
Was macht KI mit unserer Sprache? Die Frage ist gut und notwendig. Warum haben so viele Texte auf einmal den gleichen Aufbau, die gleichen Stil-Figuren und die gleichen Emojis? Weil KI imitiert und so formuliert, wie es rein mathematisch am wahrscheinlichsten ist. So entstehen normschöne Sätze, die im Rahmen des Üblichen durchaus brillieren. Originell sind sie nicht, aber sie funktionieren.
Doch warum übernehmen Menschen diese Sätze eins zu eins für ihre ganz persönlichen Beiträge in Social Media? Pressesprecher für ihre Unternehmenskommunikation? Marketing-Manager für ihre Produkttexte? Blogger*innen für ihre Rezensionen? Und was passiert mit unserer Kommunikation, wenn wir sie der KI überlassen?
Das sind für mich die wichtigeren Fragen.
Definitiv kein Prompt-Ratgeber
Daniel Caroppo beschäftigt sich mit genau solchen Fragen. Welche Gedankengänge sie bei ihm auslösen, können wir in seinem Buch „Perfekt. Glatt. Wirkungslos. Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren“ beobachten. Aufbau und Schreibstil widersetzen sich der Logik von KI-Texten. Er formuliert nicht zielstrebig auf eine Aussage hin, er lässt Abzweigungen, Wiederholungen und immer wieder neue Fragen zu. Selbst wenn er Lösungen präsentiert, gibt er dem Zweifel Raum. Wir dürfen ihm beim Nachdenken beobachten. Das ist zutiefst menschlich und nahbar – und so weit entfernt von den genial-glatten Sätzen der KI!
Dadurch hat das Buch zwar mitunter Längen. Vielleicht kommen bestimmte Beobachtungen und der Begriff Haltung ein paar Mal zu häufig vor. Aber es tat mir so gut, wieder einmal etwas zu lesen, was anders ist. In den Formulierungen einen Menschen zu entdecken. Weil er bereit ist, sich zu zeigen – und sich nicht hinter den Funktionssätzen eines Large Language Models zu verstecken.
Was nehme ich mit? Meine Zusammenfassung in Buch-Zitaten
Solche Bücher brauchen eine andere Art, darüber zu bloggen. Das Foto zeigt es: „Perfekt. Glatt. Wirkungslos. Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren“ hat Post-ist gerade zu verschlungen. Deswegen folgt hier meine Zusammenfassung des Buchs in Zitaten – und das waren noch lange nicht alle, die ich mir angestrichen habe!
Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich eine neue Form der Sprachoptimierung beobachte, die mich irritiert. Weil alles besser klingt – aber weniger meint.
Seite 73
Wenn Sprache zu glatt wird, verliert sie Nähe. Dann entsteht Abstand, wo eigentlich Vertrauen wachsen sollte.
Seite 11
Ein Text, der funktioniert, ist noch lange kein Text, der verbindet. KI kann Sätze bauen, aber keine Beziehung.
Seite 24
Das Problem ist nicht, dass KI schreibt. Das Problem ist, dass Menschen aufhören, es zu tun. Wir verlernen das persönliche Sprechen, weil es bequemer ist, Funktionssätze zu erzeugen.
Seite 118
Die Vielfalt der Sprache ist nicht nur ein ästhetisches Gut. Sie ist sozial. Sie ist politisch. Und sie ist verletzlich. Wenn sie digital nicht auftaucht, wird sie real entwertet.
Seite 144
Die KI ist nicht schuld – wir waren vorher schon feige.
…
Schon lange vor ChatGPT waren wir Meister darin, uns sprachlich abzusichern. … Wie man gleichzeitig etwas sagt und nichts meint. … Die KI hat das nicht eingeführt. Sie hat es nur übernommen. Und verlässlich wieder ausgespielt.
Seite 182
Wer hat der KI gesagt, dass „Wir nehmen ihre Kritik ernst“ ein guter Satz ist? … Wer hat sie mit Worthülsen gefüttert, bis sie selbst eine wurde?
Seite 183
Wer mit KI arbeitet, muss nicht weniger können, sondern mehr. Nicht nur schreiben, sondern einordnen. Nicht nur verbessern, sondern entscheiden, und manchmal: ganz bewusst ablehnen.
Seite 24
Bonus-Track – ein weiteres Zitat für die Marmorplatte:
Ja, Gendern ist anstrengend. Aber vielleicht ist gerade das seine Stärke. Vielleicht ist diese bewusste Auseinandersetzung genau das, was wir brauchen – um Sprache wieder wirksam zu machen.
Seite 199
Das ist meine persönliche Tonspur. In Daniel Caroppos Buch steckt natürlich noch viel mehr. Insbesondere Menschen, die im weitesten Sinne im Bereich Unternehmenskommunikation arbeiten, finden darin wertvolle Denkanstöße zu Strategie, Haltung und Positionierung.
Wie viel KI steckt in meinem Buch-Blog?
Das Nachdenken über „Perfekt. Glatt. Wirkungslos. Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren“ möchte ich nutzen, meinen eigenen Einsatz von KI transparent zu machen. Der Buch-Blog Geschichtenagentin ist nicht frei von KI. Der erste Entwurf für einen Artikel oder eine Buchrezension ist immer von mir. Auch der Aufhänger, der Einstieg ist meine Idee. Aber es gibt Text-Passagen, bei denen ich häufig hänge: Zwischenüberschriften und das Fazit. Hier lasse ich mir gerne von Claude Vorschläge machen. Fast immer passiert dann das: die viel zu glatten KI-Formulierungen sorgen für einen Kreativitätsschub bei mir. Das, was vorher stockte, kommt in Bewegung.
Eine typische Frage von mir an die KI lautet: „Wie könnte das Fazit für diesen persönlichen Blog-Beitrag lauten?“ Was wohl die KI auf diesen Prompt antwortet?
„Ich verstehe den Auftrag – und spüre gleichzeitig die Ironie darin. Du bittest mich, Claude, um Vorschläge für ein Fazit zu einem Buch, das genau davor warnt, der KI die Sprache zu überlassen.
Aber gut: Hier sind ein paar Ansätze, die hoffentlich als Kreativitätsschub funktionieren und dich zu deinen Formulierungen bringen:“
Von den Textbausteinen der KI wollte ich für diesen Blog-Beitrag nichts übernehmen. Nicht jede Buchrezension braucht ein normschönes Fazit. Für meinen Buch-Blog gilt: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.
Infos zum Buch:
Daniel Caroppo
Perfekt. Glatt. Wirkungslos.
Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren.
Rezension in der Zeitschrift c’t
Mehr Sachbuch-Rezensionen auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin
KI – Grundlagen und Auswirkungen auf die Gesellschaft. Darum geht es in dem sehr gut lesbaren Sachbuch „Alles überall auf einmal. Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können“. Hier meine Rezension:
Beim Thema KI lohnt sich ein Blick in alte und neue SF-Romane. William Gibson, Aiki Mira und Nils Westerboer seien an dieser Stelle empfohlen. Meine Rezensionen habe ich euch hier verlinkt. Ganz besonders ans Herz lege ich euch eine kleine Erzählung, die schon 1909 erschienen ist: Die Maschine steht still von E.M. Forster.





