Bildungslücke geschlossen, Zeitmaschine gelesen

Bildungslücke geschlossen. Das war mein Gedanke, als ich auf der letzten Seite der Erzählung „Die Zeitmaschine“ von H. G. Wells angekommen war. Nicht: was für ein fieses Ende. Und auch nicht: Erstaunlich, welche Zweifel an der Zukunft hier schon enthalten sind. Sondern einfach: Meiner Allgemeinbildung hat bis zu dieser Lektüre ein wichtiges Puzzleteil gefehlt. Mission abgeschlossen. Und weil andere wesentlich klüger als ich über die Bedeutung des Science-Fiction Klassiker schreiben können, folgen von mir einfach ein paar unsortierte Gedanken. Das kommt mir doch bekannt vor. Seltsam war es, beim Lesen zu merken, wie viele Zitate, die auf das Buch verweisen, ich schon kenne – ohne das Original zu kennen. So war der Gedanke „Ach, da hat XY das her“ ein ständiger Begleiter beim Lesen. Dabei bin ich gar keine so große Kennerin der SF-Literatur. Aber selbst mit nur soliden Kenntnissen der Popgeschichte erkennt man beim Lesen erstaunlich viel wieder – sozusagen im Rückspiegel. Wo sind…

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William Gibson – Peripherie

Mit Peripherie macht es William Gibson dem Leser nicht einfach. Sogar wenn man frühere Bücher wie Neuromancer und Mustererkennung kennt, fällt der Einstieg diesmal nicht leicht. Die Welt ist eine andere, die Technik wirkt noch weniger vertraut. Nichts wird erklärt – keine Fachbegriffe, keine handelnden Personen und schon gar keine Zusammenhänge. Überraschenderweise gibt es jedoch auf den ersten 100 Seiten ungewohnt viel Witz. Das hilft dran zu bleiben. Doch warum soll es uns Lesern besser ergehen als den Protagonisten? Weder die toughe Kleinstadt-Gang noch die Superreichen verstehen die Situation, die sich aus einem Mord ergeben hat. Flynne, eine für Gibson typische Heldin, ist die einzige Zeugin und wird damit zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Zusammen mit ihr tasten wir uns voran. Doch auch das wird sich als falsche Fährte herausstellen: Niemand in diesem Buch versteht die Technik, die eingesetzt wird, so wirklich. Jeder ist von den Zusammenhängen überfordert, handelt aber trotzdem. Karma pur –…

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Die Aliens sind unschuldig. Das Chaos steckt in uns.

LAGUNE von Nnedi Okorafor. Science Fiction.

Horizonterweiterung. Meine Sachbücher suche ich schon lange danach aus, was sie Neues in mein Leben bringen können. Meine Romane hingegen schon länger nicht mehr. Sie sind eher Fluchtlektüre. Ein Science Fiction mit einem wunderschönen Cover, einer starken Heldin und afrikanischem Hintergrund klang wie eine perfekte Fluchtlektüre. Es kam anders. Bereits nach wenigen Seiten ist klar: Diese Protagonisten verhalten sich nicht so, wie ich es gewohnt bin. Wir befinden uns in Lagos, Nigeria. Das Leben hier funktioniert anders als alles, was ich kenne. Die Tatsache, dass Aliens im Meer vor der Stadt gelandet sind und bleiben möchten, macht es nicht einfacher. Seite für Seite bekomme ich ein Gefühl dafür, wie sich Eurozentrismus für Nicht-Europäer anfühlen muss: diese Erzählung gehorcht Regeln, mit denen ich nicht aufgewachsen bin. Der Rhythmus der Story ist ein anderer. Ungewohnt. Den Begriff exotisch verbiete ich mir bei einem Roman, in dem die Aliens normaler wirken als wir Menschen. Um Chaos und Gewalt…

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Idoru – drei Bücher und noch mehr Brüche

Die Idoru-Trilogie von William Gibson in einem, sehr dicken, Taschenbuch. (engl.: Bridge-Trilogie - „Brücken-Trilogie“), auch „San Francisco“-Trilogie genannt

So ganz einfach macht es William Gibson seinen Lesern mit der Idoru-Trilogie nicht. Der erste Teil, Virtuelles Licht, ist rasant und action-betont. Der zweite Teil, Idoru, hat hingegen das gemächliche Tempo eines Großstadt-Flaneurs. Der dritte Teil, Futurematic, überzeugt dann auf einmal mit philosophischem Überbau und bringt lose Gedankenfäden zusammen. Nun, William Gibson darf das. Schließlich ist er Kult-Autor. Das wäre eine mögliche Begründung, warum ich die Trilogie doch recht zackig ausgelesen hatte. Aber glauben würde ich mir das nicht, denn ich habe Kultautoren schon für weniger Seltsamkeiten zur Seite gelegt. Warum also in diesem Fall nicht? Wenn schon das Heute nicht einheitlich daher kommt, warum sollte es dann eine Trilogie? Des g’heert so – würde man in der Pfalz sagen. Der Aufbau ist unharmonisch, aber stimmig – was sich aber nur erschließt, wenn man alle drei Teile zeitnah hintereinander weg liest. Die Welt da draußen ist heute schon nicht einheitlich und wird es in Zukunft…

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Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack. Und der Unfehlbarkeit des Autors.

Sachbuch Cover: Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack Gedanken über die Zukunft als Gegenwart

Eigentlich sind mir Autoren egal. Ich interessiere mich für ihre Werke. Ja, ich weiß, es gibt einen Menschen dahinter. Aber ob Jasper Ffforde bereit wäre, Käse zu schmuggeln, ob Laurell Hamilton ein ähnlich spannendes Sexleben wie Anita Blake hat oder ob Terry Pratchett Cider oder Ale bevorzugte – das ist mit, gelinde gesagt, schnurz. Aber manchmal liest man dann völlig unvermittelt Texte, in denen der Autor sich nackt macht. So ging es mit mit den Essays von William Gibson, die der Tropen Verlag in „Misstrauen Sie dem unverwechselbaren Geschmack – Gedanken über die Zukunft der Gegenwart“ veröffentlicht hat. Was soll man tun, wenn man auf einmal Dinge über einen Autor erfährt, die man eigentlich gar nicht wissen wolle? Weiterlesen, was sonst. Schließlich ist man Leserin. Für mich waren seine Bücher – die Neuromancer-Trilogie habe ich hier besprochen – intelligente, gesellschaftskritische Zukunftsromane mit philosophischen Unterbau. Wieviel Mensch, wieviel William Gibson darin steckt – darüber hatte ich…

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William Gibson – #sfvongestern – Neuromancer

Dicker Schmöker: SF-KLassiker Neuromancer von William Gibson in der Neuübersetzung

Es gibt mehr interessante Bücher, als ich in einem Leben lesen kann. Das führt bei mir dazu, dass ich mir nur sehr selten den Luxus gönne, ein Buch ein zweites Mal zu lesen. Daher war mein erster Gedanke, als ich vom Blogstöckchen #sfvongestern hörte: Gute Gelegenheit, einen SF-Klassiker zu lesen, den du noch nicht kennst. Vielleicht was von Niven, oder Heinlein. Auch Perry Rhodan habe ich noch nie gelesen und bin eigentlich neugierig darauf. Es wurde dann doch ein re-read, ein erneutes Lesen von Neuromancer von William Gibson. Trotzdem war es kein Wiedersehen mit einem alten Buch-Bekannten – es war eine Neubegegnung. Kann ich überhaupt zweimal das gleiche Buch lesen? Neuromancer erschien 1984. Ich dürfte es um 1990 gelesen haben. Die Übersetzung, die damals auf dem Markt war, war so schlecht, dass ich den zweiten Band der Trilogie auf Englisch gelesen habe. Ob ich damals wirklich alle drei Bände zu Ende gelesen habe, könnte ich…

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Blumen für Algernon

Blumen für Algernon. Einer der erfolgreichsten Klassiker der Science-fiction

Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Das gilt nicht nur für den Helden des Buches Blumen für Algernon, der hartnäckig an seinem Traum „intelgent“ zu werden, festhält. Das gilt auch für Simone vom Blog Papiergeflüster, die hartnäckig seit 2014 diesen Klassiker der wissenschaftlichen Science Fiction empfiehlt und so nach und nach alle von der Qualität des Buches überzeugt. Nun also auch mich. Was fasziniert so an der 1966 erschienen Geschichte um den geistig zurück gebliebenen Charlie Gordon, der durch ein wissenschaftliches Experiment innerhalb weniger Wochen hochintelligent wird? Ganz einfach: dieser Science Fiction berührt zutiefst menschliche Fragen. Was macht das Menschsein aus? Was brauchen wir, um glücklich zu sein? Wie ist der Zusammenhang von Sprache und Bewusstsein? Hilft Intelligenz alleine schon, ein guter Mensch zu sein? Wie kann man Intelligenz, Seelenleben und Affekte ausbalancieren? Sollen Wissenschaftler alles umsetzen, was sie können könnten? Auf diese Fragen haben wir 2017 immer noch keine umfassenden Antworten gefunden. Müsste ein Science Fiction,…

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War alles schon immer so? Maschine steht still

Alles schon da gewesen, dieses online ist nichts Neues. Früher die Nachbarin am Küchenfenster, heute Facebook. Von heute nach gestern geschaut klingt das alles plausibel. Die Möglichkeiten sind neu, das menschliche Verhalten nicht. Wer aber Die Maschine steht still von E. M. Forster liest schaut von gestern auf heute und wieder zurück – und erschrickt. Das, was uns heute in unserer Online-Welt als problematisch oder sogar gruselig erscheinen könnte, hat er voraus gesehen. Dabei kümmert sich E. M. Forster weniger um technische Funktionen. Er stellt den Menschen und sein Verhalten in den Mittelpunkt, seine Bereitschaft, für Sicherheit und Bequemlichkeit eigenes Erleben aufzugeben. Dieser Spiegel stammt von gestern. Die Erzählung erschien 1909 zum ersten Mal. Müsste ein so alter Spiegel nicht blind sein? Müsste es nicht irgendwo eine Stelle geben, an der der Leser von heute sich mit einem „Ja, aber …“ an das sichere Ufer retten könnte. Gibt es nicht. Selbst der Schluss, den man…

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