Wie wird Landschaft sichtbar? Durch Spaziergangswissenschaft!

Es gibt Bücher, die würde ich mir im Leben nicht kaufen. Ganz einfach, weil ich von ihrer Existenz gar nichts weiß. Wer mir und meinen Lese-Vorlieben schon länger folgt, ahnt, wie perplex ich ob dieser Aussage bin. Ich bin eine Kreuz-und-quer-Leserin und ich schätze die Arbeit kleinerer Verlage sehr. Aber das Buch „Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft“ von Lucius Burckhardt, erschienen im Martin Schmitz Verlag, war mir noch nie begegnet. Zum Glück habe ich einen sehr guten Freund, der dieses Buch in der Karl Krämer Fachbuchhandlung entdeckt hat. Sein erster Gedanke war anscheinend „Spaziergangswissenschaft? Dagmar!“, wozu sicherlich unsere gemeinsamen Instawalks beigetragen haben. So wurde aus dem Buch ein Geburtstagsgeschenk für mich – was für ein glücklicher Zufall! Kann ich von einem Buch begeistert sein, an dem ich sehr lange gelesen habe, weil es sich zwischendurch zog? Ich kann, denn diese Essays waren nie als Buch geplant. Es ist eine Sammlung von Vorträgen, Interviews und…

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Wandern bei Nacht. Was wir in der Dunkelheit erleben können

Das Leuchten schneeweiß blühender Obstbäume in der Nacht, das unverschämt laute Schmatzen eines Igels: Nachts verändert sich jeder Garten. Doch ich erlebe das meist nur vom Fenster. Ganz anders der Autor John Lewis-Stempel. Er nutzt Anfälle von Schlaflosigkeit, zieht nachts mit seinem Hund los und lässt uns in „Wandern bei Nacht. Was wir in der Dunkelheit erleben können“ mit nahezu poetischen Miniaturen daran teilhaben. Mehr als einmal vergaß ich, weiter zu lesen, denn sein wunderbarer Schreibstil verführte mich, in eigenen Erinnerungen spazieren gehe. Ich sah wieder die Eule auf einer Plakatwand im Industriegebiet sitzen. Ich hatte sie entdeckt, als ich von einer Kneipentour zurück radelte. Oder die verstörende Geräusche, die mich letzten Sommer geweckt hatten. Es klang, als würde jemand schwer arbeitend den Garten umdekorieren. Tatsächlich lagen am Morgen einige Steine rund um den kleinen Gartenteich nicht mehr an ihrem Platz. Trotzdem dauerte es noch Wochen, bis wir begriffen, dass wir nachts einen Waschbären zu…

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Unter Bäumen ist mir wohl

Ein Wald, der zum Urwald wurde, weil er im Niemandsland zwischen BRD und DDR lag. Etwas, was Wald genannt wird, aber eine Forst-Plantage ist. Ein Waldstück, das ein fürstliches Jagdgebiet war. Bäume, die auf Dünen wachsen. Die Wälder, die Helmut Schreier für sein Buch ausgewählt hat, sind klug zusammengestellt. So unterschiedlich, wie sie sind, haben sie doch eines gemeinsam: An ihnen lässt sich gut ablesen, dass das, was wir Wald nennen, stets von Menschen gemacht wurde. Forstwirtschaft, Jagdgebiet, Waldweide – es sind die Maßnahmen der Menschen und die Antwort der Natur darauf, die aus Bäumen und Unterholz einen Wald formen. Im Vergleich zu alten Buchenurwäldern oder Bergwäldern sind diese Wälder eher unscheinbar. Wälder, wie wir sie überall in Deutschland haben könnten. Doch jeder ist einzigartig, wenn man genau hinschaut. Und das tut Helmut Schreier. Er schaut genau hin, wie der Wald aussieht und woraus er besteht. Er blickt aber auch auf seine Geschichte und darauf,…

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Ein schottischer Adliger in Dresden: Lord Findlater und seine Gärten

Das Leben von James Ogilvy, 7. Earl of Findlater, hatte alles, was es für einen guten Roman braucht. Politische Ambitionen, Beleidigungsklagen und Familienintrigen. Standesdünkel und nicht standesgerechte Liebschaften. Desinteresse an einer heterosexuellen Lebensweise. Ein Vermögen, das zwar groß, aber doch zu klein für das kostspielige Interesse an Gartenkunst war. Bildungsreisen durch Europa und Flucht vor Kriegswirren. Nicht zuletzt eine Vision: den perfekten Landschaftsgarten zu errichten. Und dann, als Lord Findlater endlich alle Grundstücke am Dresdner Elbhang in Besitz gebracht hatte, die er benötigte, um seinen Gartentraum »Findlaters Weinberg« zu verwirklichen, dann … stirbt er. Mit 61 Jahren. Sein Erbe: sein langjähriger Sekretär und Lebensgefährte Johann Georg Christian Fischer. Zum Glück ist »Lord Findlater und die Gärten seiner Zeit« kein Roman. Einen solchen Plot-Twist hätte ich den Autoren nämlich nie verziehen. Aber es ist auch keine reine Biografie. Martin Päckert und Frank Klyne hatten anderes im Sinn. Sie verknüpfen Lord Findlaters Biografie mit Betrachtungen über die…

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Zugvögel. Reisewege und Überlebensstrategien. Bildband

Egal, was die Biologen herausfinden, das Staunen bleibt. Wir sehen den großen, weiten Himmel und den kleinen Vogel. Wir hören die unvorstellbare Zahl, die die Kilometer angibt, die er zurücklegt. Da helfen keine Forschungsergebnisse durch Satellitentechnologie, keine Isotopenanalyse oder was auch immer in der Vogelkunde an wissenschaftlichen Methoden zum Einsatz kommt: Wir können es nicht fassen, was Zugvögel leisten. Genau davon berichtet das Sachbuch »Zugvögel. Reisewege und Überlebensstrategien.« Über 60 Zugvögel und ihre Reiserouten werden porträtiert. Beeindruckende Tierfotografien (250 Fotos auf 288 Seiten!) und Karten mit den Routen ergänzen die informativen Texte, in denen wirklich sehr viel Wissen steckt. Aber gerade die Sachtexte haben mir gezeigt, wie sehr ich mittlerweile durch Nature Writing verwöhnt bin: mir waren die Erläuterungen über weite Strecken zu trocken. Bleibt das Schwelgen in den Bildern und der sehnsüchtige Blick gen Himmel! Bibliographische Angaben zum Bildband: Mike Unwin & David Tipling ZugvögelReisewege und Überlebensstrategien Dumont Verlag Natürlich habe ich noch mehr…

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Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten

Natürlich sind die elektronenmikroskopischen Aufnahmen von Insektenlarven und Insekten beeindruckend. Und doch werden es nicht die 90 großformatigen Fotos sein, die mir nach der Lektüre des Sachbuchs „Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten und wie sie weitergehen kann“ im Gedächtnis bleiben werden. Dieses Buch hat mich zum Staunen gebracht und mir gezeigt, wie wenig ich von der Natur um mich herum verstehe. Was ist ein Insekt? Die Erklärung aus den Biologie-Büchern enthält Merkmale wie wirbellos, sechs Beine und einem dreigeteilten Körper. Die Antwort meines Alltags-Ichs wäre, das kennzeichnend für ein Insekt ist, das es vor allem im Sommer um mich drumherum fliegt oder weg krabbelt. Doch in beiden Fällen wird ausgeblendet, dass diese Umschreibung nur für einen kleinen Teil des Insektenlebens zutriffst – und meist auch nur für den kürzeren. Hirschkäfer leben fünf bis acht Jahre als Larve. Hirschkäfer-Männchen existieren in der Form, die wir umgangssprachlich als Käfer bezeichnen, nur wenige Wochen. Auch die Weibchen…

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Nachtflug. Die faszinierende Welt der Fledermäuse

Lanzennase, Hammerkopf und Kammzahnvampir – schon die Namen der Fledermausarten sind ein Ereignis. Und ihre Lebensweise erst recht! Sie sind raffinierte Jäger mit ausgeklügelten Jagdtechniken, ihre Flugkünste sind beeindruckend und ihr Sozialverhalten lässt so manch menschliches Verhalten arm erscheinen. Es gibt Fledermausarten, die ihre Kollegen mit weniger Jagderfolg mit Beute versorgen. Und es gibt Fledermauskolonien, in denen die trächtigen Weibchen aus der Höhle ausziehen und eine eigene Kolonie gründen. Sie machen das, damit der Nachwuchs besser vor Krankheiten geschützt ist. Denn das ist der Nachteil, den das Zusammenleben mit einer beachtlichen Anzahl an Artgenossen auf engstem Raum mit sich bringt: Kaum ein Tier weist so viele Parasiten und Viren auf wie Fledermäuse. Je länger ich in dem Buch „Nachtflug“ von Klaus Richarz gelesen habe, desto mehr fiel mir auf, wie wenig ich bisher über die Lebensweise von Fledermäusen wusste. Meine erste Fledermaus habe ich in der Hochhaussiedlung Betzenberg in Kaiserslautern gesehen. Sie hing außen am…

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Bäume in der Kunst

Der nüchterne Titel „Bäume in der Kunst“ täuscht. Der kleinformatige Bildband mag minimalistisch daher kommen, doch in Wahrheit ist er ein Buchjuwel. In exzellenter Druckqualität zeigt er uns über 100 Baumbilder – Gemälde, Grafiken und Fotos von bekannten Künstlerinnen und Künstlern wie Georgia O’Keeffe und Van Gogh und (mir) weniger bekannten wie Claire Cansick und Paul Nash. Durch die kluge Zusammenstellung, die zurückhaltenden, informativen und stimmigen Texte und die gelegentlich eingestreuten Zitaten entsteht eine Atmosphäre, die sich wirklich mit der eines Waldspaziergangs vergleichen lässt. Dann fühlt sich das Buch so an, wie Tschechow den Wald beschreibt: Im Wald spürt man die Gegenwart Gottes. Anton Tschechow – zitiert in „Bäume in der Kunst“ Prächtige Baumsolitäre, dunkle Wälder, lichte Feldränder. Bäume am Meer, im Gebirge und Hausbäume. Kastanien in voller Blüte und verbrannte Bäume auf Schlachtfeldern. Ab und an mal ein Tier oder in der Ferne ein Haus. Menschen? Brauchen die Bäume nicht. Aber wir brauchen sie.…

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Mehr als Gras: Was wir alles über Wiesen nicht wissen

Wenn man eine Wiese mit den Augen von Jan Haft betrachtet, gleicht sie einem Miniaturdschungel. Ein Universum mit einer Vielzahl an Gräsern und Kräutern, Insekten und Bodenlebewesen und kleinen Säugetieren. Darüber am Himmel kreist der Mäusebussard. Doch solche Wiesen sind selten geworden. Mir war zwar bewusst, dass eine Wiese den Menschen braucht. Ohne Mahd verbuscht sie und wird zu Wald. Aber warum das so ist, was große, längst ausgestorbene Tiere damit zu tun haben und warum Dünger zu einem Verlust von Artenreichtum führt, das habe ich erst mit dem Buch so richtig verstanden. Was wir heute kennen, sind Rasenflächen mit Gänseblümchen, Kuhweiden voller Löwenzahn oder Blühstreifen am Feldrand. Warum all das ein netter Anblick, aber kein Ersatz für eine artenreiche Wiese ist, erklärt Jan Haft mit Nachdruck und Begeisterung. Tief in ihm drin steckt immer noch der kleine Junge, der über die Wiesen am Haus gestreift ist und Tiere beobachtet hat. Diese Leidenschaft lebt er…

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Die Natur der Zukunft – wie wird sie aussehen?

In der Natur der Zukunft zählt der Kuckuck zu den Verlierern. Als Zugvogel orientiert er sich an den Taglängen. Doch was sich Jahrhunderte lang bewährt hat, wird im Klimawandel zum Problem. Wenn der Kuckuck jetzt aus dem Winterquartier zurückkommt, brüten seine Wirtsvögel schon längst und er kann ihnen keine Eier mehr unterschieben. Denn die Vögel, die hier überwintern, orientieren sich am Nahrungsangebot. Milde Winter bringen es mit sich, dass es früher Insekten gibt, mit denen man die Jungen füttern kann. Also wird eher gebrütet! Das ist noch ein relativ einfaches Beispiel für die Verwicklungen, die ein sich erwärmendes Klima mit sich bringt. Doch egal, wie komplex die Sachlage ist: Bernhard Kegel erklärt alles. Wirklich alles. Seine spezielle Mischung aus Storytelling, eigenen Beobachtungen und wissenschaftlichen Studien sorgt dabei nicht nur für Anschaulichkeit. Bernhard Kegels Sachbücher sind spannend und erzeugen einen Lesefluss, bei dem manch ein Roman nicht mithalten kann. Ein klein wenig ist ihm diesmal die…

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Alte Wege. Einfach losgehen? Von wegen.

Wir kamen nicht zusammen, dieses Buch und ich. Dabei ist es in einer schönen klaren, exakten und zugleich poetischen Sprache geschrieben. Zudem handelt es vom Draußen sein, vom Wandern und Gehen. Auch davon, dass alles zusammenhängt – das Gestern mit dem Heute, jeder Mensch mit jedem anderen, die Sprache mit der Welt und einfach alles mit der Natur. Es hätte exakt mein neues Lieblingsbuch aus dem Genre Nature Writing sein können. Doch ich wollte den Erzähler mehr als einmal schütteln. Hätte er nicht wenigstens ein einziges Mal einfach loslaufen können, ohne vorher fast vergessene Dichter und Denker zu zitieren? Einfach nur losgehen, ohne zuerst Wochen in Bibliotheken zu verbringen? Einmal den ersten Schritt machen, ohne vorher noch gälische Verse zu zitieren? Er konnte nicht. Weswegen ich die Lektüre abgebrochen haben. Schade, zumal mir ein anderes Buch von ihm hervorragend gefallen hat: Robert Macfarlane – Karte der Wildnis. Angaben zum Buch: Robert MacfarlaneAlte Wege Übersetzt von…

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Rettet die Berge (vor Menschen wie mir)

Es sind einfach zu viele Menschen, die in die Berge wollen. Wer einmal beim Wandern die Route erwischt hat, die im Zickzack unter dem Skilift auf den Berg führt, weiß, wovon Reinhold Messner in seinem Buch „Rettet die Berge!“ spricht. Im Sommer sind die Abfahrtshänge eine öde Mondlandschaft, im Winter überfüllt. Bergsehnsüchte stillen diese Brachen nicht. Wer Ruhe und Einsamkeit in den Bergen sucht, muss suchen. Wandern in Gruppen, Gipfelbesteigung im Gänsemarsch und Downhill-Fahrten in einem Tempo, dass der Mountainbiker die Landschaft nicht mehr wahrnehmen kann – das ist alpine Normalität. Es gibt also viel zu beklagen, was Messner eloquent und wohlklingend tut. Aber wie sieht es mit den Lösungen aus? Wer braucht Lösungen, wenn er Geschichten haben kann? Der Mensch möge sich bescheiden, der Massentourismus eingedämmt werden und ein Ehrenkodex für Bergsteiger soll es richten. Konkreter wird Messner nicht. Aber das Buch hat ja auch nur 140 Seiten. Die sind schnell gelesen und halten…

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