Museumsbesuch – Gründerzeit-Museum – Charlotte von Mahlsdorf

Der Besuch im Gründerzeit-Museum in Berlin-Mahlsdorf hatte Auswirkungen auf meine „Das muss ich unbedingt noch lesen!“ – Liste, die eigentlich doch wirklich schon lang genug ist!

Dabei habe ich das Museum eigentlich aus einem ganz anderen Grund besucht. Ich lebe in einem Haus, das 1900 erbaut wurde. Das entfacht meine Neugier. Wie haben die Menschen damals in diesen Räumen gelebt? Warum ist der Grundriß genau so und nicht anders? Wie sah der Garten aus?

Antworten auf solche Fragen bietet das Gründerzeit-Museum. Charlotte von Mahlsdorf hat komplette Wohnungseinrichtungen aus der Zeit, in der sie groß geworden ist, gesammelt. Sogar ein vollständiges Schlafzimmer samt Kinderbett ist dabei. Unsere kompetente und erzählfreudige Führerin erklärt wirklich jeden einzelnen Gegenstand im Raum – von der Funktionsweise des Ofens bis hin zur Haartüte. Die Damen haben damals die Haare aus der Bürste in einer Haartüte gesammelt. Der Friseur hat ihnen daraus dann falsche Haarteile hergestellt. Auch die Frage, warum Nachttische Marmorplatten hatten, wurde geklärt: Auf dem Nachttisch stand eine Petroleum-Lampe und die Marmorplatte war eine Brandschutz-Massnahme.

Herrenzimmer, großbürgerliche Pracht und Klaviere für unmusikalische Menschen

So geht die Zeitreise weiter durch großbürgerliche Salons, Herrenzimmer und Küche. Jedes Möbelstück und jeder Gegenstand hat eine Geschichte, die erzählt werden will. Da Charlotte von Mahlsdorf auch einen Brotberuf in einem Museum als Restaurateur mechanischer Musikinstrumente hatte, gibt es auch viel zu hören: Quäkende Grammophone, selbst-spielende Klaviere und Vorläufer der Jukebox.

Das Gutshaus ist mittlerweile detailgetreu renoviert worden und üppig ausgestattet. Es vermittelt einen guten Einblick in das großbürgerliche Leben der Jahrhundertwende und das bunte, eigensinnige Leben der Charlotte von Mahlsdorf kommt auch nicht zu kurz. Für mich ein ganz besonderes Museums-Highlight.


Infos zum Museumsbesuch:

Gründerzeitmuseum

Hultschiner Damm 333
12623 Berlin

Öffnungszeiten: Mittwoch und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
Besuch nur mit Führung möglich, was aber in diesem Fall wirklich Sinn macht.

Leider ist das Fotografieren im Museum nicht erlaubt – Bilder gibt es hier auf der Homepage.

Schöner Artikel über „Lottchens“ Museum hier auf dieser Homepage.

Die Lebenserinnerungen der Charlotte von Mahlsdorf gab es lange bei DTV und wurden zum Glück im Jaron Verlag wieder aufgelegt.

Einkehr-Möglichkeit:
Das Gründerzeitmuseum hat ein eigenes Café, die „Mulackritze“, die einzige noch erhaltenen Zille-Kneipe samt Hinterzimmer. Sollte diese nicht offen sein, empfehle ich das „Café Mahlsdorf“, ein äußerst gemütliches Wohnzimmer-Café, das auf dem Weg zwischen Museum und S-Bahnhof liegt.


Lebenswelten anno 1900 könnt ihr auch in diesem Museum entdecken: Gärtner-Museum in Bamberg

Museumsbesuch – Fit fürs Museum – Rezension

Buchcover
Was tun an einem verregneten Sonntag? Fit fürs Museum macht Lust auf einen Museumsbesuch.

Lust auf einen Ausflug mit der Kultursportgruppe? Fit fürs Museum – wie Museen Spaß machen

„Fit fürs Museum“ von Andreas Blühm aus dem Hatje Cantz Verlag ist ein glücklicher Bibliotheksfund. So ganz werde ich die Systematik, nach der Bibliotheken ihre Bücher präsentieren, nie verstehen. Das macht aber nichts, denn es bereitet mir viel Vergnügen, planlos an den Regalen entlangzustreifen und zu warten, welches Buch mich anspringt.

„Fit fürs Museum“ ist genau so ein Buch, das sich mir vorlaut in den Weg gestellt hat und „Lies mich!“ rief. So kam ich zu einer vergnüglichen Lesestunde. Kurzweilig, launig und amüsant ermutigt Andreas Blühm seine Leser, sich das Museum zu erobern.

„Kommen Sie mit Familie oder in einer Gruppe, dann können Sie auch ausschwärmen und sich nach einer halben Stunde wiedertreffen un besprechen, welche Abteilung Sie sich in Ruhe vornehmen wollen. Aber dies sind nur Möglichkeiten. Es ist nämlich nicht verboten, bei Saal 1 zu beginnen und sich von Objekt zu Objekt fortzubewegen. Vermeiden Sie bloß, sich von dem Gefühl leiten zu lassen: Ich muss alles sehen, alles lesen und alles begreifen! Das Verursacht nur Stress und ist meiner Meinung nach der Anti-Museums-Faktor Nr. 1.“ 


Seine bunte Liste an persönlichen Museums-Favoriten zeigt sehr schön, was Andreas Blühm von einem Museum erwartet: Abwechslung, Inspiration, Information. Einige der Museen kenne ich schon, von anderen habe ich noch nicht mal etwas gehört. Hier ist seine Liste:


Deutsches Hygiene-Museum DresdenIch bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dieses Museum als Schülerin besucht zu haben. Damals war es noch ein reinrassiges DDR-Museum mit unbeleuchteten Schaukästen und seltsamen Schautafeln. Die Neugestaltung kenne ich noch nicht, steht aber auf meiner Museumsbesuchs-Wunschliste.

Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt
Davor gruselt es mir ganz fürchterlich, daher werde ich es eher nicht besuchen.

Deutsches Pferdemuseum in Verden an der Aller
Noch nie gehört – klingt interessant!

Fondation Beyeler, Riehen bei Basel
Das gehört definitiv auch auf meine Museums-Hitliste.

Das Josephinum, Wien

Steht leider noch aus – es gab einfach zu viel Interessantes in Wien.

Jüdisches Museum, Berlin
Beeindruckend. Für den Rest des Tages nimmt man sich am besten nichts mehr vor, außer still auf der Parkbank zu sitzen und Vögel zu füttern.

Stiftung Insel Hombroich bei Neuss
Das klingt spannend: Ein Sammler-Museum mit einem unkonventionellen Konzept, das Natur und Kunst verbindet.

Schloss Ambras in Innsbruck
Entstanden sind Museen aus den Sammlungen der Adligen, den Wunderkammern – hier kann man das sehen. Das „Goldene Dachl“ kann man meiner Meinung nach dafür ruhig auslassen.

Schweizerisches Landesmuseum Zürich
Noch ein Punkt auf meiner Museumsbesuch-Wunschliste

ZKM Karlsruhe
Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie ist toll. Noch toller ist es, wenn gerade alle interaktiven Objekte auch funktionieren.

Ein Rätsel kann jedoch der Autor Andreas Blühm auch nicht aufklären: Warum haben eigentlich Museen ausgerechnet am Montag zu? Und warum hat der Louvre nicht montags, sondern dienstags geschlossen?


Lust auf mehr Museumsbesuche? Hier findet ihr 10 gute Gründe, mal wieder ins Museum zu gehen:

Museumsbesuch – Belgische Comic-Zentrum – Brüssel

Mein Besuch im Comic-Museum Brüssel

Ein Museum für Fans: Das Comic-Museum in Brüssel

Yippie! Schon die Eingangshalle des Belgischen Comiczentrums und die Tatsache, das fotografieren erlaubt ist, sorgen für gute Laune.

Bevor man im ersten Stock an der Kasse angekommen ist, hat man garantiert schon das erste Dutzend Fotos geknipst. Die Rakete aus Tim und Struppi, Gastons 2CV oder die wunderschöne luftige Halle mit Glaskuppel des Jugendstilkaufhauses von Victor Horta aus dem Jahr 1906 sind echte Hingucker.

Wie präsentiert man Comics in einem Museum?

Comics sind kleinformatig und für eine Wandpräsentation schlecht geeignet. Eine Comicseite ist ein Gesamtkunstwerk. Würde man Einzelbilder nehmen und sie vergrößern, würden die Zeichnungen schnell ihren Reiz verlieren. Daher werden meist ganze Seiten präsentiert. Außerdem will ein Comic gelesen werden. Das bringt es mit sich, das man länger vor den Museumsobjekten stehen bleibt, insbesondere dann, wenn wie bei mir die Französischkenntnisse zu wünschen übrig lassen. Sollten dann noch Schulklassen anwesend sein, kann es zu Staus kommen. Daher unbedingt ausreichend Zeit für den Museumsbesuch einplanen. Zwei bis drei Stunden erscheinen mir realistisch. Zu entdecken gibt es genug.

Damit diese Problematik den Museumsgenuss nicht schmälert, haben sich die Ausstellungsmacher Inszenierungen einfallen lassen. Jedem Comiczeichner ist eine Koje gewidmet, die außer Comics und Lebenslauf auch Nachbauten der Szenen enthält. Da gibt es  zum Beispiel die Saloon-Tür samt Schatten aus Lucky Luke, die Hundehütte aus Boule & Bill und das Büro von Gaston.

Ein Museum, viele Herangehensweisen

Das Comicmuseum funktioniert auf vielen Ebenen. Eine Herangehensweise sind die Biographien und stilistische Entwicklungen der Comiczeichner der belgischen Schule. Eine andere Ebene ist die des Fans mit Anekdoten, Trivia und Kultobjekten. Anhand von Tim und Struppi wird durchdekliniert, wie ein Comic überhaupt funktioniert und der kulturhistorische Rundgang beginnt mit den mittelalterlichen Buchmalereien und den japanischen Holzschnitten, die bereits die ersten Comic-Stilelemente enthalten.

Den Ausstellungsmacher ist es gelungen, sowohl Hardcore-Fans und Nerds als auch Gelegenheits-Comicleser als auch Künstlern einen für sie stimmigen Zugang zur Ausstellung anzubieten. Und das Bildungsbürgertum kommt auch nicht zu kurz. Respekt!

Mein erstes Highlight waren die großformatigen Bilder von Francois Schuiten rings um den Lichthof. Ich kannte die Zeichnungen, wusste aber nicht, das sie direkt von der Jugendstil-Architektur des Museums inspiriert waren.

Mein zweites Highlight ist meine unbändige Lust, wieder Comics zu lesen. Aktuell liegen auf meinem Nachttisch „Spirou & Fantasio“ und „Kid Paddle“.


Infos zum Museumsbesuch:

Belgisches Comic-Zentrum
Zandstraat 20 rue des sables
Brüssel

Das Museum liegt in Laufnähe zur Innenstadt und ist definitiv für Kinder geeignet. Für den Besuch sollte man 2 bis 3 Stunden einplanen. Begleitpersonen, die sich nicht für Comics interessieren, können sich in Ruhe die wunderbare Jugendstil-Architektur des Comicmuseums anschauen und dann in der hauseigenen Brasserie warten.

Nachtrag Februar 2014:

Einen schönen Blog-Artikel mit vielen Fotos findet ihr bei den Teilzeitreisenden.


 Noch ein Comic-Museum, dass ihr nicht verpassen solltet: Das Erika Fuchs Haus

God is a DJ: Musikwelten im REM Mannheim. Museumsbesuch

Eintrittskarten Musikwelten Mannheim

„God is a DJ“ – mit diesem Zitat beginnt die großartige Ausstellung „Musikwelten“ im Bassermannhaus des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim.

Vorher heißt es „Kopfhörer auf“ und reinlaufen in das geheimnisvolle Halbdunkel. Das ist kein klassischer Museumsbesuch, denn Musikinstrumente nur anschauen, das wäre öd …

Eigentlich finde ich Führungen via Audioguide langweilig, denn der Kopfhörer kapselt mich von meinen Begleitern ab. Audioguide ist für mich die lasst-mich-doch-alle-in-Ruhe-Variante des Museumsbesuch, eine Notlösung. Diesmal nicht. Heh, ich habe in der Ausstellung getanzt!

Die Ausstellung basiert auf der Freudenberg-Sammlung. Von den knapp 2000 Musikinstrumenten der Sammlung sind rund 200 zu sehen und viele davon zu hören. Das reicht locker für eine völkerkundliche Reise um die Welt – Musik der Götter, als Verbindung zu den Ahnen, als rituell-religiöses Element, höfisches Zeremionell (hier bringen sie auch kurz die Mannheimer Schule unter), Tanz und Trance … Dazu Verbindungen zu Klassik, Swing, Jazz, Gorillaz, Queen, Iron Maiden …

Ich hatte den Eindruck, dass der Musik-Ethnologe, der die ganzen seltsamen Instrumente für den Audioguide spielen durfte, einen Heidenspaß hatte – Schlitztrommel, Reibhölzer, Systemstöcke, Schwinghölzer, peruanische Zweikammer-Wasserflöte … Und ich hatte viel Spaß dabei, mir das alles anzuhören.

Angeblich bietet der Audioguide Tracks für 5 Stunden. Ich war fast 3 Stunden dort, danach waren meine Ohren platt. Meine Highlights waren die Rhythmiken aus Kamerun, die höfische Musik aus Burma und die Trauermusik aus New Orleans.

Infos zum Museumsbesuch:

Die Ausstellung „Musikwelten“ wurde verlängert. Sie befindet sich im Bassermannhaus, einer Außenstelle des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim. 

Update 2017:

Aus der Ausstellung ist eine Dauerausstellung geworden. Zum Glück! Auch der zweite Besuch, der sozusagen ein Grooveblog-Betriebsausflug war, hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Der Audioguide ist immer noch erschlagend und den Musik-Ethnologen stelle ich mir immer noch als sehr, sehr glücklichen Menschen vor. Geht hin – es lohnt sich!


Eine Playlist erstellen fühlt sich ein bisschen an wie Gott spielen. Hier habe ich über die Geschichte meiner jährlichen Sommer-Playlist geschrieben:

Museumsbesuch: Nur Skulptur! – Kunsthalle Mannheim

Nur Skulptur Eintrittskarte

Erst Nutella, dann Bagger: Nur Skulptur! Mein Abschiedsbesuch in der Kunsthalle Mannheim

Respekt! Wie sich die Mannheimer Kunsthalle in ihrer letzten Ausstellung vor dem Abriss vom Mitzlaff-Anbau verabschiedet, das hat Stil.

Da werden wie in Vorwegnahme der Abriss-Bagger Wände durchbrochen, Geländer abgeflext, der Lagerbestand zum Abtransport vorbereitet und der Teppichboden so mit Nutella versaut, das er Sondermüll ist.

Es werden die Möglichkeiten, die ein so radikaler Neustart bietet, konsequent genutzt für eine einzigartige Skulpturen-Ausstellung, die es in dieser Form kein zweites Mal geben wird. Unbedingt anschauen!

Die Mannheimer Kunsthalle besitzt mit 840 Exemplaren eine sehr umfangreiche Skulpturensammlung von hoher Qualität. Vieles davon war in den letzten Jahren nicht zu sehen, da Platz für Ausstellungen gebraucht wurde. Auch einige meiner Lieblingsstücke schlummerten im Archiv. Etwa die Hälfte der Sammlung wird in der Abschieds-Ausstellung gezeigt und alle meine Lieblingstücke sind dabei. Ich liebe die Ausstellung schon allein deswegen, weil sie mir ein Wiedersehen mit alten Bekannten ermöglicht.

Diese alten Bekannten setzen die Ausstellungsmacher neu in Szene. Einmal dadurch, das sie die Räumlichkeiten ändern und zum Beispiel Wände durchbrechen; aber auch dadurch, das sie ungewohnte Blickachsen zwischen den Skulpturen schaffen und so neuen Interpretationen Raum geben.

Sehr schön beobachten lässt sich das in Raum 12. Dort stehen sich eine zerbrechliche Giacometti-Skulptur und der erdige, massige „Geschlagene Catcher“ von Gustav Seitz gegenüber. Überhaupt ist das eine Ausstellung zum mehrmals ablaufen und immer wieder umdrehen, denn aus jeder Richtung ergeben sich neue Einblicke, neue Interpretationsansätze. Besonders lange habe ich mich in Raum 18 mit Skulpturen von Henry Moore, Hans Arp, Alexander Archipenko und Aristide Maillol aufgehalten. Dort bin ich immer wieder um die Skulpturen, an die man so richtig nah heran gehen darf, geschlichen. In diesem Saal befindet sich auch der „Große Fisch“ von Constantin Brancusi, das heimliche Wahrzeichen der Mannheimer Kunsthalle. Es wird Zeit, das er an seinen angestammten Platz im Altbau zurückkehren darf.

Ein neues Lieblingsstück habe ich auch gefunden. „Schwarze Schatten“ von Sonja Vordermaier begeistert mich, weil sie mit einem Material, das man so gar nicht mit Skulpturen in Verbindung bringt, eine Skulptur erschafft, die einen körperlosen Schatten darstellt. Ein Paradoxon.

Etwas ähnlich unmögliches versucht Thomas Rentmeister mit seiner Skulptur aus Maschendraht und Nutella, die allmählich in den Teppich sifft. Damit weist er gleich auf zwei gute Gründe hin, die zum Abriss des Mitzlaff-Baus führen: der bauliche Zustand des Hauses, in diesem Fall der Teppichboden, und die fehlende Klimatisierung, denn diese Skulptur kann man riechen.


Infos zum Museumsbesuch:

Die Ausstellung „Nur Skulptur!“ läuft noch bis zum 17. November. Im Eintrittspreis von 7€ ist ein nützliches Booklet mit Lageplan enthalten. Der Altbau der Mannheimer Kunsthalle ist derzeit leider wegen Sanierung geschlossen. Fotografieren ist in der Ausstellung leider nicht erlaubt.


Und was kam nach dem Abriss des Mitzlaff-Baus? Die neue Kunsthalle Mannheim ist sehr gut geworden. So sah sie aus, als die Kunst noch nicht eingezogen war: Leere Räume, Kunst erwartend – Kunsthalle Mannheim vor der Neueröffnung.

Sommerhit – Projekt Mixtape

Eine ganz einfache Frage: Was ist dein Sommerhit?

Diese Frage hatte „and so Annie waits“ für ihr Projekt Mixtape im Juli gestellt.

Wie das so bei einfachen Fragen ist, fielen die Reaktionen darauf ganz unterschiedlich aus.

Während ich mich sofort vor meinem inneren Auge auf der Fahrt nach Südfrankreich sah und ein ganz bestimmtes Lied hörte, verklebten meinem Kollegen vom Grooveblog* sofort die Ohren vor lauter Bacardi- und Langnese-Songs. Erst als ich ihm die Gehörgänge mit „Dancing in the streets“ und „Summertime“ in der Version von Ella Fitzgerald freispülte, fand er einen für ihn akzeptablen Sommerhit: „Sex in der Wüste“ von IDEAL. Feine Wahl.

Der Sand ist heiß. Kein Schatten weit und breit. Die Cola kocht. Man liegt im eigenen Schweiß.

Für mich ist der ultimative All-time-Sommerhit „Voilà l’été“ von Les negresses vertes. Es kann keinen anderen Sommerhit geben. Dieses Lied hatten wir immer auf der Urlaubsfahrt nach Südfrankreich dabei. Erst auf Cassette, dann auf CD. Spätestens ab Orange, wenn es richtig warm wurde, wir blühenden Ginster am Straßenrand sahen und die Luft nach Süden roch, kurbelten wir die Fenster runter und drehten die Musik auf.
So muss sich Sommer anfühlen und so muss Sommer klingen!

* Der Grooveblog ist ein Gemeinschafts-Musik-Spiel-Projekt. Dort bloggen der Buchhändler und ich, die Buchhändlerin. Wir beide wundern uns immer, wenn wir uns mal einig sind … außer bei Prince 


Dieser Sommerhit spielt auch in diesem Musikbuch eine Rolle: Voyage, Voyage. Eine Reise durch die französische Popmusik

Museumsbesuch – Citânia de Briteiros – Portugal

Citania Briteiros in Portugal - Freilicht Museum

800 v. Christus war Citânia de Briteiros eine große keltische Siedlung. Heute ist Citânia de Briteiros ein Museum, das gutes und festes Schuhwerk erfordert.

Fast 200 Häuserfundamente der keltiberischen Siedlung wurden mittlerweile ausgegraben. Häuserfundamente, Wasserrinnen, Verbindungsstraßen – also Steine, Steine und nochmals Steine.
Diese gilt es zu erkunden, zu erlaufen, zu erklettern. Nur so kann man den Reiz des Ortes erfahren.

Der Begriff Häuserfundamente passt nicht wirklich. Grundstücksgrenzen wäre wohl treffender. Jede Familie hatte einen abgegrenzten Bereich, den sie je nach Bedarf bebaute. Wenn man annimmt, das eine Familie aus mindestens 8 Mitgliedern besteht, wohnten in Citânia de Briteiros um die 1600 Personen. Wahrscheinlich waren es mehr.
Wie das Leben dort wohl ausgesehen haben mag?

Auf einmal sah ich nicht nur Steine, sondern eine kleine Stadt und kletterte fasziniert weiter.

Das Museum und ich, wir laden Euch jetzt zu einer virtuellen Rundtour durch Citânia de Briteiros ein. Den Spaß des Kletterns habt ihr so nicht – aber einen wunderbaren Überblick faul vom Schreibtisch aus. Bei Station 8 solltet ihr eine Picknick-Pause einlegen und den Blick vom Hügel des Häuptlings genießen – schöner wohnen anno dunnemal.

Einen sehr schönen, bebilderten Artikel über das Museum von Citânia de Briteiros gibt es bei Planet Portugal.

Die Ausgrabungen sind bis heute nicht abgeschlossen. Wahrscheinlich bietet der Ort noch mehr Überraschungen wie Station 18: ursprünglich als Begräbnisstätte interpretiert und später als Sauna/Badehaus gedeutet. So viel Kultur wurde den Kelten ursprünglich nicht zugetraut, genauso wenig wie lateinische Wand-Inschriften und reich verzierte Schmucksteine.

Die wichtigsten Fundstücke sind im Museu da Socidedade Martins Sarmento in Guimarães. Nur leider werden sie dort nicht ausgestellt, denn sie sind zu kostbar und das Museum hat kein Geld für Sicherheitsmaßnahmen! (Stand 2013)
Es ist trotzdem einen Besuch wert und die ganz persönliche Führung durch einen Studenten, die im minimalen Eintrittspreis enthalten war, gehört zu den Highlights unseres Portugal-Urlaubs.

Infos rund um den Museumsbesuch in Citânia de Briteiros:

Wir haben das Museum von Guimarães aus besucht. Die Autofahrt dorthin dauert cirka 45 Minuten. Ein Navi ist hilfreich, da die Ausschilderung, wie so häufig in Portugal, lückenhaft ist. Wir trafen im Museum, wie in fast allen portugiesischen Museen, auf auskunftsfreudiges Personal mit sehr guten Englisch-Kenntnissen.

Für den Besuch sollte man mindestens 90 Minuten einplanen. Festes Schuhwerk und Trittsicherheit erforderlich.

Und danach? Natürlich lecker essen! Hier könnt ihr die portugiesische Küche entdecken:

 

Museumsbesuch – Der Hohenhof in Hagen

Das altmodische Wort Wohnsitz ist für mich der einzige Begriff, der zur Villa Hohenhof in Hagen passt.

Der Hohenhof war der Familienwohnsitz des Gründers des Folkwang-Museums Karl Ernst Osthaus und wurde 1906 bis 1908 vom Architekten Henry van de Velde konzipiert und erbaut. Dieses Gesamtkunstwerk des Jugendstils ist bis heute unverändert erhalten geblieben. Sogar die Ausstattung der repräsentativen Räume wie Möbel, Wanddekorationen, Lampen und Stoffe bis hin zu Heizkörperverkleidungen sind unverändert erhalten geblieben!

Dies macht das Museum „Villa Hohenhof“, eine Außenstelle des Osthaus-Museums in Hagen, zu etwas ganz besonderem. Auf lichtbild.org findet ihr großartige Fotos, die das Besondere dieses Hauses aufzeigen.

Dort erkennt ihr auch, das diese Form des Jugendstils so gar nichts mit floraler Leichtigkeit zu tun hat, wie es zum Beispiel beim Wiener Jugendstil der Fall ist. Hier zeigt sich der Jugendstil von seiner eher sachlichen Seite und weist den Weg zum Bauhaus-Stil. Von der Straßenseite zeigt sich der Hohenhof grau, wuchtig und assymetrisch, denn das Haus wurde andersrum gedacht: die Fassade folgt der Form und des Zwecks  der Innenräume. So kommt es auch, das dieses Haus von jeder Seite aus anders aussieht und die Fassade zum Garten hin mit viel Holz und strahlenden Weiß überrascht.

Im Wintergarten fand ich tatsächlich einen Matisse, den ich noch nicht kannte – das Fliesentriptychon „Nymphe und Satyr“. Wie bei einigen anderen Kunstwerken im Haus wurde hier der Raum um das Bild herum entworfen.

Dieses Haus ist wirklich vom Dachziegel bis zur Bodenfliese durch konzipiert und trotzdem kein starres Gesamtkunstwerk, sondern ein heller, lebensbejahender Familienwohnsitz. Der Bauherr Karl Ernst Osthaus hatte eine Vision: „die Schönheit wieder zur herrschenden Macht im Leben“ werden zu lassen.
Damit wollte er einen Gegenentwurf zum Wilhelminismus und zum Alltag einer von Industrie geprägten Region schaffen. Dafür stehen Projekte wie die Arbeitersiedlung Walddorfstraße, das allgemeinbildende Folkwang-Museum und die Ausgestaltung des Bahnhofs.
Die Künstlerkolonie in der Gartenstadt, zu der auch der Hohenhof gehört, möchte ich persönlich jedoch nicht in diese Reihe einordnen. Sie hat für mich, nicht zuletzt auf Grund ihrer Lage auf einem bewaldeten Hügel oberhalbs Hagens, etwas von einem Elfenbeinturm oder einer Fluchtburg; ein Bereich außerhalb der sozialen Realität Hagens.

Infos rund um den Museumsbesuch:

Die Villa Hohenhof ist einer der Ankerpunkt der Route Industriekultur. Alle Infos zu Öffnungszeiten und Preise findet ihr hier. Derzeit ist das Museums nur samstags und sonntags geöffnet. Das Foto zeigt mich bei meinem ersten Besuch – es ist nass, es ist kalt und das Museum hat zu. Wir mussten deswegen leider ein zweites Mal anreisen, was wir aber nicht bereut haben!

Für den Besuch des Museums solltet ihr 45 Minuten einplanen. Anschließend lohnt noch ein kleiner Spaziergang durch die Künstlerkolonie Gartenstadt, die um die Villa Hohenhof entstanden ist. Diese Villen kann man zwar nicht besichtigen, aber ein Blick auf die Fassaden und in die Gärten lohnt sich allemal. Für diesen Spaziergang sollte man noch einmal 30 Minuten einplanen.

Einen guten kompakten Einstieg in das Thema Jugendstil bietet dieses Buch: Dumont Schnellkurs Jugendstil. Oder ein Besuch im Jugendstil Museum Nancy!


Mehr Ruhrgebiet auf meinem Blog: Geschichten von Fördertürmen und Schrankwänden

Besuch in Nürnberg – Neues Museum

Endlich hatte ich mal wieder Gelegenheit, ein Museum zu besuchen, das ich noch nicht kannte:
Das neue Museum in Nürnberg.

Die Architektur ist nicht nur sehenswert, ich habe mich in den Räumen auch wohl gefühlt. Manches an der Raumwirkung hat mich an das Museum der bildenden Künste in Leipzig erinnert. Da ich ein großer Leipzig-Fan bin, ist das ein Riesen-Lob.

Da wir eine ausstellungsfreie Phase erwischt haben, waren nur zwei Etagen geöffnet – das dann wiederum zum Schnäppchenpreis von einem Euro.

Design-Ausstellungen in einem Museum finde ich immer schwierig, da ich so nur die Form bewundern kann, aber nicht die Funktion testen kann. Trotzdem bleibt mir der Raum über Komplot im Gedächtnis, da hier sehr schön gezeigt wird, wie aus einer Ebene eine Lampe wird: der Design-Klassiker Sinus.

Highlight war für mich der Gerhard Richter Raum, in dem Bilder aus ganz verschiedenen Schaffensperioden hängen. Keine Abbildung in einem Buch wird den Original-Bildern gerecht. „Stadtbild PL“ war dann das Bild, was mich nicht mehr los ließ, denn es hängt so, das der Betrachter beliebig weit davon weggehen kann. So entfaltet es erst seine volle Wirkung.

Schöne Architektur, schönes Museum, Sammlung gut präsentiert – ein Besuch lohnt sich!

Infos rund um den Museumsbesuch:
Das Neue Museum NM liegt zentral in der Nürnberger Innenstadt und ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Alle Infos zu Öffnungszeiten und Preisen findet ihr hier auf der Homepage des Museums.


Auch im Odenwald gibt es spannende Museen: Museum Wagenschwend

Blogparade des Staedelmuseum

Hm, ich glaube, ich lege jetzt ein paar alte Platten auf …
Joy Division vielleicht …
oder The Cure …
suche mir ein Märchenbuch …
lese ein paar Gedichte …
wasche eine Ladung schwarze Klamotten …

… und überlege mir dabei, warum ich ein Schwarzer Romantiker sein könnte …

Grund für diese schwerwiegenden Überlegungen ist die Blogparade zur Ausstellung „Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst“ im Frankfurter Staedelmuseum. Der Trailer, den ich in den Artikel eingebunden habe, hat mich sehr neugierig gemacht.
Hier ging es zur Blogparade des Staedelmuseums in Frankfurt – leider offline

Aber würden Schwarze Romantiker überhaupt an einer BlogPARADE teilnehmen? Im Gleichschritt gerade aus laufen?? Sollte es nicht wenigstens ein Blog-Menuett sein? Oder noch besser ein mitternächtliches Treffen??

Service-Nachtrag mit Infos zur Blogparade und dem Museum: