Iggy Pop – der halbnackte Mann auf der Couch

Iggy pop biografie
Mit einem halbnackten Mann auf der Couch. Meiner Couch.

In einem Tempo, in dem ich sonst nur Fantasy-Romane lese, habe ich die Iggy Pop Biografie „Open up and bleed“ von Paul Trynka durchgelesen. Nicht, weil sie so gut geschrieben wäre – das ist sie leider nicht -, sondern weil Iggys Leben einfach zu spannend ist.

Zumindest in den ersten zwei Dritteln. Irgendwann kam ich an dem Punkt, an dem mich sein Lebensmuster „hart arbeiten, eine geniale Idee haben, zielsicher Mist mit Drogen bauen, David Bowie kommt und sorgt für ein Wunder, scheitern“ langweilte.

In dieser Phase des Buches störte es mich dann besonders, dass der Autor Paul Trynka mehr damit beschäftigt war, chronologische Zeitabläufe zu schildern als Querverbindungen herzustellen und Zusammenhänge zu erläutern. Wer spielte wann in der Band, wer wurde aus welchen Gründen rausgeworfen, wann hat er sich wie auf der Bühne verletzt, welches Groupie erlangte mehr Bedeutung in seinem Leben und wann nahm er welche Drogen – das ist eigentlich genau das, was mich am Leben eines Musikers eher nicht interessiert.

Für die zentralen Fragen „Woher nimmt Iggy seine Energie und seine Präsenz?“ und „Wie wird aus Jim Osterberg Iggy Pop?“ findet Paul Trynka auch keine befriedigenden Antworten, trotz Gespräche mit Iggys Psychiater. Dieser ist sich heute auch nicht mehr so sicher, ob seine damalige Diagnose bipolare Störung stimmt.

1993 in Offenbach: Energie und Routine

Mein Bild von Iggy Pop wird vom ersten Konzert geprägt, dass ich erlebt habe – das Wort gesehen trifft es nicht. 1993, American Caesar Tour, Offenbach Stadthalle – hier die Setlist. Einerseits gutes Timing, denn American Caesar war wohl sein stärkstes Album aus den 90er Jahren. Doch die Stadthalle Offenbach ist mit ihrer funktionalen Spießigkeit nicht der passenden Rahmen für Iggys Bühnenshow.

Im Gedächtnis geblieben sind mir zudem agressive Ordner und sehr genaue Taschenkontrolle. Damals wusste ich noch nicht, dass es sozusagen zur Punk-Tradition gehörte, auf Iggys Publikumsbeschimpfungen mit Wurfgeschossen zu reagieren.

Die Atmosphäre in der Halle hatte ich vergessen, sobald Iggy auf der Bühne war. So etwas kannte ich noch nicht. Hochkonzentriert, energiegeladen, athletisch, beweglich, sexy, unermüdlich und immer überraschend – zumindest für mich, die ihn noch nie vorher gesehen hatte. Sein erstes Iggy Pop Konzert vergisst man wohl nie.

Durch all die Energie schienen an jenem Abend aber auch Routine und eine enorme Professionalität durch. Manche der bewährten Beschimpfungen funktionierten in Deutschland einfach nicht – hier darf man fuck sagen, das ist keine Provokation.

Ach ja, Musik gab es auch. Seit diesem Tag liebe ich seine Songs und sage, dass man Iggy einmal live gesehen haben muss, um seine Platten zu verstehen.

Aktueller Status: immer noch ein Phänomen

Gimme danger - Iggy and the stooges. Filmplakat

Ich vermute, dass Paul Trynka seine Iggy-Pop-Biografie „Open up and bleed“ geschrieben hat, weil er ein ähnliches Erlebnis hatte. Doch mit den Mitteln einer Tagebuch-artigen Biografie kann man sich zwar den Fakten, aber nicht dem Phänomen Iggy Pop nähern.

Jim Jarmusch geht in seinem Film über Iggy und die Stooges „Gimme danger“ einen anderen Weg. Er lässt viele Fakten aus und zeigt sehr deutlich, dass er Fan und damit nicht objektiv ist.

So bleibt bei mir das Gefühl, dass Iggy Pop einfach unverwüstlich ist. Weder eine detaillierte Biographie noch ein Film können seine energiegeladene Präsenz erklären.

Bleibt mir als Schlusswort der Satz eines Bekannten: Sollte Iggy jemals eine Fitness-DVD herausbringen – ich kaufe sie sofort.

Angaben zum Buch:

Paul Trynka

Iggy Pop
Open up and bleed

Heyne Hardcore

Buchrezension im Ox Fanzine


Mehr über mich und die Musik, die ich mag, in meinen Jahresrückblicken 2015 und 2016.


Ein Roman, der bestens dazu passt: Krach

Die andere Seite – Ausstellung im Hack-Museum

Hack Museum Ludwigshafen - ausstellung die andere Seite

Stellt Euch vor, ihr kommt in ein Museum und merkt schon auf der Treppe, die zum Ausstellungsraum hinunter führt, dass diesmal etwas anders ist.

Ist da nicht ein Geräusch? Plätscherndes Wasser? Ein Geruch? Frisches Holz, das nass geworden ist?

Ihr werdet zielstrebig an den Highlights vorbei gehen, mit denen die Ausstellung eröffnet: Drucke von Alfred Kubin, die zu seinem Buch Die andere Seite gehören.

Das macht nichts, ihr werdet eh mehrmals durch die Ausstellung kreisen und habt damit genug Gelegenheit, die Bilder von Kubin zu genießen.

Doch euer Ziel auf diesen Runden durch das Museum wird jedesmal das Kunstwerk sein, das ihr schon beim reinkommen erahnt habt: Sans titre (Le Refuge) von Stéphane Thidet.

 

Ich behaupte, dass es so kommen wird, weil es eigentlich allen Teilnehmer beim zweiten Instawalk des Hack-Museums, dem #hackwalk_02, so erging. OK, ich war ein klein wenig stur und habe mich zuerst hingesetzt und ein wenig im Buch „Die andere Seite“ gelesen. Eine sehr bewusste Entscheidung, die mir schwer gefallen ist – das Geräusch und der Geruch des mir noch unbekannten Kunstobjekts waren zu verlockend.

Dieses Kunstwerk ist ein Torwächter. Wer die Ausstellung erleben möchte, muss an ihm vorbei, sich darauf einlassen, sich prüfen lassen. Erst dann kann man sich den anderen Objekten öffnen.

Zu erkunden gibt es viel. Ein Traumkleid von Chiaharu Shiota, das mir so viel über Weiblichkeit und Beschränkungen erzählt hat. Wesen von Dorota Jurczak, deren Heimat eindeutig nur die andere Seite sein kann. Der Sternenrotz von Thomas Feuerstein, der mich zwang, in einen sehr dunklen Raum hinein zu laufen, ohne zu wissen, was mich dort erwartet. Ich hasse das. Ich habe es geliebt.

Die Ausstellung „Die andere Seite“ will entdeckt werden. Sie braucht Zeit, Ruhe und Muße und Laufwege. Damit ist sie die ideale Ausstellung für das Hack-Museum, dessen Erdgeschoss nicht für lineare Ausstellungen geeignet ist. Bei der Ausstellung zu Tomás Saraceno haben die Kuratoren schon die Stärken der Architektur ausgespielt – die schwebende Objekte konnten von allen Seiten, auch von oben erkundet werden. Auch diesmal sind sie sehr souverän mit den Vorteilen der Museumsarchitektur, die man auch als Nachteile betrachten könnte, umgegangen.

Genug gespoilert. Geht hin, lasst euch auf die andere Seite locken. Es lohnt sich!

Für alle, denen Worte und ein Video nicht genügen, habe ich noch ein paar Bilder. Mehr davon auf Instagram unter #dieandereseite und #hackwalk_02.


Kommt mit mir ins Museum: meine Tipps auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Kae Tempest – wie das Maifeld Derby dafür sorgte, dass ich einen Roman las

Kate Tempest Maifeldderby 2016

Kae Tempest sah ich 2016 auf dem Maifeldderby in Mannheim. Ich hatte das Programmheft nicht gelesen und war überrascht, statt in einem Konzert in einem Podiumsgespräch zu landen.

Nun, Kae Tempest hatte das Programm wohl auch nicht gelesen und war überrascht, dass sie sich die Podiumsdiskussion selbst organisieren musste.

Was mir fast ein Jahr nach ihrem gut gelaunten und hoch konzentriertem Auftritt im Gedächtnis geblieben ist, ist die Wucht, mit der sie ihre Texte vorträgt und die Liebe, die sie bei allem ausstrahlt. Wut wird zu Energie wird zu Liebe – eine bemerkenswerte Haltung, die ich so gerne viel häufiger erleben möchte.

Dann ist mir noch ein Blick in ihre Schreibwerkstatt in Erinnerung geblieben. Kae Tempest erzählte, wie hart es für sie war, ihren Roman zu überarbeiten. Da stand die perfekte Beschreibung für einen Moment, für eine Emotion auf dem Papier und sie musste diese gelungene Formulierung streichen, weil sie nichts zur Geschichte beitrug. Das, was die Lyrikerin in ihr am liebsten behalten hätte, war dem Roman im Weg.

Diese beiden Erinnerungen prägten meine Herangehensweise an ihren Roman Worauf du dich verlassen kannst. Ich wollte die Liebe zu den Menschen darin wieder finden und mich von der Sprache mitreißen lassen. Beides ist so gekommen.

Nur, wenn man Menschen mag, kann man so genau hinschauen, wie Kae Tempest das tut. Sonst wäre es zu schmerzhaft. Sie erzählt Geschichten von Menschen, die das Richtige tun und doch das Falsche damit hervorlocken. Sie erzählt von Talenten, harter Arbeit und Erfolgen, die sich nicht einstellen. Doch vor allen Dingen erzählt sie von der Liebe, die Veränderungen bewirkt, auch wenn die Liebe nur für kurze Zeit hält.

Dieses Jahr kommt Kae Tempest wieder auf das Maifeldderby nach Mannheim. Diesmal mit Musik. Ich werde dort sein und wiederum das suchen, was ich im Roman gefunden habe.


Kate Tempest - Worauf du dich verlassen kannst - Roman

Angaben zum Buch:

Kae Tempest

Worauf du dich verlassen kannst
Übersetzt von Stella & Karl Umlaut

Rowohlt Verlag
ISBN:  978-3-499-26989-9

Ausführliche Rezensionen gab es in der Zeit und auf den Blog Novellieren (leider nicht mehr online). Bei dieser Rezension finde ich besonders spannend, dass ich den Gangsterfilm im Buch doch eher ignoriert habe und mich dafür vom Klang der Sprache und den großartigen Beobachtungen habe mitreißen lassen.


Gelesenes und Gehörtes: Musikbücher, Bands und Konzerte auf meinem Buch-Blog Geschichtenagentin


Documenta, ich komme – und wähle die Route durch Provinz und Märchenwald

Ich hatte es geahnt: ein Reiseführer zur Documenta, der „Schneewittchen und der kopflose Kurator“ heißt, ist garantiert kein Baedeker-Ersatz. Aber auf das, was dann kam, war ich nicht vorbereitet.

Gleich auf der ersten Seite befand ich mich im Wald. Das ist schön, im Wald fühle ich mich wohl. Ob das ein typisch deutscher Anteil in mir ist?

Im deutschen Wald lauern hinter jedem Baum die Brüder Grimm und machen den Wald zum Märchenwald. Daraus könnte man eine direkte Verbindung zu Kassel, der Grimm-Stadt, aufbauen.

Aber nein: Die Annäherung an Kassel und die Documenta erfolgt zuerst räumlich mit einer schaurigen Reise durch die hessische Provinz – Hessen hat ja sehr viel davon.

Klingt schräg, macht Spaß zu Lesen und gibt dem Phänomen Documenta eine für mich unerwartete Verwurzelung.

Aber ich war ja noch nie auf einer Documenta. Die diesjährige Documenta 14 wird meine erste sein. Bin ich jetzt nach der Lektüre von Schneewittchen und der kopflose Kurator. Der Reiseführer für documenta-Besucher, Romantiker und Horrorfans gut darauf vorbereitet?

Falsche Frage. Ich fahre nach Kassel, um mir Kunst anzuschauen und um Inspiration für mein Leben zu finden. Mit im Gepäck habe ich die Befürchtung, mehr Diskurs als Kunst anzutreffen. Sollte mir genau das passieren, bin ich jetzt gut gewappnet. Ich weiß, wie die Documenta entstanden ist, wie die Auswahl der Kunstwerke zustande kommt und welche Rolle der Kurator dabei spielt. Zudem kenne ich nun die Geschichte der Documenta und bin gut darüber informiert, welche Documenta welchen Schwerpunkt, welche Erfolge und welche Misserfolge hatte. Mit dem Wissen im Hinterkopf wird es mir leichter fallen, Diskurs-Ballast abzuwerfen und mich ganz auf die Kunst auszurichten.

Doch das Buch hat auch meinen Blick auf die Documenta, die ich noch gar nicht gesehen habe, verändert. Jetzt werde ich verstärkt auf das Zusammenspiel von Ort, Atmosphäre und Kunst achten. Darüber, wie Kunst aus aller Welt gerade in Kassel wirkt, hatte ich mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht. Das hat sich durch die Verwurzelung im deutschen Märchenwald und die Lesereise quer durch die hessische Provinz nach Kassel definitiv geändert.


Keine Kunst, sondern ein Documenta-Bookstagram.


Infos zum Buch:

Christian Saehrendt

Schneewittchen und der kopflose Kurator
Der Reiseführer für documenta-Besucher, Romantiker und Horrorfans

Neuauflage

Dumont Verlag
ISBN 978-3-8321-6308-2


Und wie war er nun, mein erster Besuch auf der Documenta? So:


Lesetipp: Ist das Kunst oder kann das weg? Charmantes Buch über moderne Kunst vom gleichen Autor. Hier meine Rezension:

Tomás Saraceno: Fotografieren im Museum erwünscht!

Museumsselfie. Tomás Saraceno Ausstellung im Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen.
Klassischer Start: ein Museumsselfie auf der Treppe des Wilhelm Hack Museums.

Na, das ist doch mal eine Ausstellung nach meinem Geschmack: Tomás Saraceno – Aerosolar Journeys.

Fotografieren ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. So sehr erwünscht, dass am Eingang zur Ausstellung gleich ein Schild steht, dass die passenden Hashtags nennt.

Die Ausstellung lässt den fliegenden Skulpturen von Tomás Saraceno viel Raum. Platz zum drumherum gehen, zum sich darunter legen, zum Ausprobieren, zum Blickwinkel wechseln.

Alle Skulpturen bewegen sich allein durch die Thermik. Ein Lufthauch genügt und schon verändert sich etwas: ein Glitzern, eine neue Reflexion, ein Hauch einer Bewegung, ein Wehen, ein leises Rascheln.

Tomás Saraceno verbindet Forschung und Kunst. An seinen Projekten sind auch Wissenschaftler und Architekten beteiligt. Ziel ist eine realisierbare Utopie; das Mittel dazu ist Kunst, die die Welt verändern kann, und die glitzernden, schwebenden und raschelnden Skulpturen sind die Einladung an den Museumsbesucher sich gemeinsam mit Künstlern und Forschern auf den Weg zu machen.

Impressionen aus der Ausstellung, aufgenommen beim Instawalk #hackwalk_01

Und nun bitte die Schuhe ausziehen und das Museo Aero Solar betreten. Ich habe mich hier auf den Rücken gelegt und einfach nur beobachtet, wie sich die Hülle leicht bewegt und sich das Licht dadurch verändert. Der Gegensatz zwischen der Raumwirkung und dem Material könnte kaum größer sein: das Museo Aero Solar besteht aus alten Plastiktüten.

Im Mai 2017 eröffnet bereits die nächste Ausstellung im Wilhelm Hack Museum, das derzeit ein beeindruckendes Tempo vorlegt. „Die andere Seite. Erzählungen des Unbewussten.“ wird das Thema sein. Der Titel bezieht sich auf Alfred Kubin. Aber eigentlich ist mir das Thema schon fast egal, denn seit Abstract Loop freue ich mich auf jede neue Ausstellung!


Tomás Saraceno
Aerosolar Journeys
11/02 – 30/04/2017.

Alle Infos zur Ausstellung findet Ihr auf der Webseite des Wilhelm Hack Museums Ludwigshafen.

Eigentlich für Kinder, aber: Frankfurter Museumsarchitektur – anschaulich erklärt

Museen in Frankfurt und ihre Architekur. Museumsarchitektur erklärt für Kinder

OK, es dürfte nur wenige Kinder geben, die ihre Eltern mit Fragen wie „Warum hat das Museum so ein spitzes Dach? Wieso hat dieses Museum Säulen und das hier keine?“ löchern. Dafür gibt es um so mehr Erwachsene wie mich, die sich freuen, wenn komplexe Zusammenhänge einfach erläutert werden. So wie in dem Buch „Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder.

Museen müssen praktisch sein, sie sind Landmarken, Orte, an die man sich erinnert und Erinnerungsorte, sie sollen zeigen, dass der Stifter ein toller Hecht war. Vor allen Dingen soll Museumsarchitektur schon von außen auf das aufmerksam machen, was im Museum steckt.

So kommt es, dass Museen und ihre Architektur fast immer im Gedächtnis bleiben. Die Staatsgalerie in Stuttgart ist die mit dem grünen Boden und den rosa Röhren, dass Rheinische Landesmuseum in Trier hat zwei seltsam dreinblickende Figuren über dem Eingang und die Bundeskunsthalle in Bonn seltsame Türmchen auf dem Dach.

Gute Ideen, mal am Beispiel der Frankfurter Museen einen Blick auf die Geschichten und Ideen hinter der Architektur zu werfen!

Mir, einem großen Kind, lieferte das Buch „Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder“ Appetithäppchen und Anekdoten zu Häusern und Räumen, die ich immer wieder gerne aufsuche.


Angaben zum Buch:

Arne Winkelmann
Bettina Gebhardt

Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder.

Antaeus Verlag
ISBN 978-3-9810809-7-1

Das Buch gehört zur Reihe Typen Deiner Stadt. Die ersten beiden Bücher Frankfurter Hochhäuser und Frankfurter Brücken hatte ich auf meinem Kinderbuch-Blog besprochen.


 Ab ins Museum! Hier findet ihr meine Museumstipps auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Auch Comics sind nicht immer für Kinder: eine Graphic Novel über die besondere Architektur der Therme von Vals, entworfen von Peter Zumthor. Hier meine Rezension:

Rheinisches Landesmuseum Trier

Eingang zum Rheinischen Landesmuseum Trier

Ein großes, begehbares Geschichtsbuch: so kam mir das Rheinische Landesmuseum in Trier vor. Eines dieser Museen, bei denen man sich erinnern sollte, dass es keinerlei Verpflichtung gibt, sich jedes einzelne Schaustück anzuschauen. Geht auch gar nicht, denn dazu gibt es einfach zu viele Funde im Raum Trier.

Ein wenig Frühzeit, sehr schöne Objekte aus der Zeit der Kelten, etwas über die Franken, das Mittelalter. Dazwischen vor allen Dingen Römer in allen Varianten: Leben und lieben, wohnen und arbeiten, Krieg und Spiele.

Landesmuseum Trier – viele Scherben und gute Gründe, römischen Wein zu meiden

Bei einer solchen Fülle ist es schwierig, einzelne Objekte im Gedächtnis zu behalten. Das hier blieb bei mir hängen (völlig unsortiert und subjektiv):

  • der Römersprudel, der schon auf die Kelten zurück geht. Mineralwasser ist keine Erfindung der Neuzeit, auch die Kelten wussten das Wasser schon zu schätzen.
  • römischer Wein, der mit dem Saft von Holunderbeeren gefärbt wurde und auch sonst einige spannende Zutaten enthielt.
  • die römische Straßenkarte, die sich so gar nicht um geographische Gegebenheiten kümmerte, sondern eher anzeigte, wohin man kommt, wenn man an der nächsten Kreuzung links abbiegt.
  • mal wieder bemerkt, dass schlechter Geschmack und Massenware älter ist, als man glaubt. Kein Wunder, dass griechische Skulpturen bei den Römern hoch im Kurs standen!
  • der Einblick in das Scherben-Wirr-Warr in einem mittelalterlichen Brunnen. So wird klar, was man in aufgelassenen Brunnen finden kann und in welchem Zustand. Archäologie erlebbar gemacht.

Kurz: Besuch lohnt sich, Zeit mitbringen.

Informationen zum Rheinischen Landesmuseum Trier findet Ihr hier auf der Webseite.


Ohne Museen, ohne mich! Egal, wie das Wetter ist, ob zuhause oder im Urlaub: Ich bin eine leidenschaftliche Museumsbesucherin. Hier findet ihr meine Tipps und Erlebnisse.


Musik 2016 – Spotify und tote Künstler

Musik 2016: nicht nur Spotify sondern auch Konzerte
Musik 2016: nicht nur Spotify, sondern auch live. The Courettes im Blau in Mannheim

2015 hatte ich schon keine Top Songs für meinen Kollegen vom Grooveblog – darüber hatte ich hier gebloggt. Dieses Jahr ist das auch nicht anders, aber trotzdem ist alles besser. Viel besser. Nicht nur, weil der Student über mir, der im letzten Jahresrückblick eine entscheidende Rolle spielte, ausgezogen ist.

Ich habe so viel Musik gehört wie schon lange nicht mehr; darunter auch viel Neues, sehr viel Neues. Ich habe so viel Musik gehört, dass kein Song es geschafft hat, ein Jahreshit zu werden, denn es gab immer noch den nächsten Song zu entdecken. Und den darauf. Und den übernächsten.

Hatte ich letztes Jahr noch Orientierungsschwierigkeiten, gab es dieses Jahr damit einen akustischen roten Faden für mich: weiterhören, immer weiterhören. Nächstes Genre, nächster Künstler, nächstes Thema.

Mochte ich mich 2015 noch nicht so recht mit Spotify anfreunden, bin ich Ende 2016 eine Heavy Userin. Und das kam so:

2016, Spotify und ich

Am Anfang stand ein Stück Technik. Meine Stereo-Anlage hatte ich mir noch von meinem Ausbildungsgehalt gekauft, also Ende der 80er Jahre. Dieses Jahr wurde um- und aufgerüstet. Mit dem Yamaha MusicCast AV Receiver RX-V479 konnte ich zum ersten Mal Musik von der Festplatte auf einem nicht umständlichen Weg über gute Boxen hören.

Natürlich nicht nur Musik von der Festplatte, sondern auch Youtube. Aber hier nervt die Werbung immer noch so wie in 2015, eher mehr. Also doch mal Spotify testen? Aber die haben doch das, was mich interessiert, eh nicht?

Das war ein Irrtum. Sogar die Mannheimer Ikone Schwefel ist dort vertreten. Mit 21 monatlichen Hörern – das sollten wir ändern. Die 3 Mustaphas 3 (314 monatliche Hörer) hatte ich vor Jahren mal auf dem Fest in Karlsruhe gehört und jetzt in einem Anfall von Alterssentimentalität wieder gesucht. An den Namen konnte ich mich nicht mehr erinnern, nur noch an die große Staubwolke, die über dem Festivalgelände lag, weil alle sich in Rundtänzen geübt haben. Ich habe sie gefunden.

Nicht nur Sentimentalität befriedigen, auch neue Musik entdecken funktioniert. Der Algorithmus ist erstaunlich gut und über den von Spotify vorgeschlagenen Mix der Woche habe ich tatsächlich schon viel entdeckt. Allerdings ist die Facebookseite von RRRSoundz für mich immer noch meine liebste Quelle für ganz was Neues, ganz was anderes.

Ein schaler Beigeschmack bleibt jedoch bei Spotify: viel Geld kommt bei den Künstlern nicht an. Doch bis jetzt ersetzt Spotify bei mir nicht den Kauf von Musik. Ich hatte in den letzten Jahren eh fast nichts mehr erworben. Spotify ist für mich erst mal ein Weg, neue Musik zu finden und alte Musik wieder zu entdecken.

Damit ersetzt Spotify das Radio meiner Jugend, das ist schmerzlich vermisst hatte. Damals hörte ich jede Woche die BBC-Charts. Die spannendsten Hörerlebnisse begannen meist mit dem Satz: „Neueinstieg auf Platz 53. Die Single liegt uns nicht vor, wir spielen sie dann nächste Woche.“ Die BBC-Charts wandelten sich und ich wechselte zu Klaus Walter mit seiner Sendung Der Ball ist rund im Hessischen Rundfunk. Als die dann auch eingestellt wurde war meine musikalische Neugier heimatlos geworden.

Tote Helden und warum mich das nicht erschüttert.

Oder nur ein wenig. Etwas. Verdammte Sterblichkeit.

2016 das Jahr der toten Musiker und Helden?

2016 war das Jahr, in dem viele Musiker und Künstler verstorben sind, von denen ich noch gerne viel mehr gehört hätte. Trotzdem werde ich nicht in das Wehklagen einstimmen. Als Klageweib tauge ich nicht viel. Ich erfreue mich lieber an dem, was sie uns hinterlassen haben und bin dankbar für alles, was sie geben konnten.

Als meine Oma die 90 Jahre schon überschritten hatte, gestand sie mir, dass sie gar keine Lust mehr hätte, sich die alten Filme anzuschauen. „Weißt Du“ sagte sie zu mir „ich denke dann nur: der ist auch schon tot. Das macht keine Freude mehr.“

So ist das, wenn man älter wird. Unsere Helden und Ikonen sind meist zehn bis zwanzig Jahre älter als wir. Zudem haben wir viele Helden und kennen viele Promis – mehr als frühere Generationen. Das bringt es mit sich, dass wir sie jetzt sterben sehen und 2017 wird das so weitergehen. Mit jeder neuen Todesnachricht werden wir wieder mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Das tut weh.

Was helfen könnte: sich jüngere Idole suchen. Am besten solche, deren Lebensstil vermuten lässt, dass sie älter als 30 Jahre werden.

Bonuskapitel: Musik lesen

Blick in die Ausstellung Abstract Loop

Über gelesene Musik gibt es dieses Jahr nicht so viel zu berichten, denn Die Geschichte des Rock’n’Roll in zehn Songs hat mir nicht gefallen. Kein weiteres Musikbuch fand in 2016 den Weg zu mir. Sollte ich mehr Musikbücher suchen, bietet diese Liste des Billboard Magazine reichlich Lese-Inspiration. Aber Listen abarbeiten war noch nie mein Ding.

Dafür gab es in 2016 eine unerwartete Querverbindung zwischen Musik und Kunst: die großartige Ausstellung Abstract Loop hätte ich mir zu gerne mit der Musik der Battles im Ohr angehört. Loops fürs Ohr und für das Auge – das wäre es gewesen! Die Battles hatte ich auf dem Maifeld Derby gesehen und war schwer beeindruckt.

Womit ich wieder beim Anfang wäre: Auch das Maifeld Derby hat eine Playlist auf Spotify – ich höre mich schon mal ein. Sehen wir uns dort?


Nur schöner Schein? Barock Ausstellung in Mannheim

Barock Ausstellung im Engelhorn Museum Mannheim

Nicht überzeugen konnte mich die Ausstellung „Barock. Nur schöner Schein?“ im Reiss Engelhorn Museum in Mannheim. Das begann schon damit, dass ich mir eine Taschenlampe gewünscht hätte. Die Barock Ausstellung ist sehr schlecht ausgeleuchtet. Die Schilder auf den Vitrinen haben eine weiße Schrift auf grauen Grund was im Zusammenspiel mit dem Licht dazu führte, dass ich einiges nicht lesen konnte.

Auch mit dem Aufbau der Ausstellung wurde ich nicht warm. „Ausgewählte Exponate präsentieren Vielschichtigkeit des barocken Zeitalters“ heißt es auf der Webseite zur Ausstellung und genau das beschreibt für mich eines der Probleme, dass ich mit der Schau hatte. Es war ein durchzappen durch ein Zeitalter. Mir fehlte der rote Faden. Gleichzeitig waren die Themenfelder – Raum, Körper, Wissen, Ordnung, Glauben und Zeit – so abstrakt gewählt und formuliert, dass es mir schwer fiel, mir einen eigenen roten Faden zu spinnen.

Der dritte Grund, warum mich die Ausstellung enttäuscht hat, war der fehlende Regionalbezug. Es gab zum Themenfeld Ordnung Stadtpläne von der Quadratestadt Mannheim und der Fächerstadt Karlsruhe, irgendwo wurde auch mal der Kurfürst gesichtet und das Teleskop stammt aus der Mannheimer Sternwarte. Doch mir war das zu wenig.

Natürlich gibt es für diese Mängel gute Gründe. Die Ausstellung stammt aus dem Kunsthistorischen Museum Wien. Das Licht hängt nicht nur mit veralteter Ausstellungstechnik, sondern auch damit zusammen, dass viele alte Bücher und Landkarten gezeigt wurden. Aber gerade Bücher sind, so sehr ich sie schätze, äußerst langweilige Exponate wenn man nicht darin blättern kann.

Vielleicht hätte ich einfach der Kinder-Ausstellung folgen sollen. Die sah nämlich richtig gut aus.

Doch auch diese Ausstellung bietet Aha-Effekte. Daran werde ich mich erinnern:

  • die Flohfalle, eine kleine Röhre, die von innen mit Honig ausgestrichen wird und mit einem blutgetränkten Wattebausch gefüllt wird. Das kleine Röhrchen wird dann in der Perücke versteckt und nach einer gewissen Zeit mit den gefangenen Flöhen in heißes Wasser geworfen.
  • die Begeisterung für neue Technik – in dieser Epoche war es das Mikroskop.
  • Fake-News, die damals noch per Flugblatt verkündet wurden und sich doch so schnell wie nie zuvor im Land verbreitet haben. Auch für die damaligen Fake-News gilt, dass viele so abstrus waren, dass man ihnen ihre Falschheit gleich hätte ansehen können.

Ich hoffe, es findet sich bald ein edler Spender, der dem Museum zu einer besseren Beleuchtung verhilft.

Infos zur Ausstellung:

Die Ausstellung „Barock. Nur schöner Schein?“ läuft noch bis Mitte Februar 2017. Alle Informationen zur Ausstellung findet Ihr auf der Webseite des Museums.


Diese Dauerausstellung im REM Mannheim lohnt sich:

Schlossgarten Schwetzingen durch die Kamera von Horst Hamann

Bildband Schwetzingen Schlossgarten hamann

Welchen Schwetzinger Schlossgarten hätten’s denn gerne? Den der Hochzeitpaare mit dem satten grünen Rasen, dem ewig blauen Himmel und den majestätischen alten Bäumen? Dieser Schlosspark war nie meiner.

Oder den der Familienausflüge, die hier besonders harmonisch gelingen, weil die mäandernden Spazierwege es erlauben, dass jeder seinen eigenen Gedanken nachhängt? Der gefällt mir schon besser.

Oder den Schlossgarten meiner Kindheit, prall voll mit magischen Orten wie dem Ende der Welt, dem majestätischen Hirsch und dem bemoosten Pan? Diesen Schwetzinger Schlossgarten besuche ich noch immer gerne.

Oder lieber den Schlossgarten, der einen ausbremst und entschleunigt, der einen auf die Parkbank befördert und der einen zwingt, auf das sanft kräuselnde Wasser zu schauen und zu beobachten, wie sich die Spiegelungen verändern? Diesen Schwetzinger Schlossgarten lernte ich jenseits meines 35. Lebensjahres kennen.

Oder den Schwetzinger Schlossgarten, der auch nach über 45 Jahren bei jedem neuen Besuch einen neuen Blickwinkel offenbart? Den mag ich besonders.

Jetzt kenne ich noch einen weiteren Schwetzinger Schlossgarten: den des Fotografen Horst Hamanns. Dieser spezielle Schlossgarten enthält von all dem, was ich genannt habe, ein wenig und ist doch so ganz und gar neu und eigen.

Schwetzingen by Horst Hamann

Schwetzingen hat Jubiläum. Mindestens 1250 Jahre ist es alt – so sagt der Lorscher Codex. Zu so einem Jubiläum gönnt man sich was. In diesem Fall eine Zusammenarbeit mit dem Fotografen Horst Hamann.

Wie fast alle Mannheimer hat er ein enges Verhältnis zum Schwetzinger Schlossgarten. Als Kind war er hier, bestaunte das Ende der Welt und andere verwunschene Orte. Als junger Fotograf nutzte er den Schlossgarten als Kulisse für romantische Fotos. Jetzt hat er sich wieder auf diesen besonderen Ort eingelassen und nahm sich für seine Foto-Serie fast eineinhalb Jahre Zeit.

Natürlich steht der Schlossgarten mit seinen Skulpturen, verwunschenen Plätzen und Blickachsen im Mittelpunkt. Wer Schwetzingen zum ersten Mal besucht, kommt schließlich wegen des Parks.

Gegen Ende des Buches werden die Kreise größer. Doch wie fotografiert jemand, der erfolgreiche Bildbände zu Metropolen veröffentlicht hat, eine Kleinstadt? In dem er sucht und das kleinstädtische genauso ernst nimmt wie die Spuren urbaner Architektur.

Mittendrin dann auf einmal das Foto, das für mich Schwetzingen jenseits des Schlossgartens zusammenfasst: ein Pfau, der über eine schon fast dörflich anmutende Straße läuft und den Verkehr zum Ruhen bringt. Für einen Moment ist der Pfau und damit ein Stück Schlossgarten über die Gartenmauer gehüpft und verzaubert den Ort. Das ist Schwetzingen.


Angaben zum Bildband:

Schwetzingen by Horst Hamann

Edition Panorama

ISBN 9783898235105

Webseite des Schloss und Schlossgarten Schwetzingen


Lust auf mehr Parkbesuche mit mir?

Und dann gibt es noch diesen Roman mit und über Schwetzingen, der so gar kein Heimatroman ist 

Franz Marc Museum – Kunst im 20. Jahrhundert

Franz Marc Museum
Kein Franz Marc Wetter. Trotzdem schön hier.

Das Franz Marc Museum in Kochel am See ist für mich so etwas wie ein Sonntagsspaziergang unter den Museen. Nett und vertraut ist es hier, die Bilder sind alte Bekannte, die höflich grüßen lassen. Das kann man einfach genießen.

Wer möchte, kann versuchen, Franz Marc weiterzudenken. Eine Wand im Museum ist seinen Skizzen aus dem Krieg gewidmet. Wie hätte er wohl nach dieser einschneidenden Erfahrung gemalt?

Das Museum öffnet sich immer wieder zur Landschaft hin und an sonnigeren Tagen ergeben sich sicherlich wunderbare Zwiegespräche zwischen Licht, Landschaft und Kunst. Ich hatte einen Novembertag im Dezember erwischt, der aber immerhin gezeigt hat, dass die Bilder von Franz Marc selbst an einem so suppig-grauen Tag noch leuchten. Das liegt nicht nur an den Farben, sondern auch an der Präsenz der Tiere auf den Bildern. Franz Marc hat sie nicht gemalt, er hat sie eingeladen, auf den Bildern Platz zu nehmen und einfach nur da zu sein.

Meinen magischen Franz-Marc-Moment hatte ich an einer anderen Stelle, im Murnauer Moos. Wir waren früh unterwegs. Die Sonne bahnte sich einen Weg durch den Hochnebel, zwischen den Gipfeln hindurch. Da waren sie auf einmal, diese Lichtdreiecke, die für mich so typisch für Franz Marc sind und von denen ich mich schon immer gefragt hatte, warum er sie so kantig malt. Jetzt weiß ich es: weil das Licht hier in der Gegend am Staffelsee manchmal wirklich dreieckig ist.


Alle Infos zu Öffnungszeiten und Anreise auf der Webseite des Museums.


 Gerne nehme ich euch hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin mit ins Museum und teile meine Museumstipps mit euch!


Pop up! Marilyn, Pop-Art und mein Amerika-Bild

Pop up - Marilyn von Warhol und andere bunte Bilder im Hack Museum in Ludwigshafen
So soll eine Pop-Art-Ausstellung aussehen, oder?

Gar nicht so bunt wie erwartet, dafür viel politischer als erhofft: das war mein erster Eindruck von der neuen Ausstellung im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen.

Am Wochenende wurde sie mit einem großen Fest eröffnet – Popcorn! Cola! Farben! Siebdruck! Musik!

Pop up – Bildikonen der 60er und 70er Jahre ist eine vielschichtige Ausstellung, die fast durchgehend aus Werken der Sammlung Beck bestückt wurde, die seit 1988 dem Hack Museum gehört.

Doch Andy Warhols Marilyn in sechs der zehn Farbvariationen hätte auch das in diesem Bereich gut bestückte Museum nicht stemmen können.

Hier half Kuratorenglück und ein Sammler aus Ludwigshafen mit einer Leihgabe.

Klar, dass Marilyn einen Ehrenplatz an einer zentralen Wand in der Pop up Ausstellung bekommt.

Marilyn und ich bei Pop up im Hack Museum
Marilyn und ich. Fast ein #museumsselfie

Trotzdem ist es nicht sie, die mich die Ausstellung loben lässt. Pop up war für mich eine Zeitreise hin zu der Phase der Geschichte, die wohl heute immer noch unser Amerika-Bild prägt. Damit ist Pop up, genau jetzt nach der Wahl, etwas unfreiwillig die richtige Ausstellung  zum richtigen Zeitpunkt.

Der Sammler Beck war nie in den USA . Er hat sich das Land anscheinend anhand der Kunst erschlossen. Realistisch kann das Bild, das seine Sammlung ergibt, nicht gewesen sein. Aber ist unser Bild heute realistischer?

Warum sind wir so USA-zentriert? Was ist für uns Amerika jenseits der Warenwelten, jenseits des technischen Fortschritts? Gibt es Werte? Und was ist mit dem entsetzlichen Frauenbild, das auf den Bildern gezeigt wird – in wie weit wirkt es heute noch nach?

Macht mir das Bunte der Pop-Art überhaupt Spaß? Oder Angst? Kalt lässt es mich auf jeden Fall nicht.

Genau wie bei Abstract Loop werden die Werke klug präsentiert und mit mehr als ausreichenden Informationen versehen, die zudem gut lesbar und verständlich sind. Gleichzeitig lässt die Präsentation ausreichend Freiraum für eigene Entdeckungen und Querverbindungen. Ja, allmählich komme ich damit klar, dass ich im Hack Museum nie so recht weiß, wie rum ich laufen soll. Jeder Weg ist der richtige, Zeit; Muße und Entdeckerlust vorausgesetzt.

Eine Pop-Art Ausstellung ist auch immer ein mehrschichtiges Spiel mit dem Branding. Der Künstler zeigt das Bild einer Ikone, die ein Brand ist, und macht sich damit selbst zur Ikone. Das wiederum fördert den Verkauf und damit seinen Brand, seinen Warenwert. Das Museum wiederum zeigt beide Ikonen. Warenwelten, die sich mir beim Annähern an Pop-Art immer wieder quer stellen. Wie kann ich Kunst ernst nehmen, die mir auf Kaffeetassen begegnet?

Kuh von Warhol auf einer Kaffeetasse

Für mich ist Pop up! Bildikonen der 60er und 70er Jahre Hirnfutter. Bedeutet, dass ich mir die Ausstellung im Hack Museum noch ein zweites Mal, mit mehr Abstand zur US-Wahl, anschauen werde.

Meine ersten visuellen Eindrücke habe ich mit Instagram und Story zusammengefasst, alle Infos zur Ausstellung samt Öffnungszeiten und Preise findet Ihr auf der Webseite des Museums.


 Von der Pop Art zur Popkultur mit meiner Rezension zu diesem Handbuch: