
Die ersten Nerds, die mir begegnet sind, waren die Perry Rhodan Fans in meiner Klasse. Alles Jungs. Später folgten die Musik-Nerds. Mädchen wie ich versuchten, mitzuhalten. Das führte zu meiner ersten Begegnung mit den Gatekeepern. Jungs, die bestimmen wollten, was niedliche Schwärmerei und was echtes Fandom ist. Mädchen = Schwärmen = muss Mann nicht ernst nehmen.
Wirklich darüber nachgedacht habe ich nicht, sondern lieber weiter Musik entdeckt. Bewusst wurde mir der Mechanismus Jahre später beim anerkennenden Nicken eines WOM-Mitarbeiters, der durch seinen Job und seine Arbeit als Musikjournalist der personifizierte Gatekeeper war: „Hätte nicht gedacht, dass du so etwas (Geniales) hörst.“ Meine Reaktion lag wahrscheinlich irgendwo zwischen Schulterzucken, hochgezogener Augenbraue und Lachen. Lachen hilft ja immer. Was ich daran lustig fand, hätte er eh nicht verstanden: Es ging um die Band Monster Magnet, die ich musikalisch gut und erfrischend, aber ihre überzogene Männlichkeit einfach nur amüsant fand. Und ihn durch seine Reaktion auch.
Ich glaube, Simoné Goldschmidt-Lechner kennt diese Momente der Nicht-Kommunikation nur zu gut. Sie erzählt auch von solchen Erlebnissen. Aber ihr Leben lässt sich mit meinem kaum vergleichen. Sie hat mir mit ihrem Buch „Nerd Girl Magic“ neue Räume eröffnet, denn sie schreibt aus einer queeren, nicht weißen, nicht männlichen Perspektive.
Für ihr Buchcover wählte sie ein Sailor-Moon-Motiv, aber eben nicht-weiß. Sie zeigt die Manga-Heldin, wie sie sie empfunden hat. Sailor Moon und der Beginn der Manga-Euphorie war für mich damals tatsächlich der Moment, in dem ich begriff, was für eine Kraft, was für eine Magie ein Fandom entwickeln kann. Nerd Culture kann ein Rückzugsort sein, von dem man gestärkt in die Realität zurückkehrt. Allerdings stand ich dabei eher außerhalb: Ich habe die Mangas verkauft.
Auch die anderen Nerd-Themen – Games, Buffy, Star Trek, Pen & Paper, Harry Potter, Dark Academia und noch manch anderes – habe ich bestenfalls gestreift. Und doch hat mir ihr Buch so viel gegeben! Denn sie lädt uns ein, immer mehr als eine Seite zu sehen. Das Empowerment genauso wie den Konsumrausch; die befreiende Kraft von Vorbildern genauso wie das Gefühl, nicht gemeint zu sein.
Ihren letzten Zeilen kann ich mich nur anschließen:
Wir sind Nrrd Grrrls. Und wir werden die Welt verändern.
Infos zum Buch:
Nerd Girl Magic
Nerd Attack gibt es auch hier auf meinem Blog. Aber zu diesen Nerd Girls passt das hier viel besser:





