
Ich habe lange gezögert, ob ich das Buch „Gute Politik. Was wir dafür brauchen.“ von Peter Kurz wirklich lesen möchte. Meine Befürchtung war, dass es zu theoretisch sein könnte und eher für Verwaltungsfachleute geschrieben wurde. Doch der Ex-Oberbürgermeister meiner Heimatstadt Mannheim richtet sich einfach an alle engagierten Bürger*innen. An Menschen, für die ihre Stadt mehr ist als der Ort, an dem sie arbeiten, einkaufen und schlafen. Vor allem schreibt er für Menschen, die eine Ahnung haben, dass die Orte, an denen wir uns im Alltag begegnen, die Keimzellen der Demokratie sind. Hier handeln wir aus, wie wir miteinander leben wollen.
Um das zu ermöglichen, braucht es handlungsfähige, zukunftsorientierte Städte und Kommunen. Viele der Gesetze kommen zwar vom Bund. Doch umgesetzt werden sie vor Ort. Dort erleben die Menschen, ob die Politik funktioniert. Das gilt für alle großen Themen wie Klimawandel, Bildung, Migration, Wohnen, Mobilität, Gesundheit oder die Bewahrung der Demokratie.
Aber hat die Kommunalpolitik wirklich alles, was sie dafür braucht – die richtigen Regeln, genug Budget, funktionierende Strukturen? Und vor allem: Hat sie die Sprache und die innere Haltung, um die Bürger*innen zu erreichen? Ihr ahnt es: Es gibt noch viel zu tun.
Politische Rede oder Buch? Wie mein Ex-OB schreibt
Sprachlich hat das Buch von Peter Kurz seine Eigenheiten. Artikel lässt er gerne weg, was mir die Orientierung im Text erschwerte. Es gab mehr als einen Satz, den ich zweimal lesen musste. Diesen hier zum Beispiel:
Effektiv gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar das Gegenteil.
Gute Politik, Ausgabe der bpb. Seite 45
Was hilft: sich das Buch als Rede vorzustellen. Mit den passenden Sprechpausen und etwas Dramaturgie wird vieles zugänglicher.
Was habe ich für mich mitgenommen? Politik beginnt vor der Haustür!
Mir hat es gutgetan, den Blick auf Politik umzudrehen. Nicht „die da oben“ in den Fokus zu nehmen, sondern das Miteinander vor Ort. Allerdings bereitet mir die niedrige Beteiligung an Kommunalwahlen jetzt noch mehr Sorgen.
Und natürlich schenkte mir das Buch Einblicke in meine Heimatstadt und Anekdoten aus Mannheim. So wie die des Monnemer Bub, der auf die Frage, ob er eher für die Türkei oder für Deutschland Fußball spielen würde, sofort mit „Türkei!“ antwortete. Um nach einer kleinen Pause hinzuzufügen: Aber wenn Mannheim gegen die Türkei spielen würde, dann würde ich für Mannheim antreten!
Für mich bringt diese Anekdote auf den Punkt, was das Buch vermitteln will: Unsere stärkste Verbundenheit gilt oft dem konkreten Ort, an dem wir zu Hause sind. Genau deshalb ist Kommunalpolitik so wichtig – sie gestaltet die Orte, mit denen sich Menschen wirklich verbunden fühlen. Hier, in unseren Städten und Gemeinden, entsteht echte Loyalität – und damit auch die Grundlage für gelebte Demokratie.
Infos zum Buch:
Peter Kurz
Gute Politik. Was wir dafür brauchen.
Preisgünstige Sonderausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung bpb
In der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) erscheinen Bücher, die die politische Bildung fördern und den gesellschaftlichen Diskurs stärken. Die Bücher werden stark vergünstigt angeboten. Das hier besprochen Buch von Peter Kurz kostet im Originalverlag S. Fischer 20 €; bei der bpb in deutlich einfacherer Ausstattung hingegen nur 5 €.
Die Reihe deckt ein breites Spektrum ab – von Geschichte über Zeitgeschehen, Wirtschaft, Gesellschaft bis zu internationalen Beziehungen. Auch Kindersachbücher erscheinen dort. Damit soll eine fundierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Perspektiven ermöglicht werden.
Podcast mit Peter Kurz
Zur guten Politik gehört auch gute Kulturpolitik. Im Podcast Bühneneingang von Fabian Burstein habe ich erfahren, wie wichtig Kultur für die Stadtentwicklung ist – und nebenbei habe ich noch viel über meine Heimatstadt Mannheim gelernt.
Mehr Bücher über Mannheim auf meinem Buch-Blog
Mein Recht auf Stadt: Platz nehmen





