Documenta, ich komme – und wähle die Route durch Provinz und Märchenwald

Ich hatte es geahnt: ein Reiseführer zur Documenta, der „Schneewittchen und der kopflose Kurator“ heißt, ist garantiert kein Baedeker-Ersatz. Aber auf das, was dann kam, war ich nicht vorbereitet. Gleich auf der ersten Seite befand ich mich im Wald. Das ist schön, im Wald fühle ich mich wohl. Ob das ein typisch deutscher Anteil in mir ist? Im deutschen Wald lauern hinter jedem Baum die Brüder Grimm und machen den Wald zum Märchenwald. Daraus könnte man eine direkte Verbindung zu Kassel, der Grimm-Stadt, aufbauen. Aber nein: Die Annäherung an Kassel und die Documenta erfolgt zuerst räumlich mit einer schaurigen Reise durch die hessische Provinz – Hessen hat ja sehr viel davon. Klingt schräg, macht Spaß zu Lesen und gibt dem Phänomen Documenta eine für mich unerwartete Verwurzelung. Aber ich war ja noch nie auf einer Documenta. Die diesjährige Documenta 14 wird meine erste sein. Bin ich jetzt nach der Lektüre von Schneewittchen…

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Ich und die Comics. Und wie uns die Mangas in die Quere kamen.

Moebius Comics

Bücher, Zeitschriften, Comics – als Kind habe ich einfach alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe. Gefühlt war Lesestoff immer Mangelware. Bücher wurden vor allen Dingen ausgeliehen, gekauft eher selten. Doch ab und an gab es wohl im Supermarkt reduzierte Comics – das war wohl eine Quelle. Die andere Quelle waren die Jungs aus der Nachbarschaft: dort habe ich mir vor allem Donald Duck und Asterix ausgeliehen; ab und an auch mal Superhelden. Meine Mutter musste sich noch verteidigen, dass sie ihrem Kind Comics zu lesen gab – ich bin Jahrgang 1968. Doch selbstbestimmtes Lesen war ihr wichtiger als irgendein literarischer Bildungsauftrag und meine sehr guten Deutsch-Noten nahmen den Kritikern dann eh den Wind aus den Segeln. Sie hatte als Kind auch immer gefühlt zu wenig zu lesen gehabt und war auf die Fortsetzungsromane der Gartenlaube ausgewichen. Geschadet hat ihr das ebenfalls nicht. Eine Leidenschaft für Comics habe…

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Ich und die Comics. Wie alles begann – Blogparade

Blogparade: Ich und die Comics. So wurde ich zum Comic Leser.

Wie war das eigentlich bei Dir? Hast Du Dir heimlich die Comics aus dem Zimmer der älteren Geschwister stibitzt? Ging Dein Taschengeld für Donald Duck drauf? Solltest Du Asterix lesen, um mehr über die Römer zu erfahren und um damit im Latein-Unterricht zu glänzen? Hat Dich Deine Clique zu den Mangas gebracht? Haben Dich Superhelden durch die Pubertät begleitet? Oder bist Du erst als Erwachsener über Graphic Novels zu den Comics gekommen? Wir, Sandra von Booknapping und Dagmar alias GeschichtenAgentin, würden uns gerne mit Euch über Eure Leser-Biographien austauschen und starten daher eine Blogparade. Ich und die Comics. Wie alles begann! Erzählt uns bis zum 25.06. 2017 auf Euren Blogs, auf Facebook oder in den Blog-Kommentaren, wie Ihr Comics für Euch entdeckt habt und mit welchen Comics oder Mangas Eure Leidenschaft für dieses Genre begann, wie sich Eure Vorlieben im Laufe Eures Leserlebens geändert haben und was Eure Umwelt von Eurer…

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Gabby Bernstein. Von wegen It-Girl.

Gabby Bernstein. Das Universum steht hinter Dir. Wie wir Angst in Vertrauen verwandeln. Buch. Rezension.

Das Bild, das ich von Gabby Bernstein hatte, war ein sehr buntes. Es bestand aus den Mosaiksteinchen New York, Instagram, ständig in Bewegung sein, hip. Überlagert wurde es von dem unmöglichen Begriff „Das neue spirituelle It-Girl“. Eine solche Bezeichnung löst bei mir eine reflexartige Verweigerungshaltung aus. Doch ihre Videos gefielen mir. Natürlich, authentisch und fest im Leben verwurzelt. Die Videos und ihr Hasthag #spiritjunkie, der mich immer zum Schmunzeln brachte, sorgten dafür, dass ich sie nicht aus den Augen verlor. Ob der Begriff „spirituelles It-Girl“ jemals auf Gabby gepasst hat? Zu Das Universum steht hinter Dir passt er auf jeden Fall nicht. Das ist nicht das Werk eines Mädchens. Es ist ein kluges, weises Buch voller Lebenserfahrung. Die ersten Kapitel waren für mich die richtige Inspiration zur richtigen Zeit. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie solche Bücher sich in mein Leben schleichen – genau dann, wenn ich sie brauche.…

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Sachbücher & Ratgeber – meine 11 Antworten und 11 Buchempfehlungen

Sachbücher & Ratgeber - 11 Fragen und 11 Buchempfehlungen - Blogstöckchen

Zum Welttag des Buches habe ich das Blogstöckchen Sachbücher & Ratgeber – 11 Fragen und 11 Buchempfehlungen in die Luft geworfen. Hier sind meine Antworten: Was macht ein gutes Sachbuch oder einen guten Ratgeber aus? Wenn ich es mag, dann war es ein gutes Buch und ich mag ein Buch dann, wenn es ein gutes Thema hat, gut geschrieben und gut gemacht ist. Ganz einfach, oder? Wie wichtig sind Dir Illustrationen? Ja, nein, weiß nicht. Was ich nicht ausstehen kann ist das Bebildern um der Buntheit und der Auflockerung willen, wie es in vielen Ratgebern gemacht wird. Vor allen Dingen dann, wenn dafür Stock-Fotos verwendet werden! Bilder sollten genau wie Text behandelt werden: wenn es dem Buch keinen Mehrwert hinzu fügt, den Text nicht verständlicher macht, dann sollte man das Bild weglassen bzw. die Textpassage streichen! Was ich aber sehr zu schätzen weiß, ist das gut gemachte Buch. Gut gemacht eben…

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Die Odenwälder sind ziemlich halsstarrig. Regionalgeschichte.

Zwei Odenwald Regionaltitel

Regionaltitel gleichen ja einer Wundertüte. Der Leser ist sich nie so sicher, was er bekommt. Von Hobby-Schriftstellerei über Vereinsschriften, die wohl nie zum Lesen gedacht waren, bis hin zu feinen Werken zu Nischenthemen kann alles dabei sein. Diesmal hatte ich Glück. Mit „Die Einwohner sind ziemlich halsstarrig“ von Roland Vetter, erschienen im Wellhöfer Verlag, habe ich ein Buch aus der letzten Kategorie erwischt. Eberbach im Odenwald ist eine Kleinstadt, die immer ein Stück abseits lag. Heidelberg war zwar nah genug, so dass man auch in Eberbach im 15. bis 17. Jahrhundert über das Zeitgeschehen in der Welt informiert war. Doch der Weg das Neckartal entlang in den Odenwald war beschwerlich, lohnenswerte Ziele gab es nicht und wohlhabend war die Gegend schon gar nicht. Das kann man, vor allem während des Dreißigjährigen Kriegs, auch als Glücksfall betrachten. Über das Leben in solchen Städten weiß man wenig. Woher auch? In den Chroniken kommen…

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Sachbücher & Ratgeber – 11 Fragen und 11 Buchempfehlungen. Ein Blogstöckchen

Sachbücher & Ratgeber - 11 Fragen und 11 Buchempfehlungen - Blogstöckchen

Komm Sachbuch, hol das Stöckchen! 11 Fragen und 11 Buchempfehlungen Was macht ein gutes Sachbuch oder einen guten Ratgeber aus? Wie wichtig sind Dir Illustrationen? eBook oder Buch? Leihen oder kaufen? Online-Shop oder Buchhandlung? Ein Sachbuch-Autor, von dem Du alles liest? Hast Du einen Lieblingsverlag für Sachbücher oder Ratgeber? Was war das schrägste Thema, über das Du ein Buch gelesen hast? Ein Buch, aus dem Du viel für deinen Alltag gelernt hast? Hat ein Sachbuch schon einmal Dein Verhalten, Deine Sicht auf die Welt oder sogar Dein Leben verändert? Welches Sachbuch ist aus Deiner Sicht von so hoher literarischer Qualität, dass es Teil eines Literaturkanons sein sollte? Register und Literaturverzeichnis – nützlich, Quelle für weitere Inspiration oder ungenutztes Anhängsel? Joker-Frage: Du darfst eine Frage streichen und Dir selbst eine neue stellen. Oder eine Frage ergänzen und beantworten, die Du vermisst. Zum Abschluss bitte noch, wenn möglich, je eine Buchempfehlung: Kindersachbuch…

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Es war einmal und könnte wieder sein: Grimm von Christoph Marzi

Christoph Marzi - Grimm - Fantasy

Leihfrist 14 Tage. Höchstens. Eine harte, klare Ansage für jemanden wie mich, die ständig mehrere Bücher parallel liest. Doch ich habe es schätzen gelernt, dass die Onleihe der Stadtbibliothek Mannheim die Leihfrist begrenzt. Das zwingt mich, das Buch in einem zackigen Tempo durch zu schmökern. Grimm von Christoph Marzi eignet sich gut zum zackigen schmökern. Die Geschichte entwickelt sich im genau richtigen Tempo und hat einen guten Rhythmus geprägt von märchenhaften Abschweifungen, zwischenmenschlichen Begegnungen und Schockmomenten voller Horror. Zackig weitergelesen habe ich, doch zum Verschlingen hat es bei mir nicht gereicht. Dazu habe ich mich zu oft an seinem Stil gerieben. Zu viele und zu detaillierte Beschreibungen. Ich mag es lieber, wenn man mir und meinem Kopfkino mehr Raum lässt. Geschmackssache. Es war einmal und könnte wieder sein: eine Welt voller Märchenfiguren. Doch ist eine friedliche Co-Existenz zwischen Fabelwesen und Menschen überhaupt möglich? Wer hat welche Interessen und wer ist…

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Bienen. Flora 717 und der Bienenstaat.

Jetzt weiß ich mehr über Bienen und Bienenvölker,  als ich je wissen wollte. Das habe ich der Autorin Laline Paull und Flora 717 zu verdanken. Flora ist eine Arbeiterbiene, die immer wieder aus ihrer Rolle herausfällt, und so zur Heldin des Romans „Die Bienen“ wird. Doch weder aus der Rolle herausfallen noch Heldin sind passende Bezeichnungen. Laline Paull vermenschlicht die Bienen nie. Vielmehr beschreibt sie das Leben in einem Bienenvolk von innen heraus. Wie wird die Zusammenarbeit organisiert? Welche Rolle spielen Duftstoffe und die Tänze der Bienen? Wie wirkt sich schlechtes Wetter aus und wie wird ein Wespenangriff abgewehrt? Wie sieht der Alltag in einem Bienenstock aus und welche Aufgaben erfüllen die einzelnen Bienen? Das Leben von Flora 717 verläuft anders als das der anderen Arbeiterinnen. Sie ist nützlicher als andere Bienen – so bezeichnen das ihre „Vorgesetzten“. So beteiligt sie sich an der Kinderaufzucht, kümmert sich um das Wohlergehen der Drohnen…

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Aufgeräumt denken. Gedanken und Erwartungen entrümpeln.

Aufgeräumt denken - Sachbuch von Constanze Köpp

Obwohl das Buch von Constanze Köpp „Aufgeräumt denken“ heißt, dreht sich eines der ersten Kapitel um Körper, Kleidung und Zuhause. Nun, da kommt die Autorin her und ihr erstes Buch „Aufgeräumt leben“ war ja auch eine Frischekur für die Wohnung, eine Anleitung zum Entrümpeln. Nun soll also das Denken entrümpelt werden, was definitiv leichter vonstatten geht, wenn auch die Umgebung klar strukturiert ist. Wir beginnen also bei den Dingen und nehmen uns von dort aus alle Lebensbereiche vor. Das macht Sinn, aber meine Erwartungshaltung, die der Titel „Aufgeräumt denken“ bei mir geweckt hat, erfüllt das Buch damit nicht. Aufgeräumt leben – Gefühle, Gedanken und Erwartungen entrümpeln würde es meiner Meinung nach besser treffen. In den guten Passagen hat das Sachbuch Schwung und Leichtigkeit und motiviert auf eine lässige, angenehme Art. Das liest sich fein und tut gut. Für mich gab es jedoch zu viele Passagen, die lediglich ein „kenne ich…

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How soon is now? Ohne Krise keine Veränderung.

Daniel Pinchbeck How soon is now Sachbuch

Auf dem Burning Man Festival wollte Daniel Pinchbeck eine Revolution anzetteln. Lasst uns die Figur nicht verbrennen, das Festival nicht beenden. Wir bleiben genau hier zusammen und erarbeiten Strategien, Techniken und Anleitungen zur Rettung der Welt, denn hier auf dem Festival sind alle Menschen zusammen, die wir dafür brauchen. Die Revolution fand nicht statt, seine Idee war wohl selbst für das Burning Man Festival zu sperrig. Zum Glück. Daniel Pinchbeck musste wieder hinaus in die Welt und dort weiter an seinen Visionen feilen. Den aktuellen Stand seiner Überlegungen hat er jetzt in „How soon is now?“ zusammengefasst. Sein Buch hat Wucht. Es ist alles andere als depressiv, denn Pinchbeck ist fest davon überzeugt, dass die aktuellen politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Krisen uns, die Menschheit, zu guten Veränderungen zwingen werden. Ohne Krise keine Veränderung und je größer die Krise, desto größer fällt der Entwicklungssprung aus. So betrachtet haben wir also gute…

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Tomás Saraceno: Fotografieren im Museum erwünscht!

Museumsselfie. Tomás Saraceno Ausstellung im Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen.

Na, das ist doch mal eine Ausstellung nach meinem Geschmack: Tomás Saraceno – Aerosolar Journeys. Fotografieren ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. So sehr erwünscht, dass am Eingang zur Ausstellung gleich ein Schild steht, dass die passenden Hashtags nennt. Die Ausstellung lässt den fliegenden Skulpturen von Tomás Saraceno viel Raum. Platz zum drumherum gehen, zum sich darunter legen, zum Ausprobieren, zum Blickwinkel wechseln. Alle Skulpturen bewegen sich allein durch die Thermik. Ein Lufthauch genügt und schon verändert sich etwas: ein Glitzern, eine neue Reflexion, ein Hauch einer Bewegung, ein Wehen, ein leises Rascheln. Tomás Saraceno verbindet Forschung und Kunst. An seinen Projekten sind auch Wissenschaftler und Architekten beteiligt. Ziel ist eine realisierbare Utopie; das Mittel dazu ist Kunst, die die Welt verändern kann, und die glitzernden, schwebenden und raschelnden Skulpturen sind die Einladung an den Museumsbesucher sich gemeinsam mit Künstlern und Forschern auf den Weg zu machen. Impressionen aus der Ausstellung,…

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