Georg Schweisfurth – Bewusst anders – Rezension

In seinen schlechten Momenten ist „Bewusst anders – Erfahrungen eines Öko-Pioniers“ von Georg Schweisfurth ein erweiterter beruflicher Lebenslauf. Da muss der Leser durch. Belohnung für dieses klein bisschen Lese-Ausdauer gibt es reichlich, denn in seinen guten Momenten ist „Bewusst anders – Erfahrungen eines Öko-Pioniers“ inspirierend, bereichernd, motivierend. Und die guten Momente überwiegen!

Autobiografien funktionieren für mich dann am besten, wenn ich als Leserin eine persönliche Beziehung zum Autoren aufstellen kann. Über Georg Schweisfurth wusste ich vor meiner Lektüre nichts. Der Familienname Schweisfurth sagte mir etwas, genauso wie die Herrmannsdorfer Landwerkstätten.
Welche Projekte noch alles im Umfeld der Familie Schweisfurth entstanden waren und das Georg Schweisfurth einer der Gründer der Bio-Supermarktkette Basic ist, bei der ich selbst gelegentlich einkaufe, war mir nicht bewusst. Warum habe ich eigentlich zu dem Buch gegriffen? Das lag wohl an dem Titel:

„Bewusst anders“ – ein sehr schönes Lebensmotto.
Mich hat die Lebensgeschichte von Georg Schweisfurth immer dann besonders fasziniert, wenn er mit tiefen Respekt und großer Dankbarkeit über Menschen schreibt, die ihn beeindruckt und inspiriert haben. Es scheint, das er keine Möglichkeit zu lernen ausgelassen hat und immer bereit war, seinen Horizont zu erweitern. Nicht alles, was er anfasste, ist ihm gelungen – aber alles, was er anfasste, brachte ihn auf seinem Lebens- und Lernweg weiter. Sehr sympathisch. Genau dieser Aspekt hat es mir als Leserin ermöglicht, meine ganz eigene Beziehung zum Autor aufzubauen, so das ich über gewisse Passagen mit dem Charme einer Bewerbungsmappe hinweg lesen konnte.

Bio für alle, Leben im Einklang mit der Natur und Respekt vor der Schöpfung – diese Anliegen vertritt Georg Schweisfurth engagiert. Er argumentiert mit Herzblut, will überzeugen und kommt fast ohne das Druckmittel des schlechten Gewissens aus. Sein Schwung und seine Ausstrahlung wirken und lassen Wandel und Veränderung möglich erscheinen. Ich habe das Buch mit dem einem guten Gefühl beendet.


Georg Schweisfurth
Bewusst anders
Erfahrungen eines Öko-Pioniers
DTV

(leider nicht mehr lieferbar)


Ein Büchlein, das gut dazu passt: Maike Braun – In 80 Jahren eine neue Welt

Martin Boroson – One Moment Meditation – Buch-Tipp

Das einzige, was „One Moment Meditation“ von Martin Boroson erschienen im Kamphausen Verlag mit anderen Meditationsbüchern gemeinsam hat, ist, das auch dieses Buch sich nicht von alleine meditiert.
Jammern nützt nichts – selbst hinsetzen und üben ist angesagt.
Aber damit hören auch schon alle Gemeinsamkeiten auf.

Martin Boroson hat eine ganz eigene Meditationstechnik entwickelt, die ich als Achtsamkeitskonzentrat bezeichnen würde. Ob das nun noch echte Meditation ist oder nicht – darüber mögen sich bitte die Gelehrten streiten. Mich interessiert nur, ob es wirkt. Und es wirkt!

Eine Minute genügt.

Eine Minute ist nicht viel; eine Minute kann jeder erübrigen. Damit hebelt Martin Boroson schon mal eine der Lieblingsausreden aus: „Ich habe keine Zeit“ gilt nicht. Auch den anderen typischen Ausreden rückt er mit Charme, Sturheit und buddhistischer Gelassenheit auf den Leib. In meinem Fall blieb erst einmal nur eine Ausrede übrig: ich hatte keinen Wecker.

Um die Basisminute der „One Moment Meditation“ umzusetzen benötigt man zwingend einen Wecker, denn es soll bei einer Minute bleiben. Eine Minute nichts weiter als still sitzen, atmen. Einatmen, ausatmen. Annehmen was kommt und weiteratmen. Und es wird einiges kommen – Unruhe und seltsame Gedanken. Das gehört dazu, aber nach einer Minute ist es ja vorbei.

Die Basisminute ist so etwas wie eine Stopp-Technik, eine konzentrierte Entspannung, ein Achtsamkeits-Hammer – einfach und effektiv. Wer diese Technik beherrscht, kann aufbauen, weiterentwickeln und experimentieren und wird doch immer wieder zur Basisminute zurückkehren.

Faszinierend – it´s meditation Jim, but not as we know it!


*Dieses Buch aus dem großartigen Kamphausen Verlag habe ich bei Blogg dein Buch gewonnen – Danke schön!*

Infos zum Buch:

Martin Boroson
One Moment Meditation
Stille in einer hektischen Welt
Kamphausen Verlag

Update 2025: Der Kamphausen Verlag wurde eingestellt, ein Großteil des Buchprogramms wurde vom Silberschnur Verlag übernommen. Dieser Titel ist jedoch nicht mehr lieferbar. Eine kurze und sehr charmante Einführung in die Meditationstechnik gibt es noch auf Youtube.


Meditieren könnte so einfach sein: Einatmen, ausatmen. Dazu passt dieses Buch: Das Geheimnis des Atmens.


Das Achtsamkeits-Übungsbuch für Beruf und Alltag – Rezension

Wenn ich gehe, gehe ich. 

Wenn ich esse, esse ich. 


Wenn ich blogge, blogge ich.



Schön wärs. 

Ausatmen, Salzstangen zur Seite schieben, Social Media schließen, To-Do-Liste für morgen aus dem Blickfeld räumen, denn „Das Achtsamkeits-Übungsbuch für Beruf und Alltag“ hat meine volle Aufmerksamkeit verdient.
Mehr Lebensqualität durch Entschleunigung verspricht der Ratgeber von Halko Weiss, Michael E. Harrer und Thomas Dietz aus dem Hause Klett-Cotta. Dies ist kein Wellness-Buch, kein Seelenstreichler, kein Buddha-leicht-gemacht für den Westler.

„Das Achtsamkeits-Übungsbuch“ ist ein fundierter psychologischer Ratgeber. Die geballte Therapeuten-Erfahrung hilft, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren. Die Übungen sind machbar. Zwei (!) CDs helfen beim Training.
Ja, ich meine wirklich Training – dieses Buch macht Arbeit. Erst einmal. Und dann bringt es Leichtigkeit im Alltag und damit mehr Raum für mehr Training. Achtsamkeit üben bedeutet lebenslanges Üben. Klingt schlimmer als es ist, denn Achtsamkeit üben bedeutet auch lebenslange Erfolgserlebnisse.
Allerdings erfordert das Buch eine gewisse Bereitschaft, sich auf psychologische Theorien und Forschungen einlassen. Es ist keine How-to Anleitung in 10 Fotos, aber es ist immer verständlich und motivierend. Und es lohnt sich, versprochen!


Infos zum Buch:

Weiss, Halko / Harrer, Michael E. / Dietz, Thomas

Das Achtsamkeits-Übungsbuch
Für Beruf und Alltag

mit 2 CDs

Klett-Cotta Verlag
ISBN : 978-3-608-94709-0

Eine Hörprobe mit Übungen gibt es bei Klett-Cotta.


Achtsamkeit, aber ganz anders: Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Wie Erwachsene entdecken können, wie Kinder die Welt entdecken – Weltwissen der Siebenjährigen – Rezension

Weltwissen der Siebenjährigen - Sachbuch

„Wie Kinder die Welt entdecken können“ – so lautet der Untertitel von Donata Elschenbroichs Buch „Weltwissen der Siebenjährigen“.

Mir ging es bei der Lektüre vor vielen Jahren jedoch darum, wie ich als Erwachsene die Sicht der Kinder auf die Welt entdecken könnte. Und da hat mir dieses Buch wirklich die Augen geöffnet …

Doch der Reihe nach.

Damals wollte ich mal wieder etwas ganz genau wissen. Wie sehen Kinder die Kinderbuchabteilung, in der ich arbeite? Wie sehen sie die Bücher? Was interessiert sie? Und warum? Wie treffen sie ihre (Kauf)Entscheidungen? Und wie kann ich als Buchhändlerin ein Kind beraten? Auslöser war damals, dass ein paar mal zu oft ein Beratungsgespräch damit endete, dass das Kind die Klappentexte las und dann nach dem Cover auswählte … das ging gegen meine Berufs-Ehre.

„Weltwissen der Siebenjährigen“ war für mich eines der wichtigsten Bücher – vorsicht, Pathos – es hat meinen Blick auf meine Kinderbuchabteilung geändert. Donata Elschenbroich hat es verstanden, meinem Erwachsenen-Ich ein Gefühl dafür zu geben, wie es ist, die Welt zum allerersten Mal zu entdecken.

Ausprobieren, lernen, wachsen: was zum groß werden gehört

Listen waren zu Erscheinen des Buches schrecklich „in“ (erinnert sich noch jemand an Schotts Sammelsurium?).

Donata Elschenbroich bietet eine Liste der Dinge, die ein Kind bis zum siebten Lebensjahr gemacht – oder besser – erlebt haben soll. Darunter befindet sich Ereignisse wie „in einen Bach gefallen sein“ und „woanders übernachten“. Durch ihr Buch konnte ich nachvollziehen, wie Lernen funktioniert, was zum Lernen alles dazu gehört und was es bedeutet, sich die Welt zum allerersten Mal anzueignen.

Wenn sich Kinder im Laden nicht entscheiden konnten, dann hatte das viel damit zu tun, dass sie noch keine Entscheidungs-Findungs-Routine hatten – und ich viel zu viel von dieser Routine. So kann die Kommunikation ja nicht funktionieren!

Danach konnte ich auch einen Praxis-Tipp, den ich auf einem Seminar gehört hatte, viel besser umsetzen. „Empfehlen sie Kinderbuchklassiker, denn für jeden neuen Jahrgang sind diese Bücher wieder neu.“ Natürlich sind nicht nur die Bücher neu, sondern auch die darin enthaltenen Themen, denn jedes Kind entdeckt die Welt neu.

Nur die Erwachsenen neigen dazu, so zu tun, als sei schon immer alles da gewesen.

Wer neugierig auf die Liste ist: hier ein Auszug. Noch mehr davon findet ihr auf dieser Website.

…Ein siebenjähriges Kind sollte vier Ämter im Haushalt ausführen können (etwa: Treppe kehren, Bett beziehen, Wäsche aufhängen, Handtuch bügeln). Es sollte ein Geschenk verpacken können. Zwei Kochrezepte umsetzen können, für sich und einen Freund, für sich selbst und für drei Freunde. Es sollte einmal ein Baby gewickelt oder dabei geholfen haben. … Es sollte drei Fremdsprachen oder Dialekte am Klang erkennen. Drei Rätsel, Witze erzählen können. Einen Zungenbrecher aufsagen können.  … Eine Sonnenuhr gesehen haben. Durch ein Teleskop geschaut haben, zwei Sternbilder erkennen. … In einer Bücherei gewesen sein, in einer Kirche (Moschee, Synagoge…), in einem Museum. Einmal auf einer Bühne gestanden haben und einem Publikum mit anderen etwas Vorbereitetes vorgetragen haben. …

Weltwissen der Siebenjährigen von Donata Elschenbroich. Seite 23 ff

Für Donata Elschenbroich selbst ist das übrigens keine Checkliste, die Kinder abhaken sollen, sondern eine Aufforderung an Erwachsene, für sich selbst zu überprüfen, welche Entfaltungsmöglichkeiten sie Kindern zur Verfügung stellen. Ihre Herangehensweise verführt die Lesenden aber auch noch zu etwas ganz anderem. Es lohnt sich, als Erwachsene die Liste durchzugehen und sich zu fragen „Wann habe ich eigentlich das letzte Mal etwas zum allerersten Mal gemacht?“


Infos zum Buch:

Donata Elschenbroich
Weltwissen der Siebenjährigen
Wie Kinder die Welt entdecken können

Goldmann Verlag


Museumsbesuche und Kunstgenuss gehört auch zu den Dingen, die Siebenjährige erlebt haben sollten. Kunst für Kinder – dazu gibt es viele Bücher. Mir hat dieses gut gefallen: