Quallen: Buchtipps für Erwachsene und Kinder. „Medusa“ und „Faszination Qualle“

Zwei Bücher über Quallen: Medusa und Faszination Qualle

In meiner Erinnerung gab es in den Sommerferien an der Ostsee zwei Sorten Kinder. Die einen haben angespülte Quallen in ihren Eimern gesammelt und damit ihre Sandburgen verziert. Oder sich gegenseitig mit Quallenschleim beworfen. Die anderen haben beim Anblick der gestrandeten Ohrenquallen iiih geschrien, das Gesicht verzogen und sich geekelt. Nur wenn ich beim Schwimmen mit den Fingerspitzen oder den Füßen in einer Qualle gelandet bin, konnte ich diese Kinder ein wenig verstehen. Zu Büchern über Quallen greift wohl nur, wer wie ich zu der ersten Sorte gehörte. Aber vielleicht kann ich mit diesen beiden Buchtipps – ein naturwissenschaftliches Sachbuch für Erwachsene und eines für Kinder ab 8 Jahren – auch die anderen ermutigen, ihr Verhältnis zu Quallen zu überdenken! Medusa. Die geheimnisvolle Welt der Quallen Wie erforscht man ein Lebewesen, das zu mehr als 95% aus Wasser besteht? Das einen faszinierenden Lebenszyklus vom Polypen zur Meduse, von der asexuellen zur sexuellen Vermehrung hat? Das…

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Wie kommt das U-Boot in den Wald? Waldkunstpfad Darmstadt

Kunstwerk auf dem Waldkunstpfad Darmstadt: ein Schild mit dem text "Schlagen sie keine Wurzeln"

Mit Wald oder Kunst bekommt man mich garantiert vor die Haustür. Beides zusammen? Noch besser! Willkommen auf dem Waldkunstpfad Darmstadt, wo Bäume und Kunstwerke eine WG bilden, die ich so nicht erwartet hätte. Wer rechnet auch schon mit einem hölzernen U-Boot im Wald! Der Waldkunstpfad liegt zwischen Böllenfalltor und Ludwigshöhe im Darmstädter Stadtwald, einem naturnahen Erholungswald mit alten Buchen. Der Verein für Internationale Waldkunst e.V. veranstaltet dort seit 2002 alle zwei Jahre ein mehrwöchiges Symposium, bei dem Künstler*innen unter einem wechselnden Thema neue Werke schaffen. Diese Kunstobjekte entstehen genau für diesen Wald und werden entlang des Weges platziert. Manches wechselt im Zweijahresrhythmus, manches darf bleiben und wird nach und nach selbst zu Wald. Der Waldkunstpfad ist eben kein Museum für die Ewigkeit, sondern Natur. Mich hat fasziniert, wie die Kunstwerke den Blick auf den Wald verändern. Ich konnte es an mir selbst beobachten. Nach einer halben Stunde begann ich, hinter jedem verdrehten Stamm und jedem…

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Sie machen die Drecksarbeit: Bodenlebewesen und der Mikrokosmos unter unseren Füßen

Bildband über Bodenlebewesen: Drecksarbeit. Der Mikrokosmos unter unseren Füßen.

Asseln sind Landtiere mit Kiemen. Bärtierchen können sich bei Wassermangel in einen Todeszustand versetzen und Jahre später wieder lebendig werden. Schleimpilze fressen ohne Mundöffnung. Willkommen in der Welt unter unseren Füßen! Und die ist, wenn sie gesund ist, äußerst dicht besiedelt. In einem Teelöffelchen Erde können zum Beispiel eine Million Bakterien, 120.0000 Pilze und 25.000 Algen enthalten sein. Doch es gibt noch viel mehr Bodenlebewesen. Der Bildband „Drecksarbeit. Der Mikrokosmos unter unseren Füßen“ stellt sie vor und das mit Fotos, die genauso bemerkenswert und unglaublich sind, wie die Lebewesen selbst. Die Makroaufnahmen von Nicole Ottawa und Oliver Meckes (eye of science) zeigen Milben, Springschwänze und Vielfüsser so, als würden sie direkt vor uns auf Augenhöhe existieren. Das mag zunächst gruselig wirken, doch das gibt sich schnell. Denn in diesem Buch geht es nicht um den Schauwert, nicht um „guck, ein Alien“. Es geht um etwas, was für uns lebenswichtig ist und weltweit abnimmt: Humus, die…

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Schneller, als Darwin dachte: Evolution in Echtzeit – eine Chance für bedrohte Arten?

Buch von Bernhard Kegel: Schnelle Evolution

Evolution ist, wenn aus einem Dinosaurier ein Huhn wird. Das dauert Millionen von Jahren und lässt sich an Fossilien ablesen. Schnelle Evolution ist, wenn meine Großmutter noch einen Ostsee-Kabeljau auf den Tisch bringen konnte, der eine Familie satt machte, und der Kabeljau heute so klein ist, dass er schon gar nicht mehr gefischt wird. Was passiert da? Passen sich Arten wirklich schneller an? Oder sind unsere Forschungsmethoden genauer geworden, so dass wir heute Veränderungen dokumentieren und erklären können, die uns früher gar nicht aufgefallen wären? Beides ist wahr. Und das ist das Schöne an Bernhard Kegels Buch: Es verzichtet sowohl auf Alarmismus als auch auf einfache Antworten. Vielmehr erklärt es leicht zugänglich, wie Evolution funktioniert und dass sie immer stattfindet, direkt vor unseren Augen. „Leben evolviert – immer, überall, zu jeder Zeit und an jedem Ort, unabwendbar, gestern, heute, morgen. Neu ist nur, dass in den letzten Jahrzehnten immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zugesehen…

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Acker, Baulücke, Deponie: Brachen, unterschätzte Refugien für Tiere und Pflanzen

David Bröderbauer, Judith Schalansky (Hg.) Acker, Baulücke, Deponie Ein Brachenatlas

Der Spielplatz meiner Kindheit war ein ungenutztes Baugrundstück. Kiefern, Brombeeren, eine sehr alte Eiche, unsere Trampelpfade und ein aufgelassener Hühnerstall. Zu dem Zeitpunkt lag es schon 70 Jahre brach; heute stehen dort Einfamilienhäuser mit Schuhschachtelgärten, die kaum genutzt werden. David Bröderbauers Buch „Acker, Baulücke, Deponie. Ein Brachenatlas“ trifft bei mir also auf offene Ohren. Trotzdem hat er mich überrascht. Pflasterritzen mit ihrem Bewuchs aus Steinmoos, Mastkraut und Vogelknöterich hätte ich nicht als Brache voller Wildnis erkannt. Doch es ist, wie Bröderbauer es beschreibt: „Wir leben immer noch in einer Pflanzenwelt, selbst in unseren Betonwüsten.“Seite 57 Das Kapitel ist ein gutes Beispiel dafür, wie geschickt der Autor den Blick seiner Leser*innen lenkt. Er beginnt bei den Ackerbrachen, für ein Jahr ruhende Äcker, wie sie früher üblich waren. Danach wandern wir weiter zu stadtnahen Brachen wie stillgelegte Bahnhöfe, Industrieanlagen und alten Parkfriedhöfen, die wilde Ecken aufweisen. Es folgen Ausflüge auf einen noch aktiven Truppenübungsplatz und zu den…

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Stadtwildpflanzen. 52 Ausflüge in die urbane Pflanzenwelt

Knöterich, Berufkraut, Platane. Was haben diese drei Pflanzen gemeinsam? Sie sind alle drei recht zuverlässig in europäischen Städten anzutreffen. Sie sind Stadtwildpflanzen und Autor Jonas Frei bringt sie uns in 52 Ausflügen nahe. Damit schickt er uns vor unsere Haustür und lädt uns ein, dort genau hinzuschauen. Nur das Buch können wir nicht mitnehmen, denn der wunderschön gestaltete, gut 300 Seiten starke Bildband hat zwar mit 14.8 cm x 21 cm ein kompaktes Format, wiegt jedoch fast ein Kilo. Aber wer die Hände frei hat, kann besser schauen! Urbane Pflanzenwelt: Wildpflanzen, die unsere Städte erobern Und es gibt viel zu entdecken. Die Stadt als Naturraum – das klingt zunächst paradox. Doch Jonas Frei, Landschaftsarchitekt und Stadtökologe aus Zürich, zeigt, dass gerade urbane Räume zu überraschend vielfältigen Lebensräumen geworden sind. Während Wildpflanzen im intensiv bewirtschafteten Umland verdrängt werden, finden sie in Asphaltfugen, auf Baubrachen und entlang von Bahntrassen neue Nischen. Das wärmere Stadtklima wirkt wie ein…

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Von Spinnen und Menschen. Eine verwobene Beziehung

Ich mag Spinnen. Als Kind konnte ich tote Spinnen anfassen und lebende Spinnen über meine Hand laufen lassen. Ein wenig ging mir das verloren. Heute zögere ich und bedauere das gleichzeitig sehr.Der Autor Jan Mohnhaupt schreibt über beide Seiten, über die Lebensweise der Arachniden und über unseren Blick auf diese Tiere. Biologie und Kulturgeschichte gehören für ihn zusammen. Verbunden wird beides durch die Faszination, die Spinnen ausüben. Denn wirklich neutral verhält sich kaum ein Mensch bei diesem Thema. Die Spinne, die fast bei uns wohnte Die erste Spinne, die ich bewusst über einen längeren Zeitraum beobachtet habe, hatte ein Netz vor unserem Küchenfenster. Meine Mutter entschied, dass sie bleiben darf. Wir nannten sie Thekla, nach der Spinne aus der Zeichentrickserie Biene Maja, und freuten uns über jede Stechmücke, die sich im Spinnenetz verfing. In meiner Erinnerung wohnte Thekla lange bei uns. Aber wahrscheinlich gab es viele Theklas und dadurch deutlich weniger Schnaken in der Wohnung.…

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Zwischen Gebet und Gartenerde: Die Geschichte der Nonnen aus Fulda, die den Biogartenbau prägten

Bete und arbeite. Das ist die Ordensregel der Benediktinerinnen. Von gärtnern ist da nicht die Rede. Doch wer so wie die Nonnen von Fulda gärtnert, verbindet beides. Die Liebe zu Gottes Schöpfung, ein unbändiger Forschungsdrang, harte Arbeit und die Wertschätzung der Ernte zeichnen ihr Gärtnern aus. Letzteres ist kein Wunder. Nach dem Krieg war das Kloster in Fulda überbelegt und Lebensmittel knapp. Selbstversorgung war kein philosophisches Ideal, sondern schiere Notwendigkeit. Mit Gottvertrauen und Erfinderinnengeist begannen die Nonnen, ihre Gärten und Äcker zu bewirtschaften. Lernen und lachen, beten und arbeiten. Weder Landwirtschaft noch Unternehmertum waren ihnen in die Wiege gelegt worden. Doch das schreckt sie nicht ab. Sie sammeln Erfahrungen und Schritt für Schritt wird aus einer kleinen Idee ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen. So entstand ein Leuchtturm des ökologischen Gartenbaus, auch wenn man den Begriff damals noch nicht kannte und von naturnahem Gärtnern sprach. Die Nonnen entwickeln die Mischkultur weiter, erfinden Humofix, ein Schnell-Kompostierpulver, geben die „Winke…

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Die verborgene Tierwelt unserer Städte

Der Anfang täuscht. Was mit einer toten Kakerlaken beginnt, wird schnell sehr lebendig. Ein Jahr lang muss es der Biologe Marco Granata aus beruflichen Gründen in der Großstadt aushalten. Häusermeere, Beton, viele Menschen, wenig Grün – für ihn, der sonst in der Nähe der Berge lebt, eine lebensfeindliche Umgebung. Doch es kommt anders. Ein bisschen zumindest.Ausgehend von der toten Kakerlake beginnt er, Insekten in der Wohnung zu erforschen. Von dort geht es auf den Balkon zu den Schmetterlingen und weiter zu den Vögeln. Seine Kreise werden größer. Säugetiere wie Eichhörnchen und Füchse folgen. Bis er schließlich am Stadtrand ankommt, wo die Stadt in die Natur übergeht. Ich fand das Buch »Die verborgene Tierwelt unserer Städte« immer dann besonders stark, wenn der Autor seine Sicht auf die urbane Wildnis reflektiert. Zunächst verschleiert ihm die Sehnsucht nach den heimatlichen Bergen den Blick. Doch er entschließt sich, die Natur der Städte so zu betrachten, wie er auch Berge…

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Zwischen Ministeriumsdefinition und Alpenmythos: Was ist echtes Wandern? Meine Verteidigung der gemütlichen Tour

Ist das jetzt ein Spaziergang oder eine Wanderung? Diese Frage wollte ich schon immer einmal beantwortet haben. Nicht weil es für meinen sportlichen Ehrgeiz wichtig wäre. Der ist sowieso nicht sonderlich ausgeprägt. Für mich zählen nicht der Gipfel, nicht die Höhenmeter und auch nicht die Länge der Strecke. Ich will einfach nur durch einen Wald laufen, dabei zur Ruhe kommen und tief durchatmen. Wenn ich dann noch Natur beobachten und einkehren kann, ist das für mich ein perfekter (Wander)Tag. Der Unterschied zwischen Wandern und Spazierengehen interessiert mich aus einem ganz eigenen Grund. Wenn ich erwähne, dass ich am Wochenende wandern war, habe ich zu oft den Eindruck, dass sich mein Gegenüber etwas anderes, deutlich sportlichers darunter vorstellt. Ich bin weder mit einem vollgepackten Rucksack unterwegs, noch mache ich Mehrtagestouren. Und schon gar nicht würde ich mein Wandern als Sport bezeichnen – ich lasse es mir einfach bei Bewegung und frischer Luft im Wald gut gehen.…

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Mit Pflanzen die Welt retten. Grüne Lösungen gegen den Klimawandel

Jeder Baum hilft. Dann lasst uns doch einfach so viele Bäume pflanzen, dass wir damit den Klimawandel stoppen. Oder Moore renaturieren. Wenn wir schon mal dabei sind, dann können wir ja gleich mit Pflanzen die Welt retten. Irgendjemand muss es ja tun. Also los, Spaten schnappen, Loch buddeln, Baum rein. Doch ökologische Systeme sind komplizierter, als ich es in der Schule gelernt habe. Nicht nur, dass meist nur ein Bruchteil der Neupflanzungen nach drei Jahren immer noch leben: In nördlichen Ländern verdunkeln neu gepflanzte Wälder die Erdoberfläche. Dadurch werden weniger Sonnenstrahlen zurück ins All reflektiert, was zu Erwärmung führt. Nach gut 200 Seiten Lektüre ist klar: wichtiger als jede Renaturierung ist erst einmal, das, was an Natur noch da ist, zu erhalten. Diese Maßnahmen schützen uns jetzt. Sie helfen, Folgen des Klimawandels abzufedern, und verhindern, dass die Erderwärmung in diesem Tempo fortschreitet. An zweiter Stelle steht, das, was wir zerstört haben, wieder herzustellen – Moore,…

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Jäger und Sammler: 12 Monate fernab vom Supermarkt

Wer „Mein Jahr als Jäger und Sammler“ von John Lewis-Stempel lesen möchte, sollte das Wort Jäger im Buchtitel ernst nehmen. Sehr ernst. John Lewis-Stempel beschließt, zwölf Monate lang von dem zu leben, was seine eigenen 16 Hektar hergeben. Farmland mit Hecken, Weiden, Wäldern und einem Fluss. Mit Enten, Eichhörnchen, Fasanen. Mit Löwenzahn, Gänsefuß, Bärenklau. Wildäpfeln, Brombeeren, Schlehen. Für diese Lebensweise braucht es Wissen, Geduld und die Bereitschaft, Hunger auszuhalten. Er bringt all das mit und packt noch Hartnäckigkeit obendrauf. Über allen Seiten schwebt ein Banner „Don’t try this at home – und schon gar nicht mit einem Selbstversorgergarten. Ohne Jagdschein und die Fähigkeit, Tiere zu häuten, zu rupfen, auszunehmen kommst du hier nicht weit.“ Sinnkrisen und Schlehenwein: Die Hintergründe des radikalen Experiments Was treibt einen Menschen zu so einem radikalen Selbstexperiment? Eine Sinnkrise. Neugier. Gute Grundlagenkenntnisse. Und die Tatsache, dass man sich mit Kauf und Renovierung der Farmhaus-Ruine gründlich übernommen hat. Das Geld ist knapp.…

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