Nick Cave – Graphic Novel von Reinhard Kleist

Die Graphic Novel über Nick Cave und mein Knie auf der Couch. Erotischer wird es heute nicht mehr.

Als ich mit der Graphic Novel „Nick Cave – Mercy on me“ von Reinhard Kleist auf der Couch lag gingen mir drei Gedanken durch den Kopf: Eine Graphic Novel liest sich also auch nicht schneller als ein Buch. Verdammt, ich habe kein Vokabular um angemessen über die Illustrationen zu schreiben. Wie um Himmels Willen konnte ich Anita Lane bisher übersehen? Verdammnis, der Himmel und die Frage nach der Zeit – daraus könnte Nick Cave gleich einen richtig guten Song machen. Ich gehe es ein paar Nummern kleiner an und versuche mich an einer ordentlichen Rezension im Stil der GeschichtenAgentin: was habe ich mit der Graphic Novel erlebt? Tote Frauen und Pathos Nick Cave ist für mich ein großer Künstler und ein Phänomen. Ich ergänze dazu ganz sexistisch: ein gut aussehender Mann (vor allen Dinger später, als er etwas mehr auf den Rippen hat), stilbewusst bis eitel, mit einer wunderbaren Stimme.…

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Wut ist ein Geschenk: Gandhis Enkel erzählt

Wut ist ein Geschenk, Arun Gandhi - Gandhis Enkel erzählt

Zu Beginn seiner Pubertät war Arun Gandhi ein aufbrausender Junge, der in viele Prügeleien verwickelt war. Dabei lebten seine Eltern nach den Prinzipien der Gewaltlosigkeit – genau wie sein Großvater Mahatma Gandhi. Doch Gandhis Enkel war wütend. Als Inder in Südafrika erlebte er Rassismus; als Schüler einer katholischen Schule Willkür. Seine Eltern ahnten, dass seine Pubertät so keinen guten Verlauf nehmen konnte und schickten ihn nach Indien, zu seinem Großvater Mahatma Gandhi in den Ashram. Gandhi war ein herzlicher, humorvoller Großvater. Einer, der sich Zeit für seinen Enkel nahm. Quality time würden wir das heute nennen. Seinem Enkel Arun brachte er zuallererst das Spinnen bei, denn sind die Hände beschäftigt, lässt es sich besser denken. Wenn sie zusammen am Spinnrad saßen, erzählte er seinem Enkel Geschichten, darunter auch viele aus seinem eigenen Leben. Gandhi war nicht von Geburt an friedvoll und so lautete die erste Lebensweisheit, die er seinem Enkel…

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Iggy Pop – der halbnackte Mann auf der Couch

Iggy pop biografie

In einem Tempo, in dem ich sonst nur Fantasy-Romane lese, habe ich die Iggy Pop Biografie „Open up and bleed“ von Paul Trynka durchgelesen. Nicht, weil sie so gut geschrieben wäre – das ist sie leider nicht -, sondern weil Iggys Leben einfach zu spannend ist. Zumindest in den ersten zwei Dritteln. Irgendwann kam ich an dem Punkt, an dem mich sein Lebensmuster „hart arbeiten, eine geniale Idee haben, zielsicher Mist mit Drogen bauen, David Bowie kommt und sorgt für ein Wunder, scheitern“ langweilte. In dieser Phase des Buches störte es mich dann besonders, dass der Autor Paul Trynka mehr damit beschäftigt war, chronologische Zeitabläufe zu schildern als Querverbindungen herzustellen und Zusammenhänge zu erläutern. Wer spielte wann in der Band, wer wurde aus welchen Gründen rausgeworfen, wann hat er sich wie auf der Bühne verletzt, welches Groupie erlangte mehr Bedeutung in seinem Leben und wann nahm er welche Drogen –…

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Joy Division: alle Songtexte und viel Raum für Legendenbildung

Buch Songtexte Joy Division Ian Curtis

Zwei Essays, alle Songtexte und Fragmente und sehr viel Raum zur Legendenbildung: das enthält der edel ausgestattete Band So This Is Permanence – Joy Division. Songtexte und Notizen. Deborah Curtis, die Witwe des Sängers, Dichters und Perfomance-Künstlers – anders kann man seine Bühnenauftritte kaum bezeichnen – erzählt im ersten Text des Buches von ihrer Liebe zu Ian Curtis, den sie als sensiblen, von seiner Arbeit besessenen Künstler wahrnimmt. Das ist sehr persönlich und verankert den Ausnahmekünstler im normalen Leben. Aber bei mir kam bei der Lektüre der Eindruck auf, dass hier doch viel ausgeblendet wird. Das kann aber auch an der Kürze des Textes liegen. Belesen und dystopisch Joy Division waren eine Band, die Ian Curtis nach seiner Vorstellung geformt hatte, und die war von Belesenheit geprägt und zutiefst dystopisch. S. 19 Spannender finde ich den zweiten Essay und die Verbindungen zur Literatur, die Jon Savage darin aufzählt. Wahrscheinlich gab es schon Semesterarbeiten…

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Fan war ich eigentlich nicht: Kim Gordon und Sonic Youth

Kim Gordon Girl in a band Autobiographie Sonic Youth

Rock’n’Roll war das nicht: Sonic Youth waren mir damals zu künstlerisch wertvoll. Zu wenig Unterleib. Anerkannt gute Songs, aber insgesamt zu kopflastig. Aber da stand Kim Gordon. Sie blieb mir im Gedächtnis. Ohne, das ich allzu viel über sie wusste, war sie für mich ein Role Model – eine Frau, wie ich mir Frauen vorstellte. Dafür brauchte es keinen feministischen Diskurs, dafür brauchte es eine Frau, die tat, was sie tat, inmitten von Männern und dabei sehr zufrieden aussah. Sie war für mich ein Vorbild – einfach dadurch, dass sie so auf der Bühne stand, wie sie da stand und einfach dadurch, dass sie ihre Version von Musik machte. Cool war sie für mich – aber wie ich jetzt nach der Lektüre von „Girl in a band“ weiß, sah sie das anders. Coolness war für sie ein weiteres künstlerisches Konzept. Den feministischen Diskurs würde ich heute nach der Lektüre liebend…

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Neil Young – ein Hippie träumt von der perfekten Modell-Eisenbahn

Autobiografie Neil Young

Neil Young eröffnet seine autobiographischen Fragmente mit Überlegungen und Schwärmereien zu seiner Lionel Modelleisenbahn. Das ist, gelinde gesagt, ein unerwarteter Einstieg in das Buch eines Rockstars. Überhaupt ist so einiges überraschend an seinen Erinnerungen, die munter zwischen den Jahrzehnten und Themen hin und her springen und doch völlig in der Gegenwart und seiner Person verwurzelt sind. Ja, man erfährt einiges über seine Musik, seine Weggefährten. Und ja, es gibt Anekdoten am Rande der Legalität. „Ein Hippie-Traum“ ist definitiv das Buch eines Rockstars. Doch es ist noch viel mehr.

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