben“ ist immer noch ein Begriff, der Menschen in ihren Bemühungen vereint. Gleichzeitig ist „Enkeltauglich Leben“ eine Initiative, die im Graswurzel-Stil versucht, die Welt zu retten. Jede kleine Aktion hilft – und dieses Handbuch zur Initiative ist voll von kleinen Aktionen, die sich leicht umsetzen lassen! Das ist die Stärke des Büchlein „So klappt’s mit dem Welt-Retten“ von Antje Haider-Waller und ihrer Tochter Mona Haider: Es ist eine kompakte Zusammenfassung von Lebensstil-Veränderungen, die dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Dabei geht es eben nicht nur um die Natur und das Klima, sondern eben auch um den Menschen und seine Enkel, die ein Teil von allem sind. Das…

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Ziele setzen. Das Werkzeug ist da, aber …

Vielleicht wäre manches in meinem Leben anders gelaufen, wenn mein jüngeres Ich schon ein solches Buch und die zugrunde liegende Methodik gekannt hätte. Ziele setzen, das ist nichts, was mir in die Wiege gelegt wurde. Ich bin die, die immer vom Schwebebalken gefallen ist, sich geschüttelt hat und weitergemacht hat – ohne sich das Ziel zu setzen, besser zu werden. Mich hat das Runterfallen einfach nicht gestört. In der Schule war mein Ziel, gute Noten zu schreiben – ohne jemals zu definieren, ab wann eine Note gut ist. Später im Beruf bin ich wenigstens mal darüber gestolpert, dass Ziele SMART sein sollen. Messbar war dabei immer der Dreh- und Angelpunkt – also Umsatzsteigerungen und Lagerdrehzahl festlegen. Aber was ist privat ein gutes, messbares Ziel? Lieber smart als SMART? Vielleicht wäre deswegen auch nichts anders verlaufen, wenn ich dieses Buch eher gelesen hätte. Auch wenn sich bei der Methodik viel getan…

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Sturzprophylaxe? So alt bin ich doch noch nicht!

Warum greift jemand wie ich, noch fit und beweglich, zu einem Buch, das sich mit Gleichgewichtsübungen im Alltag befasst und sich eher an Senioren richtet? Bei mir waren es gleich zwei Gründe – Alltagsbewegung und Sturzprophylaxe – wenn auch mit sehr unterschiedlichen Geschichten dahinter, die ich beide erzählen möchte. Eines vorneweg: Ich habe „Besser in Balance – Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag“ mit viel Gewinn gelesen. Bequemlichkeit und Bewegungsarmut im Alltag Durch meinen Wechsel vom Einzelhandel in einen Bürojob habe ich gelernt, wie schnell ein Mensch sich in einem neuen, bequemeren Leben einrichten kann. Bewegungen wie in die Hocke gehen, die früher zum Berufsalltag gehörten, waren auf einmal nicht mehr notwendig. Bald knackste das Knie, die Gelenke wurden steif. Unglaublich, wie schnell so etwas passiert! Noch erschreckender fand ich, wie leicht ich das mit einem Schulterzucken abtat – ist halt so, das Alter, ich werde auch nicht jünger. Seit dieser Erkenntnis…

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