Museumsbesuch – Der Hohenhof in Hagen

Das altmodische Wort Wohnsitz ist für mich der einzige Begriff, der zur Villa Hohenhof in Hagen passt.

Der Hohenhof war der Familienwohnsitz des Gründers des Folkwang-Museums Karl Ernst Osthaus und wurde 1906 bis 1908 vom Architekten Henry van de Velde konzipiert und erbaut. Dieses Gesamtkunstwerk des Jugendstils ist bis heute unverändert erhalten geblieben. Sogar die Ausstattung der repräsentativen Räume wie Möbel, Wanddekorationen, Lampen und Stoffe bis hin zu Heizkörperverkleidungen sind unverändert erhalten geblieben!

Dies macht das Museum „Villa Hohenhof“, eine Außenstelle des Osthaus-Museums in Hagen, zu etwas ganz besonderem. Auf lichtbild.org findet ihr großartige Fotos, die das Besondere dieses Hauses aufzeigen.

Dort erkennt ihr auch, das diese Form des Jugendstils so gar nichts mit floraler Leichtigkeit zu tun hat, wie es zum Beispiel beim Wiener Jugendstil der Fall ist. Hier zeigt sich der Jugendstil von seiner eher sachlichen Seite und weist den Weg zum Bauhaus-Stil. Von der Straßenseite zeigt sich der Hohenhof grau, wuchtig und assymetrisch, denn das Haus wurde andersrum gedacht: die Fassade folgt der Form und des Zwecks  der Innenräume. So kommt es auch, das dieses Haus von jeder Seite aus anders aussieht und die Fassade zum Garten hin mit viel Holz und strahlenden Weiß überrascht.

Im Wintergarten fand ich tatsächlich einen Matisse, den ich noch nicht kannte – das Fliesentriptychon „Nymphe und Satyr“.
Wie bei einigen anderen Kunstwerken im Haus wurde hier der Raum um das Bild herum entworfen.

Dieses Haus ist wirklich vom Dachziegel bis zur Bodenfliese durch konzipiert und trotzdem kein starres Gesamtkunstwerk, sondern ein heller, lebensbejahender Familienwohnsitz. Der Bauherr Karl Ernst Osthaus hatte eine Vision: die Schönheit wieder zur herrschenden Macht im Leben“ werden zu lassen.
Damit wollte er einen Gegenentwurf zum Wilhelminismus und zum Alltag einer von Industrie geprägten Region schaffen. Dafür stehen Projekte wie die Arbeitersiedlung Walddorfstraße, das allgemeinbildende Folkwang-Museum und die Ausgestaltung des Bahnhofs.
Die Künstlerkolonie in der Gartenstadt, zu der auch der Hohenhof gehört, möchte ich persönlich jedoch nicht in diese Reihe einordnen. Sie hat für mich, nicht zuletzt auf Grund ihrer Lage auf einem bewaldeten Hügel oberhalbs Hagens, etwas von einem Elfenbeinturm oder einer Fluchtburg; ein Bereich außerhalb der sozialen Realität Hagens.

Infos rund um den Museumsbesuch:

Die Villa Hohenhof ist ein Ankerpunkt der Route Industriekultur. Alle Infos zu Öffnungszeiten und Preise findet ihr hier. Derzeit ist das Museums nur samstags und sonntags geöffnet. Das Foto zeigt mich bei meinem ersten Besuch – es ist nass, es ist kalt und das Museum hat zu. Wir mussten deswegen leider ein zweites Mal anreisen, was wir aber nicht bereut haben!

Für den Besuch des Museums solltet ihr 45 Minuten einplanen. Anschließend lohnt noch ein kleiner Spaziergang durch die Künstlerkolonie Gartenstadt, die um die Villa Hohenhof entstanden ist. Diese Villen kann man zwar nicht besichtigen, aber ein Blick auf die Fassaden und in die Gärten lohnt sich allemal. Für diesen Spaziergang sollte man noch einmal 30 Minuten einplanen.

Einen guten kompakten Einstieg in das Thema Jugendstil bietet dieses Buch: Dumont Schnellkurs Jugendstil.

2 Kommentare

  1. •Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt

    Davor gruselt es mir ganz fürchterlich, daher werde ich es eher nicht besuchen.

    ** Wirklich kein Grund zum Gruseln, im Gegenteil! Unser Museum ist in einem schmucken barocken „Schlösschen der Wissenschaft“ untergebracht, mit einem traumhaften Arzneipflanzengarten. In Ingolstadt eines der beliebtesten Motive für Hochzeitsfotos – und nicht nur für gruftige Freaks! ** Wie wär’s mit einem Besuch?

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