Wie Freiherr von Drais fast an meiner Haustür vorbeifuhr

Eingang zur Drais Ausstellung technoseum mannheim
2 Räder – 200 Jahre

Mittlerweile habe ich sie ins Herz geschlossen, diese schwarze Box am Ende des Erdgeschoss im Technoseum in Mannheim, die mir anfangs wie ein störender Fremdkörper im Museum vorkam. Heute ist sie für mich ein Ort, der kompakte Ausstellungen mit einer hohen Informationsdichte und einem großen Schauwert verspricht.

So auch diesmal: 2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades.

Die erste Radtour der Welt fand in Mannheim statt und führte bis fast vor meine Haustür. Freiherr von Drais startete mit seinem Laufrad – pardon: Laufmaschine, wie ich in der Ausstellung lernte – in der Innenstadt in M1, 8 und fuhr Richtung Schwetzingen. Höhe Stengelhof – die Rheinau gab es damals noch nicht – drehte er um. Genutzt hat er für seine Jungfernfahrt die kurfürstliche Straße, die das Mannheimer Schloss mit dem Schloss in Schwetzingen verband. Sie war eben und perfekt ausgebaut. Sein Radausflug ging über eine Strecke von 14 km und dauerte gut eine Stunde. Viel schneller bin ich heute auch nicht!

Womit auch schon mal klar ist: ich bin eine Gelegenheitsradfahrerin, eine Schönwetter-Radlerin, eine mal eben-schnell-zum-Markt-fahren-Radlerin. Zum Glück waren in der Führung echte Fahrrad-Nerds wie die Jungs von Fahrradio dabei. An deren leuchtenden Augen konnte ich sofort erkennen, was das Besondere an den Ausstellungsstücken ist. Doch das Bonanzarad brachte auch mich zum Strahlen. Wie alle Kinder meiner Generation hatte ich mir dieses Prachtstück gewünscht und wie so viele habe ich stattdessen ein Klapprad gefahren.

Bonanzarad im Technoseum Mannheim
Und alle so: das wollte ich auch!

Ob Drais nach seinem ersten Zweirad-Ausflug Muskelkater hatte, ist wohl leider nicht überliefert. Doch sein sportlicher Einsatz hat sich gelohnt: der 12. Juni 1817 gilt heute als die Geburtsstunde der individuellen Mobilität.

Dabei waren die Laufmaschine und auch später das Hochrad eine reines Freizeitvergnügen der Adligen und der reichen Bürger. Zwischendurch war das Fahrrad auch ein Symbol der Frauenemanzipation und eines der Arbeiterklasse, dann war es eine Zeitlang einfach nur vernünftig bis es zum Kinderspielzeug wurde um dann als Möglichkeit, aktiv die Umwelt zu schützen, wieder neu durchstartete. All das zeichnet die Ausstellung nach.

Und auch ein Nicht-Fahrrad-Nerd wie ich muss zugeben, dass diese Räder einfach schön sind!

Kleiner Exkurs: ja war denn #drais200 ein #tweetup?

Das Technoseum hatte uns zu einer Preview in Form eines Tweetups eingeladen – also ein geselliges Treffen, bei dem sich die Teilnehmer per Twitter vernetzen und dabei via Hashtag #drais200 sich mit denen verbinden, die nicht vor Ort dabei sein können.

Liebe Historische Museen Hamburg: schön, das Ihr Euch per Twitter dazugeschalten habt! Dass wir kaum auf Eure Tweets reagiert haben lag einfach daran, dass wir nicht dazu kamen. Kurator Dr. Thomas Kosche hatte sich vorgenommen, die Führung in einer Stunde durchzuziehen. Eine Stunde und fünf Minuten hat er dann gebraucht. Das war gut für die Führung, aber schlecht fürs Twittern.

Nach dem ersten Drittel habe ich das Twittern weitestgehend eingestellt und lieber Fotos für Instagram #drais200 gemacht, die ich dann später in Ruhe von meiner Couch aus hochladen konnte.

Instagram Bilder zur Ausstellung Drais 200
#bikeporn – Details aus der Drais Jubiläumsausstellung im Technoseum Mannheim. Mehr davon auf Instagram unter #drais200

Und eigentlich ging mir erst anhand dieser Bilder auf, wie schön diese Fahrräder sind!

Alle Infos zur Ausstellung 2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades findet Ihr auf der Webseite des Technoseum Mannheim. Die Ausstellung dauert noch bis Juli 2017 und stimmt damit auf das große Drais-Jubiläum im nächsten Jahr ein. Wie das Drais-Denkmal auf der Rheinau aussieht, das eben nicht am Wendepunkt des ersten Radausflugs der Weltgeschichte steht und auch nicht in der Ausstellung vorkommt, könnt ihr hier auf dem Blog Alles Monnem sehen.


 Mannheim, Pfalz, Kurpfalz – hier auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin findet ihr mehr Beiträge dazu


Noch eine Mannheimer Besonderheit: Die Murals von Stadt Wand Kunst

Und am Ende des Stegs steht ein Museum am See

Buchheim Museum der Phantasie am Starnberger See

Ach, dieser Name: Museum der Phantasie! Das riecht schon so nach André Heller, das schmeckt nach Hundertwasser und mutiert dann wahrscheinlich doch nur zu Rosina Wachtmeister. Meine Befürchtungen vor dem Museumsbesuch waren groß.

Doch es kam anders. Zum Glück. Es gibt zwar solche Ecken im Haus und es gab tatsächlich eine Hundertwasser-Ausstellung, die ich weitestgehend ignoriert habe.

In diesen Ecken zeigt das Museum einen eingefrorenen Stand der Phantasie, garniert mit ein paar Objets trouvé. Symptomatisch für mich ist der Schreibtisch, der so voll gestellt wurde mit inspirierenden Dingen, dass man einen Beistelltisch zum Arbeiten dazustellen musste.

Doch zum Glück ist dieses Museum eine Wundertüte in einem schönen Park am Starnberger See. Dort kann man es aushalten, schlendern, entschleunigen und sich in seinem eigenen Tempo der Kunst nähern.

Warum sammelt ein Sammler?

Herzstück des Museums ist Lothar-Günther Buchheims hervorragende Sammlung an expressionistischen Werken. Die Sammlung wird durch gute Texte erläutert und man sieht den Sinnzusammenhang, den guten Grund, warum er gerade diese Werke erworben hat. Schön, dass der Sammler auch selbst mit Zitaten zu Wort kommt, die zeigen, was ihn an diesen Malern und Werken fasziniert hat.

Alles drumherum versucht, den Sammler-Menschen erfahrbar zu machen. Für mich war das zuviel, seine Sammlung spricht – so, wie sie präsentiert wird, mit allen Erläuterungstexten – für sich.

Daher mein Tipp für den Museumsbesuch: Am besten im Untergeschoss mit der Expressionisten-Ausstellung beginnen. Dort hat die Sammlung am meisten Struktur, was den Einstieg in das Universum Buchheims enorm erleichtert.

Alternativ kann man auch mit dem langen Gang Richtung Starnberger See beginnen. Dort wird das Leben Buchheims erklärt, was wiederum die Sammlungsstruktur und all die eher seltsamen Objekte verständlicher macht. Und am Ende des Gangs führt ein Steg hinaus. Dort wartet zwar nicht die Queen Mary, mit der Buchheim so gerne gereist ist, aber ein wunderbarer Ausblick auf den Starnberger See.

Streetart: Wo wäre der Expressionismus heute?

Blickfang im Park ist der mit Graffiti bemalte Hubschrauber. Von dort wandert der Blick zur Außenwand des Museums mit einem Graffiti, dass Buchheim in einer Yellow Submarine zeigt. Glücklich sieht er aus, er genießt das Abenteuer der Unterwasserwelt offensichtlich.

Streetart im Museum, am Museum und um das Museum drumherum – eine Annäherung an die Frage, wo der Expressionismus heute wäre. Was würde dem Lebensgefühl der Künstler heute entsprechen? Wo würde ihre immense Energie sie hinführen?

Ein großartiger Ansatz und mir würde es gefallen, wenn Street Art in all ihrer Sperrigkeit ein wirklicher Sammlungsschwerpunkt werden würde und nicht, so wie jetzt, nur einen Akzent setzt.

Und nun – lohnt sich der Besuch des Buchheim Museums?

Ja, definitv. Wenn man in der Lage ist, seine Erwartungshaltung an ein Museum und an eine strukturierte Ausstellung über Bord zu werfen. Der Steg hinaus auf den Starnberger See ist ein geeigneter Ort dafür!

Alle Informationen zum Buchheim Museum der Phantasie findet Ihr hier auf der Webseite.


Hier findet ihr mehr Inspiration für Museumsbesuche. Wie wäre es mit einem Besuch bei Franz Marc?

Abstract Loop – Ausstellung im Hack Museum Ludwigshafen

Abstract Loop - Museumsselfie im Hack Museum Ludwigshafen

Die Ausstellung Abstract Loop muss man sich erlaufen: vor den Bildern auf und ab gehen, in die Hocke gehen, schräg gucken, einen anderen Blickwinkel einnehmen – immer wieder.

Abstract Loop beschränkt sich weitestgehend auf die Werke von vier Künstlern: Marc Adrian (1930-2008), Helga Philipp (1939-2002), Richard Kriesche (*1940) und Gerwald Rockenschaub (*1952). Deren Arbeiten werden durch wenige Werke aus dem Bestand des Hack-Museum ergänzt.

Das klang für mich zuerst sehr trocken, weswegen der Besuch der Ausstellung heute eher ein Schlechtwetter- und Nach-Urlaubs-Faulheitsprogramm war. Was für eine Fehleinschätzung!

Gerade die Beschränkung auf diese Künstler ermöglicht es, die Prinzipien und Techniken von konkreter Kunst und Op-Art aufzuzeigen. Das verschaffte mir heute einen neuen Zugang zu Kunstrichtungen, die mir eigentlich immer noch sperrig und ungewohnt vorkommen.

Ein großes Lob auch für den Handzettel, der an der Kasse ausliegt, und kurz die Künstler vorstellt. Das gibt dem Besucher das gute Gefühl, dass es völlig ok ist, diese Namen nicht parat zu haben. Die Erklärungstexte in der Ausstellung sind gut. Highlight waren für mich die Zitate, die als Überschriften für die einzelnen Themenbereiche der Ausstellung verwendet werden.

Das Ziel der konkreten Kunst ist es, Gegenstände für den geistigen Gebrauch zu entwickeln.
Max Bill, 1949

Für mich war dieser Satz ein Aha-Erlebnis, der gut erklärt, warum mich diese Kunstrichtung so fasziniert: sie beschäftigt mein Hirn.

Kunst, die sich nicht mit der Bewegung und dem Bewegen befasst, ist einfach überflüssig.
Marc Adrian, 1957

Der Reiz bei diesem Zitat ist die Mehrdeutigkeit des Begriffs bewegen: Kunst bewegt und ich bewege mich vor den Bildern, suche neue Perspektiven und Blickwinkel, lasse mich von immer neuen Ansichten überraschen, lerne, wie Sehen funktioniert und erweitere meinen Horizont.

Eben weil der Besucher sich immer wieder selbst einen Bezugspunkt zu den Bildern suchen muss, sich bewegen und aufstellen muss, ist diese Ausstellung perfekt für Museumsselfies geeignet. Hier eine kleine Auswahl:

Und der Soundtrack zur Ausstellung kommt für mich von den Loop-Meistern, den Battles: Atlas

Ihr habt nur noch bis 23. Oktober Zeit, Abstract Loop zu besuchen! Im November startet im Hack-Museum bereits „Pop up! Bildikonen der 60er und 70er Jahre“. Ich bin gespannt!


 Gerne nehme ich euch hier auf meinem Blog GeschichtenAgentin mit ins Museum und teile meine Museumstipps mit euch!


Augen. Blicke. Eine Impressionismus-Ausstellung aus dem Lehrbuch

Besuch der Impressionismus Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart
Das Plakat, die Staatsgalerie und ich. In der Impressionismus-Ausstellung darf man nicht fotografieren.

„Augen. Blicke. Impressionen. Meisterwerke des französischen Impressionismus“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart.

Impressionisten – schon wieder? Habe ich mich da nicht schon längst daran satt gesehen?

Doch die letzten großen Impressionismus-Ausstellungen, die ich mir angesehen habe, sind schon eine Weile her. Ist der Impressionismus nicht wieder aus der Mode gekommen?

Die vielen Kaffetassen mit Monets Seerosen-Motiven sprechen eine andere Sprache. Impressionismus scheint Mainstream geworden zu sein und deswegen für die Ausstellungsmacher weniger interessant.

So betrachtet ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für eine Impressionismus-Ausstellung, die vieles anders macht.

Mehr zeigen mit weniger Bildern

Perfekt ausgeleuchtet hängen die Bilder sehr locker in einem dunklen Raum. Ich kann mich an Ausstellungen erinnern, in denen auf gleicher Fläche die doppelte Anzahl an Kunstwerken hing und deren Konzept dem Abarbeiten einer Hitliste glich: Hauptsache, alle großen Maler sind mit einem wirklich berühmten Gemälde vertreten.

Solche Ausstellungen sind heute selten geworden, was an den stark gestiegenen Versicherungssummen für ausgeliehene Kunstwerke liegen könnte.

Aber das ist sicherlich nicht der einzige Grund, warum „Augen. Blicke. Impressionen. Meisterwerke des französischen Impressionismus“ das Thema ganz anders angeht.

Alle Werke stammen aus dem Bestand des Museums. Gegliedert wurden die Werke nach den klassischen Stilgattungen: Landschaft, Bildnis, Interieur, Akt und Stillleben. Mit sehr informativen Texten wird aufgezeigt, wie die Impressionisten die Gattungen neu interpretiert haben und was sie dabei an kunsthistorischem Ballast abgeworfen haben.

So entsteht eine Ausstellung, die ein Lehrbuch ersetzt. Hier wird nicht die Sehnsucht nach dem sonnigen Süden, der auf vielen Bildern zu sehen ist, zelebriert; es ist auch keine der Maler-als-Rockstar-Show. Dies ist eine Aufforderung, die Bilder für sich neu zu entdecken und sie als Teil der Kunstgeschichte zu begreifen. Nach all den Kunst-Shows, den wir-müssen-Touristen-anlocken-Events, wirkt das sehr bodenständig. Bereichernd.

Zum Glück hatten wir auch noch genug Zeit, durch die ständige Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart zu schlendern. Besonders beeindruckt hat mich hier nicht die excellente Picasso-Präsentation, sondern der Raum, in dem Bilder von Willi Baumeister im Zusammenspiel mit Skulpturen von Hans Arp präsentiert werden. Eine schöne Ergänzung zu  meinem Besuch im Arp-Museum Rolandseck vor kurzem.


Weitere Informationen zur Impressionismus-Ausstellung, die noch bis zum 13. November 2016 läuft, auf der Webseite der Staatsgalerie Stuttgart. Alle Werke, die in der Ausstellung gezeigt werden, im Online-Katalog des Museums.



Lust, mich bei weiteren Museums-Besuchen zu begleiten und mit mir Kunst zu entdecken? Dann stöbert hier in meinen Beiträgen!


 

Gartenkunst im Museum: zwei Ausstellungen

Parkomanie - Dachgarten auf der Bundeskunsthalle Bonn
Parkomanie – Dachgarten auf der Bundeskunsthalle Bonn

„Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“ heißt die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, die uns Leben und Werk des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau näher bringen will. Das geschieht sehr biografisch, sehr textlastig und sehr theoretisch. Hochinteressant, aber ungefähr so, als würde ich durch ein Buch laufen.

Was mir in dieser Ausstellung gefehlt hat, war der Dreck unter den Fingernägeln, die eigentliche Gartenarbeit.

Erst durch den Garten auf dem Dach der Bundeskunsthalle, der alle in der Theorie vorgestellten Gestaltungselemente in modellhafter Realität zeigt, kommt die Ausstellung für mich ins Gleichgewicht.

Aber war es wirklich nötig, dafür Bäume aus der Baumuniversität – eine Wortschöpfung von Fürst Pückler – von Branitz nach Bonn zu schaffen? Sie sollen nach Ende der Ausstellung wieder dorthin zurückkehren. Nun, dem Garten-Visionär hätte diese Idee sicherlich gefallen, denn klein Denken und bescheiden auftreten gehörte ganz sicherlich nicht zu seinen Talenten.

Der Mensch Hermann von Pückler-Muskau war für mich nach der Ausstellung so wenig greifbar, dass ich mir gleich eine Biographie kaufen musste. Ich hoffe, Heinz Ohff bringt mir in seinem Buch „Der grüne Fürst“ den Exzentriker und Gartenkünstler näher. Noch mehr hoffe ich, darin etwas über die Frau des Fürsten, Lucie von Hardenberg, zu erfahren, die eine bemerkenswerte Persönlichkeit gewesen sein muss. Im Museum kam sie nur am Rande vor.

Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie:
großartig dank thematischer Beschränkung

Brunnenfigur im Landschaftsgarten Schloss Fantaisie
Brunnenfigur im Landschaftsgarten Schloss Fantaisie

Mir persönlich hat das Gartenkunst-Museum in Schloss Fantaisie bei Bayreuth besser gefallen.

Was diese Ausstellung auszeichnet, ist die bewusste Beschränkung: wenige, dafür klug gewählte Ausstellungsobjekte zeigen, wie in den Gärten gearbeitet und gelebt wurde und wie sich die Gartenmode und die Bedeutung der Gärten im Laufe der Jahrhunderte geändert hat. Das ist trotz aller kurfürstlichen Pracht nah an dem, wie wir heute Gärten erleben.

Genau dieser vertraute Blickwinkel macht das Museumsthema Gartenkunst, dass sich so schlecht in Innenräumen darstellen lässt, begreifbar und erfahrbar.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Gartengeschichte vom 17. bis zum 19. Jahrhundert und auf diesen Themen:

  • Stilepochen der Gartenkunst vom Mittelalter bis zur Moderne
  • Gestaltungsprinzipien: regelmäßige Gärten und Landschaftsgärten
  • Gestaltungselemente des Gartens: Skulptur, Wasser, Bauwerke
  • Grundlagen der Gartenkunst: Literatur, Personal, Werkzeug
  • Gartenpflanzen: Blumen, Obst und Gemüse, Orangen und Palmen

Es gibt auch in dieser Ausstellung viel zu lesen. Doch die Texte sind gut und locker geschrieben. Diese eine kleine Spitze auf einer Info-Tafel im Museum für Gartenkunst wird mir für immer im Gedächtnis bleiben, denn sie kam überraschend und war gut platziert: Schlechter Geschmack bei Gartenmöblierung und Deko gab es schon vor dem Siegeszug der Baumärkte und Gartencenter. Belegt wurde das mit einem alten Versandhauskatalog.

Gut gegessen haben wir dort auch. „Es ist fast nichts im Haus“. An dieses Zitat aus Asterix bei den Belgiern fühlten wir uns erinnert, als wir uns im Museumscafé aufwärmen wollten. Die sehr nette Bedienung entschuldigte sich, dass sie nicht mit so vielen Gästen heute gerechnet hätte. Deswegen hätte sie kaum Auswahl da: nur vier verschiedene Kuchen. Nun, einer war leckerer als der andere!

Schloss Fantaisie – das ist übrigens kein Tippfehler, das Schloss heißt wirklich so. Schon allein der Landschaftsgarten dazu ist eine Reise wert!


Infos zu den Museen und Ausstellungen:

Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler. Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn

Dauerausstellung im Gartenkunst-Museum im Schloss Fantaisie

Noch ein Museums-Tipp von mir: Gärtner Museum in Bamberg


Gärten und Natur erleben: Ausflugsziele und Bücher – meine Empfehlungen auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Zwei Bücher, in denen Gartenkunst und Landschaftsgärten eine wichtige Rolle spielen:

Ein Museum ist eine Insel: Hombroich

Museum Hombroich Blick aus einem Ausstellungsgebäude
Kunst schaut auf Natur; Natur schaut auf Kunst. Und wohin schaut der Betrachter?

Einst war hier nichts als Natur. Dann kam der Mensch und mit ihm die Kunst.

Einst war hier eine Auenlandschaft. Dann kam der Braunkohletagebau und legte die Landschaft trocken.

Einst war hier ein Herrenhaus und eine Parklandschaft. Dann änderten sich die Zeiten und alles verwilderte.

Dann kamen die Kunstliebhaber und Künstler und definierten alles neu. Bauten Häuser mit und ohne Kunst; schufen eine neue Landschaft ohne Park aber mit Wegen und renaturierten eine Auenlandschaft, wo keine mehr sein konnte.

In diese Wildnis, die eine Kulturlandschaft ist, brachte der Mensch sich und seine Visionen, seine Fragestellungen ein.

Wo stehe ich, wo schaue ich hin? Was möchte ich sehen, was kann ich erkennen? Was zeigt mit das Tageslicht heute, was morgen? Wie verändern die Jahreszeiten meinen Blick? In wie weit kann ich die Natur bereichern und in wie weit kann ich mich von ihr beschenken lassen?

Dieses Museum ist kein Park, kein Landschaftsgarten und keine Galerie. Hombroich ist eigentlich auch kein Museum. Es ist renaturierte Natur mit Ausstellungskonzept, aber ohne Plan. Hombroich ist Begegnungsstätte von Mensch, Kunst, Natur und Freiheit.

Hombroich ist eine Insel, wie kein anderes Museum eine Insel ist. Ein Sehnsuchtsort, ein Platz für Freidenker. Eine Ausstellungsfläche, ein Freiraum. Kunst wird hier nicht vermittelt, sie darf wirken.

Es gibt keinen Plan für das Gelände. Wie ich jetzt bemerkt habe, habe ich bei meinem ersten Besuch nicht alles entdeckt. Darüber ärgere ich mich nicht. Das ist vielmehr ein hochwillkommener Anlass für mich, bald wieder hinzufahren.

Informationen zur Museumsinsel Hombroich:

Webseite der Stiftung

Sehr guter Artikel mit Hintergrundinfos in der Bauzeitung:

… das Rot der Ziegelbauten und das üppige Grün der Vegetation im Komplementärkontrast, dazu das silbrig spiegelnde Licht der Wasserflächen. Alle weiteren Farben bleiben der Kunst vorbehalten.
Quelle: IN DIE JAHRE GEKOMMEN
MUSEUM INSEL HOMBROICH
1. Februar 2009 – db deutsche bauzeitung 11|2008
http://www.db-bauzeitung.de/db-themen/db-archiv/museum-insel-hombroich-2/

Wo das Ungeplante wachsen kann – Infos zum gärtnerischen Konzept in der FAZ

Fotos: Instagram-Fotos von meinem Besuch im Juli 2016.


 GeschichtenAgentin auf Reisen: Ausflugsziele und Reisebücher, die ich empfehlen kann


Lust auf Heimaturlaub? 101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss. Hier meine Rezension:

Quedlinburg – Reise durch sechs Jahrhunderte Stadtgeschichte

Gasse in Quedlinburg

Noch gibt es sie, die unperfekten Ecken in Quedlinburg. Häuser, an denen der Putz in großen Stücken abblättert. Fassaden, die gestützt werden müssen. Fenster, durch die man auch ohne vergilbte Gardinen nicht hindurchblicken könnte. Doch es sind nicht mehr viele.

An solchen Häusern kann man verfolgen, wie sich die Nutzung im Laufe der Jahrhunderte geändert hat: hier ein zusätzliches Fenster, dort ein verblasstes Gewerbeschild und ganz oben unter der Dachrinne Reste einer alten Telefonleitung. In Quedlinburg wird das Stadtleben der letzten Jahrhunderte sichtbar: die neuesten Häuser und Stadtvillen stammen aus der Gründerzeit, einige zeigen Jugendstilelemente. Das älteste Haus stammt aus dem 14. Jahrhundert. Es ist unscheinbar – ich hätte es bei meinem ersten Besuch vor über 15 Jahren übersehen, wenn nicht eine Reisegruppe mit Stadtführer davor gestanden hätte. Es gibt Häuser aus jeder Bauperiode, eine architektonische Reise quer durch die Jahrhunderte. Das macht für mich den besonderen Reiz der Stadt Quedlinburg aus, die zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde.

An einigen der noch nicht sanierten Häusern und Brachen hängen große Werbeplakate einst hoffnungsfroher Investoren. Sie verkünden Lofts in historischem Ambiente, Luxuswohnungen. Die meisten Plakate sehen so aus, als würden sie schon länger hängen.

Quedlinburg Spiegelung im Fenster eines sanierten Hauses

Nicht alle Häuser, die saniert wurden, wirken glücklich. Manchmal scheint es, als hätte sich die Seele des Hauses ganz weit nach innen zurückgezogen, fast so, als wollte sie nicht mit der neuen Fassade in Berührung kommen. Andere Häuser sprühen vor Leben, denn sie werden bewohnt und geliebt. Sanierung und Renovierung ist eines, Nutzungskonzept noch einmal etwas ganz anderes.

Die Reisegruppen, die Quedlinburg besuchen, sprachen fast alle Ost-Dialekte. War das eine zufällige Moment-Aufnahme oder ist es immer noch so, dass nur wenige West-Deutsche neugierig auf die nun wirklich nicht mehr neuen Bundesländer sind?

Auch im Hainich, immerhin Unesco Weltnaturerbe, hörte ich kein schwäbisch, keine Ruhrgebiets-Dialekte – Mundarten, die sonst an allen touristischen Zielen erklingen.

In Quedlinburg hat sich viel getan in den letzten Jahren. Wer die Stadt noch nicht kennt, sollte sie besuchen, bevor sie aus- zuende- und hochglanz-saniert ist. Ein paar Jahre Zeit ist noch dafür.


GeschichtenAgentin auf Reisen: Ausflugsziele und Reisebücher, die ich empfehlen kann


Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs

Marcus, Greil: Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs

Das Anliegen von Greil Marcus ist klar: es ist der Song, der zählt.

Nicht die Musikgeschichte, nicht die Wirkungsgeschichte und der Chart-Erfolg schon mal gar nicht. Hat der Song mehr als dieses gewisse Etwas? Hat er den richtigen Wumms? Führt er ein Eigenleben durch die Jahrzehnte hindurch?

Dann könnte es sich um einen jener Rock’n’Roll Songs handeln, die ein eigenes Energiezentrum darstellen. Songs, die nicht vom Künstler erschaffen wurden, sondern die sich einen Künstler gesucht haben, um hinaus in die Welt zu kommen. Transmission von Joy Divison ist ein solcher Song (mehr Gedanken zur Band Joy Division hier auf meinem Blog).

Doch dafür, dass der Song wichtiger ist als die Musikgeschichte, findet sich in dem Buch „Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs“ sehr viel zur Musikgeschichte. Für meinen Geschmack zuviel, zu wild und zu intuitiv verknüpft.

Weil es über die Band einen Musikfilm gibt und der Hauptdarsteller in einem anderen Film mitgespielt hat, in dem die Schlüsselszene von einem Song unterlegt wird, der sich auf ein Buch bezieht, das eine ähnliche Stimmung hat wie der größte Hit der Vorläuferband des Sängers …

Lektüre abgebrochen. Greil Marcus weiß alles über den einzelnen Song und seinen Kontext, aber er scheint sich wenig Gedanken über seine Leser und die Vorbildung, die diese mitbringen könnten, zu machen.


Bibliographische Angaben:

Greil Marcus

Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs

Übersetzt von Fritz Schneider

Reclam Verlag

ISBN: 978-3-15-011015-7 


Musikbücher, die mir besser gefallen haben, findet ihr in dieser Rubrik auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin: Musik – Gelesenes und Gehörtes


Hat mir deutlich mehr Spaß gemacht: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik von Martin Büsser. Hier meine Rezension:

Psychologie der Kunst: Wodurch Bilder wirken

Psychologie der Kunst - Sachbuch

Was will uns das Lächeln der Mona Lisa sagen und lächelt sie überhaupt? Ich hatte geahnt, dass sich darüber schon viele Menschen Gedanken gemacht hatten und hatte das bisher einfach ignoriert. Wie ich anscheinend überhaupt in den über 40 Jahren, die ich mir nun schon bewusst Kunst anschaue, vieles ignoriert habe.

Psychologie der Kunst? Dieses Themengebiet war mir neu.

Ob die Mona Lisa nun lächelt wird auch dieses Mal nicht endgültig geklärt. Doch den Exkurs über das Lächeln in der Kunstgeschichte – tendenziell eine Erfindung der Neuzeit – fand ich hochinteressant. Auf Bildern gelächelt haben früher fast nur Madonnen. Warum das so ist und was ein Lächeln beim Betrachter auslöst – das zu erkunden, lädt das Buch ein.

Es ist ein Studienbuch, ein Sich-Gedanken-mach-Buch. Eines, das Anregungen gibt, Querverbindungen herstellt und den Stand der Forschung zusammenfasst. Jedes Kapitel endet mit der Aufforderung zu praktischen Übungen.

Was empfinden wir überhaupt als schön? Muster, Farbigkeit, Rhythmus und Wiederholung spielen hier eine große Rolle. Das wiederum erklärt, warum auch Menschen, die keine moderne Kunst mögen, sich eher mit Mondrian als mit Pollock anfreunden können.

Wie verhalten sich Besucher in Ausstellungen? Männer anders als Frauen. Wie lange schauen sie sich Bilder an? Erschreckend kurz. Auch dazu gibt es Forschungen und auch das ist ein Teilgebiet der Kunstpsychologie.

Warum sammeln Menschen Kunst? Statussymbol, Glücksgefühle – was ist wirklich entscheidend? Kunst von Geisteskranken oder zustandsgebundene Kunst – welcher Ausdruck ist nun passender? Und kann Kunst eine Therapie ersetzen? Wenn ja – für den Künstler oder für den Betrachter?

Ich mag die Herangehensweise des Buches. Viele Fragen, viele Anregungen, viele Querverbindungen und viel Raum zum eigenen Erkunden.


Weitere Angaben zum Buch:

Martin Schuster
Manfred Koch-Hillebrecht

Wodurch Bilder wirken
Psychologie der Kunst

Neuauflage 2016

Dumont Buchverlag
ISBN 978-3-8321-6345-7

Lieber Dumont Verlag – danke für das Rezensionsexemplar!


Weitere Buchempfehlungen auf meinem Blog:

Übungen, sich Kunst mit wirklich offenem Geist anzuschauen, findet ihr in diesem Buch:

Pompejanum Aschaffenburg – mein Rom, meine Villa, mein Museum

IMG_20160430_085008

Manchmal ist die Welt ein seltsamer Ort und wird gerade erst dadurch schön. Ein König ist, ganz Kind des 19. Jahrhunderts, von der Antike begeistert. Inspiriert von den Ausgrabungen in Pompeji lässt er sich eine römische Villa bauen, samt Wandmalereien und Mosaiken.

Doch er möchte nicht in dieser Replik leben. Sie dient rein pädagogischen Zwecken und hat einen klaren Bildungsauftrag: das Haus, das so in Pompeji hätte stehen können, soll helfen, die Antike begreifbar zu machen.

Hier wird nicht das römische Alltagsleben gezeigt, sondern die opulente, bunte Prachtentfaltung der Oberschicht. Menschen kommen nur am Rande vor.

Damit ist die Villa, die heute ein Museum ist, ein Statussymbol, das ein antikes Statussymbol zeigt.

Pompejanum – von der Ruine zur Villa und wieder zurück

Im Zweiten Weltkrieg wird die Replik einer römischen Villa schwer beschädigt und ist fortan die Ruine, die sie nie sein sollte. Ziel des Königs war es damals, die römische Antike in ihrer vollen Pracht erfahrbar zu machen. Nun ist auch sein Statussymbol nicht mehr als ein Trümmerhaufen und gesellt sich zu den vielen anderen Ruinen auf dieser Welt.

Heute ist das Pompejanum in Aschaffenburg ein Mischwesen. Teils prächtige Villa, teils konservierte Ruine. Ein Ort zum Staunen und zum Kopfschütteln über Könige und Adlige aller Zeiten.


Details aus dem Pompejanum Aschaffenburg
Mosaiken und Wandmalereien im Pompejanum Aschaffenburg

Infos zum Museum:

Pompejanum Aschaffenburg

Pompejanumstraße 5
63739 Aschaffenburg

Das Museum wird nicht geheizt – unbedingt eine Jacke mitnehmen!

Im Anschluss an den Museumsbesuch im Pompejanum Aschaffenburg empfehle ich einen Spaziergang durch den Park Schönbusch, einem der frühesten Landschaftsgärten Deutschlands. Dort kann man auch das typische Kegelspiel eines Barockgartens ausprobieren – viel Spaß dabei!


Egal, wie das Wetter ist, ob zuhause oder im Urlaub: Ich bin eine leidenschaftliche Museumsbesucherin. Hier findet ihr meine Tipps für Museen.


Juchhe & Juchhei! Besuch im Dr. Erika Fuchs Museum

Schilder im Erika Fuchs Museum
Ente gut – alles gut: Beschriftungen im Erika Fuchs Museum

Juchhe! Es hat geklappt: Endlich habe ich das Museum für Comic und Sprachkunst, das 2015 in Schwarzenbach an der Saale eröffnet wurde, besucht. *Geräusch quietschender Museumstüren*

Dieses Museum stand auf meiner persönlichen Museumsbesuch-Wunschliste ganz oben. *meins!* Doch Schwarzenbach ist für mich nun wirklich nicht gerade um die Ecke. Eigentlich ist es nur für sehr wenige Menschen gut erreichbar. *schlurf, schlurf* Dr. Erika Fuchs muss das ähnlich empfunden haben, als sie als junge Frau der Liebe wegen genau dort hin zog *schmacht!*

Da saß sie nun mit dem Mann ihres Herzens und zwei kleinen Söhnen *rabääh!*. Gerne hätte sie geforscht. Sie wurde schließlich die Donald-Duck-Übersetzerin, auch wenn der Auftraggeber lieber einen männlichen Professor für die Stelle gehabt hätte.

Faszination Entenhausen, die Sprachkreationen der Übersetzerin Dr. Erika Fuchs und grundlegendes Wissen über die Funktionsweise von Comics: diese drei Themen will das Museum für alle Besucher vom Kind bis zum Erwachsenen abdecken. Keine leichte Aufgabe! *stöhn* Doch das Museum für Comic und Sprachkunst im Erika Fuchs Haus löst diese Aufgabe mit Bravour *klatsch, klatsch*.

Solltet ihr Euch dieses Jahr nur ein Museum anschauen wollen, dann nehmt die lange Anreise in Kauf und besucht dieses!

Belohnt werdet ihr mit einem soliden Einführungsvideo in die Geschichte der Comics und Graphic Novels. Kaum öffnet sich nach dem Film der Vorhang des Saales steht ihr mitten in Entenhausen und könnt diesen Kosmos erkunden. Auch ein Geld-Bad in Onkel Dagoberts Geldspeicher ist möglich. Spielen im Museum erwünscht! *jubel*

Es folgt eine Einführung in die Lebensgeschichte der Dr. Erika Fuchs – natürlich als Comic mit vielen Bild- und Text-Zitaten aus den von ihr übersetzten Geschichten.

Comic zum Anfassen: damit geht es im nächsten Raum weiter. Mimik erkunden und ausprobieren, Alliterationen texten, onomatopoetische Spielereien, Geräusche erfinden und aufnehmen, neue Begriffe generieren, sich an Übersetzungen versuchen oder einfach dem O-Ton von Dr. Erika Fuchs lauschen. Spielstationen und Wissensvermittlung, die sowohl für erwachsene Comic-Fans als auch für Kinder ab dem Grundschulalter funktionieren *juchhe!*.

Danach folgt das Paradies *träum* Zumindest ich stell es mir so vor: eine Bibliothek voller Comics, die alle gelesen werden dürfen! Ich bin dann mal weg *blätter, raschel* und zeige Euch vorher noch ein paar Schnappschüsse aus dem Museum für Comic und Sprachkunst:


Infos zum Museum:

Erika-Fuchs-Haus | Museum für Comic und Sprachkunst
Deutschlands erstes Comicmuseum

Bahnhofstraße 12
95126 Schwarzenbach an der Saale

Beiträge in der Zeit und der FAZ


 Comic-Empfehlungen und Museum-Tipps auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Noch eine Pilgerstätte für Comic-Fans: das Belgische Comic-Zentrum Brüssel

Kunst kommt von Kopfschütteln

Ist das Kunst oder kann das weg? Sachbuch Rezension
Mülltrennung für Kunst-Liebhaber

Kunst kommt von Kopfschütteln. Allein für diesen Satz bin ich dem Buch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ schon dankbar. Das ist für mich die griffigste Erklärung für meine Herangehensweise an moderne – damit meine ich SEHR moderne – Kunst. Kunst, die ein Kopfschütteln bei mir auslöst, mag ich, denn sie berührt mich. Kunst, die mich nicht berührt, ist uninteressant.

So mache ich mir das Leben als Museumsbesucherin und Kunst-Konsumentin einfach. Den ganzen Diskurs-Ballast wie „Das ist eine Hommage an …“ oder „Der Künstler kritisiert damit…“ oder auch „Wie schon Beuys sagte …“ blende ich damit aus. Einfach so. Das ist die Kunst mir wert.

Vom wahren Wert der Kunst lautet der Untertitel des Buches. Ist Kunst dann viel wert, wenn sie teuer gehandelt wird? Oder dann, wenn sie von Menschen wie mir genossen und rezipiert wird? Oder dann, wenn sie viele Besucher ins Museum lockt, die im Schnitt nur wenige Sekunden vor einem Bild verweilen?

Der Reiz des Buches lag für mich darin, dass Wissen zur Rezeption von Kunst aus vielen Bereichen zusammengeführt wurde. Für mich war hier vieles neu – inbesondere bei dem Thema Konzeption von Ausstellungen und der Frage, wie sich Museumsbesucher eigentlich die Kunstwerke anschauen.

Gebt der Kunst einen realen Wert!

Kunst, die im Museum ausgestellt wird, wird nicht gehandelt und hat daher keinen Preis. Ihre Bedeutung für die Kunstgeschichte ist wandelbar. Worin besteht also ihr Wert?

Im System der Währung Kunst figuriert das Museum gewissermaßen als Bank.
S. 155

Die Schlussfolgerung der Autoren finde ich durch und durch sympathisch: gebt der Kunst wieder einen realen Wert jenseits von Kunstmarkt-Preisen und Ausstellungserfolgen. Macht sie Euch zu eigen, genießt sie, nehmt sie mit in euer alltägliches Leben, redet darüber.

Über Kunst zu reden …

Verschweigen möchte ich aber auch nicht, dass ich große Probleme hatte, ins Buch zu finden. Der Einstieg war zäh, das Ende leider auch. Abhilfe wäre einfach: gelegentliche Absätze und ähnliche Layout-Auflockerungen würden bereits helfen. Die Textblöcke sind erschlagend.

Doch mein Durchhalten wurde mit grandiosen Passagen voll von bissigem Humor belohnt. Es gibt viel zu Lachen in „Ist das Kunst oder kann das weg?“; Lachen gepaart mit Kopfschütteln ergibt Erkenntnisgewinn.

Deswegen möchte ich mit einem Zitat aus dem Buch enden, dass eine Abwandlung eines Spruchs des Komikers Martin Mull ist:

Über Kunst zu reden ist so schwer wie Architektur zu tanzen.
S. 224

Infos zum Buch:

Christian Saehrendt
Steen T. Kittel

Ist das Kunst oder kann das weg?
Vom wahren Wert der Kunst

Dumont Verlag

Das Vorläufer-Buch ist ebenfalls sehr zu empfehlen:

Das kann ich auch!
Gebrauchsanweisung für moderne Kunst

Lieber Dumont Verlag: danke für das Rezensionsexemplar!


I went to a museum …“ der Song meiner Lieblingsband The Cramps war die perfekte Begleitung für diesen Blog-Beitrag.


Kunst macht das Leben schöner – Künstler*innen, Bücher über Kunst, Bildbände und Kunstausstellungen, für die ich mich begeistern kann. Hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.