Wie die Industrie nach Mannheim kam

Buch: Wie die Industrie nach Mannheim kam. Das Buch liegt auf verschiedenen alten Regionaltiteln wie Liebes altes Mannheim und Mannheimer Pioniere

Auch wenn es mir nicht so vorkommt: Meine Heimatstadt Mannheim ist eine Industriestadt. Doch wie wird eine Stadt, die um 1875 noch keine 50.000 Einwohner hatte und einem eher beschaulichen Rhythmus folgte, binnen weniger Jahrzehnte zur Heimat so vieler Unternehmen und Menschen?

Davon erzählt das Buch „Wie die Industrie nach Mannheim kam“ und verknüpft die Geschichte des industriellen Wandels eng mit der Biographie Friedrich Engelhorns. Er hatte in Mannheim schon viele Betriebe gegründet, so eine Fabrik für „Portatives Gas“ und eine Zinkhütte im Jungbusch. Doch er hatte Größeres vor. Wäre das Mannheimer Bürgertum nicht dagegen gewesen, stünde die BASF heute dort, wo jetzt das Nationaltheater steht, und würde sich über den Luisenpark am Neckar entlang bis nach Seckenheim ausdehnen. Unvorstellbar, oder?

Doch dieses Detail war nicht das Einzige, was mir, einer Mannheimer Ingenieurstochter die sich sehr für Industriekultur interessiert, neu war. Ob frühe Schwefelsäureproduktion im heutigen Vorort Wohlgelegen, die Bedeutung von Finanziers wie Salomon Aberle und Seligman Ladenburg oder der Bierkrawall von 1873 – in diesem Buch habe ich viel über die Geschichte Mannheims gelernt. Dabei geht der Autor Volker Keller auch auf die weniger schönen Seiten ein wie die Arbeitsbedingungen in der Jutefabrik in Sandhofen und die Enteignung jüdischer Unternehmer ein. So starb Adolf Bensinger, der 1929 die Schildkröt-Fabrik verkaufte und sein Vermögen für wohltätige Zwecke einsetzte, 1939 an Herzversagen – genau an dem Tag, an dem die Nationalsozialisten ihn enteigneten.

Und was in Mannheim alles entwickelt und produziert wurde: Goldpuder-Mehl aus der Pfalzmühle; der Stotz-Automat, der vor Kurzschlüssen schützt; Reifen aus der „Hutsch“, der Hutchinson-Fabrik; Schildkröt-Puppen; Medikamente von Boehringer oder Codein von Knoll, Papiere aus der Zellstoff-Fabrik auf dem Waldhof, die spätere PWA – die Liste ist lang und Volker Keller gelingt es, sie alle angemessen zu erwähnen!

Weil er sich im Sprachstil manchmal nicht so recht entscheiden kann, ob er für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene schreibt, erkläre ich sein Buch kurzerhand zum Familienbuch. Toll gestaltet mit vielen Infokästen und gut gewählten Illustrationen ist es ein echtes Lesevergnügen für alle, die an Industriekultur und der Geschichte Mannheims interessiert sind.


Infos zum Buch:

Volker Keller und Christoph Clasen

Wie die Industrie nach Mannheim kam.
Das Zeitalter Friedrich Engelhorns 1820-1900.

Hrsg. vom Friedrich-Engelhorn-Archiv e.V.
Redaktion: Stefanie Dunz

Verlag Regionalkultur


Hier findet ihr mehr Bücher über Mannheim, Pfalz und Odenwald auf meinem Blog.

Eines, das ganz besonders gut dazu passt: Mannheims Belle Époque


Mehr Informationen zur Industrie-Geschichte Mannheims findet ihr auf der Website von Industriekultur Rhein-Neckar (und zu dem Haus, in dem ich wohne, gibt es dort auch einen Beitrag)

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