Parthenon of books – Tempel der verbotenen Bücher

Nun ist er selbst im Kunsthimmel, der Tempel der verbotenen Bücher auf der Documenta 14. Ich hatte mich sehr darauf gefreut. Dann stand ich davor, daneben und darin – und wurde nicht so recht warm damit. Seltsam, oder?   War mir der Tempel der verbotenen Bücher zu groß? Nein, eigentlich nicht. Er war groß, sehr groß. Aber der Standort hat das gut vertragen und gegen Kunst im öffentlichen Raum, die sich nicht einfügt, sondern sperrig und laut ist, habe ich gar nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil.   Die Fernwirkung des Parthenons war genial. Aber was war innen? Bei Büchern kommt es doch auf das Innen an, oder? Dort fand ich nichts, noch nicht mal einen inspirierenden Leerraum, den ich hätte füllen können. Der Tempel der verbotenen Bücher wirkte von innen wie ein potemkinsches Dorf.   Ist das alles, was Bücher heute noch können? Eine mahnende Fernwirkung? Meinen Fotos sieht man meine Irritation sehr deutlich an.…

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Nick Cave – Graphic Novel von Reinhard Kleist

Die Graphic Novel über Nick Cave und mein Knie auf der Couch. Erotischer wird es heute nicht mehr.

Als ich mit der Graphic Novel „Nick Cave – Mercy on me“ von Reinhard Kleist auf der Couch lag gingen mir drei Gedanken durch den Kopf: Eine Graphic Novel liest sich also auch nicht schneller als ein Buch. Verdammt, ich habe kein Vokabular um angemessen über die Illustrationen zu schreiben. Wie um Himmels Willen konnte ich Anita Lane bisher übersehen? Verdammnis, der Himmel und die Frage nach der Zeit – daraus könnte Nick Cave gleich einen richtig guten Song machen. Ich gehe es ein paar Nummern kleiner an und versuche mich an einer ordentlichen Rezension im Stil der GeschichtenAgentin: was habe ich mit der Graphic Novel erlebt? Tote Frauen und Pathos Nick Cave ist für mich ein großer Künstler und ein Phänomen. Ich ergänze dazu ganz sexistisch: ein gut aussehender Mann (vor allen Dinger später, als er etwas mehr auf den Rippen hat), stilbewusst bis eitel, mit einer wunderbaren Stimme. Den sexistischen Blick auf Nick…

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Documenta. Meine erste.

Hätte man mich vor meiner Fahrt nach Kassel gefragt, welche Art Kunst ich auf der Documenta erwarte, wäre dieses Bild die passende Antwort gewesen: Stahlbarren in Säcken. Kunst, für die man ein Handbuch braucht. Kunst, die ohne den dazugehörigen Diskurs unverständlich bleibt. Kunst, bei der der theoretische Überbau schon vorhanden ist, bevor der erste Pinselstrich, der erste Schlag mit dem Meisel getan ist. Zum Glück habe ich auf der #documenta14 sehr viel andere Kunst gefunden. Sehr andere. Das hat gut getan. Liebe Documenta, was erwarte ich eigentlich? Was erwarte ich von Kunst? Ich möchte einen spontanen Zugang zum Kunstwerk finden. Einfach so, von Kunstwerk zu Mensch. Ein Kunstwerk muss mich berühren, eine Verbindung herstellen. Das kann ein zartes Hallo! sein. Oder ein Kratzen. Ein befremdlicher Ton. Eine Harmonie. Ein Faustschlag. Ein Häh? Ein Brüller. Ein Ich-glaube-wir-kennen-uns. Ein Stolpern. Ein warum-finde-ich-dich-jetzt-erst. Wenn dieser erste Kontakt zwischen Kunstwerk und mir hergestellt ist, darf die Reise weitergehen. Hintergründe über…

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My Maifeld

Maifeld Derby Mannheim

Aus. Das Derby ist aus. Das siebte Maifeld Derby war mein drittes. Was war? Was bleibt? Wer will das wissen? Ich. Ich will das wissen. Die Erinnerungen an mein erstes Maifeld Derby überlagern sich mit dem zweiten. Wann habe ich Die Nerven gesehen? Metz? Freiburg? Human Abfall? Soft Moon? Und wie hieß diese andere Band mit S? Diesmal habe ich mir Notizen gemacht – auf Instagram, auf Facebook, auf dem Grooveblog. Solche Notizen sind vergänglich, rutschen nach unten, nach hinten, weg. Also muss eine Meta-Notiz her, hier, auf dem Blog. Ein Festival besteht aus Momenten. Das Grinsen von Gemma Ray. Staub, der auf einer Schicht von Sonnenmilch klebt. Technikausfälle am Keyboard, die vom Sänger überspielt werden. Eine Rückkopplung, ein Schwarm Krähen über dem Palastzelt, ein Marienkäfer in der Menschenmenge. Eine Textzeile, ein Beat. Ein Gefühl, ein wahrer Moment. Meine Sammlung an Band-Momenten beginnt mit Gemma Ray. Wie konnte ich sie so lange übersehen? Fast wäre…

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Iggy Pop – der halbnackte Mann auf der Couch

Iggy pop biografie

In einem Tempo, in dem ich sonst nur Fantasy-Romane lese, habe ich die Iggy Pop Biografie „Open up and bleed“ von Paul Trynka durchgelesen. Nicht, weil sie so gut geschrieben wäre – das ist sie leider nicht -, sondern weil Iggys Leben einfach zu spannend ist. Zumindest in den ersten zwei Dritteln. Irgendwann kam ich an dem Punkt, an dem mich sein Lebensmuster „hart arbeiten, eine geniale Idee haben, zielsicher Mist mit Drogen bauen, David Bowie kommt und sorgt für ein Wunder, scheitern“ langweilte. In dieser Phase des Buches störte es mich dann besonders, dass der Autor Paul Trynka mehr damit beschäftigt war, chronologische Zeitabläufe zu schildern als Querverbindungen herzustellen und Zusammenhänge zu erläutern. Wer spielte wann in der Band, wer wurde aus welchen Gründen rausgeworfen, wann hat er sich wie auf der Bühne verletzt, welches Groupie erlangte mehr Bedeutung in seinem Leben und wann nahm er welche Drogen – das ist eigentlich genau das,…

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Die andere Seite – Ausstellung im Hack-Museum

Hack Museum Ludwigshafen - ausstellung die andere Seite

Stellt Euch vor, ihr kommt in ein Museum und merkt schon auf der Treppe, die zum Ausstellungsraum hinunter führt, dass diesmal etwas anders ist. Ist da nicht ein Geräusch? Plätscherndes Wasser? Ein Geruch? Frisches Holz, das nass geworden ist? Ihr werdet zielstrebig an den Highlights vorbei gehen, mit denen die Ausstellung eröffnet: Drucke von Alfred Kubin, die zu seinem Buch Die andere Seite gehören. Das macht nichts, ihr werdet eh mehrmals durch die Ausstellung kreisen und habt damit genug Gelegenheit, die Bilder von Kubin zu genießen. Doch euer Ziel auf diesen Runden durch das Museum wird jedesmal das Kunstwerk sein, das ihr schon beim reinkommen erahnt habt: Sans titre (Le Refuge) von Stéphane Thidet.   Ich behaupte, dass es so kommen wird, weil es eigentlich allen Teilnehmer beim zweiten Instawalk des Hack-Museums, dem #hackwalk_02, so erging. OK, ich war ein klein wenig stur und habe mich zuerst hingesetzt und ein wenig im Buch „Die andere Seite“ gelesen. Eine…

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Kae Tempest – wie das Maifeld Derby dafür sorgte, dass ich einen Roman las

Kate Tempest - Worauf du dich verlassen kannst - Roman

Kae Tempest sah ich 2016 auf dem Maifeldderby in Mannheim. Ich hatte das Programmheft nicht gelesen und war überrascht, statt in einem Konzert in einem Podiumsgespräch zu landen. Nun, Kae Tempest hatte das Programm wohl auch nicht gelesen und war überrascht, dass sie sich die Podiumsdiskussion selbst organisieren musste. Was mir fast ein Jahr nach ihrem gut gelaunten und hoch konzentriertem Auftritt im Gedächtnis geblieben ist, ist die Wucht, mit der sie ihre Texte vorträgt und die Liebe, die sie bei allem ausstrahlt. Wut wird zu Energie wird zu Liebe – eine bemerkenswerte Haltung, die ich so gerne viel häufiger erleben möchte. Dann ist mir noch ein Blick in ihre Schreibwerkstatt in Erinnerung geblieben. Kae Tempest erzählte, wie hart es für sie war, ihren Roman zu überarbeiten. Da stand die perfekte Beschreibung für einen Moment, für eine Emotion auf dem Papier und sie musste diese gelungene Formulierung streichen, weil sie nichts zur Geschichte beitrug. Das,…

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Documenta, ich komme – und wähle die Route durch Provinz und Märchenwald

Ich hatte es geahnt: ein Reiseführer zur Documenta, der „Schneewittchen und der kopflose Kurator“ heißt, ist garantiert kein Baedeker-Ersatz. Aber auf das, was dann kam, war ich nicht vorbereitet. Gleich auf der ersten Seite befand ich mich im Wald. Das ist schön, im Wald fühle ich mich wohl. Ob das ein typisch deutscher Anteil in mir ist? Im deutschen Wald lauern hinter jedem Baum die Brüder Grimm und machen den Wald zum Märchenwald. Daraus könnte man eine direkte Verbindung zu Kassel, der Grimm-Stadt, aufbauen. Aber nein: Die Annäherung an Kassel und die Documenta erfolgt zuerst räumlich mit einer schaurigen Reise durch die hessische Provinz – Hessen hat ja sehr viel davon. Klingt schräg, macht Spaß zu Lesen und gibt dem Phänomen Documenta eine für mich unerwartete Verwurzelung. Aber ich war ja noch nie auf einer Documenta. Die diesjährige Documenta 14 wird meine erste sein. Bin ich jetzt nach der Lektüre von Schneewittchen und der kopflose Kurator. Der…

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Tomás Saraceno: Fotografieren im Museum erwünscht!

Museumsselfie. Tomás Saraceno Ausstellung im Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen.

Na, das ist doch mal eine Ausstellung nach meinem Geschmack: Tomás Saraceno – Aerosolar Journeys. Fotografieren ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. So sehr erwünscht, dass am Eingang zur Ausstellung gleich ein Schild steht, dass die passenden Hashtags nennt. Die Ausstellung lässt den fliegenden Skulpturen von Tomás Saraceno viel Raum. Platz zum drumherum gehen, zum sich darunter legen, zum Ausprobieren, zum Blickwinkel wechseln. Alle Skulpturen bewegen sich allein durch die Thermik. Ein Lufthauch genügt und schon verändert sich etwas: ein Glitzern, eine neue Reflexion, ein Hauch einer Bewegung, ein Wehen, ein leises Rascheln. Tomás Saraceno verbindet Forschung und Kunst. An seinen Projekten sind auch Wissenschaftler und Architekten beteiligt. Ziel ist eine realisierbare Utopie; das Mittel dazu ist Kunst, die die Welt verändern kann, und die glitzernden, schwebenden und raschelnden Skulpturen sind die Einladung an den Museumsbesucher sich gemeinsam mit Künstlern und Forschern auf den Weg zu machen. Impressionen aus der Ausstellung, aufgenommen beim Instawalk #hackwalk_01 Und…

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Eigentlich für Kinder, aber: Frankfurter Museumsarchitektur – anschaulich erklärt

Museen in Frankfurt und ihre Architekur. Museumsarchitektur erklärt für Kinder

OK, es dürfte nur wenige Kinder geben, die ihre Eltern mit Fragen wie „Warum hat das Museum so ein spitzes Dach? Wieso hat dieses Museum Säulen und das hier keine?“ löchern. Dafür gibt es um so mehr Erwachsene wie mich, die sich freuen, wenn komplexe Zusammenhänge einfach erläutert werden. So wie in dem Buch „Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder.„ Museen müssen praktisch sein, sie sind Landmarken, Orte, an die man sich erinnert und Erinnerungsorte, sie sollen zeigen, dass der Stifter ein toller Hecht war. Vor allen Dingen soll Museumsarchitektur schon von außen auf das aufmerksam machen, was im Museum steckt. So kommt es, dass Museen und ihre Architektur fast immer im Gedächtnis bleiben. Die Staatsgalerie in Stuttgart ist die mit dem grünen Boden und den rosa Röhren, dass Rheinische Landesmuseum in Trier hat zwei seltsam dreinblickende Figuren über dem Eingang und die Bundeskunsthalle in Bonn seltsame Türmchen auf dem Dach. Gute Ideen, mal am Beispiel…

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Rheinisches Landesmuseum Trier

Eingang zum Rheinischen Landesmuseum Trier

Ein großes, begehbares Geschichtsbuch: so kam mir das Rheinische Landesmuseum in Trier vor. Eines dieser Museen, bei denen man sich erinnern sollte, dass es keinerlei Verpflichtung gibt, sich jedes einzelne Schaustück anzuschauen. Geht auch gar nicht, denn dazu gibt es einfach zu viele Funde im Raum Trier. Ein wenig Frühzeit, sehr schöne Objekte aus der Zeit der Kelten, etwas über die Franken, das Mittelalter. Dazwischen vor allen Dingen Römer in allen Varianten: Leben und lieben, wohnen und arbeiten, Krieg und Spiele. Landesmuseum Trier – viele Scherben und gute Gründe, römischen Wein zu meiden Bei einer solchen Fülle ist es schwierig, einzelne Objekte im Gedächtnis zu behalten. Das hier blieb bei mir hängen (völlig unsortiert und subjektiv): Kurz: Besuch lohnt sich, Zeit mitbringen. Informationen zum Rheinischen Landesmuseum Trier findet Ihr hier auf der Webseite. Ohne Museen, ohne mich! Egal, wie das Wetter ist, ob zuhause oder im Urlaub: Ich bin eine leidenschaftliche Museumsbesucherin. Hier findet ihr meine…

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Musik 2016 – Spotify und tote Künstler

Musik 2016: nicht nur Spotify sondern auch Konzerte

2015 hatte ich schon keine Top Songs für meinen Kollegen vom Grooveblog – darüber hatte ich hier gebloggt. Dieses Jahr ist das auch nicht anders, aber trotzdem ist alles besser. Viel besser. Nicht nur, weil der Student über mir, der im letzten Jahresrückblick eine entscheidende Rolle spielte, ausgezogen ist. Ich habe so viel Musik gehört wie schon lange nicht mehr; darunter auch viel Neues, sehr viel Neues. Ich habe so viel Musik gehört, dass kein Song es geschafft hat, ein Jahreshit zu werden, denn es gab immer noch den nächsten Song zu entdecken. Und den darauf. Und den übernächsten. Hatte ich letztes Jahr noch Orientierungsschwierigkeiten, gab es dieses Jahr damit einen akustischen roten Faden für mich: weiterhören, immer weiterhören. Nächstes Genre, nächster Künstler, nächstes Thema. Mochte ich mich 2015 noch nicht so recht mit Spotify anfreunden, bin ich Ende 2016 eine Heavy Userin. Und das kam so: 2016, Spotify und ich Am Anfang stand ein…

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