Blogger-Lebenslauf. Warum ich einen eigenen Buch-Blog haben wollte

In love with a blogger oder die Sache mit dem verlinken

Die Website Buchkarriere hat mich gefragt, wie ich eigentlich Buch-Bloggerin wurde. Das war meine Antwort:

„Es gab mal eine Zeit, da hatten Buchhändler und Literaturkritiker die Deutungshoheit über Bücher. Was gibt es, was lohnt sich zu lesen, was ist gut und was nicht … wir Buchhändler gaben Auskunft und der Leser folgte uns.

Dann kamen die Buch-Blogger und alles änderte sich.

Auf einmal hatten die Kunden andere Informationsquellen. Erst dachte ich, sie meinten ihre Freundinnen wenn sie von Steffi, Ada oder Daniela sprachen. Als ich begriff, das die Informationen aus Blogs kommen, begann ich selbst Blogs zu lesen und stellte fest, das Bloggerinnen tatsächlich so etwas wie beste Freundinnen sind, die ganz überzeugend „Das musst Du gelesen haben!“ ausrufen.

Ganz schnell wurde ich Fan und die Begeisterung der Blogger*innen floss in meine Verkaufsgespräche ein. Genauso hatte ich es mit den Leseerfahrungen meiner Freundinnen schon immer gehalten. Keine Buchhändlerin kann alles gelesen haben, was im Laden steht – leider. Doch Kunden erwarten zu Recht eine fundierte Beratung. Ich lese zum Beispiel keine blutrünstigen Krimis und zitiere dann im Beratungsgespräch gerne eine Freundin. Durch die Blogs hatte ich auf einmal viel mehr „Freundinnen“, auf die ich mich beziehen konnte.

Damals arbeitete ich als Buchhändlerin für Hugendubel mit Schwerpunkt Kinderbuch, Spielwaren und „Besser Leben“ (wie die Esoterik & Wellness-Abteilung bei Hugendubel heißt). Eine der wichtigsten Zukunftsfragen für alle Buchhändler lautet: wie gelingt es mir, Online-Shop und Laden besser zu verknüpfen? Wie schaffe ich es, immer dort zu sein, wo der Kunde ist? Ladentür aufschließen und warten, wer kommt, funktioniert in Zeiten des Online-Handels nicht mehr. Neue Konzepte sind nötig – die Multi-Channel-Strategie.

Bei Hugendubel gehört zum Multi-Channel-Konzept auch ein Blog, in dem Buchhändler über Bücher reden. Das war für mich eine willkommene Gelegenheit, das Bloggen selbst auszuprobieren. Unter meinem Namen verfasste ich dort innerhalb eines guten Jahres 155 Beiträge. Eine großartige Zeit, in der ich viel gelernt habe. In einem Firmen-Blog ist das suchmaschinen-optimierte Schreiben zum Beispiel viel wichtiger als in einem privaten Blog und am Anfang war es etwas knifflig, seinen Text um die Keywords drumherum zu bauen. Dann packte mich der Ehrgeiz und ich begann über Bücher zu bloggen, die eigentlich unbloggbar sind – Pappbilderbücher zum Beispiel. Kurz: ich hatte viel Spaß und fand Fans…

(Update 2025: Eigentlich geht die Geschichte noch weiter. Leider ist die Website Buchkarriere nicht mehr online. Damit ist auch der Rest meines Beitrags verloren gegangen. Das T-Shirt „I’m in love with a blogger“ gibt es übrigens auch nicht mehr.)


Einmal hatte ich eine Blog-Flaute – so kam ich wieder raus: Versuchen Sie’s mal mit Schreiben! Oder mit bloggen

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