Raster richtig einsetzen: Layout Basics

Buch: Layout Basics.
Die wichtigsten Prinzipien für die Verwendung von Rastern. Handbuch für Kommunikationsdesign, Layout und Gestaltung mit vielen Beispielen für Webdesign und für Print-Projekte.

Fachbücher lesen kam in den letzten Monaten zu kurz. Der Job war fordernd, das Hirn pandemisch gelähmt, die Energie für neue Themen fehlte. Wie schade das ist, merkte ich, als ich dann zu „Layout Basics“ griff.

Ich selbst gestalte zwar keine Websites und auch keine Printprodukte. Aber ich arbeite sehr häufig in Projekten, in denen es darum geht, Websites erfolgreicher und Bücher lesbarer zu machen. Ein guter Grund, die eigenen Fachkenntnisse mal wieder aufzufrischen!

„Layout Basics“ ist eine solide Einführung in die Arbeit mit Gestaltungsrastern und besticht durch die Fülle an Beispielen für gelungenes Design. Das war neben dem beruflichen Bezug auch für mich als private Leserin sehr ergiebig, da so das Zusammenspiel von Überschriften, Textblöcken, Bildern, Infografiken und Farben klarer wird. Wie häufig ist ein Buch nur deswegen schwer lesbar, weil Typographie und Layout zu anstrengend sind!

Wer die Regeln verstanden hat, kann sie auch brechen. Aber bitte genussvoll und wohl überlegt! Die letzten Kapitel des Fachbuchs befassen sich deswegen damit, wie man Gestaltungsregeln aufbrechen kann um Rhythmik, Dynamik und Spannung zu erzeugen. Das ist für mich natürlich eine zutiefst sympathische Herangehensweise!


Infos zum Lehrbuch:

Beth Tondreau

Layout Basics.
Die wichtigsten Prinzipien für die Verwendung von Rastern.
Handbuch für Kommunikationsdesign, Layout und Gestaltung mit vielen Beispielen für Webdesign und für Print-Projekte.

Stiebner Verlag


Ein Buch, in dem die Layout-Prinzipien umgesetzt wurde: Disruptive Thinking

Verlagswesen – wie Comics wirklich entstehen

Cover des Comics Verlagswesen von Annette Köhn.

Ich arbeite seit 1987 in der Buchbranche und bemerke erst jetzt die Doppeldeutigkeit von Verlagswesen!

Schon allein dafür hat es sich gelohnt, den Comic zu lesen, den sich Annette Köhn zum zehnjährigen Jubiläum ihres JaJa-Verlags gegönnt hat. Ihre Verlagswesen sind imaginäre Figuren, die ein wenig wie Strichmännchen-Marshmallows auf zwei Beinen aussehen. Sie begleiten uns durch den ganz normalen Verlagsalltag: Bestellungen abarbeiten, Rechnungen ablegen, Versandtaschen bestellen und Kaffeepausen machen.

Klingt wenig glamourös, oder? Kann das funktionieren – ein Comic, der über weite Strecken nur Routinearbeiten aus dem Büroalltag zeigt? In dem das Top-Ereignis das Eintreffen des Paketboten ist und in dem wir die Verlegerin auf die Toilette begleiten?

Es funktioniert wirklich!

Und das liegt eben an den Verlagswesen, die die Abläufe im Verlag ganz genau verstanden haben. Sie wissen, wie die Bürogemeinschaft, die in den Räumen des Comic-Verlags lebt und arbeitet, tickt. Zudem kennen sie ihre Chefin genau und lassen ihr das beruhigende, erdende Gefühl, das von Routinetätigkeiten ausgeht und sie direkt in Tagträumereien führt, aus denen dann wiederum neue Projekte entstehen.

Der Blick der Verlagswesen auf das Geschehen prägt den Comic, der kreative Prozesse sichtbar werden lässt und dabei spektakulär unspektakulär ist. Das macht Lust, sich tiefer mit dem Programm des JaJa-Verlags zu beschäftigen!


Infos zum Comic:

Annette Köhn

Verlagswesen

Jaja Verlag

Besprechungen im tip Berlin und bei Deutschlandfunk Kultur


Mehr Comic-Tipps auf meinem Blog

Die Insel der besonderen Kinder. Oder: was ist ein leicht zu lesendes Buch?

Die Insel der besonderen Kinder. Taschenbuch vor Kellerwand, schaurig beleuchtet.

Wenn ich Rezensionen zu Fantasy-Büchern lese, wundere ich mich manchmal, was Leserinnen und Leser als „schwer zu lesen“ bezeichnen. Mal sind die Namen zu kompliziert, mal die Kapitel zu lang, mal gibt es zu viele Rückblenden oder Zeitsprünge. Diese Kritikpunkte können handwerkliche Mängel benennen. Doch fast immer sind es einfach nur stilistische Besonderheiten, die mich beim Lesen nicht ausbremsen würden.

Daran musste ich denken, als ich „Die Insel der besonderen Kinder“ las. Dieses Buch macht nämlich im Sinne dieser Rezensenten alles richtig. Es lässt sich verschlingen, in einem Rutsch durchlesen und man kann tief in die geheimnisvolle, gruselige Welt eintauchen.

Das sehe ich auch so. Obwohl Grusel oder Mystery nicht gerade zu meinen bevorzugten Genres zählen, hat mich das Buch gut unterhalten. Doch vor allem hat es mir vor Augen geführt, was andere Leser:innen meinen können, wenn sie sagen, dass diese Geschichte sich gut liest.

Bin ich hier im Kino? Oder: was zeichnet ein leicht zu lesendes Buch aus.

Straight herunter erzählte Handlung. Ausreichend Action im Wechsel mit ruhigeren Passagen. Charaktere, die exakt so viel Tiefe haben, dass man mit ihnen mitfühlen kann. Die aber nicht so komplex sind, als das man sich beim Lesen ihretwegen den Kopf zerbrechen müsste. Dialoge. Und vor allem: Bilder wie im Kino.

Ich hingegen werde misstrauisch, wenn mir beim Lesen zwischen den Zeilen entgegen gebrüllt wird: Hallo, findest Du nicht auch, dass ich mich als Drehbuch gut machen würde?

Doch die Welt der Bücher ist groß und vielfältig. Deswegen gibt es für alle und für jeden Anlass das richtige Buch. Für mich hat „Die Insel der besonderen Kinder“ in dem Moment bestens gepasst. Die Folgebände werde ich jedoch nicht lesen.


Infos zum Taschenbuch:

Ransom Riggs
Die Insel der besonderen Kinder
Band 1


Droemer Knaur

Ausführliche Rezension bei Paperblog


Ein Buch, das gut dazu passt: BUNGBund zum Schutz der Unterweltbewohner, Nachtwesen und Geister


BUNG – Bund zum Schutz der Unterweltbewohner, Nachtwesen und Geister

BUNG. Cover des Jugendbuchs.

Die meisten Bücher, die ich auf meinen Blogs bespreche, sind in mittelgroßen oder kleinen Verlagen erschienen. Bei dem Jugendbuch BUNG, dass ich als Überraschungspost in meinem Briefkasten fand, verhält es sich anders. Dieses Buch gibt es als kostenlosen Download auf der Website der Herausgeber UND als Kauf-Version bei epubli.

Ja, so habe ich auch geguckt. Doch sobald ich jemanden entdecke, der den Vertrieb von Büchern anders denkt, schaue ich genauer hin. Bei BUNG fand ich einen überraschend konstruierten Fantasy-Roman für Jugendliche, ein interessantes Kollektiv statt eines Verlags und einen Beweis, dass mein Blog gelesen wird. Aber der Reihe nach.

BUNG 1 – Vampire, Vampire!

Fünf Freunde bilden eine Bande und versuchen, hinter dem Rücken der Erwachsenen Missstände wieder in Ordnung zu bringen. Was wie ein Standard-Motiv für Jugendbücher klingt, kommt hier mit einem erfrischenden Dreh daher. Die Abkürzung BUNG steht für „Bund zum Schutz der Unterweltbewohner, Nachtwesen und Geister“. Dementsprechend warten sowohl die fünf Freunde als auch die zu rettenden Tiere mit einigen Überraschungen auf. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn jeder Hinweis auf die Handlung wäre ein Spoiler.

Stilistisch hat das Buch ein paar Schwächen. So wird zum Beispiel jede neue Figur mit ihrer Wohnsituation eingeführt. Das ist eine schöne Technik, um einen Menschen zu charakterisieren, wirkt aber auf Dauer ein wenig ermüdend. Allerdings ist das mein erwachsener Blick auf das Buch, basierend auf langjährigen Lesegewohnheiten und der Angewohnheit, Bücher zu analysieren. Als Jugendliche hätte mich das einen feuchten Kehricht geschert – ich hätte einfach weitergelesen und mich von der Spannung und den unüblichen Charakteren mitreißen lassen. Wahrscheinlich hätte ich danach gleich überlegt, wo ich so non-konforme Freunde und Freundinnen für einen Geheimbund finden könnte.

Herausgeberinnengemeinschaft Paula & Karla Irrliche

Bücher wollen gelesen werden. Das Buch als Handelsware zu betrachten ist nicht der effektivste Weg, das zu erreichen. Die Buchhandlungen konzentrieren sich auf wenige Neuerscheinungen und Longseller. Auch die Bibliotheken haben nicht alles im Bestand. Was tun, wenn man ein Buch geschrieben hat, von dem man glaubt, dass die Welt das braucht, um ein besserer Ort zu werden? Ein Buch, das im Leben von Heranwachsenden einen Unterschied machen könnte, weil es ein anderes, freieres Miteinander beschreibt?

Irrliche geht dafür einen eigenen Weg.

Die Weiterverbreitung, Nutzung und Spiegelung der Texte ist ausdrücklich erwünscht.

Quelle: Website Irrliche

BUNG gibt es einmal als kostenlosen Download auf der Website. Für die, die es verschenken wollen oder ein Exemplar für eine Bibliothek haben möchten, gibt es eine gedruckte Version, die im Buchhandel oder direkt bei epubli erworben werden kann.

Wie fand die Herausgeberinnengemeinschaft zu mir?

Manchmal ist die Suchmaschine eben doch deine Freundin. Es dürfte nicht viele Buchblogs geben, die neben Fantasy auch Bücher über Anarchismus besprechen.

Und jetzt freue ich mich darauf, das Buch in einen öffentlichen Bücherschrank zu stellen, auf dass es noch viele Leserinnen und Leser findet!

BUNG - Vampire, Vampire! Cover des Jugendbuchs vor rostigem Gitter eines Kellerfensters

Infos zum Buch:

Tuja Tiira
Bung 1 – Vampire, Vampire!


Kaufversion bei epubli
Kostenloser Download beim Herausgeberinnenkollektiv Irrliche

Wasteland – Hoffnung in einer postapokalyptischen Welt

Wasteland. Buch vor einer Wand mit Efeu.

Aus gutem Grund lese ich kaum Dystopien. „Wasteland“ hat mich jedoch mit seiner geschlechtergerechten Sprache neugierig gemacht. Was muss ich mir unter Gender-sensibler Phantastik vorstellen? Sternchen überall? Lässt sich so was lesen? Und wenn ja – wie gut?

Eines vorneweg: Es liest sich bestens und kommt ohne Sternchen aus. Ich habe die Tatsache, dass hier möglichst geschlechtergerecht formuliert wird, fast überall überlesen. Aufgefallen ist es mir nur dann, wenn es um nonbinäre Personen ging. Über Pronomen wie „ser“ oder „xier“ stolpere ich derzeit noch – aber ich freue mich darauf, mich daran zu gewöhnen! Gerade solche Romane tragen zu einer Gewöhnung bei, denn hier stehen Gender-Themen nicht im Vordergrund, sondern sind Teil der Handlung.

Etwas anderes fiel mir beim Lesen viel mehr auf: die Vielfalt der Lebensentwürfe und die Diversität der Figuren.

Wenn die Welt untergeht – wie wollen wir dann leben?

Das beginnt bei der Heldin Layla, die immer mal wieder türkische und arabische Begriffe und Redewendungen verwendet. Und es hört bei der faschistoid-religiösen Sekten mit ihrem rückwärts gewandten Menschenbild noch lange nicht auf. Dazwischen gibt es eine anarchistisch-matriarchalische Marktgemeinschaft, die jenseits der Heteronormativität in Großfamilien ohne Verwandschaftsbezug lebt. Und eine straff hierarchisch organisierte Gang, die einen Schaufelradbagger für den Tagebau zu ihrem Zuhause erklärt hat, von einer Queen geführt wird und sich durch und durch toxisch verhält.

Doch am meisten fasziniert hat mich Zeeto. Er hat eine bipolare Störung. Hätte er sie nicht, hätte sich die Handlung niemals so entwickeln können. Was für eine Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten sich auf einmal auftut, wenn Protagonist*innen die ganze Bandbreite menschlichen Lebens abbilden!

Hopepunk – auch im Wasteland gibt es noch Sonnenaufgänge

Aber trotz der Experimentierfreudigkeit des Autorenpaars habe ich mich nie wie in einem Sprachlabor gefühlt. „Wasteland“ ist ein sehr spannender Roman, dessen Plot allerdings nicht ganz ausbalanciert ist. (Mehr dazu bei Literaturkritik). Doch die Welt, in der Layla und Zeeto leben, ist klug konzipiert. Klimawandel, biologische Kampfstoffe und Umweltzerstörung haben Europa so sehr in die Apokalypse befördert, dass ich lange gebraucht habe, um Schauplätze wie die Eifel zu erkennen. Das Setting bescherte mir tatsächlich Alpträume und erinnerte mich daran, warum ich Dystopien vermeide.

Doch vielleicht besteht ja Hoffnung. Hopepunk nennt sich diese Spielart dystopischer Geschichten. Am Ende satteln Layla und Zeeto das Motorrad und reiten in den Sonnenaufgang, auf der Suche nach einer besseren Zukunft.


Infos zum Buch:

Judith C. Vogt & Christian Vogt
Wasteland


Droemer Knaur



Ob uns gelingen würde, einen Roman in geschlechtergerechter Sprache zu schreiben, wussten wir nicht, als wir damit angefangen haben. Doch es war ganz bewusst ein Experiment. …
Letztlich wird sich Sprache immer verändern, und es ist für alle, die mit Sprache arbeiten und Freude an Sprache haben, doch abenteuerlich, es mitzuerleben.

Judith C. Vogt im Werkstattbericht auf Tor Online

Ein Ritt durch die DDR-Kultur. Mittendrin: wir Leser.

Marko Martin:
Die verdrängte Zeit.
Vom Verschwinden und Entdecken der Kultur des Ostens. Das Buch auf alter Landkarte mit BRD und DDR

Wie viel Gegenkultur steckte in der Kultur der DDR?

Das ist eine Fragestellung, die sich mein westlich geformtes Gehirn nicht gestellt hätte, wenn nicht dreierlei gewesen wäre: Die Begegnung mit Kinderbüchern wie „Ede und Unku“, die in den Paketen meiner Ost-Verwandtschaft steckten, mit denen sie sich für unsere West-Päckchen bedankten. Die ausführliche Reportage im Deutschlandfunk über Punks in der DDR, anlässlich des Erscheinens des Samplers „Too Much Future – Punkrock GDR 1980-1989“. Und das bemerkenswerte Buch von Marko Martin „Die verdrängte Zeit. Vom Verschwinden und Entdecken der Kultur des Ostens.“

Staatskunst, Gegenkultur oder einfach nur Lesevergnügen?

Marko Martin versucht erst gar nicht, eine Literatur- und Kulturgeschichte der DDR zu schreiben. Er, der in der DDR aufgewachsen ist und sie im Mai 1989 verlassen konnte, geht stets von seinem eigenen Leseerlebnis aus. Er erinnert sich, wie er selbst ein Buch, ein Film, ein Bild wahrgenommen hat. Von dort aus öffnet er den Blick: Wie sieht er das Buch heute? Warum durfte es damals erscheinen, was war seine Funktion aus Sicht des Politbüros? Was war das Staatstragende an diesem Kunstwerk, was daran möglicherweise Gegenkultur? Wie wurde es von den Lesern in der DDR und wie im Westen aufgenommen? Wie hat sich der Blick auf das Buch, den Film, das Theaterstück nach dem Ende der DDR geändert? Welches Verhältnis hatten die Künstler und Schriftsteller zur Stasi? Was wurde aus ihnen nach der Wende?

Zusammengehalten werden die Betrachtungen einmal von seiner eigenen Lebensgeschichte und von einer Rahmenhandlung: ein feucht-fröhlicher Abend, an dem Wessis und Ossis ihre Erinnerungen und ihr Wissen über Bücher und Filme austauschen. Das ist genauso facettenreich wie entlarvend und war für mich insbesondere beim Blick auf Schriftstellerinnen ein Augenöffner.

DDR und BRD: Keine zwei Frauen lesen das gleiche Buch

Maxi Wander, Christa Wolf, Irmtraud Morgner – für uns frauenbewegte Leserinnen der 80er Jahre waren ihre Bücher Pflichtlektüre. Auch darüber spricht die gut gelaunte Abendgesellschaft in Marko Martins „Die verdrängte Zeit“. Gerade bei den leidenschaftlichen Diskussionen über diese Autorinnen wurde mir klar: Wir im Westen haben diese Bücher offensichtlich anders gelesen als die Frauen in der DDR.

Bei Maxi Wander hatte ich das schon immer geahnt, schon allein, weil meine Mutter „Guten Morgen Du Schöne“ ganz anders interpretiert hat als ich, die zu dem Zeitpunkt noch Schülerin war. Wenn das Alter, in dem man ein Buch liest, einen solchen Unterschied macht, muss die Lebenserfahrung und der Alltag ebenfalls einen Unterschied machen. Bei Maxi Wanders Reportagen war mir das bewusst. Doch das, was zum Beispiel bei Christa Wolf alles zwischen den Zeilen verborgen ist, konnte ich damals nicht entdecken. Ich sah die Literatur, aber nicht die darin enthaltene Gegenkultur. Andere Leserinnen sahen auf Grund ihrer eigenen Geschichte beides.

Es ist eine der ganz großen Stärken von Marko Martin, solche Nuancen mit der ungebrochenen Begeisterung eines engagierten Lesers herauszuarbeiten. Wirklich jede Zeile von ihm ist ein Plädoyer für das Lesen und für den Eigensinn der Leser:innen.

Bestandsaufnahme: DDR-Bücher, Musik und Filme, die gerne bleiben dürfen

Es gäbe noch viel zu erzählen über sein Buch und was es bei mir auslöste. Ich habe Marko Martin gerne bei seinem wilden Ritt durch die DDR-Kultur und durch das, was von ihr blieb, begleitet. Auch dann, wenn ich die Bücher und Filme nicht kannte. Denn Marko Martin macht das, was ich mir grundsätzlich wünsche: Er stellt Leser:innen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Und deren Bedürfnisse ähneln sich immer und überall.


Angaben zum Buch:

Marko Martin
Die verdrängte Zeit
Vom Verschwinden und Entdecken der Kultur des Ostens

Tropen Verlag



Too much future – Punkrock in der DDR. Gespräch mit Henryk Gericke bei Deutschlandfunk Kultur

Too much future – Der Sampler beim Underdog Fanzine


Kinder- und Jugendbücher aus der DDR, die ich hier und auf meinem Kinderbuch-Blog besprochen habe:

700 Seiten in 14 Tagen: Der Wüstenplanet.

Dune - Der Wüstenplanet von Frank Herbert. Bild der Taschenbuchausgabe aus den 80er Jahren.

Natürlich hat die Pandemie mein Lesen verändert. Ich lese eher noch mehr, aber anders. Bücher zum Eintauchen sind angesagt. Geschichten zum Abschalten und Wegträumen, Fluchtlektüre.

Jetzt war Dune, der Wüstenplanet das passende Buch für mich. Ja, den hatte ich tatsächlich noch nicht gelesen (Wüstenstaub auf mein Haupt). Und auch den Film nicht gesehen. Das wiederum verwundert nicht, da Film einfach nicht mein Medium ist.

Die 700 Seiten hatte ich in 14 Tagen weggeschwartet. Ein sicheres Indiz, dass der SF-Klassiker für mich eine gute Fluchtlektüre war. Nur die Kampfszene in der Arena habe ich quer gelesen, ansonsten hat mich alles gepackt. Das ist ein erstaunliches Ergebnis für eine Leserin wie mich, die alle Schlachten bei Tolkien nur überflogen hat.

Jetzt beschäftigen mich zwei Fragen: Will ich den Rest der ersten Trilogie auch noch lesen? Und was soll ich vom Frauenbild in Dune halten?

Auf der einen Seite war ich angenehm überrascht, eine solche Vielzahl an starken Frauen in einem Buch zu finden, das 1965 veröffentlicht wurde. Doch wie es auf diesem Blog so schön heißt:

Nebenbei ist die Menschheit in Dune ein byzantinisches neo-feudalistisches Ständesystem, und nicht direkt feministisch. Ja, das ist KEIN Widerspruch zur Existenz starker Frauen…

Blog APOKOLOKYNTHOSE

Denn auch wenn die Bene Gesserit sich in den Dienst der Menschheit stellen (was noch zu diskutieren wäre), so wird in dem Buch Menschheit doch sehr mit Mann gleich gesetzt. Im besten Fall erzeugt die romantische Liebe ein Miteinander, das sich dann aber doch wieder dem großen politischen Ziel unterordnen muss. Klingt fast wie Frank Herberts eigene Biografie:

Herberts zweite Frau Beverly Ann Stuart, die er 1949 an der Universität von Washington kennen gelernt hatte, gab ihren Job als Werbetexterin auf. Sie wurde zur Versorgerin der inzwischen vierköpfigen Familie, er konnte sich in Vollzeit in die Arbeit um Dune stürzen. Die Recherche und Ausarbeitung der Geschichte nahm ganze sechs Jahre in Anspruch.

Online-Magazin Geisterhaltung

Nichtsdestotrotz gilt für mich: Ohne die starken Frauenfiguren hätte ich den Wüstenplaneten sehr schnell in die Wüste geschickt!

(Okay, ich gehe ja schon und werfe ein paar Münzen in die Schlechte-Wortspiel-Kasse).

Mehr Science Fiction auf meinem Blog.

Kann ich gar nicht häufig genug empfehlen:

Ein Buch zum immer wieder lesen: Krabat

Otfried Preußler - Krabat. Ergattert im Büchrschrank Plankstadt.

Es gibt nur sehr wenige Bücher, die ich mehr als einmal lese. „Alice im Wunderland“ gehört dazu; die Romane von William Gibson und Terry Pratchett ebenfalls. Und eben auch Krabat von Otfried Preußler*, den ich jetzt zum dritten Mal gelesen habe. Doch eines hat bisher nur Preußler mit seinem Jugendbuch-Klassiker geschafft: Ich habe auch im dritten Durchgang wieder zum Ende geblättert und geschaut, wie die Geschichte ausgeht! Das muss ein Autor erst mal schaffen – ich ziehe den Hut!

Mein Exemplar von Krabat stammt aus dem gut sortiertem Bücherschrank in Plankstadt. Ach ja, Radtouren zu Bücherschränken – da könnte ich auch mal was dazu bloggen.

Radtour für #booknerds. 32 km. 4 Bücherschränke. 8 Bücher eingestellt. Nur eines mitgenommen.Ilvesheim war wie immer…

Gepostet von Dagmar Eckhardt am Sonntag, 12. April 2020

*Sollte jemand ein Muster in diesen Bücher erkennen, so würde ich mich über einen sachdienlichen Hinweis freuen. Danke.

50 Werkzeuge für gute Texte

Roy Peter Clark Die 50 Werkzeuge gutes Schreiben Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter

Wie lernt man, gute Texte zu schreiben? Darüber habe ich in letzter Zeit viel mit meinen Agentur-Kolleginnen diskutiert.

Talent mag die Basis sein, aber meiner Meinung nach ist texten vor allem Handwerk.

Daher passt die Haltung, die ein Buchtitel wie „Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben. Handbuch für Autoren, Journalisten und Texter.“ ausdrückt, für mich perfekt.

Handwerk und Werkzeuggebrauch kann man lernen. Üben, üben und noch einmal üben meint Malcolm Gladwell dazu und nennt einen Aufwand von 10.000 Stunden.

Roy Peter Clarke wird dem sicherlich nicht widersprechen: Er liefert in seinem Buch jede Menge Übungsaufgaben gleich mit.

Die ich, wie das meistens bei mir der Fall ist, weitesgehend ignoriere. Ich gehe mit seinen Tipps lieber gleich in die Praxis und arbeite direkt an meinen Blog-Beiträgen, SEO-Texten, Klappentexten, Pressemeldungen und allem, was ich sonst noch schreibe.

Denn das ist für mich das Tolle an dem Buch: Diese Tipps sind universell einsetzbar – egal ob Roman, Presseartikel oder privates vor sich hin schreiben. Die meisten anderen Büchern beleuchten nur einen bestimmten Aspekt wie Stil, Journalismus oder Romane.

Das hier zum Beispiel könnte direkt aus einer Anleitung für gute Online-Texte stammen – passt aber auch für viele andere Textformen:

Packen Sie das Beste an den Anfang und den Schluss, verbergen Sie weniger Wichtiges in der Mitte!

Aus: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben
Das A und O, Seite 31

Doch in einem Punkt stellt mich das Buch vor ein Rätsel: Ich habe es gebraucht bei Medimops erstanden. Wer um Himmels willen hat denn dieses Buch verkauft? So etwas gehört in die Handbibliothek!

Infos zum Buch:

Roy Peter Clark

Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben
Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter


Autorenhaus Verlag

Mehr Buch-Tipps auf meinem Blog:

Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen

Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen. Ein Essay von Anatol Stefanotitsch. Für mich das richtige Buch zur richtigen Zeit!

Diese Lektüre tat gut, richtig gut.

Ich hatte erwartet, dass „Eine Frage der Moral.
Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen.“ eine anstrengende Lektüre sein wird. Aber es kam ganz anders. Diese glasklare Argumentation liest sich nicht nur sehr flüssig – es ist auch wohltuend, endlich mal wieder einen so klugen, gut konstruierten und sehr verständlichen kurzen Text zu lesen.

Sprache macht einen Unterschied. Bereits durch die Wahl des Vokabulars gestalten wir die Gesellschaft, in der wir leben, mit. Respektvoll, sich ihrer Werte bewusst, demokratisch, interessiert an Menschen, offen für unbekannte Themen – das sind einige Eckpunkte meiner Wunsch-Gesellschaft.

Herabwürdigende Sprache ist das exakte Gegenteil davon. Damit bin ich doppelt in der Pflicht. Einmal gilt es, meinen eigenen Sprachgebrauch immer wieder zu überprüfen, und Menschen zuzuhören, die Kritik an Begriffen äußern, die ich verwende. Anatol Stefanowitsch gibt mir dafür Werkzeug an die Hand; klare Regeln, an denen ich herabwürdigende Sprache auch jenseits von Schimpfwörtern und Beleidigungen erkennen kann.

Der zweite Schritt ergibt sich aus dem ersten: dort einschreiten, wo Sprache verwendet wird, die zu einer nicht-offenen, undemokratischen und intoleranten Gesellschaft führt.

Gerechte Sprache allein schafft noch keine gerechte Welt. Aber indem wir sie verwenden zeigen wir, dass wir eine gerechte Welt überhaupt wollen.

Anatol Stefanowitsch – Eine Frage der Moral.

So gestärkt mache ich Facebook jetzt wieder auf – und gehe es an!


Angaben zum Buch, das nur ein Büchlein ist:

Anatol Stefanowitsch

Eine Frage der Moral.
Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen.

Duden Verlag

Es geht um „… eine sprachliche Inklusion von bisher diskriminierten Gruppen.“ – Anatol Stefanowitsch bei Planet Interview


Randnotiz:

Aber es gab noch einen Grund, warum ich die Lektüre so erbauend fand: So ganz nebenbei freue ich mich natürlich auch darüber, dass die alte Marke Duden, der ich mich als Mannheimerin auch noch nach ihrem Weggang aus meiner Heimatstadt besonders verbunden fühle, doch noch so etwas wie Strahlkraft besitzt. Ich bin sehr gespannt, welche Diskussionsbeiträge dort noch eine Heimat finden werden – da geht noch was!


Sprache macht einen Unterschied – auch in diesem Kontext: Wortmedizin

Kochen mit Kafka. Cartoons für Booknerds von Tom Gauld.

Kochen mit Kafka. von Tom Gauld. Cartoons für Booknerds, Leser, Autoren, Buchmenschen, Leser.

Einstimmen auf die Buchmesse: Schuhe putzen, Blasenpflaster bereitlegen. Visitenkarten zählen, Müsliriegel horten. Namensgedächtnis reaktivieren. Nochmal überlegen, wie lange man von Halle 3.1 nach 4.2 braucht.

Und mal wieder die Cartoons aus Kochen mit Kafka von Tom Gauld lesen. Niemand sonst charakterisiert diese liebenswert verschrobene, die Rituale pflegende, Totholz und Science Fiction gleichzeitig liebende Buchbranche so liebevoll und spitz wie er. Sei es der mechanische Rabe, der Bücher vorliest, oder der Aufkleber für Romane „Ein wenig wie ihr Lieblingsbuch“ – ständig denke ich „Ja, so, genau so, ist es. So sind wir. Und deswegen fühle ich mich in dieser Branche so wohl.“

Sehen wir uns in Frankfurt?


Angaben zum Buch, dass Ihr unbedingt auf der Fahrt zur Buchmesse lesen solltet. Oder zur Leipziger – je nachdem welche Fahrt für euch länger dauert!

Tom Gauld

Kochen mit Kafka

Aus dem Englischen von Christoph Schuler
Handgelettert von Michael Hau

Edition Moderne

Hier findet Ihr eine Auswahl seiner Cartoons.


Was es sonst noch zur Buchmesse zu sagen gibt: 
Von A wie antizyklisch durch die Hallen bis Z – mein Buchmessen-ABC

Oder taucht ein in das Leben einer Buchhändlerin: Papiergeflüster

Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack. Und der Unfehlbarkeit des Autors.

Buchrückseite: William Gibson - Misstrauen sie dem unverwechselbaren Geschmack. Essays und Artikel.

Eigentlich sind mir Autoren egal. Ich interessiere mich für ihre Werke. Ja, ich weiß, es gibt einen Menschen dahinter. Aber ob Jasper Ffforde bereit wäre, Käse zu schmuggeln, ob Laurell Hamilton ein ähnlich spannendes Sexleben wie Anita Blake hat oder ob Terry Pratchett Cider oder Ale bevorzugte – das ist mit, gelinde gesagt, schnurz.

Aber manchmal liest man dann völlig unvermittelt Texte, in denen der Autor sich nackt macht. So ging es mit mit den Essays von William Gibson, die der Tropen Verlag in „Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack – Gedanken über die Zukunft der Gegenwart“ veröffentlicht hat. Was soll man tun, wenn man auf einmal Dinge über einen Autor erfährt, die man eigentlich gar nicht wissen wolle? Weiterlesen, was sonst. Schließlich ist man Leserin.

Für mich waren seine Bücher – die Neuromancer-Trilogie habe ich hier besprochen – intelligente, gesellschaftskritische Zukunftsromane mit philosophischen Unterbau. Wieviel Mensch, wieviel William Gibson darin steckt – darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht.

Zum Glück erzählt William Gibson nicht nur über sich selbst. Er spricht über Bücher, Musik, Filme und vor allem darüber, wie Ideen zu ihm kommen und wie seine Bücher entstehen. So entsteht eine zweite Ebene: in dem Gibson über Sachthemen philosophiert und wohl dosierte Einblicke in sein Leben als Autor gewährt, ermöglicht er uns einen Blick in seine Werkstatt. Doch diese Teilhabe ist kein Panoramablick, es ist nur ein Blick durch das Schlüsselloch.

Zitat William Gibson über Joy Division
Wie Technik die Wahrnehmung verändert: der Walkman.

 

Essays als Steinbruch für zukünftige Bücher

Noch interessanter wurde das Buch durch die launischen Kommentare des Autors. Jeder Artikel endet mit einem Rückblick des Autors. Darin erzählt er, warum und wie die Texte entstanden sind und was er heute davon hält. Vieles sind Auftragsarbeiten, mit denen er heute nicht mehr glücklich ist. Manches davon benutzt er immer noch als Steinbruch und lässt daraus neue Bücher entstehen. Es ist vor allem diese innere Blattkritik, die offen legt, mit welchem Qualitätsanspruch William Gibson an seinen Texten feilt, die Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack für mich so spannend machte. Durch sie wird der Blick über die Schulter des Autors in seine Werkstatt erst so richtig komplett.

William Gibson Zitat
Zitat für das Buchhändlerinnen-Poesie-Album

Angaben zum Buch:

Sachbuch Cover: Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack Gedanken über die Zukunft als Gegenwart

William Gibson

Aus dem Englischen von Hannes und Sara Riffel

Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack
Gedanken über die Zukunft als Gegenwart

Tropen Verlag im Klett-Cotta Verlag

Rezensionen im Culturemag und bei Booknapping – von Sandra hatte ich auch den Buchtipp. Danke dafür!


 Manchmal habe ich den Eindruck, das Aiki Mira weiterführt, was Williem Gibson begann. Hier meine Rezension zu Neongrau