Museumsbesuch – Gründerzeit-Museum – Charlotte von Mahlsdorf

 Lebenswelten anno 1900

Der Besuch im Gründerzeit-Museum in Berlin-Mahlsdorf hatte Auswirkungen auf meine „Das muss ich unbedingt noch lesen!“ – Liste, die eigentlich doch wirklich schon lang genug ist!

Dabei habe ich das Museum eigentlich aus einem ganz anderen Grund besucht. Ich lebe in einem Haus, das 1900 erbaut wurde. Das entfacht meine Neugier. Wie haben die Menschen damals in diesen Räumen gelebt? Warum ist der Grundriß genau so und nicht anders? Wie sah der Garten aus?

Antworten auf solche Fragen bietet das Gründerzeit-Museum. Charlotte von Mahlsdorf hat komplette Wohnungseinrichtungen aus der Zeit, in der sie groß geworden ist, gesammelt. Sogar ein vollständiges Schlafzimmer samt Kinderbett ist dabei. Unsere kompetente und erzählfreudige Führerin erklärt wirklich jeden einzelnen Gegenstand im Raum – von der Funktionsweise des Ofens bis hin zur Haartüte. Die Damen haben damals die Haare aus der Bürste in einer Haartüte gesammelt. Der Friseur hat ihnen daraus dann falsche Haarteile hergestellt. Auch die Frage, warum Nachttische Marmorplatten hatten, wurde geklärt: Auf dem Nachttisch stand eine Petroleum-Lampe und die Marmorplatte war eine Brandschutz-Massnahme.

Herrenzimmer, großbürgerliche Pracht und Klaviere für unmusikalische Menschen

So geht die Zeitreise weiter durch großbürgerliche Salons, Herrenzimmer und Küche. Jedes Möbelstück und jeder Gegenstand hat eine Geschichte, die erzählt werden will. Da Charlotte von Mahlsdorf auch einen Brotberuf in einem Museum als Restaurateur mechanischer Musikinstrumente hatte, gibt es auch viel zu hören: Quäkende Grammophone, selbst-spielende Klaviere und Vorläufer der Jukebox.

Das Gutshaus ist mittlerweile detailgetreu renoviert worden und üppig ausgestattet. Es vermittelt einen guten Einblick in das großbürgerliche Leben der Jahrhundertwende und das bunte, eigensinnige Leben der Charlotte von Mahlsdorf kommt auch nicht zu kurz. Für mich ein ganz besonderes Museums-Highlight.

Infos zum Museumsbesuch:

Gründerzeitmuseum

Hultschiner Damm 333
12623 Berlin

Öffnungszeiten: Mittwoch und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
Besuch nur mit Führung möglich, was aber in diesem Fall wirklich Sinn macht.

Leider ist das Fotografieren im Museum nicht erlaubt – Bilder gibt es hier auf der Homepage.

Schöner Artikel über „Lottchens“ Museum hier auf dieser Homepage.

Die Lebenserinnerungen der Charlotte von Mahlsdorf gibt es bei DTV: „Ich bin meine eigene Frau“

Einkehr-Möglichkeit:
Das Gründerzeitmuseum hat ein eigenes Café, die „Mulackritze“, die einzige noch erhaltenen Zille-Kneipe samt Hinterzimmer. Sollte diese nicht offen sein, empfehle ich das „Café Mahlsdorf“, ein äußerst gemütliches Wohnzimmer-Café, das auf dem Weg zwischen Museum und S-Bahnhof liegt.

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