Eintopf: Morgens, mittags und abends

Kochbuch Eintopf oder besser aus einem Topf

Dieses Kochbuch nimmt seine Mission ernst, sehr ernst: Eintopf zum Frühstück, zum Mittagessen und natürlich auch zum Abendessen.

Heiß, lauwarm oder kalt; für den Esstisch und zum Mitnehmen. Suppen und Eintöpfe, aber auch backen, dämpfen und räuchern in einem Topf.

Wenn ich also hier in der Überschrift von Eintopf rede, wird das dem Buch nicht wirklich gerecht. Alle Gerichte können zwar tatsächlich mit nur einem Topf zubereitet werden, aber nicht alles, was aus einem Topf kommt, ist deswegen auch ein Eintopf.

Wer auch immer für den Abwasch zuständig ist – er wird sich freuen, wenn aus diesem Buch gekocht wird!

Die Rezepte reichen von bodenständig und traditionell bis exotisch und überraschend. Gerade bei den ausgefalleneren Rezepten fand ich die Getränketipps sehr hilfreich. Zu jedem Rezept gibt es Variationen und Alternativen zur Würzung. Beherzt salzen und pfeffern – in diese Formulierung habe ich mich verliebt. Wann passiert einem Kochbuchleser das schon mal, das er einen Satz aus der Kochanleitung ins Herz schließt?

Was ich unbedingt ausprobieren möchte ist Bulgur mit Spargel und Zitronenverbene. Schwetzinger Spargel frisch vom Feld kann ich nämlich mal eben in der Mittagspause mit dem Fahrrad holen und das auch noch mit einem Besuch in der Buchhandlung verbinden. Zitronenverbene wuchert bei mir in großen Kübeln im Garten. So viel Verveine-Tee und Aromawasser kann ich gar nicht trinken wie diese beiden Sträucher Blätter haben! Die Vorfreude auf die nächste Spargelsaison wächst.


Angaben zum Kochbuch:

Katharina Seiser
Meinrad Neunkirchner
Julian Riess – Herausgeber

Einer für alles
80 Rezepte und ein Topf

Rezension bei Nachgekocht – Emmas Foodblog

Brandstätter Verlag
ISBN 978-3-85033-808-0


Kochbuch-süchtig? Hier gibt es Nachschub: Kochbuch-Tipps auf meinem Buch-Blog


Auch die nächste Kochbuch-Empfehlung kommt bodenständig daher – und enthält doch viele Überraschungen: Aufs Brot

2100 Watt und seidig glänzendes Haar: Text sells

Text sells - Txte die wirken. Fachbuch

2100 Watt  versus geschmeidiges, seidiges, glänzendes, gesundes Haar: mit welcher Kernaussage kann man einen Föhn besser an Frauen verkaufen? Nicht nur mit solchen Fragen beschäftigt sich das Buch „Text sells – wie Sie Texte schreiben, die wirken“. Auch die Besonderheiten der Sprache Udo Lindenbergs werden gewürdigt und Praxisbeispiele in Form von Originaltext – Textkritik – überarbeiteter Text kommen auch nicht zu kurz.

Die Ausgangsfrage musste sich Philips stellen. Was möchten Frauen mit einem Föhn erreichen? Etwas für ihre Schönheit tun? In angemessener Zeit Haare trocknen und stylen ist die treffendere Antwort. Wer seine Kunden und ihre Lebenswelt kennt weiß das und kann die besseren, da erfolgreicheren Texten schreiben. 2100 Watt ist eine handfeste Tatsache, die prägnant die Leistungsstärke des Haartrockners berschreibt. Mit diesem Slogan wurde der Föhn deutlich besser verkauft.

Natürlich braucht man, um solches herauszufinden, mindestens ein multinationales Team und eine Datenbank, die alle Elemente der Corporate Language erfasst – Textbausteine, Slogans, Bilder, Farben, einfach alles, was eine Marke ausmacht. Oder doch nicht?

Dieses Knowhow ist für jeden interessant, der mit Texten überzeugen möchte – egal ob Einzelkämpfer, Mittelständler oder kleines Rädchen in einer sehr großen Firma. Dabei ist es  auch ganz egal, ob er mit seinen Texten Umsatz generieren möchte, seine Reichweite steigern möchte oder einfach nur seine Leser begeistern will. Die Prinzipien bleiben die gleichen: wissen, wo der Leser umgeht, einfach und emotional stimmig formulieren und immer den Nutzen des Lesers im Kopf haben. Doch diese Grundsätze werden nur selten mit einer solchen Begeisterung und Freude vermittelt wie in „Text sells“.

Deswegen bekommt „Text sells“ von mir den Ehrentitel „Dieses Buch darf bleiben“ und wandert in meine Basis-Bibliothek. Ich werde es sicherlich noch häufig zur Hand nehmen!


Informationen zum Buch:

Armin Reins
Veronika Classen
Géza Czopf

Text sells
Wie Sie Texte schreiben, die wirken.
Wie sie Unternehmen und Marken durch Sprache Profil geben

Verlag Hermann Schmidt
ISBN: 9783874398084


Update 2026: Ich wundere mich sehr, aber dieses Buch ist nicht mehr lieferbar. Für mich hat es das Zeug zum Standardwerk. Vielleicht kann ich euch mit diesen Beiträgen und Rezensionen rund um das Thema „bessere Texte“ trösten:

Nun habe ich einen Blog – was mache ich jetzt damit? Blog Boosting!

Blog Boosting Buchcover

Robert Weller und Michael Firnkes, Autoren der Neuauflage von „Blog Boosting“, haben eine ganz einfache Antwort auf diese Frage: Geld verdienen, was sonst? Ein Blog ist ein nützliches Instrument, um Einnahmen zu generieren. Entweder auf ganz direkte Art durch Werbung oder indirekt, indem der Blog dazu genutzt wird, Aufträge zu bekommen oder Produkte zu verkaufen.

Das ist für mich auch der Hauptunterschied zur ersten Auflage von „Blog Boosting“. Ein Blog ist nun keine Spielwiese mehr, sondern ein Business. Für mich als Buch-Bloggerin wird es an dem Punkt schwierig – doch dazu später mehr.

Bevor Geld verdient werden kann, gilt es, sich Reichweite zu erarbeiten. Mindestens 100 Besucher am Tag ist das Ziel, denn dann kann man nach Aussage der Autoren mit einem gut positionierten Nischenblog bereits Umsatz machen. Content, Technik, Vernetzung und SEO sind das Werkzeug, der Rest ist harte, tägliche Arbeit und Übung. „Blog Boosting“ vermittelt das dafür notwendige Knowhow und erzählt ausführlich über geglückte Strategien der Autoren und über Erkenntnisgewinn durch Misserfolge. Das ist für mich auch die Stärke des Buches: sehr, sehr viel Praxiswissen auf Augenhöhe vermittelt.

Die zweite Auflage von „Blog Boosting“ ist nicht einfach eine überarbeitete Neuauflage, es ist ein komplett neues Buch. Der zweite Autor Robert Weller macht den Unterschied. Das bedeutet noch mehr Praxisbeispiele aus anderen Themenbereichen, die weitere Aspekte des Bloggens beleuchten. Es bedeutet aber auch eine andere Art des Schreibens. Letzteres bedauer ich ein wenig, da ich in manchen Kapiteln den abwechslungsreichen, wortgewandten Schreibstil von Michael Firnkes vermisse.

Cirka zwei Drittel des Buches widmen sich dem Handwerkszeug, das man benötigt, um eine ordentliche Reichweite zu erzielen. Doch auch hier wird schon immer auf die Monetarisierung als Endziel verwiesen. Trotzdem ist auch dieser Teil des Buches für Blogger*innen interessant, bei denen nicht gleich das Dollarzeichen in den Augen aufblinkt – also für Bloggerinnen wie mich.

Die Buch-Blogger und das liebe Geld – zwei Welten?

Ich kenne kaum (keine?) Buch-Blogger, die Ihren Blog konsequent zur direkten Monetarisierung nutzen. Manchmal versucht einer, das Zählpixel der VG-Wort einzubinden und flucht; manchmal sehe ich Adsense Werbung oder das Partnerprogramm von Amazon. Anders sieht das schon bei den Produkttest-Blogs aus, die unter anderem auch Bücher besprechen.

Es ist jetzt gut zwei Jahre her, dass ich die erste Auflage von „Blog Boosting“ gelesen habe. Die Lektüre hatte sichtbare Folgen in Form meines Kinderbuch und Bilderbuch Blog, der deutlich mehr Reichweite als dieser Blog aufweist. Das wundert mich nicht, denn die Kinderbuch-Nische ist größer und klarer definiert als das Sammelsurium an Themen, über das ich hier schreibe. Hier habe ich ohne Konzept begonnen und einfach drauf los geschrieben. Ich befürchte, der Google Algorithmus weiß bis heute noch nicht so recht, wofür dieser Blog steht.

Bücher, Museen, Kunst, Yoga – das ist nur eine kleine Auswahl meiner Blog-Themen. Doch das alleine scheint schon viel zu bunt und vielfältig für das strukturierte Vorgehen einer Suchmaschine zu sein. Wenn ich dann wenigstens immer nur Bücher aus einem Genre besprechen würde, aber nein, das wäre mir ja zu langweilig. Bei den Rezensionen geht es genauso bunt weiter: Sachbuch, Fachbuch, Fantasy, Kochbuch und ab und an ein Roman. Ich könnte das zum Beispiel ändern, indem ich zu jedem dieser Themen einen eigenen Blog mache. Will ich aber nicht, denn die GeschichtenAgentin ist meine Spielwiese und darf so bleiben, wie sie ist: im Sinne von Blog-Boosting inhaltlich un-optimiert und damit kaum für Einnahmen geeignet.

Das ist der Grund, warum ich mich diesmal in „Blog Boosting“ nicht so recht wiedergefunden habe. Ja, Gewinnoptimierung kann auch ein Blog-Ziel sein – aber eben nicht meines, zumindest nicht für den Hauptblog. Doch das handwerkliche Knowhow, das sehr fundiert vermittelt wird, ist für jeden Blogger nützlich und relevant. Was man damit hinterher anstellt bleibt jedem selbst überlassen.

Und was passiert bei mir diesmal nach der Lektüre? Mal sehen, ob ich nicht doch ausprobiere, ob man mit einem Buch-Blog Geld verdienen kann. Ich muss zugeben, dass es mich in den Fingern juckt und mein Kinderbuch-Blog wäre dafür geeignet. Jetzt brauche ich nur noch eine Alternative zum Partnerprogramm von Amazon, denn das kommt für mich als Ex-Buchhändlerin und Liebhaberin funktionierender Innenstädte nicht in Frage.


Weitere Informationen zum Fachbuch:

Robert Weller
Michael Firnkes

Blog Boosting
Content – Marketing – Design – SEO

Zweite aktualisierte Auflage

MITP

ISBN  9783958450226


 Was ist eine Rezension auf einem Buch-Blog wert? Darüber habe ich mir hier Gedanken gemacht: Reichweite, Zahlenmagie und Buch-Blogs

Rund 8 Jahre nach diesem Beitrag habe ich eine Blog-Bestandsaufnahme gemacht:

Epigenetik – da sieht mein Schulwissen alt aus

Epigenetik - Sachbuch Rezension

Das, was ich in der Schule über die DNA und Vererbung gelernt habe, stimmt nicht mehr. Es ist aber auch nicht richtig falsch. Das Wunder des Lebens ist schlicht und einfacher wesentlich komplexer und flexibler als uns das damals beigebracht wurde.

So ließ mich das Buch „Epigenetik. Wie unsere Erfahrungen vererbt werden“ vor allen Dingen mit einer Frage zurück:

Was von all dem Schulwissen, das ich mir in den Jahren von 1974 bis 1987 angeeignet habe, stimmt noch und was ist überaltert?

Cholesterin aus Eiern ist nicht ungesund, die DDR gibt es nicht mehr, die DNA ist nicht Alleinherrscherin über meinen Phänotyp und Mutationen sind nicht der einzige Weg, auf dem Veränderungen im Leben erscheinen können. Das ist mehr als faszinierend.

Auch dieses Buch von Bernhard Kegel ist wieder gut zu lesen – vorausgesetzt, man muss es nicht mitten im Kapitel zur Seite legen, weil die Eltern anrufen, deren Gene vielleicht gar nicht so viel Bedeutung für mich haben. Was mein Großvater in einer bestimmten Lebensphase gegessen hat, könnte genauso wichtig gewesen sein.

Viel gelernt, viel gestaunt und mit vielen Fragen über das Leben an sich und die durchschnittliche Haltbarkeit von Faktenwissen wieder aus dem Buch aufgetaucht!

Bleibt nur mein ganz persönliches Luxusproblem: jetzt habe ich alle Sachbücher von Bernhard Kegel gelesen. Und nun?


Weitere Angaben zum Sachbuch:

Bernhard Kegel

Epigenetik
Wie unsere Erfahrungen vererbt werden

Dumont Taschenbuch
ISBN 978-3-8321-6318-1

Ich bedanke mich beim Dumont-Verlag für das Rezensionsexemplar!


Vollständig – hier findet Ihr alle Rezensionen zu den Büchern von Bernhard Kegel:

Neophyten – unternehmungslustige Pflanzen erobern die Welt

Neophyten Sachbuch

“Wandernde Pflanzen – Neophyten, die stillen Eroberer” von Wolf-Dieter Storl hat mich gleich auf den ersten Seiten fasziniert. Neophyten, das sind, vereinfacht gesagt, Pflanzen, die eigentlich nicht hier her gehören. So wie der Riesenbärenklau, die kanadsiche Goldrute und das indische Springkraut.

Als agressiv und gemeingefährlich gelten sie. Mindestens unter Beobachtung stellen muss man diese Pflanzen, noch besser bekämpfen und ausrotten. Oder?

Wolf Dieter Storl, Weltreisender und Ethnobotaniker, lässt sein Buch in Südafrika beginnen. Mit zwei sehr sympathischen Biologen erkundet er die Umgebung der Hauptstadt. Dort findet er lauter alte Bekannte aus allen Teilen der Welt, auch aus Europa: den Portulak, die Akazie, das Wandelröschen, die Seekiefer …

Mit Erstaunen hört er die Biologen voller Enthusiasmus und mit Herzblut davon reden, dass all das ausgerottet werden müsse. Weil es nicht nach Südafrika gehöre. Weil es agressiv sei. Weil es die einheimischen Pflanzen verdrängen würde.

Zugegeben: ein Buch so beginnen zu lassen hat etwas von einem erzählerischen Taschenspieler-Trick. Macht nichts. Storl ist ein begnadeter Erzähler, der sein Handwerk versteht. Und ich lasse mich immer wieder gerne von ihm begeistern.

Wolf-Dieter Storl denkt in größeren Zusammenhängen. Er erzählt von Pflanzen, die vor der Eiszeit bei uns einheimisch waren, den Klimawandel nicht überlebt haben und jetzt als Zierpflanze wieder zu uns kommen. Andere Pflanzen wie der Apfelbaum kamen erst mit den Römern zu uns. Auch die Walnuß war zuerst nicht bei uns heimisch.

Warum auch sollte eine Pflanzen hinter der Gartenmauer bleiben?

Ein großer Einwanderungsschub begann in den Klostergärten des Mittelalters. Viele der dort angepflanzten Kräuter blieben nicht lange hinter den Klostermauern, sondern wilderten sich selbst aus. Das Schöllkraut ist ein Beispiel dafür.

Der botanische Garten Kew Gardens in London war ein weiterer Ausgangspunkt für eine ganz große Eroberungswelle. Pflanzen, die sich dort unter geschützten Bedingungen eingelebt hatten, verbreiteten sich über ganz England. So kommt es, das England die größte Zahl an Neophyten in Europa aufweist. Das Franzosenkraut und das drüsige Springkraut verbreiteten sich von dort weiter aufs Festland.

In einer Mauer in einer dunklen Ecke meines Gartens wächst das Mauerzimbelkraut und blüht wunderschön. Auch diese Pflanze ist ein Neophyt. Im laufe der Jahre hat sich das Mauerzimbelkraut in so ziemlich jede Kübelpflanzen ausgewildert. So machen das die Pflanzen nun mal – sie wandern und erobern sich neue Lebensräume.

Der typische Zyklus lautet Einfuhr -> Etablierung und Anpassung -> Invasion -> Sättigung und biologische Einbindung. In der letzten Phase ist der Neophyt kein agressiver Neophyt mehr – er tritt in normaler Häufigkeit auf, weil sich Fraß-Feinde und Krankheiten gefunden haben, die ihn im Schach halten.

Daher empfiehlt Storl, den Neophyten mit Gelassenheit zu begegnen – und in der Zwischenzeit sich einfach an den schönen Pflanzen zu erfreuen und ihr Heilpotential zu erkunden. Wie man das Heilpotential einer Pflanze ohne Laborversuche erkunden kann, darüber erzählt Wolf-Dieter Storl in seinen anderen Büchern.


Angaben zum Buch:

Wolf-Dieter Storl
Frank Brunke

Neophyten, die stillen Eroberer – Ethnobotanik, Heilkunde und Anwendungen

AT Verlag

Die Neuauflage trägt jetzt den Titel: Wesen und Geheimnisse der Neophyten
Heilpflanzen, Nahrungspflanzen, Nutzpflanzen • Goldrute, Springkraut und Staudenknöterich mit anderen Augen sehen


Diese Rezension von mir erschien zuerst im Hugendubel-Blog, der leider eingestellt wurde. Hier findet ihr meine Rezensionen zum Thema Garten und Natur auf diesem Blog.


Auch unter den Stadtwildpflanzen befinden sich einige Neophyten – und ohne sie wäre unsere urbane Natur ärmer:

Weihnachten und der Fliegenpilz. Vielleicht eine wahre Geschichte.

Weihnachten Schamane Fliegenpilz Sachbuch

Eigentlich ist der Weihnachtsmann ein Fliegenpilz. Rote Jacke und die Schneeflocken als weiße Punkte – eindeutig ein Fliegenpilz. Oder?

Fliegenpilze wiederum sind eng mit den Schamanen verbunden. Also ist Weihnachten ein altes heidnisches Fest. Eindeutig.

„Abgründige Weihnachten – Die wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes“ von Christian Rätsch wirkt ein wenig, als hätte das Buch eigentlich viel länger sein sollen. Manche der logischen Herführungen muten arg verkürzt an und es wäre ein leichtes, sich in dieser Rezension über diese Lücken auszulassen.

Mache ich aber nicht, denn ich schätze das kreuz und quer denken von Christian Rätsch sehr. Wahrscheinlich sind die logischen Verkürzungen hauptsächlich der Art und Weise geschuldet, wie heute Bücher entstehen.

Der Weihnachtsbaum als Ygdrasil, die Weltenesche, ist ein durch und durch schamanischer Baum. Die Kerzen beschwören die Rückkehr der Sonne. Der Duft aus dem Räuchermännchen segnet und weiht den Baum. Äpfel, Nüsse und Lebkuchen sind Opfergaben und Fruchtbarkeitssymbole. Hinter der Maske des Weihnachtsmann schaut Wotan hervor. Die wilde Jagd in den Rauhnächten war ursprünglich segensreich, nicht furchteinflößend, und brachte Geschenke mit – genau wie der Weihnachtsmann, der eigentlich Wotan ist und die Wilde Jagd anführt. Der Fliegenpilz wurde zum Glückssymbol, weil er den Schamanen, also dem Weihnachtsmann, zu einer glücklichen Reise in die Anderswelt befähigte.

Weihnachtsbräuche und Überlieferungen gegen den Strich gebürstet – das macht Spaß zu lesen. Manches am Weihnachtsfest wird für mich dadurch auch greifbarer, nachvollziehbarer und vor allen Dingen: lebendiger.

Aber warum musste Christian Rätsch seine Überlegungen ausgerechnet am Fliegenpilz festmachen? In meinen Erinnerungen an die Weihnachten meiner Kindheit kommen keine Fliegenpilze vor.

Wie war das bei Euch?


Informationen zum Buch:

Christian Rätsch

Abgründige Weihnachten
Die wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes

Riemann Verlag


Mehr Informationen zu Christian Rätsch:
Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen – meine Rezension 

Ich finde es wichtig, dass klar ist, dass die Christen uns Weihnachten versaut haben.“ Christian Rätsch im Interview auf Youtube.


Odin und die wilde Jagd, Orakel, Räuchern und Geister vertreiben:
die Rauhnächte hier auf meinem Blog.

Somatische Intelligenz: Mein Körper weiß, warum ich keine Tomaten mag

Somatische Intelligenz - Sachbuch Rezension

Ich mag keine Tomaten. Schon immer*. Wobei die pauschale Aussage, dass ich keine Tomaten mag, so nicht richtig ist. Tomatensuppe und Tomatensauce, die lange gekocht wurde, mag ich. Doch je roher die Tomate desto größer meine Abneigung.

Thomas Frankenbach rät mir mit seinem Buch „Somatische Intelligenz“ dazu, das zu akzeptieren. Tomaten enthalten fantastische Nährstoffe und sind gesund – aber eben nicht für jeden.

Wie alle Pflanzen enthalten Tomaten auch Stoffe, mit denen sie sich vor Fraßfeinden und Pilzkrankheiten schützen. Diese Inhaltsstoffe werden von Menschen vor allen Dingen roh unterschiedlich gut vertragen. Mir wird von Tomate schlecht.

Abscheu vor Tomaten – bei mir ein Warnsignal

Abscheu ist also nichts, was man überwinden soll. Viel klüger ist es, auf dieses Körpersignal zu hören und seiner somatischen Intelligenz zu vertrauen. Doch häufig geht das zarte Stimmchen der somatischen Intelligenz im Alltagstrubel unter oder kann sich gegen lautstark geäußerte Ernährungsweisheiten nicht durchsetzen. Rohkost, Vollkorn, selbst das berühmte „mindestens ein Apfel am Tag“: das kann, muss aber nicht gesund sein – zumindest nicht für jeden.

Widerwillen vor eine Speise ist jedoch nicht das einzige Warnsignal, das uns der Körper sendet. Auch beim oder nach dem Essen gibt es subtile Anzeichen, dass wir eine Speise schlecht vertragen. Wer lernt, (wieder) auf diese Zeichen zu hören, lebt gesünder. Und immunisiert sich zugleich gegen die Reden und Parolen von Ernährungspäpsten, Gesundheits-Gurus und Diät-Anbietern.

Auf den Körper hören – kann man das lernen?

Hören, was der Körper braucht und was ihm gut tut – wie kann man das schulen? Thomas Frankenbach bietet in seinem Buch „Somatische Intelligenz“ relativ wenige, dafür sehr gezielt ausgesuchte praktische Übungen an, von denen die meisten aus dem Bereich der Achtsamkeitspraxis stammen.

Die Stärke des Buches liegt in der Art und Weise, wie der Autor Zusammenhänge aufzeigt. Dabei vereinfacht er sicherlich manches, arbeitet dafür aber sehr gut heraus, was man selbst tun kann, um das zarte Stimmchen der eigenen somatischen Intelligenz in Zukunft besser wahrnehmen zu können. Erlernte Ernährungsweisheiten über Bord werfen, der eigenen Körperweisheit vertrauen und trotzdem wissen, wann es Zeit ist, zum Arzt zu gehen – das ist der angestrebte Idealzustand.

* „Kind, iss Spinat, dann bekommst Du Muskeln wie Popeye!“ Bestimmt hat jeder in seiner Kindheit Ratschläge zum Thema Essen gehört – insbesondere dann, wenn man etwas nicht essen wollte. Die Tomate dient mir hier als Beispiel, weil damit ein ganz besonderer Spruch aus meiner Kindheit verknüpft ist: „Wenn Du keine Tomaten isst, wird Dir nie ein Busen wachsen“. Danke Papa, dass Du meinen Widerspruchsgeist geschult hast 😉


Informationen zum Buch:

Thomas Frankenbach
Somatische Intelligenz
Hören, was der Körper braucht

Koha Verlag
ISBN 9783867282499


Bewusstes Leben – hier findet Ihr meine Buchtipps und Rezensionen.


Achtsame Ernährung – ein Buch-Tipp:

Meine Mikroben und ich – ein Holobiont

Die Herrscher der Welt: Mikroben - Sachbuch

Holobiont. Wichtiges Wort. Vor der Lektüre von Bernhard Kegels neuem Buch „Die Herrscher der Welt. Wie Mikroben unser Leben bestimmen.“ kannte ich das Wort Holobiont (Definition folgt am Ende der Buch-Rezension) noch nicht. Jetzt werde ich es sicherlich nicht mehr vergessen.

Holobiont – ich bin viele und nur miteinander können wir überleben. Was wäre ich ohne meine Darm-Mikroben? Unterernährt ist eine durchaus zutreffende Antwort, denn die Mikroben spalten für sich und für mich Nahrungsmittel auf. Ich könnte diese speziellen Nährstoffe sonst nur schlecht verwerten.

Und was wären meine Darm-Mikroben ohne mich? Auf jeden Fall heimatlos und hektisch darum bemüht, irgendwo anders für sich diese Nährstoffe zu finden, die es in meinen Eingeweiden im Überfluss gibt. Wir profitieren voneinander – zumindest so lange, wie sich alles im Gleichgewicht befindet. So viel sei schon mal verraten: weder einseitige Ernährung noch Antibiotika fördern das Gleichgewicht.

Er fragte sie (die Forscher), was sie selbst in ihrem Leben verändert hätten, seitdem sie an diesen Themen arbeiteten.

Ihre Antwort: Zurückhaltung mit Antibiotika, besonders bei den Kindern, daheim keine übertriebene Sauberkeit und die Aufforderung an die lieben Kleinen, draußen und mit Tieren zu spielen, sowie eine Ernährung, die weitgehend auf industrielle Fertigprodukte verzichtet.

Klingt eigentlich nicht so, als seien für diese Erkenntnisse zehn Jahre intensiver Mikrobiomforschung nötig gewesen. S. 241

Diese Herausforderung, das Gleichgewicht zu halten, besteht selbstverständlich nicht nur beim Menschen und seinen Darm. Der Mensch steht in Bernhard Kegels neuem Buch nicht im Mittelpunkt. Mikroben finden sich überall und sie sind anscheinend in der Lage, mit jedem Lebewesen eine nutzbringende Beziehung einzugehen. Eigentlich haben sie das Leben erst möglich gemacht und möglicherweise bestimmen sie unser Leben und unser Verhalten viel mehr, als wir das wahrhaben wollen.

Sachbuch mit Spannungsaufbau

Natürlich ist noch nicht alles erforscht und natürlich ist in Wahrheit alles viel komplizierter. Ohne Bernhard Kegel hätte ich kaum eine Chance, die komplexen und hochinteressanten Symbiosen zwischen Mikroben und ihren Wirten zu verstehen. Doch bei diesem Thema musste ich diesmal deutlich konzentrierter lesen als bei seinen anderen Büchern „Tiere in der Stadt“ und „Die Ameise als Tramp“. Nicht, weil der Autor in der Zwischenzeit das Erzählen verlernt hätte – das Gegenteil ist der Fall.

Sachbuch mit Spannungsaufbau – Bernhard Kegel kann das und noch viel mehr. Auch diesmal führte mich der Autor mit sicherer Hand durch mir doch sehr unbekanntes Terrain und unterhielt mich aufs Vergnüglichste mit lehrreichen Geschichten.

Das ich sein neues Buch nicht ganz so locker weglesen konnte wie seine Vorgänger, lag nur daran, dass mir die Materie wesentlich weniger vertraut war als das bei seinen letzten Büchern der Fall war. Bedingt durch Lesepausen fiel es mir schwer, die ganzen Mikroben, dieses ganze einzellige Gewusel, auseinander zuhalten.

Meine vielen Bewohner habe ich mir nicht gemerkt. Aber das die Mikroben und ich genau wie alle anderen Lebewesen ein Holobiont sind (und das ist gut so) – das bleibt im Gedächtnis. Individuen gibt es nicht.

Mein nächstes Buch von Bernhard Kegel liegt übrigens schon auf meinem „Das alles möchte ich bald lesen“-Stapel: „Epigenetik. Wie Erfahrungen vererbt werden“.

Dann habe ich alle Bücher von ihm gelesen – ein größeres Kompliment kann man einem Autor wohl kaum machen!

Fast ausgelesen: Die Herrscher der Welt  - Mirkoben
Da war es fast ausgelesen: Die Herrscher der Welt. Wie Mikroben unser Leben bestimmen. Auf der Lesebrille leben bestimmt auch welche.

Was ist ein Holobiont? Hier die Definition:

Ein Holobiont ist ein biologisches Konzept, das einen Wirtsorganismus zusammen mit allen Mikroorganismen beschreibt, die dauerhaft mit ihm in enger Gemeinschaft leben. Sie bilden eine fuktionelle Einheit.

Ein Mensch ist demnach ein Holobiont, denn er besteht aus den menschlichen Zellen plus allen Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Mikroorganismen, die auf und in ihm leben – etwa im Darm, auf der Haut oder in anderen Körperregionen. Diese Mikrobengemeinschaft wird auch als Mikrobiom bezeichnet.

Die Holobiont-Theorie geht davon aus, dass:

  • Wirt und Mikroorganismen sich gemeinsam entwickelt haben
  • Sie voneinander abhängig sind und sich gegenseitig beeinflussen
  • Die Mikroorganismen wichtige Funktionen für den Wirt übernehmen (z.B. Verdauung, Immunsystem, Stoffwechsel)
  • Der Gesamtorganismus als evolutionäre Einheit betrachtet werden kann

Beispiele für Holobionte finden sich sowohl im Tier- als im Pflanzenreich: Menschen und Darmbakterien, Bäume mit Wurzelbakterien, Korallen mit ihren Zooxanthellen und viele andere Organismen. Das Konzept zeigt, wie komplex und vernetzt biologische Systeme sind.


Weitere Angaben zum Sachbuch:

Bernhard Kegel

Die Herrscher der Welt
Wie Mikroben unser Leben bestimmen.

Dumont Verlag


Hier auf meinem Buch-Blog könnt Ihr noch mehr Rezensionen zu Büchern von Bernhard Kegel entdecken:

Ich mach was mit Kreativität – Psychologie für Designer

Sachbuch Kreativität aushalten - Psychologie für Designer

Mit „Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ ist Frank Berzbach ein sehr kompaktes Handbuch gelungen, das den kompletten Arbeitsalltag einer Werbeagentur oder eines Freelancers abdeckt.

Welche Rahmenbedingungen braucht Kreativität? Wie funktioniert die Kommunikation mit den Kollegen am besten und wie die mit den Kunden? Wie organisiere ich mich selbst?

Auf all diese Fragen gibt Frank Berzbach kurze, prägnante Antworten und ergänzt diese mit Denkanstößen.

Mit dieser Kombination erhält er dem Leser die Freiheit, seinen ganz persönlichen Weg zu kreativen Höchstleistungen zu gestalten, ohne dabei über die Steine zu stolpern, die schon seine Kollegen und Vorgänger zum Straucheln brachten.

„Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ ist ein Mentor in Buchform, der den jungen Kollegen an die Hand nimmt und den erfahrenen Kollegen an die Basics erinnert, die er im Arbeitsalltag vielleicht schon wieder aus den Augen verloren hat.

Ja, aber – das ist doch gar nicht meine Welt

Ich bin Quereinsteigerin. Was will ich also mit diesem Buch, das sich so ganz und gar auf die Werbebranche bezieht?

Das Buch bietet mir die Möglichkeit, die ganz normalen Arbeitsabläufe und Herausforderungen in einer Online- oder Werbeagentur besser kennenzulernen – sozusagen der Blick über die Schulter meiner neuen Kollegen. Dabei schildert der Autor viele Lösungen für Probleme, die ich gar nicht kenne.

So wurde mir bei der Lektüre klar, wie sehr meine Jahre als Buchhändlerin im Laden meine Arbeitsweise geprägt haben. Bestes Beispiel ist für mich der Umgang mit Arbeitsunterbrechungen. Als Buchhändlerin bin ich es gewohnt, ständig unterbrochen zu werden. Kaum beginnt man, einen Präsentationstisch neu zu gestalten, versammeln sich dort Kunden. Also arbeitet man als nächstes die Benachrichtigungsliste ab, wobei man selbstverständlich wieder unterbrochen wird. Eine Buchhändlerin hat daher ständig vier, fünf angefangene Arbeiten auf ihrem Schreibtisch liegen hat. Dazu kommt, dass es den Schreibtisch als Ort so gar nicht gibt – sich merken, was alles noch zu beenden ist, ist die Kunst. So musste ich nach meinem Wechsel in die Kreativbranche vor allen Dingen erst einmal lernen, eine Arbeit am Stück konzentriert zu Ende zu bringen.

Pause macht man im Einzelhandel auch nicht dann, wenn man sie braucht, sondern dann, wenn der Besetzungsplan eine vorsieht. Frank Berzbach betont in „Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ die Wichtigkeit von Pausen, denn sie erhalten die kreative Schaffenskraft. Zum passenden Zeitpunkt richtig Pause zu machen war etwas, das ich erstmal lernen musste. Letztlich hat mich meine Wirbelsäule dazu erzogen, denn dauerhaftes Sitzen gefährdet die Gesundheit.

Insgesamt sehr viel Inhalt für noch nicht mal 200 Seiten – was mich dann auch mit dem Preis wieder versöhnt hat.


Angaben zum Buch:

Frank Berzbach

Kreativität aushalten
Psychologie für Designer

Verlag Hermann Schmidt Mainz
fadengeheftetes Flexcover aus Skivertex mit runden Ecken und Lesebändchen

(spielt für die Rezension hier auf meinem Buch-Blog keine Rolle, aber ein Booknerd wie ich kann diesen schönen Wörtern nicht widerstehen!)

Hermann Schmidt Verlag Printed in Germany with love

Kreativ oder unkreativ? Ich empfehle, gleich weiter zu diesem Buch-Tipp zu springen:

Mach es Dir nicht zu bequem: Sitzen gefährdet die Gesundheit

Sitzen gefährdet die Gesundheit - Sachbuch

Sitzen gefährdet ihre Gesundheit! Da zuckt doch gleich das schlechte Gewissen – aber nein, der nächste Satz lautet nicht: treibt mehr Sport.

Ganz im Gegenteil. Sport bezeichnet die Autorin Joan Vernikos zwar als recht nützlich, aber nur, wenn die Basis stimmt. Die Basis, das sind für sie alltägliche Bewegungen wie aufstehen, in die Hocke gehen, sich strecken, um in das oberste Regal zu kommen sowie Bauchmuskeln und Arme einsetzen, um den Wäschekorb zu tragen. Bewegungsabläufe, die wir uns immer häufiger ersparen. Wir bleiben lieber sitzen.

Joan Vernikos ist angetreten, diese Basis an alltäglichen Bewegungen zu fördern und bringt als Verstärkung die NASA mit.

Weil Joan Vernikos aus der Weltraumforschung kommt und Astronauten betreut hat, findet sie für ihre Aussagen zum Teil sehr erstaunliche wissenschaftliche Herleitungen. Die Schwerkraft mache den Unterschied: für die menschliche Gesundheit sind die Bewegungen am wichtigsten, die der Schwerkraft entgegenwirken und die Muskelgruppe der Stabilisatoren trainieren. Noch ein paar Forschungen, Seiten und Statistiken weiter wird es dann klar, dass wir alle mindestens 32 mal am Tag aufstehen müssten. Und nur einmal die Woche müssten wir aufstehen, um zum Sport zu gehen. Die Grundfitness jedoch könnten wir im Alltag erreichen; die optimale Fitness mit ein wenig sportlicher Bewegung wie spazieren, wandern, radfahren und schwimmen. Krafttraining und Sport seien nur das Sahnehäubchen – ein Extra, auf das man auch verzichten könne.

Im Vorwort erwähnt Joan Vernikos, dass sie wohl etwas Geduld gebraucht hat, bis sie den passenden Verlag gefunden hatte. Die meisten Verlage wollten wohl ein Sport- und Fitnessbuch aus „Sitzen gefährdet die Gesundheit“ machen und den wissenschaftlichen Teil streichen.

Das wäre in doppelter Hinsicht schade gewesen, denn ohne ihre Herleitungen wäre das Buch nicht komplett. Für ein Fitnessbuch hingegen verzichtet sie zu sehr auf Sport. Der wichtigste Muskel, der von ihrem Fitness-Training angeregt wird, ist ein Hirnmuskel – nämlich der, der den gesunden Menschenverstand bewegt und der im Sitzen zu verkümmern droht.


Angaben zum Buch:

Joan Vernikos

Sitzen gefährdet Ihre Gesundheit!
Mit einfachen Bewegungen die gesundheitsfördernden Wirkungen der Schwerkraft im Alltag nutzen

englischer Originaltitel:
Sitting kills, moving heals

VAK Verlag


Update 2017:

Wir sitzen uns zu Tode. Eine sehr gute Zusammenfassung der Auswirkungen des Sitzens findet Ihr hier in Form einer Infografik: Sitzen kann tödlich sein. Gut gemacht, aber dieser Titel! Müssen es denn immer diese großen Worte sein? Mich motiviert das nicht zum Innehalten und lesen. Wie geht es Euch damit?


Viele Tipps für Übungen, die sich gut in den Alltag integrieren lassen, findet Ihr auch in diesem Buch: Aufrecht und geschmeidig. Mit gesunden Faszien beweglich und schmerzfrei bleiben von Susanne Noll. Meine Rezension dazu findet Ihr hier auf meinem Blog. Mein Lieblingstrainingsgerät ist mittlerweile der Wäschekorb!

Die Überschrift – Journalistische Praxis – Kurzbesprechung

Die Überschrift Journalistische Praxis

166 Seiten für 24,99 € – das ließ mich zögern. Wirklich angemessen finde ich den Preis auch nach der Lektüre nicht.

Doch die Überschrift ist für mich beim Bloggen immer noch eine Herausforderung und ich habe bisher nicht viel brauchbare Anleitungen und Fachtexte dazu gefunden. Also habe ich mir das Buch dann doch bestellt.

Anhand vieler schlechter Beispiele wird vor allen Dingen vermittelt, was beim Überschriften texten alles schief gehen kann – und warum. Das bietet Orientierung. Einen magischen Zaubertrick für die perfekte Überschrift verraten die Autoren natürlich nicht.

Es wird zwar auch auf die besonderen Anforderungen an Überschriften für Online-Medien eingegangen – doch besonders ergiebig fand ich das nicht. Überschriften im Sinne von HTML-Title und Meta-Descriptions kommen zum Beispiel gar nicht vor. „Professionelle Webtexte“ von Michael Firnkes liefert da wesentlich mehr Input und Knowhow.

Meine Erwartungshaltung an das Buch war sicherlich nicht die passende, gelohnt hat sich die Lektüre für mich trotzdem. Nicht nur, weil die schlechten Beispiele oftmals so herrlich unfreiwillig komisch sind. Oder weil mir die Autoren bestätigt haben, dass die Marotte mancher Wirtschaftsjournalisten ständig pseudo-bildhafte Überschrifte wie „Bei Reifen Schmidt läuft alles rund“ zu verwenden einfach unerträglich ist. Gelohnt hat sich die Lektüre für mich vor allen Dingen, weil sie meinen Blick auf gute und schlechte Überschriften geschärft hat.


Infos zum Buch:

Detlef Esslinger
Wolf Schneider

Die Überschrift
Sachzwänge – Fallstricke – Versuchungen – Rezepte

Journalistische Praxis

Springer Verlag
(nur noch als E-Book lieferbar)


Schreiben als Handwerk: dazu passende Buchtipps gibt es einige auf meinem Buch-Blog. Zum Beispiel diese Rezension:

Mind Detox – ungesunde Überzeugungen auflösen

Mind Detox: Detox für den Geist. Sachbuch

Nicht neu, aber frisch – das war mein Eindruck von der Mind Detox Methode, die Sandy C. Newbigging in „Detox für den Geist“ vorstellt.

Schreibe das Drehbuch Deines Lebens neu: Finde zuerst den Auslöser, die Geschichte in Deiner Vergangenheit, die zu den heutigen ungesunden Überzeugungen geführt hat – und deute sie mit dem, was Du heute weißt, neu.

So weit, so bekannt – aber Sandy C. Newbigging hat eine im positiven Sinne unbekümmerte und dabei gleichzeitig schon fast hartnäckig gründliche Art, dem Leser die Mind Detox Methode nahe zu bringen. Da kann man als Leser gar nicht anders – da macht man mit.

Genau das ist es, was mich an dem Buch fasziniert hat: die Art und Weise, wie Sandy C. Newbigging den Leser überzeugt, eine offene Haltung einzunehmen und einfach mal auszuprobieren, was passieren würde wenn … und schon ist man mitten im Verwandlungsprozess.

Ist der erste Schritt gemacht folgt der Teil des Prozesses, der richtig Arbeit macht. Und weh tun kann. Das verschweigt der Autor nicht, sondern begegnet möglichen Problemen mit gründlicher Methodik.

Sollte man gar nicht weiter wissen gibt es auch immer noch die Möglichkeit, die Seminare des Autors zu buchen. Klar – Bücher ohne Seminar-Anbindung sind leider selten geworden. Der Autor will ja auch leben. Aber: seine Methode ist klassische Hilfe zur Selbsthilfe und funktioniert auch ohne Kurs.

Ein neues Lieblings-Sprichwort hat mir das Buch übrigens auch noch beschert:

Wer versucht, einen Fluss auf mehr als einem Boot zu überqueren, wird ganz bestimmt nass.

Chinesisches Sprichwort.

Alles in allem eine erfrischende Lektüre. Trotz des Begriffs Detox, den ich genauso wenig mag wie Superfood.


Weitere Angaben zum Buch:

Sandy C. Newbigging

Detox für den Geist
Die 5 Schritte Methode

KOHA Verlag


Weiter ging es für mich mit diesem Buch von Sandy C. Newbigging: Ruhe im Kopf. Schluss mit dem Dauerdenken