Ernst Haffner – Blutsbrüder – Kurzbesprechung

 Blutsbrüder - Berliner Cliquenroman - Metrolit Verlag

Berlin, 1932

Jungs. Aus Erziehungsanstalten ausgerissen, aus desolaten Familien geflüchtet, auf der Straße gelandet. Mädchen kommen fast nur als Überträgerinnen von Geschlechtskrankheiten vor.

Halt gibt die Clique. Gemeinsam findet man immer eine warme Suppe, einen Platz zum Übernachten, das nächste Bier, einen Wintermantel.

»Man liest es mit Gier und Spannung, wie man ehedem Räuber- und Indianergeschichten gelesen hat« schrieb der Münchener Simplicissimus – damals. Und heute?

Erstaunlich, wie frisch dieses verschollene Werk auch heute noch ist. Der Autor Ernst Haffner begleitet die Jungs der Clique mit viel Verständnis und der nötigen inneren Distanz. Dies ermöglicht dem Leser ein einzigartiges Mit-Erleben und zieht ihn ins Buch hinein. Bei allem Realismus und aller Härte gibt es seltene Momente der Wärme und Geborgenheit. Doch Hoffnung gibt es nur für zwei der Blutsbrüder und dies auch nur, weil sie nicht blind dem Bandenchef folgen.

Bleibt die Frage, was aus dem Autor geworden ist. Man weiß es nicht.

Infos zum Buch:

Ernst Haffner
Blutsbrüder
Ein Berliner Cliquenroman
Metrolit Verlag

ISBN: 978-3-8493-0068-5

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