Weise, wild und weiblich: Female Empowerment von Hestia bis Kali

Göttinnen, Hexen, Kraftorte – das sind Themen, zu denen seit Jahrzehnten in Wellen immer wieder neue Bücher veröffentlicht werden. Interessant finde ich, dass jedes Mal eine leicht andere Herangehensweise gewählt wird, die stets zum Zeitgeist passt. 80er-Jahre-Feminismus, kulturhistorisch, literarisch, pseudo-wissenschaftlich – insbesondere über Göttinnen habe ich schon alles Mögliche gelesen. Das meiste davon mit Vergnügen und Gewinn: Weibliche Vorbilder und Heldinnen kann es für mich und mein feministisches Herz nie genug geben! „Weise, wild und weiblich. Erwecke die Göttin in dir“ von Tala Mohajeri passt bestens in diese Reihe hinein. Dieses Mal werden die Göttinnen im Mantel von female Empowerment präsentiert: Archetypen, an denen wir uns orientieren können, und die uns helfen, in unsere Mitte und Kraft zu kommen. Tala Mohajeri erzählt nicht nur niederschwellig, sondern auch lebhaft und plastisch. Das kam meinem Kopfkino sehr entgegen. Jedes Kapitel beginnt mit einer Einführung in die Mythologie, gefolgt von einem eher poetisch-atmosphärischen Text. Damit näher wir uns…

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Luisa Francia über die verborgenen Schichten der Wirklichkeit

Ab und an packt mich die Neugier und ich lese ein aktuelles Buch einer Autorin, die mir vor Jahrzehnten wichtige Impulse gegeben hat. Luisa Francia ist eine von Ihnen. Vor rund 20 Jahren hat mich ihre eigensinnige Themenmischung begeistert: Selbstermächtigung, Selbstreflexion, Körperbewusstsein, Feminismus, Schamanismus, Psychologie und alte Mythen. Das war genau das, was ich damals als junge Frau brauchte – und heute, in der Menopause angekommen, wieder brauche. Ihr neues Buch „Die Macht des Verborgenen. Wie das Versunkene, Vergessene, Verheimlichte unser Leben steuert“ lässt mich jedoch eher ratlos zurück. Ja, all das, was mir damals gut tat, blitzt auch hier durch. Doch das schmale Büchlein wirkt unfertig. Gerade mal 140 Seiten, in sehr großer Schrift gesetzt und mit ganzseitigen Zeichnungen aufgelockert. Das ist wenig Buch fürs Geld! Der Inhalt hat den Charme von persönlichen, tagebuchartigen Skizzen. Liest sich gut, der seelische und praktische Nährwert war für mich allerdings gering. Als hätte die Autorin was zu…

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Radikale Selbstfürsorge

Manchmal bedeutet radikale Selbstfürsorge, sich ins Bett zurückzuziehen und ein Buch zu lesen, das einem einfach nur gut tut. Einen Ratgeber, der nicht zur Selbstoptimierung, sondern zu Nachsicht rät. Der uns daran erinnert, viel häufiger nett zu uns zu sein. Nicht, weil wir es verdient haben, sondern weil es egal ist, ob wir es verdient haben. (Nebenbei bemerkt: Wer sich gut um sich selbst kümmert, kann sich auch besser um andere kümmern. Nützlicher Nebeneffekt, aber nicht der Hauptgrund, warum wir Selbstfürsorge ernst nehmen sollten.) Wir brauchen Pausen nicht erst dann, wenn wir überarbeitet, müde und ausgelaugt sind. Erholungsphasen sind ein Menschenrecht. Was radikale Selbstfürsorge nicht ist … Genau in einer solchen Phase könnten wir statt zu einem teuren Wellness-Drink zu einem Buch wie „Radikale Selbstfürsorge. Jetzt!“ von Svenja Gräfen greifen. Einfach so, ohne eine Duftkerze anzumachen. Oder was auch immer der bunte kapitalistische Warenmarkt für solche Momente anpreist. Wir könnten uns einkuscheln und lesen. Häppchenweise,…

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Das Geheimnis des Atmens – eine Einführung in Pranayama

Wie sehr mir die letzten zwei Jahre die Luft abgeschnürt haben, habe ich erst gemerkt, als ich das schmale Büchlein „Das Geheimnis des Atems“ von Sriram gelesen habe. Darin erklärt er die Grundzüge des Pranayama, einem wichtigem Bestandteil des Yoga. Früher wurde das gerne mit Atemkontrolle übersetzt. Aber Vertiefung des Atems durch Achtsamkeit trifft es besser. Wichtige Werkzeuge sind dabei die Atembeobachtung, längeres Ausatmen und das Verweilen in der Atemstille, dem Wendepunkt zwischen Ein- und Ausatmen. Da all das für mich nicht neu ist, fand ich es eine gute Idee, gleich mit der Wechselatmung zu beginnen. Diese Atemübung ist mir aus früheren Yogastunden vertraut. Das sollte klappen. Nun, es wurde eine Übung im lehrreichen Scheitern. Auch willkommen. Also zurück zu den Anfängen. Was mir in diesen bedrückenden Tagen am besten hilft, ist mich auf meine Nasenspitze zu konzentrieren und zu beobachten, wie der Atem dort einströmt. Wenn ich dann die Reise meines Atems durch den…

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Besser als gute Vorsätze: Haikus schreiben.

Mehr schreiben gehört sicherlich nicht zu meinen guten Vorsätzen für das neue Jahr. Ich schreibe so viel wie noch nie in meinem Leben, vor allem über Bücher – nur eben beruflich. Auch „mehr bloggen“ wird es nicht auf die Liste der guten Vorsätze schaffen, denn es gibt Corporate Blogs, die von mir gefüllt werden wollen. Ich werde also sowieso mehr bloggen – nur nicht unbedingt auf meinen eigenen Blogs. Trotzdem drehen sich viele meiner Überlegungen, was ich nächstes Jahr verändern möchte, um das Schreiben. Nicht mehr, sondern anders schreiben. Dabei bin ich sehr zufrieden damit, wie sich meine Rezensionen, die ja keine sind, entwickelt haben. Im Mittelpunkt aller Buchbesprechungen steht bei mir die Frage „Was hat dieses Buch mit mir gemacht?“. Ich möchte mich nicht hinter Stil-Analysen und einer Einordnung des Werkes in den Buchmarkt, wenn nicht sogar in die Literaturgeschichte, verstecken. Mich interessiert das Zusammenspiel von Buch und Leserin. Warum habe ich zu diesem…

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Sich gesund schreiben – ein 12-Wochen-Programm

Schreibend sich selbst erkunden, um so einen Heilungsprozess einzuleiten: Darum geht es in dem Buch „Ich schreibe mich gesund“ von Prof. Dr. med. Silke Heimes. Sie hat ein 12-Wochen-Programm mit Schreibimpulsen für jeden Tag entwickelt. Anhand klarer Fragen wird das eigene Befinden und Empfinden erkundet mit dem klaren Ziel, sich gesund zu schreiben. Dabei wechseln sich sehr konkrete Fragen ab mit offenen Einladungen. So wird mal der Ist-Zustand erkundet, mal ungenutzte Ressourcen erforscht und mal eine Vision von einem gesünderen Ich entwickelt. Sie gehen am Abend ins Bett und über Nacht geschieht ein Wunder, sodass ihre Beschwerden am nächsten Morgen verschwunden sind. Woran merken Sie das? Woran merken es andere? Was wäre anders in ihrem Leben? Sie stehen auf und … Ich schreibe mich gesund – S. 104 Das ist einer der offeneren Schreibimpulse. An den meisten Tagen klingt das eher so: Welche alten, wenig förderlichen Glaubenssätze konnten Sie in der letzten Woche bereits über…

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Einatmen, ausatmen? Da geht noch mehr: Atemtechniken

Einatmen, ausatmen. Klappt doch. Warum sollte ich dafür ein Buch benötigen? Das entsprach in etwa meinem Denken und meinem Wissensstand, bevor ich mit Yoga anfing und bevor ich Markus Schirners Buch „Atemtechniken“ für mich entdeckte. Von Atempausen oder der Tatsache, dass man auch in die Schulterblätter atmen kann, hatte ich damals noch nichts gehört. Noch schlimmer: Ich hatte es auch noch nie erfahren. Das, was so trocken im Yoga-Unterricht als „vollständige Yoga-Atmung“ beschrieben wurde, war der erste Augenöffner. So viel Raum im Körper! So viel Beweglichkeit, die dem Atem folgt! Meine Neugier war geweckt und ich griff zum Buch. 130 Seiten später dachte ich: Ich muss nie wieder ein Buch über Atemtechniken lesen – in diesem kleinen Taschenbuch ist alles enthalten. Atemtechniken – das Kartenset. Ein spielerischer Weg für mehr Praxis. Das war 2006. Jetzt sind Karten zum Buch erschienen. Die musste ich natürlich haben. Die erste Karte, die ich zog, war die Bauchatmung. Und…

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Wohltuende Lektüre: Ikigai – japanische Lebenskunst

Lebenskunst ist ein Begriff, bei dem ich sofort aufhorche. Für mich enthält er ein Versprechen: Es ist möglich, ein gutes Leben zu führen – egal, wie die Ausgangsbedingungen sind. Nimm, was Du vorfindest, und mach das Beste daraus. Das Buch „Ikigai – Die japanische Lebenskunst“ hat mich nicht enttäuscht. Ikigai ist ein Konzept, dass sich durch die gesamte Kultur Japans zieht. Ken Mogi erklärt nicht nur diese grundlegende Philosophie, er zeigt auch kenntnisreich auf, wo wir überall die Auswirkungen dieser Lebensweise finden können. Die fünf Säulen des Ikigai lauten: Das ist ebenso schlicht wie komplex und entfaltet beim Lesen einen stillen Zauber, der Staunen lehrt. Ikigai steckt in allem. In der Imbissbude an der Ecke, die das perfekte Nudelgericht zubereitet genauso wie im Verhalten der Sumo-Ringer. Der Gärtner, der genau weiß, wie er der alten Rose vor seiner Tür die schönsten Blüten entlockt, hat die Regeln genauso verinnerlicht wie der Meister einer Teezeremonie. Nicht nur…

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Träume deuten – intuitiv und doch systematisch

Ich träume intensiv, kann mich gut an meine Träume erinnern und habe ein für mich funktionierendes System entwickelt, meinen Träumen eine Bedeutung zu entlocken. Trotzdem greife ich alle paar Jahre zu einem Traumdeutungsbuch und schaue, ob es neue Ideen enthält, die ich in meinen Umgang mit Träumen integrieren kann. In „Träume deuten und sich selbst verstehen“ bin ich fündig geworden. Was mir an dem Buch richtig gut gefällt, ist die systematische Herangehensweise. Noch bevor man sich den Bildern des Traums und ihrer Bedeutung zuwendet, schafft man sich mit Hilfe weniger Fragen einen Deutungsrahmen. Wo bin ich im Traum und wer kommt alles darin vor? Wie fühle ich mich – psychisch und körperlich? Was hatte ich in den Tagen vor dem Traum erlebt – gibt es da einen Anknüpfungspunkt? Insbesondere die sich daran anschließende letzte Frage „Können sie den Traum weiterträumen?“ finde ich hilfreich. Ich führe gerne Träume nach dem Aufwachen noch im Halbschlaf zu einem…

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Handbuch des Räucherns: Kräuter, Wurzeln, Rinden und Harze

Von A wie Ahorn bis Z wie Zimt: Räuchern lässt sich fast alles. Das „Handbuch des Räucherns“ ist eine Einladung zum Experimentieren mit frischen und getrockneten Kräuter, Rinden, Harze und Wurzeln. Alles, was wir brauchen, ist eine wirklich minimale Ausrüstung. Eine Schale mit Vogelsand und Räucherkohle. Oder ein Teelicht-Glas mit einem Sieb darüber. Dazu Neugier, Muse und einen offenen Geist. Genau das war die Überraschung an dem Buch von Daniela Dettling: wie viel Raum der Mensch einnimmt. Ihr Buch ist mehr als ein Nachschlagewerk der heimischen Räucherpflanzen. Es ist eine Einladung, die Welt auf mehreren Ebenen zu entdecken. Die handfeste Welt der Aromen und der ätherischen Öle und die feinstoffliche Welt der Wirkungen von Düften, die Wissenschaftler nicht beschreiben können. Unser Alltag, in dem wir versuchen „Me-Time“ und „Selfcare“ einzubauen, und die immer gültigen Abläufen der Natur, die Menschen schon seit Jahrtausenden mit Jahreszeitenfesten begehen. Das, was wir in Worte fassen können, mit dem, von…

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Aromatherapie – pflegen & heilen mit ätherischen Ölen

Alles drin. So könnte ich meinen Eindruck von dem Buch „Aromatherapie für Frauen“ zusammenfassen. Das Standardwerk beginnt mit einer kompetenten, fachlichen Einführung in das Universum der Düfte, Aromen und ätherischen Öle. Dabei geht es immer ganz konkret um die Frage, wie und warum ätherische Öle wirken. Dafür werden durchaus mal Begriffe wie 1-p-Menthen-8-Thiol verwendet, denn das ist der Stoff, der im Grapefruit-Öl die stimmungsaufhellende Wirkung verstärkt. Doch trotzdem ist das Buch kein schwieriges Fachbuch: Trotz aller Ausflüge in die Chemie und Medizin ist es stets gut lesbar. Der eigentliche Schatz sind jedoch die über 250 Rezepte für Heil- und Pflegeprodukte. Wer Naturkosmetik selbst herstellen möchte, findet in diesem Ratgeber erprobte Anleitungen für Cremes, Deos, Shampoo und Zahnpasta. Sogar an ein Mittel zur Glättung von Narben haben die Autorinnen gedacht. Doch ätherische Öle können mehr als nur pflegen – sie sind Begleiter in allen Lebenslagen von Pubertät bis Wechseljahre und Alter. Zudem können sie uns im…

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Mit Wittgenstein im Wartezimmer – philosophische Alltags-Miniaturen

Philosophisches Sachbuch von Nicolas Dierks - Mit Wittgenstein im Wartezimmer und weitere 11 Philosophen, die uns die Zeit verkürzen

Für die Geschichte „Mit Sokrates in der Buchhandlung“ muss ich dieses Büchlein einfach lieben! Vater und Tochter suchen ein Geschenk. Die Tochter greift zu einem Band über Philosophinnen und der Vater versucht ihr auf vielerlei Art zu erklären, dass das keine passende Wahl sei, da es ja keine guten weiblichen Philosophen gäbe, denn sonst würde er, der belesene Vater, sie ja kennen … Das führt den Autor auf sehr elegante Art und Weise zu Sokrates, der sich der Grenzen seines Wissens deutlich bewusster war. Damit haben die philosophischen Geschichten von Nicolas Dierks für mich im letzten Moment noch die Kurve bekommen, denn eigentlich wäre bis dahin mein Fazit eher ein „Na ja“ gewesen. Die Grundidee des Buches mochte ich von Anfang an: Alltagsbegebenheiten, wie wir sie alle kennen, gehen nahtlos in eine philosophische Geschichte über, in der zentrale Ideen von Montaigne über Wittgenstein bis Hannah Arendt dargestellt werden. Das hat Charme, endet aber in vielen…

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