Kunst kommt von Kopfschütteln

Ist das Kunst oder kann das weg? Sachbuch Rezension

Kunst kommt von Kopfschütteln. Allein für diesen Satz bin ich dem Buch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ schon dankbar. Das ist für mich die griffigste Erklärung für meine Herangehensweise an moderne – damit meine ich SEHR moderne – Kunst. Kunst, die ein Kopfschütteln bei mir auslöst, mag ich, denn sie berührt mich. Kunst, die mich nicht berührt, ist uninteressant. So mache ich mir das Leben als Museumsbesucherin und Kunst-Konsumentin einfach. Den ganzen Diskurs-Ballast wie „Das ist eine Hommage an …“ oder „Der Künstler kritisiert damit…“ oder auch „Wie schon Beuys sagte …“ blende ich damit aus. Einfach so. Das ist die Kunst mir wert. Vom wahren Wert der Kunst lautet der Untertitel des Buches. Ist Kunst dann viel wert, wenn sie teuer gehandelt wird? Oder dann, wenn sie von Menschen wie mir genossen und rezipiert wird? Oder dann, wenn sie viele Besucher ins Museum lockt, die im Schnitt nur wenige Sekunden vor einem…

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Outdoor-Kulturtipp: das berühmteste Wildschwein Mannheims

Spiegelung Heinrich Vetter Weg Skulpturen Mannheim Luisenpark

Mannheims berühmtestes Wildschwein lebt nicht im Rheinauer Wald und auch nicht im Wildgehege des Käfertäler Walds. Eigentlich lebt es auch gar nicht, es ist aus Metall, massiv, und steht auf einem Steinsockel in einem Park. Von allen Skulpturen, die entlang des Heinrich Vetter Wegs im Luisenpark stehen, ist es sicherlich die am häufigsten fotografierte. Auch ich habe schon viel mit diesem Motiv rumgealbert. So, wie auf dem Foto, sahen Wildschwein und ich 1999 aus. Doch andere Skulpturen entlang des Spazierweges faszinieren mich deutlich mehr. Diese hier zum Beispiel lädt mich jedes Mal aufs Neue zum drumherum laufen, zum drunter und drüber schauen, zum beobachten ein. Je nach Wetter, Licht und Jahreszeit bietet sie mir ein neues Blick-Erlebnis an. Der Heinrich-Vetter-Skulpturenweg im Luisenpark Mannheim ist mein Beitrag zur Blogparade von Kulturnatur: Mein Outdoor-Kulturtipp. Berge, Meere und Täler wären gewünscht gewesen, Kultur jenseits der Städte. Ich bin jetzt doch erst einmal in der Stadt geblieben, in einem Park, in dem…

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Historische Eisenbahn Mannheim – Museumsbesuch

Historische Eisenbahn Mannheim Museum und Verein

In der Pfalz gibt es den Spruch: Wann’s Licht brennt is uff. An den musste ich denken, als ich heute vor dem großen grünen Tor zum Gelände mit den historischen Eisenbahnen stand. Kein Schild mit Öffnungszeiten, kein Hinweis, ob Besucher erwünscht sind. Man muss es wissen oder einfach mutig die Klinke herunterdrücken. Das Tor war offen, also war wohl auf. „Historische Eisenbahn Mannheim“ ist kein Museum, sondern ein sehr lebendiger Verein. Auf dem Vereinsgelände stehen restaurierte Loks und Waggons, aber auch viele, die noch auf Arbeitseinsatz und Sponsoren warten. Aus der Werkstatt klangen Geräusche, dort werkelte ein Mann. Er sah sehr glücklich aus. Das Gelände ist selbst schon fast ein Museum. Fahrleitungsmeisterei steht noch auf dem Schild am Gebäude und auch sonst ist einiges aus der Zeit, als hier noch die Deutsche Bahn zu Hause war, erhalten. Das Bürogebäude könnte aus den 50er Jahren stammen, die Werkstätten wirken noch älter. Daneben die Gleise, die zum Mannheimer Rangierbahnhof führen.…

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Bier ist gut, sagte der Arzt: Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot im TECHNOSEUM in Mannheim

Sudhaube

Bier ist gut, sagte der Arzt früher tatsächlich einmal und empfahl Kindern, Kranken und stillenden Müttern alkoholarmes Nährbier. Auch heute hat so ziemlich jeder, egal ober er oder sie Bier trinkt oder nicht, eine Meinung zum Thema Bier. Genau das macht einen Besuch der Ausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ im Technoseum in Mannheim zu einem vergnüglichen Ausflug. Einfach mal in den mittleren Teil der Ausstellung stellen, dort wo die alten Werbeschilder hängen, und die Ohren spitzen. Heidelberger Schlossqual und Karlsruher Friedhofsbräu – in diesem Raum fliegen im Publikum die Sprüche und Verballhornungen tief. Bellemer und Parkbräu – da werden Party-Erinnerungen unterschiedlichster Qualitäten wach. Das Kölsch, das nicht zu Alt werden darf – Grabenkämpfe flammen auf, befeuert von regionalen Spitzfindigkeiten. Bier ist ein hoch emotionales Thema. Wer eine Ausstellung dazu machen will, braucht Fingerspitzengefühl, um alle Befindlichkeiten von Anonymen Alkoholikern über Braumeister bis hin zu Craftbeer-Fans einzusammeln. Dazu bedarf es noch einer besonderen Gründlichkeit,…

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Wie leben? Wie wohnen? Wie arbeiten? Zukunftsbilder im Hack Museum

Im Hack Museum war ich nun schon lange nicht mehr, was nicht daran liegt, dass es für eine Mannheimerin wie mich auf der falschen Rheinseite liegt. Ehrlich! Für eine gute Ausstellung fahre ich sogar nach Ludwigshafen. Allein, es gab schon lange keine Ausstellung mehr, die mich gelockt hätte. Aber jetzt: Wie leben? Zukunftsbilder von Malewitsch bis Fujimoto Wie wollen wir leben? Wie wollen wir wohnen? Wie wollen wir arbeiten? Welche Gedanken haben sich Künstler dazu gemacht? Das ist ein Ausstellungsthema, das perfekt zu Ludwigshafen passt. Diese Stadt leidet noch heute unter den Folgen städtebaulicher Visionen vergangener Zeiten: marode Hochstraßen, verödete Fußgängerzonen und einem Bahnhof, bei dem das Umsteigen vom Regional- in den Fernverkehr zum Wanderevent mutiert. (Immerhin wurde in Ludwigshafen 1902 der Pfälzerwald-Verein gegründet.) Was noch möglich gewesen wäre Mit etwas mehr Mut oder einem größeren Budget oder mit etwas weniger Sponsoring durch die BASF hätte man genau das zum wichtigen Neben-Thema der Ausstellung machen…

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Ich habe heute keine Top Songs 2015 für Dich

Grooveblog auf Facebook

Mein Kollege vom Grooveblog meinte, dass auch wir am Jahresende zurückblicken oder hören könnten. Da hat er recht, doch die erhofften Top-5 Songs 2015 kann ich ihm und Euch diesmal nicht bieten. Wirklich nicht. Und das verblüfft mich selbst. Was ich aber bieten kann sind meine Top 5 Erlebnisse mit Musik 2015. Deren Existenz erklärt dann auch die Abwesenheit der Hitliste: Der Student über mir – Stille – Youtube nervt – Musik da draußen – Stuttgarter Nervengeflecht. Bonus-Kapitel: Musik lesen. Der Student über mir Der Student über mir mag Musik. Das merke ich an den vielen Amazon-Paketen, die ich für ihn annehme, die eindeutig Vinyl-LPs enthalten. Aber was hört er eigentlich? Am Anfang drang ein undefinierbares Gewummer durch die Decke an meinem Schreibtisch, der anscheinend genau unter seiner Anlage steht. Monate später AC/DC und dann auf einmal drei Tage Nirvana Teen Spirit in Endlos-Schleife. Es gibt Schlimmeres, aber irgendwie fühlte ich mich alt dabei. Aktuell…

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Joy Division: alle Songtexte und viel Raum für Legendenbildung

Buch Songtexte Joy Division Ian Curtis

Zwei Essays, alle Songtexte und Fragmente und sehr viel Raum zur Legendenbildung: das enthält der edel ausgestattete Band So This Is Permanence – Joy Division. Songtexte und Notizen. Deborah Curtis, die Witwe des Sängers, Dichters und Perfomance-Künstlers – anders kann man seine Bühnenauftritte kaum bezeichnen – erzählt im ersten Text des Buches von ihrer Liebe zu Ian Curtis, den sie als sensiblen, von seiner Arbeit besessenen Künstler wahrnimmt. Das ist sehr persönlich und verankert den Ausnahmekünstler im normalen Leben. Aber bei mir kam bei der Lektüre der Eindruck auf, dass hier doch viel ausgeblendet wird. Das kann aber auch an der Kürze des Textes liegen. Belesen und dystopisch Joy Division waren eine Band, die Ian Curtis nach seiner Vorstellung geformt hatte, und die war von Belesenheit geprägt und zutiefst dystopisch. S. 19 Spannender finde ich den zweiten Essay und die Verbindungen zur Literatur, die Jon Savage darin aufzählt. Wahrscheinlich gab es schon Semesterarbeiten und literaturwissenschaftliche Studien über die…

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Krakelüre, lukrieren, Provenienz – Original oder Fälschung?

Original Meisterfälscher Brandstätter Verlag

Vater Arthur Scott, so stellte er sich dem Museum vor. Der Mäzen im Habit eines Jesuitenpriesters hatte im Kofferraum seines Autos ein wertvolles Gemälde aus dem Nachlass seiner Mutter, dass er dem Museum schenken wollte. Er übergab dem Museum das Bild und fuhr davon. Bereits die erste Überprüfung ergab, dass es sich um eine Fälschung handelte. Vater Arthur Scott besuchte unter anderem Namen auch noch weitere amerikanische Museen. Die Bilder, die er verschenkte, waren gerade mal so gut gefälscht, dass sie einem ersten prüfenden Blick stand hielten – aber nicht länger. Warum tat er das? Was war sein Beweggrund? Ruhm, Geld, Rache und Genugtuung sind die häufigsten Motivationen für Kunstfälscher. Geld, so nehmen die meisten an, ist die eigentliche Triebfeder hinter jeder Kunstfälschung. Fakt ist, dass es selten das primäre Ziel ist, auch wenn es später, nach einem ersten großen Erfolg, der Hauptgrund für den Fälscher ist, mit dem, was er tut, weiterzumachen. Den Grad…

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Alles Quack! Duckomenta in Mannheim

Es ist fast ein wenig schade, dass die Anatiden anscheinend mit der Mond-Mission die Erde verlassen haben. Aber gut, dass das Reiss-Engelhorn-Museum sich die Mühe gemacht hat, dass Wirken der Anatiden in der Welt- und Kunstgeschichte zu erforschen! Unser Leben wäre ärmer ohne sie. Was wäre die Welt ohne die Maler Monente und Manente? Ohne Duckfretete? Und was die Architektur ohne die Baumaus-Bewegung? Was für ein Glück, dass sich ein renommiertes Museum diesem Thema widmet. Noch besser, dass ich einen schönen Sonntag Nachmittag mit Freunden in dieser Ausstellung mit Gute-Laune-Garantie verbringen konnte. Doch plant bitte ausreichend Zeit für den Besuch der Duckomenta ein, denn die Ente steckt im Detail. Es lohnt sich, alle Erklärungstexte zu lesen! Informationen zur Duckomenta-Ausstellung: Die Duckomenta Weltgeschichte neu ENTdeckt Reiss-Engelhorn-Museum Mannheim 13. September 2015 bis 24. April 2016 Alle Informationen zur Duckomenta auf der Seite des Museums Den aktuellen Stand der Forschung könnt Ihr hier verfolgen. Ein Museum, das bestens…

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Wer ist nur diese Alice? 101 Fragen der Popmusik

101 Fragen der Popmusik Who is Alice

Guter Grund für mich, das Büchlein „Who the fuck is Alice?“ zu lieben, ist, dass ein Song meiner Lieblingsband enthalten ist. Can i get in your pants? verleitet die Autoren Evelyn Peternel und Andreas R. Peternell zu einem kleinen Exkurs über die Geschichte der Damenunterhose. Das geht erstens genau haarscharf am Thema des Songs der Cramps vorbei und zeigt zweitens prima, wie das Buch funktioniert. Die Frage des Songs wird nur als Ausgangspunkt für eigene Querdenkereien genommen. Und wie das bei Querdenkereien so ist, kann der Leser dem mal ganz großartig folgen und manchmal überhaupt nicht. So hat sich mir der Gedankensprung von Alles klar Herr Kommissar? zur Entstehungsgeschichte des SOS nicht wirklich erschlossen. Genau mein Humor war hingegen die Frage Das soll ich sein?, die Blumfeld stellen, mit dem Bilderbuch „Das kleine Ich bin Ich“ von Mira Lobe zu beantworten. Großes Musical ist es auch Was hat Dich nur so ruiniert? mit wahren Geschichten…

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Kein Steinzeit-Disneyland: Zu Besuch in Lascaux II

T-Shirt Lascaux

Ich war skeptisch. Die Originalhöhle von Lascaux musste geschlossen werden, weil die vielen Besucher den prähistorischen Zeichnungen geschadet haben. Deswegen wurde die Höhle von Lascaux eins zu eins nachgebaut. Aus Beton. Was das dann wohl sein mag – ein Steinzeit-Disneyland? Eine Betonwüste? Doch die Umschreibung „Nachbau aus Beton“ führt in die Irre. Lascaux fühlt sich sehr lebendig an. Das hat meines Erachtens zwei Gründe: die ungeheure Genauigkeit des Nachbaus und die Art und Weise, wie die Bilder an die Wand gebracht wurden. In Lascaux wurde nicht einfach eine Höhle aus Spritzbeton hingestellt. Vielmehr wurde die Originalhöhle millimetergenau vermessen und nachmodelliert. Der enge Durchgang zwischen den beiden Höhlenkammern ist auch in Lascaux II ein sehr enger Durchgang. Lediglich der Boden ist ein stolperfreier Turnhallenboden, das ist aber auch das einzige Zugeständnis an moderne Bequemlichkeitsbedürfnisse. Graffiti mit Röhrenknochen – Künstler in der Steinzeit Die Bilder wurden auch nicht mit einer modernen Projektionstechnik an die Wand gebracht. Ganz im Gegenteil:…

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Auf einmal war Mannheim cool: Schwefel

LP-Cover der Band Schwefel aus Mannheim

Natürlich war Mannheim in den 80er Jahren für mich langweilig. Die Stadt war unschuldig. Ich war ein Teenager und wusste es nicht besser. Die Tatsache, dass ich heute immer noch in Mannheim lebe, zeigt, dass sich meine Haltung zu meiner Heimatstadt geändert hat. Ich kann auch genau den Abend benennen, an dem sich mein Mannheim-Bild zu verändern begann. Wie so vieles, was für mich wirklich wichtig war und blieb, fand auch dieses Ereignis im Cafe Old Vienna statt. Das Lokal ist Geschichte. Seine Reinkarnation nach dem Abriss des Gebäudes, das New Vienna, habe ich deswegen nie betreten. Wahrscheinlich hatte ich mir dieses Konzert im Old Vienna, das mein Mannheim-Bild änderte, nicht bewusst rausgesucht. Entweder war ich sowieso schon seit dem Nachmittag dort und blieb einfach. Oder ein guter Freund empfahl mir die Band eindringlichst*. An dem Abend, irgendwann in den 80er Jahren, trat im Old Vienna die Band Schwefel auf. Musik aus Mannheim, auf der Höhe…

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