Wie haben Sie das gemacht? 50 Fotografinnen, die Geschichte schrieben, und ihre Techniken

Eine feministische Geschichte der Fotografie: der Bildband "Frauen, die die Fotografie verändert haben"

Was haben Anna Atkins, Anja Niedringhaus und Cindy Sherman gemeinsam? Sie gehören zu den „Frauen, die die Fotografie verändert haben“. So lautet der Titel des Bildbands von Gemma Padley, in dem sie 50 Fotografinnen auf je vier Seiten vorstellt. Sie zeigt immer ein Porträtfoto, dem sie einen Text gegenüberstellt, in dem sie auf den Werdegang der Fotografin und das Besondere ihres künstlerischen Schaffens eingeht. Die Informationsdichte ist hoch. Biografie, gesellschaftspolitische Aspekte, Entwicklung als Künstlerin, Bedeutung und Rezeption des Werks – das sind viele Fakten für eine Seite Text. Doch auf der nächsten Doppelseite geht es dann sehr luftig zu. Gemma Padley zeigt ein typisches Bild der Fotografin und erläutert die Technik dahinter. Bildaufbau, Licht, Blende, Setting werden erklärt und die Leser*innen ermuntert, das selbst auszuprobieren.

Das von jeder Künstlerin nur zwei Bilder gezeigt werden, ist verständlich, aber schade. Mir war das zu wenig, weswegen ich ständig das Handy in der Hand hatte und nach weiteren Fotos gegoogelt habe. Was wiederum dazu führte, dass ich nur sehr langsam mit dem Lesen vorankam. Ausgebremst hat mich auch die extrem kleine, eng gesetzte Schrift.

Die Bandbreite hingegen ist groß. Klassische Porträtbilder aus den Anfängen der Fotografie werden genauso gezeigt wie aktuelle politische Dokumentarfotos. Streetfotografie, Collagen, verfremdete Fotos, surrealistische Bilder, Landschaftsfotografie – es gibt kaum eine Kunstrichtung, die nicht vertreten ist. Vorgestellt werden nicht nur berühmte Fotografinnen, sondern auch Fotokünstlerinnen, von denen ich hier zum ersten Mal las.

„Frauen, die die Fotografie verändert haben … und ihre Techniken“ ist ein Bildband zum Stöbern, Künstlerinnen entdecken und zum immer wieder in die Hand nehmen. Allerdings hätte ich dem großartigen Fotobuch ein anderes Cover gegönnt – oder hättet ihr bei dem Motiv ein Buch über Fotografie vermutet? Ich nicht!


Bibliographische Angaben:

Gemma Padley
Übersetzt von Thomas Hauffe

Frauen, die die Fotografie verändert haben
… und ihre Techniken

Laurence King Verlag


Ein Buch, das gut dazu passt (und aus dem gleichen Verlag kommt): Die Künstlerinnen. Werke aus fünf Jahrhunderten

Weise, wild und weiblich: Female Empowerment von Hestia bis Kali

Weise, wild und weiblich: das Buch von Tala Mohajeri lehnt an einer Ranke von wildem Wein.

Göttinnen, Hexen, Kraftorte – das sind Themen, zu denen seit Jahrzehnten in Wellen immer wieder neue Bücher veröffentlicht werden. Interessant finde ich, dass jedes Mal eine leicht andere Herangehensweise gewählt wird, die stets zum Zeitgeist passt. 80er-Jahre-Feminismus, kulturhistorisch, literarisch, pseudo-wissenschaftlich – insbesondere über Göttinnen habe ich schon alles Mögliche gelesen. Das meiste davon mit Vergnügen und Gewinn: Weibliche Vorbilder und Heldinnen kann es für mich und mein feministisches Herz nie genug geben!

„Weise, wild und weiblich. Erwecke die Göttin in dir“ von Tala Mohajeri passt bestens in diese Reihe hinein. Dieses Mal werden die Göttinnen im Mantel von female Empowerment präsentiert: Archetypen, an denen wir uns orientieren können, und die uns helfen, in unsere Mitte und Kraft zu kommen. Tala Mohajeri erzählt nicht nur niederschwellig, sondern auch lebhaft und plastisch. Das kam meinem Kopfkino sehr entgegen. Jedes Kapitel beginnt mit einer Einführung in die Mythologie, gefolgt von einem eher poetisch-atmosphärischen Text. Damit näher wir uns der Göttin schon mal aus zwei Richtungen: kulturhistorisch und emotional. Darauf folgen Ideen, warum sie für uns heute von Bedeutung ist und in welcher Lebensphase sie uns Orientierung schenken kann. Daran schließen sich Anregungen für Rituale, Altäre und Meditationen an. Das geht wie immer an mir vorbei: Auch bei diesem Buch werde ich die praktischen Übungen ignorieren. Doch ganz besonders charmant finde ich den kurzen Abschnitt namens Momentum: Wann ist ein guter Zeitpunkt im Leben oder im Jahreskreislauf, um sich mit dieser Göttin zu befassen? Auch wenn ich persönlich Kali nicht im November/Winter verorten würde, sondern im flirrenden Sommer und extremen Wetter, Boten mir diese Kapitel interessante Impulse.

„Weise, wild und weiblich. Erwecke die Göttin in dir“ hat mich insgesamt positiv überrascht. Schon allein deshalb, weil mir Tala Mohajeri einen Zugang zu Hestia ermöglicht hat, die unter anderem als Göttin des Herdfeuers bekannt ist und mir bisher als Hausmütterchen vorkam. Nun, das kann frau auch anders sehen!


Infos zum Buch:

Tala Mohajeri

Weise, wild und weiblich
Erwecke die Göttin in dir
Eintauchen in die Magie des Weiblichen: Wie Göttinnen-Mythen uns heute stärken und inspirieren können

Knaur Balance
Droemer Knaur


Noch mehr Götter und Göttinnen auf meinem Blog: So liebten die Götter. Sagt Stephen Fry.

Parts Per Million. Keine Wohlfühllektüre und deswegen gut!

Parts per million von Theresa Hannig. Buchcover auf dem IPad.

Am liebsten würde ich mich bei der Besprechung von „Parts per million“ von Theresa Hannig auf einen Nebenaspekt der Handlung konzentrieren. Die Protagonistin Johanna Strohmann ist Autorin. Ausgerechnet sie bringt die nötigen Skills mit, um die Klimaschutz-Bewegung auf das nächste Level zu heben. Ihr Werkzeug: das Buch, an dem sie gerade schreibt, sowie gute Geschichten, Storytelling und Wissen, wie die Aufmerksamkeitsökonomie funktioniert. Damit unterstützt sie Klima-Aktivist*innen und radikalisiert sich dabei zunehmend selbst.

Geschichten aus und über die Buchbranche – damit würde ich mich wohl fühlen und die Rezension ginge mir leicht von der Hand. Aber Theresa Hannig hat kein Buch geschrieben, mit dem sich die Lesenden wohl fühlen sollen, sondern eines über die Folgen des Klimawandels. Eine gründliche und scharfe Analyse, warum so viele Menschen den vermeintlich bequemen Weg des „Ist ja nur Wetter“, des „Ich kann da eh nichts machen“ und des „Wird schon gut gehen“ wählen – und was es braucht, damit Menschen aktiv werden oder sich sogar radikalisieren. Das war für mich das Besondere an „Parts per million“: Der Climate-Fiction-Thriller schmerzt, weil er uns die Möglichkeit des Wegschauens nimmt.

Das beginnt mit dem near-future Setting. In Deutschland regiert eine Koalition aus CDU und AFD. Was mit den bayrischen Polizeigesetzen begann, wird einfach nur ein klein wenig weiter gedacht. Das war das erste Mal, dass ich das Buch aus der Hand legen musste, um tief durchzuatmen. Viele weitere solche Lesemomente folgten, denn Theresa Hannig seziert wirklich jeden alltäglichen Lebensbereich. Hausfrauenehe, Mobilität, Finca auf den Kanaren, Social Media, alternative Beziehungsmodelle, Polizeiüberwachung, Migration, Unwetter, Dürren, Männer, die die Welt verbrennen, Populisten und die Sorgen der Teenager – all das und noch viel mehr wird durchleuchtet, inwieweit es mit unserer bisherigen Unfähigkeit, dem Klimawandel zu stoppen, zusammenhängt.

Diese Gründlichkeit gehört, genau wie die Spannung, zu den Stärken des Buchs. Aber sie bringt auch mit sich, dass ich mich an manchen Stellen im ersten Drittel in einem Lehrstück wähnte. Das legte sich, als die Gewaltspirale sich immer schneller zu drehen begann. Ab da hatte ich ein neues Problem. Ich bin ein bekennendes Weichei, was Gewaltdarstellungen angeht. Doch den Untertitel „Gewalt ist eine Option“ sollten Leser*innen sehr ernst nehmen!

Trotzdem bin ich froh, „Parts per million“ gelesen zu haben. Es ist schmerzhaft gut und damit das richtige Buch zur richtigen Zeit. Oder wie der Autor Andreas Eschbach in den Pressestimmen zitiert wird: „Wer danach nicht über den Klimawandel nachdenkt, ist wahrscheinlich tot.“


Angaben zum Buch:

Theresa Hannig

Parts per million.
Gewalt ist eine Option.

Fischer Tor

Vertiefendes Interview mit der Autorin auf dem Blog Janetts Meinung


Wem „Parts per million“ zu hart kling, dem empfehle ich als Einstieg „Pantopia“ von Theresa Hannig

Zwischen Ministeriumsdefinition und Alpenmythos: Was ist echtes Wandern? Meine Verteidigung der gemütlichen Tour

Reclam 100 Seiten Wandern. Das Taschenbuch steckt in einem Wanderschuh, der auf einer Treppe steht.

Ist das jetzt ein Spaziergang oder eine Wanderung? Diese Frage wollte ich schon immer einmal beantwortet haben. Nicht weil es für meinen sportlichen Ehrgeiz wichtig wäre. Der ist sowieso nicht sonderlich ausgeprägt. Für mich zählen nicht der Gipfel, nicht die Höhenmeter und auch nicht die Länge der Strecke. Ich will einfach nur durch einen Wald laufen, dabei zur Ruhe kommen und tief durchatmen. Wenn ich dann noch Natur beobachten und einkehren kann, ist das für mich ein perfekter (Wander)Tag.

Der Unterschied zwischen Wandern und Spazierengehen interessiert mich aus einem ganz eigenen Grund. Wenn ich erwähne, dass ich am Wochenende wandern war, habe ich zu oft den Eindruck, dass sich mein Gegenüber etwas anderes, deutlich sportlichers darunter vorstellt. Ich bin weder mit einem vollgepackten Rucksack unterwegs, noch mache ich Mehrtagestouren. Und schon gar nicht würde ich mein Wandern als Sport bezeichnen – ich lasse es mir einfach bei Bewegung und frischer Luft im Wald gut gehen.

Der Reclam-Band „Wandern. 100 Seiten“ von Nina Ayerle bot mir nicht nur kurzweilige Unterhaltung, sondern sogar Antworten auf meine Frage.

Die Sportwissenschaft wiederum zieht bei ihrer Definition vom Wandern auch das Tempo heran: Sie verbindet mit Wandern eine Mindestgeschwindigkeit von etwa sechs Kilometern pro Stunde.

Nina Ayerle, Wandern – 100 Seiten. Seite 4

Demnach wandere ich nicht, denn das Tempo schaffe ich bergauf mangels Kondition nicht. Bergab auch nicht, da mich fehlende Trittsicherheit ausbremst. Doch siehe da, selbst ein Ministerium hat sich mit dem Unterschied zwischen Spaziergang und Wanderung beschäftigt:

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie … legt übrigens auch fest, wie sich das für eine deutsche Behörde gehört, wann genau überhaupt von einer Wanderung zu sprechen ist. Diese bedürfe nämlich einer entsprechenden Planung, Ausrüstung und Verpflegung, sei durch einen „zügigen Schritt“ definiert und habe eine durchschnittliche Dauer von zwei Stunden und 29 Minuten.

Nina Ayerle, Wandern – 100 Seiten. S. 55 Zitiert aus dem Forschungsbericht „Grundlagenuntersuchung Freizeit- und Urlaubsmarkt Wandern“

Zügiger Schritt ist eine Bezeichnung, mit der ich gut leben kann. Für meine Maßstäbe bin ich flott unterwegs! Planung und Ausrüstung passt ebenfalls. Auch ich gehöre zu den Menschen, die mehr Outdoor-Klamotten besitzen, als sie eigentlich draußen sind. Meine Verpflegung besteht aus einer Wasserflasche, einem Viba-Müsliriegel und der Hoffnung auf Einkehr in einer Hütte des Pfälzerwald-Vereins. Auch die Dauer der Tour passt – laut Ministerium bin ich also eine Wanderin.

Allerdings hatte ich schon den Eindruck, dass die Autorin von „Wandern. 100 Seiten“ so wie viele Bewohner*innen des Alpenrands meine Wanderungen nicht ernst nehmen würde. Für sie bedeutet wandern, dass man sich hocharbeitet bis zur Baumgrenze und darüber hinaus. Ein Gipfelkreuz und grandiose Fernblicke sollten auch dabei sein. Das alles bietet der Pfälzerwald eher nicht – dafür gibt es auf unseren Hütten Rieslingschorle im o,5 l Dubbeglas, zu einem Preis, zu dem es in den Alpen vielleicht eine kleine Cola gäbe.

Egal, ich verzeihe ihr das und denke nicht weiter darüber nach, ob das jetzt Unwissenheit oder Ignoranz im Anblick der Mittelgebirge ist. Denn ihr Buch macht einfach nur Spaß – und Lust auf die nächste Tour!

Reclam 100 Seiten: der ideale Snack für den Wissenshunger zwischendurch

Für Wissensbücher hatte ich schon immer ein Faible. Das begann mit dem Kinderlexikon, das ich komplett gelesen habe. Später gesellten sich zu den Lexika Buchreihen wie DuMont Schnellkurs, Taschen Evergreen, Prestel Logo und Beck Wissen. Doch 2025 macht mir die Reihe „Reclam 100 Seiten“ Bock auf mehr! Die Bücher sind eine feine Mischung aus Allgemeinbildung und Nerd-Wissen, locker erzählt. Die Themenvielfalt ist beeindruckend: aktuelle Politik, Biografien, Naturwissenschaft, Philosophie – und vor allem Popkultur! Asterix oder Hannah Arendt? Science Fiction oder Mücken? Klassismus oder Hip-Hop? Was soll ich nach „Wandern. 100 Seiten“ als Nächstes lesen?


Bibliographische Angaben:

Nina Ayerle
Wandern. 100 Seiten.

Reclam 100 Seiten


Wandern – darüber hatte ich es auf meinem Blog schon ein paar Mal. Aber diesen Beitrag möchte ich mit einem Hinweis auf die Spaziergangswissenschaft versehen!

Luisa Francia über die verborgenen Schichten der Wirklichkeit

Die Macht des Verborgenen
Wie das Versunkene, Vergessene, Verheimlichte unser Leben steuert | Spiritueller Ratgeber mit 25 Ritualen
Eine magische Reise in die verborgenen Schichten der Wirklichkeit – von der bekannten Schamanin und Bestsellerautorin Luisa Francia. Buch ist leicht hinter einer wintergrünen Pflanze verboregen.

Ab und an packt mich die Neugier und ich lese ein aktuelles Buch einer Autorin, die mir vor Jahrzehnten wichtige Impulse gegeben hat. Luisa Francia ist eine von Ihnen. Vor rund 20 Jahren hat mich ihre eigensinnige Themenmischung begeistert: Selbstermächtigung, Selbstreflexion, Körperbewusstsein, Feminismus, Schamanismus, Psychologie und alte Mythen. Das war genau das, was ich damals als junge Frau brauchte – und heute, in der Menopause angekommen, wieder brauche.

Ihr neues Buch „Die Macht des Verborgenen. Wie das Versunkene, Vergessene, Verheimlichte unser Leben steuert“ lässt mich jedoch eher ratlos zurück. Ja, all das, was mir damals gut tat, blitzt auch hier durch. Doch das schmale Büchlein wirkt unfertig. Gerade mal 140 Seiten, in sehr großer Schrift gesetzt und mit ganzseitigen Zeichnungen aufgelockert. Das ist wenig Buch fürs Geld!

Der Inhalt hat den Charme von persönlichen, tagebuchartigen Skizzen. Liest sich gut, der seelische und praktische Nährwert war für mich allerdings gering. Als hätte die Autorin was zu sagen, jedoch keine Lust, das fertig auszuarbeiten. Aber vielleicht ging es ja auch genau um das:


„Je mehr wir erkennen, wie wenig wir eigentlich wirklich wissen, desto entspannter gehen wir durchs Leben.“
Klappentext – Luisa Francia, Die Macht des Verborgenen

Ich wusste am Ende des Buchs wenig – aber entspannt war ich!


Angaben zum Taschenbuch:

Luisa Francia
Die Macht des Verborgenen.

Wie das Versunkene, Vergessene, Verheimlichte unser Leben steuert

Knaur.Leben
Droemer Knaur Verlag

Buchtipp – nur noch gebraucht erhältlich:
Luisa Francia
Das Gras wachsen hören
Die spirituellen Fähigkeiten des Körpers


Noch eine Autorin, mit der ich es nach Jahren wieder mal versucht habe: Eva Wlodarek

Wenn die KI ein Fall für die Inquisition ist: Athos 2643

Titel: ATHOS 2643
Autor: Nils Westerboer
Verlag: Hobbit Presse / Klett-Cotta Verlag
Das Buchcover zeigt einen weiblichen Schattenriss vor einem sehr großen Mond

Alles in dieser Geschichte ist logisch und doch ist nichts so, wie es scheint. „Athos 2643“ von Nils Westerboer ist einmal das, was dem Genre Science-Fiction besonders liegt: ein philosophisches Gedankenexperiment. Es ist aber auch ein KI-Thriller und ein klassischer whodunit-Krimi. Zugleich überrascht der Roman mit witzig-skurrilen Details und Gags. Das kann nur funktionieren, weil der Autor seinen Plot unglaublich verdichtet und mit beeindruckender innerer Logik zusammenhält.

Auf Athos, einem kleinen Neptunmond, stirbt ein Mönch. Rüd Kartheiser, Inquisitor und Spezialist für lebenserhaltende künstliche Intelligenzen, ermittelt. An seiner Seite: seine Assistentin Zack. Schön, intelligent und bedingungslos gehorsam. Ein Hologramm.
Website des Verlags

Trotzdem hat mich „Athos 2643“ kurz vor dem zweiten Mord verloren. Denn die Handlung beginnt mit wunderbar skurrilen Szenen auf einem Weltraumflughafen und wandelt sich dann in Richtung Mitrate-Krimi. Oder auch nicht – weswegen mich das Buch dann doch nicht als Leserin verloren hat. Denn immer wieder werden moralische und philosophische Grundsatzfragen erörtert. Fragen über Allwissenheit durch Daten und dem Segen des Vergessens, über Logik und Empathie, über KI und Menschlichkeit, über Glauben und Verstehen.

Deswegen gratuliere ich Nils Westerboer und „Athos 2643“ nicht nur nachträglich zum Deutschen Science Fiction Preis 2023 – ich gratuliere auch dazu, dass er mich als Leserin aufs Allerbeste verwirrt zurückgelassen hat. Ich mag so was!


Angaben zum Buch:

Nils Westerboer

Athos 2643
Ausgezeichnet mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis 2023

Hobbit Presse im Klett-Cotta Verlag


Mehr zur besonderen Erzählweise erfahrt ihr in diesem Interview, das Sandra von booknapping mit Nils Westerbroer geführt hat.


Hier sollte jetzt ein Tipp für ein Buch folgen, dass meiner Meinung nach gut dazu passt. In diesem Fall bin ich ratlos und verweise einfach auf meine Science-Fiction Rezensionen!


Apropos KI: Wegweiser durch eine Welt im Wandel – Alles überall auf einmal

Kondorkinder: Eine Reise durch Peru auf der Suche nach einem magischen Buch

Kondorkinder - Fantasy-Buch von Sabrina Železný

Zum Glück fängt die Geschichte mit dem Handlungsstrang an, der in der Vergangenheit in Peru spielt. Ein kleiner Junge, eine Frau mit einem Geheimnis. Berge, Götter, alte Mythen und das reale Leben der armen Bevölkerung. Zu Beginn kommt Kondorkinder als historischer Roman mit phantastischem Einschlag daher.

Cut, zweites Kapitel. Berlin in der Gegenwart. Eher New Adult als Phantastik. Ganz ehrlich: hätte das Buch so begonnen, wäre ich ausgestiegen. Wer wann mit wem welchen Streit hatte und wer wann warum etwas Verletztendes gesagt hat oder missverstanden wurde – ich möchte das nicht lesen. Das ist einfach nicht meine Romanwelt.

Doch zum Glück war das erste Kapitel so stark, dass ich weitergelesen habe. Und noch weiter. Und immer weiter. Denn das Buch entwickelt einen Sog. Irgendwann verschmelzen die beiden Handlungsstränge. Die Protagonisten verhalten sich deutlich erwachsener. Der historisch-phantastische Teil bekommt einen Twist – und ein sprechendes Alpaka! Ab da wollte ich Kondorkinder nicht mehr aus der Hand legen.

Belohnt wurde ich mit einem Abenteuerroman, der geschickt Deutschland und eine Schnitzeljagd durch Südamerika verzahnt. Der über das historische Peru erzählt, aber den Kolonialismus nicht ausklammert. In dem Götter und Göttinnen genauso das Leben bestimmen wie der mehr oder weniger gut funktionierender Fernverkehr. Der den Zauber eines weit entfernten Landes einfängt und trotzdem ganz ehrlich soziale Ungerechtigkeiten, Sexismus und Rassismus benennt. Und zudem ein Roman, der mit rund 550 Seiten dick genug ist, dass der Lesespaß lange anhält!


Angaben zum Buch:

Sabrina Železný
Kondorkinder

Ausgezeichnet mit Phantastikpreis der Stadt Wetzlar 2022

Art Skript Phantastik


Was es in diesem Fall noch zu sagen gibt: Der Art Skript Phantastik Verlag stellt seine Tätigkeit Ende 2024 ein. Mehr zur Situation unabhängiger Verlage in Deutschland erfahrt ihr in diesem Artikel bei TORonline: Phantastische Kleinverlage – Vom Aussterben bedroht?


Genau deswegen folgen hier noch ein paar Tipps für phantastische Bücher aus unabhängigen Kleinverlagen:

Mit der Hitze kam die Werwölfin: Silver Moon

Silver Moon
Taschenbuch
Autorin: Catherine Lundoff
Genre: Fantasy | Paranormal
Schlagwörter: Wechseljahre, Werwölfin

Was wäre, wenn die Energie der Hitzewallungen in den Wechseljahren etwas Unerwartetes mit sich bringen würde? Wenn die Hitze das Wilde, Ungezähmte hervorbrechen lässt? Wenn die hormonellen Veränderungen tatsächlich einen neuen Lebensabschnitt einleiten?

Becca Thornton, Heldin des Fantasy-Romans „Silver Moon“ von Catherine Lundoff, erlebt genau das. Weil ihr Mann sie wegen einer Jüngeren verlassen hat und jetzt das Haus verkaufen will, muss sie sich neu im Leben orientieren. Doch als sie in einer Vollmondnacht das von einer Hitzewallung gerötete Gesicht mit kaltem Wasser kühlen will, sieht sie im Spiegel etwas, was sie irritiert: goldene Augen und Fell.

Was nun folgt, ist ein Fantasy-Roman der anderen Art, der mir viel Lesevergnügen geschenkt hat. Handwerklich gut geschrieben und bestens übersetzt kommt die Geschichte mit der für mich genau passende Mischung aus Trash, Action, Plot-Twists, Frechheiten und einer dezenten Liebesgeschichte daher. Von allem etwas – aber nichts zu viel.

In der Kleinstadt irgendwo draußen in der amerikanischen Provinz ist Becca nicht die einzige ihrer Art. Seit Urzeiten gibt es ein Werwölfinnen-Rudel, das das Tal bewacht. Jede von ihnen wurde erst durch die Wechseljahre verwandelt. Der Zusammenhalt der Wölfinnen ist ein Beispiel für gelebte Schwesternschaft. Dann gibt es noch Allies: junge Frauen, die hoffen, später selbst zur Werwölfin zu werden. Männer, die die Schutz-Arbeit des Rudels zu schätzen wissen und unterstützen. Natürlich gibt es auch Werwolf-Jäger, die fest daran glauben, dass die Verwandlung mit Umerziehung und Chemie heilbar ist. Kommt euch da etwas bekannt vor?

„Silver Moon“ ist ein lesbischer Fantasy-Liebesroman. Was mich direkt zu der Frage führt: Anscheinend lesen cis-Frauen häufiger Liebesgeschichten mit schwulen Protagonisten als mit lesbischen Heldinnen. Warum eigentlich – nur um endlich mal Jungs zu erleben, die Gefühle zeigen? Warum nicht lieber Geschichten von Frauen lesen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen?

Dieses Leseverhalten könnten wir ruhig mal ändern – „Silver Moon“ von Catherine Lundoff aus dem Ylva-Verlag ist für Fantasy- und Romantasy-Fans ein guter Einstieg!


Infos zum Buch:

Catherine Lundoff
Silver Moon

Übersetzt von Florian Kranz

Ylva Verlag – Sappho würde Lesbian Romance lesen
Leseprobe auf der Website des Verlags

Übrigens: Meine Rechtschreibkorrektur kennt nur Werwolf, nicht Werwölfin. Ich lass das jetzt mal unkommentiert!


Natürlich kann auch Fantasy mit schwulen Protagonisten großartig sein: Knochenblumen und Knochenasche

Kleine Geschichten von großen Künstlern. Oder: wie ich lernte, Frida Kahlo zu mögen

Laurence Anholt: Kleine Geschichten von großen Künstlern. Buch-Cover.

Kunst für Kinder – diesem Thema widmen sich mehr Bücher, als ich Kinder im Museum sehe. Manche hoffen auf die Neugier von Kindern, doch diese muss beim Thema Kunst meist erst durch einen Impuls außerhalb des Buches geweckt werden. Andere Kunstbücher für Kinder setzen auf die kindliche Kreativität. Doch nicht jedes Kind traut sich, im Anblick großer Künstler selbst etwas zu gestalten. Dann gibt es noch Bücher, die versuchen, das Kunsterlebnis in eine Erzählung einzubinden. Die wirkt aber häufig so konstruiert, dass Kinder misstrauisch werden. Schließlich haben sie ein feines Gespür dafür, was eine gute Geschichte ausmacht und wann ihnen die Erwachsen nur etwas beibringen wollen!

„Kleine Geschichten von großen Künstlern“ wählt einen anderen Weg. Laurence Anholt erzählt von Kindern, die wirklich gelebt haben und die wirklich berühmten Künstler*innen begegnet sind. Ergänzt werden diese wahren Begebenheiten von einer kindgerechten, kurzen Künstlerbiografie und Impulsfragen, die einen individuellen Zugang zu den Werken ermöglichen. Und natürlich von vielen Bildern, die die Bandbreite und das Leben der Künstlerinnen zeigen!

Das eröffnet neue Perspektiven und ermöglichte mir einen Zugang zu einer Künstlerin, mit der ich bisher nichts anfangen konnte: Frida Kahlo.

Mehr Kult als Kunst? Wenn der Mythos den Zugang blockiert

Würde mir Monet gefallen, wenn ich seine Seerosen zuerst auf einem Regenschirm gesehen hätte? Wohl kaum. Keith Haring begegnete mir vor allem auf Kaffeetassen. Einen Zugang zu seinen Bildern fand ich nicht. Und Frida Kahlo? Der Kult um die Malerin ist so groß, dass er für mich ihr Werk überdeckte. Die Legende, die feministische Ikone, die Lebensgeschichte! Doch wenn ich vor den Gemälden stand, empfand ich: nichts. Diese Frontalansichten, diese starren Gesichter. Ich hatte noch nicht einmal Lust, ihre Bildsprache zu enträtseln. Die Flut an Merch zu Frida Kahlo im Museums-Shop tat ihr übriges. Wir fanden nicht zusammen.

Von Mariana lernen: ein neuer Blick auf Frida Kahlo

Laurence Anholt erzählt in seinem Buch „Kleine Geschichten von großen Künstlern“ die Geschichte von Mariana. Sie wird, genau wie viele andere Familienmitglieder zuvor, von Frida Kahlo porträtiert.
Dafür besucht sie die Künstlerin in ihrem Haus. Mariana betritt die bunte, fast surreale Zauberwelt ganz unvoreingenommen. Frida, die wie immer ein langes Kleid trägt, erscheint ihr wie Prinzessin in einem magischen Reich.

Zack, da hatte mich das Buch. Warum konnte ich das nicht? Frisch und unbefangen auf das Werk einer Frau schauen, die ihr Leben selbst in die Hand genommen hat? Die Herrin ihres eigenen Reichs sein wollte?

Ich habe mich von Laurence Anholt durch Mariana an die Hand nehmen lassen und versucht, Frida Kahlo neu zu entdecken. Ich glaube, das wird was!


Bibliographische Angaben:

Laurence Anholt

Kleine Geschichten von großen Künstlern
Sammelband mit Geschichten über:
Van Gogh, Frida Kahlo, Cézanne, Picasso, Claude Monet, Marc Chagall, Degas und Leonardo da Vinci

Kindersachbuch, empfohlen ab 5 Jahren

Taschen Verlag


Ohne Kunst, ohne mich: mehr Bücher über Künstlerinnen auf meinem Blog:

Manchmal ist ein Museum ein Ort voller Abenteuer: Aus dem Leben einer Museumsmotte

Die Abenteuer von Pina Parasol. Steampunk-Kurzgeschichten

Die Abenteuer von Pina Parasol. Buch mit Steampunk-Kurzgeschichten.

Kurze Geschichten für den kleinen Steampunk-Hunger zwischendurch: Genau dafür sind die Abenteuer von Pina Parasol optimal geeignet! Tino Falke hat ein pralles Universum erschaffen, das locker für einen fetten Roman langen würde – oder mehrere. Doch er macht Steampunk-Kurzgeschichten daraus. Heldin aller Folgen: Pina Parasol, professionelle Verliererin, die sich um Dinge kümmert, die nie wieder gefunden werden sollen. Sie ist schlagfertig bis vorlaut, mutig bis übermütig und hat selbst in der größten Bredouille einen Plan, der vielleicht auch nur auf Improvisationstalent fußt. Sie kommt weiter rum als Indiana Jones und Lara Croft zusammen und greift dabei nicht nur auf feinste Steampunk-Technik wie Flug-Lokomotiven, sondern auch auf Magie zurück. Doch vor allem hat sie ihr Herz am richtigen Fleck und lebt ihre Werte. Ganz nebenbei sind die Geschichten auf eine sehr lässige Art progressiv, queer und divers.

Wenn euch also der Winter zu grau ist oder euch eine Wahl-Familie lieber wäre als eure eigene, dann greift zu diesem Buch! Wenn ihr abends noch lesen wollt, aber grundsätzlich schneller einschlaft, als ihr in einen Roman finden würdet, dann greift zu diesen Kurzgeschichten! Und wenn ihr einfach locker unterhalten werden wollt, dann greift ebenfalls zu „Die Abenteuer von Pina Parasol“ von Tino Falke.


Infos zum Buch:

Tino Falke

Die Abenteuer von Pina Parasol

Verlag ohneohren


Dem Verlag ohneohren habe ich schon einmal eine Liebeserklärung gemacht: Knochenasche rottet nicht

Mit Pflanzen die Welt retten. Grüne Lösungen gegen den Klimawandel

Bernhard Kegel - Mit Pflanzen die Welt retten. Das Buch steckt in einer Hainbuche mit orangenem Herbstlaub.

Jeder Baum hilft. Dann lasst uns doch einfach so viele Bäume pflanzen, dass wir damit den Klimawandel stoppen. Oder Moore renaturieren. Wenn wir schon mal dabei sind, dann können wir ja gleich mit Pflanzen die Welt retten. Irgendjemand muss es ja tun. Also los, Spaten schnappen, Loch buddeln, Baum rein.

Doch ökologische Systeme sind komplizierter, als ich es in der Schule gelernt habe. Nicht nur, dass meist nur ein Bruchteil der Neupflanzungen nach drei Jahren immer noch leben: In nördlichen Ländern verdunkeln neu gepflanzte Wälder die Erdoberfläche. Dadurch werden weniger Sonnenstrahlen zurück ins All reflektiert, was zu Erwärmung führt.

Nach gut 200 Seiten Lektüre ist klar: wichtiger als jede Renaturierung ist erst einmal, das, was an Natur noch da ist, zu erhalten. Diese Maßnahmen schützen uns jetzt. Sie helfen, Folgen des Klimawandels abzufedern, und verhindern, dass die Erderwärmung in diesem Tempo fortschreitet.

An zweiter Stelle steht, das, was wir zerstört haben, wieder herzustellen – Moore, Auen, Wälder, Seegraswiesen. Hier ist, wenn wir wirklich wollen und Ressourcen bereitstellen, deutlich mehr möglich, als ich dachte. Doch bis solche Maßnahmen greifen, werden Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ins Land gehen.

Parallel dazu muss weiter geforscht werden. Vielleicht erfindet ja jemand tatsächlich etwas wie einen „Erderwärmungs-Kühl-Staubsauger“. Doch darauf verlassen können wir uns nicht. Und ob all die Wunderwerke der Technik wirklich den erhofften Nutzen haben oder nicht sogar Schaden anrichten – das kann niemand abschätzen, wie das Beispiel der dunklen Wälder im Norden, die zur Erwärmung beitragen, zeigt. Selbst über die Fotosynthese wissen wir weniger als meine Biologie-Lehrbücher im Gymnasium vermuten ließen.

So könnte das Fazit von Bernhard Kegels Buch lauten: Wahrscheinlich werden Pflanzen alleine die Welt nicht für uns retten. Aber ohne Pflanzen wird es uns garantiert nicht gelingen!

Doch wie liest sich das Buch „Mit Pflanzen die Welt retten. Grüne Lösungen gegen den Klimawandel“? Ist es nicht deprimierend, damit Abende auf der Couch zu verbringen? Natürlich braucht man gute Nerven, um sich mit den Ursachen und Folgen der Klimaveränderungen an sich auseinanderzusetzen. Doch depressiv macht das Buch nicht. Ganz im Gegenteil! Ich hatte zwar den Eindruck, dass Bernhard Kegel weniger Geschichten aus der Wissenschaft erzählt als in seinen anderen Büchern (zum Beispiel in „Die Natur der Zukunft“ oder „Die Herrscher der Welt. Wie Mikroben unser Leben bestimmen“ – zu allen Büchern von Bernhard Kegel gibt es Rezensionen auf meinem Blog). Dafür konzentriert er sich mehr darauf, Fakten und Zusammenhänge zu erläutern. Doch auch dieses Mal ist sein Buch beste wissenschaftliche Unterhaltung, spannend aufbereitet. Das zarte Pflänzchen Hoffnung hat nach der Lektüre neue Triebe bekommen!


Infos zum Buch:

Bernhard Kegel
Mit Pflanzen die Welt retten
Grüne Lösungen gegen den Klimawandel

DUMONT Buchverlag


Bücher von Bernhard Kegel – meine Rezensionen in chronologischer Reihenfolge:

Frau Müller, die Migrantin

Frau Müller, die Migrantin. Das Buch liegt auf einer Tischdecke aus Afrika

Bei diesem Buch habe ich mir gewünscht, das Lachen der Autorin hören zu können. Ich stelle mir ihr Lachen als herzlich, warm, verbindend und lebhaft vor. Überhaupt würde ich mich gerne mit ihr einen Abend lang über Gott und die Welt unterhalten und mehr über ihren Blick auf Deutschland und das Leben erfahren.

Evelyne Waithira Müller ist gebürtige Kenianerin. In ihrer Zeit als britische Soldatin verliebte sie sich in einen Deutschen. Sie heirateten und zogen aufs platte Land. Wie das in der ersten Verliebtheit so ist: Dass sie sich damit nicht nur für einen Mann, sondern auch für ein Land entschieden hat, in dem nicht nur das Wetter so ganz anders ist, realisierte sie erst später. Mit ihrem Buch lässt sie uns an ihren Erfahrungen teilhaben. Der Untertitel „Wie Deutschland und ich uns aneinander gewöhnt haben“ ist perfekt gewählt.

In erster Linie hat sie ihr Buch „Frau Müller, die Migrantin“ als Mutmacher für Migrant*innen geschrieben. Sie zeigt, dass es möglich ist, der Heimat verbunden zu bleiben und trotzdem in Deutschland anzukommen. Dabei erzählt sie ganz ehrlich von Heimweh, Einsamkeit, Stolpersteinen, Fettnäpfchen, Kulturschock, Missverständnissen, Alltagsrassismus und dem Kampf mit der deutschen Bürokratie. Dabei geht sie insbesondere auf die kulturellen Unterschiede und die vielen unausgesprochenen Gepflogenheiten ein. Aber sie erzählt auch von kleinen und großen Fortschritten und von allem, was hilft, in einem fremden Land Fuß zu fassen. Ihre Empfehlungen für Migrant*innen verbinden Herzenswärme mit psychologischem Fachwissen. Einer ihrer Tipps lautet: Ihr müsst euch für das Land entscheiden, es nicht nur als Zwischenstation begreifen.

Für Menschen wie mich, die schon immer in Deutschland leben, lohnt sich das Buch genauso. Denn dann ist „Frau Müller, die Migrantin“ genau das, was sie auch im Vorwort schreibt:

„Lesen Sie dieses Buch! Es wird ihren Horizont erweitern und ihr Leben bereichern.“


Infos zum Buch:

Evelyne Waithira Müller

Frau Müller, die Migrantin
Wie Deutschland und ich uns aneinander gewöhnt haben

Bonifatius Verlag


Kulturschock der anderen Art: wie es sich für mich anfühlte, einen Science Fiction aus Nigeria zu lesen