Bauhaus-Frauen. So viel Talent, so viele Hindernisse.

Bauhaus-Frauen. Sammlung mit Biographien.

Was könnte ich im Bauhaus-Jubiläumsjahr noch über ein Buch wie Bauhaus-Frauen von Ulrike Müller schreiben, was ihr nicht längst schon irgendwo gelesen habt?

Ich konzentriere mich daher erst einmal auf das Wesentliche: Das Buch ist gut und ersetzt einen ganzen Stapel an Lektüre. Biographien, Kunstgeschichte, Feminismus – alles drin auf moderaten 160 Seiten.

Das Bauhaus war für mich lange eher ein Kuriosum. Was soll an weißen Würfelhäusern besonderes sein? Meine Einschätzung änderte sich, als ich zum ersten Mal in einem der Meisterhäuser in Dessau stand. Dieses Licht! Der Blick nach draußen!

Die nächste Annäherung an das Phänomen Bauhaus erfolgte über die Kinderbücher aus dem Seemann Henschel Verlag – die Bauhaus Stadt aus der Reihe habe ich auf meinem Kinderbuchblog vorgestellt. Die Kinderbücher machten es mir einfach, das Bauhaus zu verstehen, weil sie sehr klar das Wesentliche und die innovative Leistung herausarbeiten.

Den dritten Zugang fand ich über die Biografien. Über das Leben der Ise Frank habe ich hier schon gebloggt. Das Taschenbuch von Ulrike Müller mit gesammelten Biographien von Bauhaus-Künstlerinnen von Anni Albers bis Grete Stern ergänzen diese Lektüre nun perfekt.

So viel Leben, so viel Lust, die Welt zu gestalten, so viel Talent – und so viele Hindernisse, die den Frauen in den Weg gelegt wurden.

Eine Lebensgeschichte wird mir besonders im Gedächtnis bleiben:

Zwei Koffer – der Nachlass der Friedl Dicker

Nach der Befreiung des Ghetto Theresienstadt fand man den Nachlass von Friedl Dicker: Zwei Koffer voller Entwürfe, Skizzen, Schriften – und voller Kinderzeichnungen, denn diese eigensinnige, vielfältig begabte Künstlerin hat im Ghetto Kindern illegalen Zeichenunterricht gegeben.

Ihre kunstpädagogische Herangehensweise, die eine Weiterentwicklung der Bauhaus-Ideen darstellt, hat sie noch dokumentieren können. Im Oktober 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.

Was wäre aus dem Bauhaus, was wäre aus Friedl Dicker und anderen Künstlerinnen geworden, wenn die Nazi-Diktatur verhindert worden wäre?

Angaben zum Buch:

Ulrike Müller
Bauhaus-Frauen – Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design
Unter Mitarbeit von Ingrid Radewaldt

Insel Taschenbuch

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