Autobiografie, Holocaust-Gedenken und Gegenwartskritik: Kanakenkind von Luigi Toscano
„Ihr wollt es nicht sehen. Ich zeige es euch trotzdem.“ Auch wenn Luigi Toscano diesen Satz auf seine Wanderausstellung „Gegen das Vergessen“ bezieht, könnte er doch das Motto für sein Buch „Kanakenkind“ sein. Darin spricht er aus, was viele nicht hören möchten: wie es ist, als ältestes von sieben Kindern in einer italienischen „Gastarbeiterfamilie“ aufzuwachsen. Armut, Prügel, überforderte, trinkende Eltern, fehlende Bildungschancen, Sonderschule – an seine spätere Karriere als Fotokünstler glaubte damals niemand. Er auch nicht. Erst die Unterbringung im Heim brachte etwas Stabilität in sein Leben. Hauptschulabschluss, Ausbildung – und dann Absturz in die Drogensucht. Seine Co-Autorin Silke Kettelhake lässt Luigi Toscano in ganz eigenem Ton über sein Leben erzählen. Die autobiografischen Passagen sind fast Own Voice, nah am gesprochenen Wort und doch sehr literarisch: rhythmisch, kreativ, authentisch. Ein Beispiel lest ihr am Ende des Beitrags. Doch Toscano hält sich selbst nicht für so wichtig, dass er die kostbare Bühne namens Buch allein mit…












