
Was passiert, wenn Fender auf Gender trifft? Eine geniale Frage. Kersty und Sandra Grether sind die richtigen, um sie zu beantworten. Weniger, weil sie als die berühmtesten Pop-Feministinnen Deutschlands gelten (sagt Birgit Fuß, Rolling Stone Germany). Sondern weil sie leidenschaftliche Musik-Fans, Musik-Journalistinnen, Musikerinnen, Label-Betreiberinnen und noch viel mehr sind. Sie leben Musik und Popkultur und Feminismus. Doch anders als so viele männliche Musik-Nerds steht bei ihnen die Vermittlung von Wissen und die Ermutigung, selbst mitzumischen, im Vordergrund. Wer jetzt an die Rebel Grrrls denkt, liegt richtig.
Dementsprechend ist ihr Buch „Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik“ ausgefallen. Es ist nerdig, empowernd, überraschend. Es ist lexikalisch und essayistisch, analytisch und subjektiv. Doch eines ist es immer: fair. Das haben die Autorinnen so vielen männlichen Kollegen voraus: Sie sind genauso meinungsstark, haben aber eine andere Art, über Musik zu schreiben – wertschätzend, analytisch, fest im eigenen Erleben verwurzelt und dabei immer mit diesem Funken Begeisterung, der ansteckt.
Eigentlich hatte ich mich schon bei diesem Satz aus dem Vorwort in das Buch verliebt:
Jeder der Frauen oder nonbinären Personen in diesem Buch hätten wir gerne als beste Freund:innen. Wir können aber auch gut damit leben, sie nur in unseren Bücher- und Schallplattenregalen zu begrüßen.
Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik, Seite 18
Ein Vision Board aus Musik und Feminismus
Mir erschien „Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik“ wie ein großes Vision Board. Eine bunte Collage aus Rückblicken, Fakten, eigenen Erlebnissen und Träumereien. Analyse und Vision in einem. Sehr schön zeigt sich das an dem Kapitel, in dem sie Karen Carpenter und Yoko Ono gegenüberstellen. Im Kaput Magazin könnt ihr es lesen.
Natürlich gehört zum Buch eine umfangreiche Playlist, die schon an sich ein Eingang zu einem rabbit hole ist. Noch mehr Zeit haben mich die Infokästen im Buch gekostet Queens of Disco, die zehn coolsten Paarbands, Bands mit starken Frauen aus der Hamburger Schule usw …
Kersty und Sandra Grether haben nicht einfach ein weiteres Musikbuch geschrieben, sondern einen Sehnsuchtsort erschaffen, an dem sich Feminismus, Leidenschaft und Empowerment treffen. Während viele männliche Musik-Nerds ihr Wissen horten und vor sich hertragen, öffnen die Grether-Schwestern Türen. Sie laden ein, sich zu verlieren in den Geschichten von Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Suzi Quatro, Poly Styrene, Tracey Thorn, Doro Pesch, Bikini Kill, Lady Gaga, Peaches, Courtney Barnett, Wet Leg und all den anderen Rebel Queens. Und sie ermutigen, selbst loszulegen!
Infos zum Buch:
Kersty Grether, Sandra Grether
Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik
Das große Standardwerk über Rockmusikerinnen
Diesen Text der beiden möchte ich euch noch ans Herz legen: Fremd m eigenen Haus. Kerstin und Sandra Grether über 38 Jahre SPEX und die Frauen*
Bücher, die dazu passen, gibt es auf meinem Buch-Blog etliche. Hier eine kleine Auswahl:
- Nerd Girl Magic
- Riot Grrrl Revisited. Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung
- Our Piece of Punk. Ein queer_feministischer Blick auf den Kuchen
- Die Rache der She-Punks. Eine feministische Musikgeschichte von Poly Styrene bis Pussy Riot
Und als Joker noch etwas ganz anderes, denn auch beim Thema Motorradfahren gibt es zuviele männliche Gatekeeper: „Das Mädchen auf dem Motorrad. Die Geschichte der Anne-France Dautheville“





