Und am Ende des Stegs steht ein Museum am See

Buchheim Museum der Phantasie am Starnberger See

Ach, dieser Name: Museum der Phantasie! Das riecht schon so nach André Heller, das schmeckt nach Hundertwasser und mutiert dann wahrscheinlich doch nur zu Rosina Wachtmeister. Meine Befürchtungen vor dem Museumsbesuch waren groß.

Doch es kam anders. Zum Glück. Es gibt zwar solche Ecken im Haus und es gab tatsächlich eine Hundertwasser-Ausstellung, die ich weitestgehend ignoriert habe.

In diesen Ecken zeigt das Museum einen eingefrorenen Stand der Phantasie, garniert mit ein paar Objets trouvé. Symptomatisch für mich ist der Schreibtisch, der so voll gestellt wurde mit inspirierenden Dingen, dass man einen Beistelltisch zum Arbeiten dazustellen musste.

Doch zum Glück ist dieses Museum eine Wundertüte in einem schönen Park am Starnberger See. Dort kann man es aushalten, schlendern, entschleunigen und sich in seinem eigenen Tempo der Kunst nähern.

Warum sammelt ein Sammler?

Herzstück des Museums ist Lothar-Günther Buchheims hervorragende Sammlung an expressionistischen Werken. Die Sammlung wird durch gute Texte erläutert und man sieht den Sinnzusammenhang, den guten Grund, warum er gerade diese Werke erworben hat. Schön, dass der Sammler auch selbst mit Zitaten zu Wort kommt, die zeigen, was ihn an diesen Malern und Werken fasziniert hat.

Alles drumherum versucht, den Sammler-Menschen erfahrbar zu machen. Für mich war das zuviel, seine Sammlung spricht – so, wie sie präsentiert wird, mit allen Erläuterungstexten – für sich.

Daher mein Tipp für den Museumsbesuch: Am besten im Untergeschoss mit der Expressionisten-Ausstellung beginnen. Dort hat die Sammlung am meisten Struktur, was den Einstieg in das Universum Buchheims enorm erleichtert.

Alternativ kann man auch mit dem langen Gang Richtung Starnberger See beginnen. Dort wird das Leben Buchheims erklärt, was wiederum die Sammlungsstruktur und all die eher seltsamen Objekte verständlicher macht. Und am Ende des Gangs führt ein Steg hinaus. Dort wartet zwar nicht die Queen Mary, mit der Buchheim so gerne gereist ist, aber ein wunderbarer Ausblick auf den Starnberger See.

Streetart: Wo wäre der Expressionismus heute?

Blickfang im Park ist der mit Graffiti bemalte Hubschrauber. Von dort wandert der Blick zur Außenwand des Museums mit einem Graffiti, dass Buchheim in einer Yellow Submarine zeigt. Glücklich sieht er aus, er genießt das Abenteuer der Unterwasserwelt offensichtlich.

Streetart im Museum, am Museum und um das Museum drumherum – eine Annäherung an die Frage, wo der Expressionismus heute wäre. Was würde dem Lebensgefühl der Künstler heute entsprechen? Wo würde ihre immense Energie sie hinführen?

Ein großartiger Ansatz und mir würde es gefallen, wenn Street Art in all ihrer Sperrigkeit ein wirklicher Sammlungsschwerpunkt werden würde und nicht, so wie jetzt, nur einen Akzent setzt.

Und nun – lohnt sich der Besuch des Buchheim Museums?

Ja, definitv. Wenn man in der Lage ist, seine Erwartungshaltung an ein Museum und an eine strukturierte Ausstellung über Bord zu werfen. Der Steg hinaus auf den Starnberger See ist ein geeigneter Ort dafür!

Alle Informationen zum Buchheim Museum der Phantasie findet Ihr hier auf der Webseite.


Hier findet ihr mehr Inspiration für Museumsbesuche. Wie wäre es mit einem Besuch bei Franz Marc?

Ein Museum ist eine Insel: Hombroich

Museum Hombroich Blick aus einem Ausstellungsgebäude
Kunst schaut auf Natur; Natur schaut auf Kunst. Und wohin schaut der Betrachter?

Einst war hier nichts als Natur. Dann kam der Mensch und mit ihm die Kunst.

Einst war hier eine Auenlandschaft. Dann kam der Braunkohletagebau und legte die Landschaft trocken.

Einst war hier ein Herrenhaus und eine Parklandschaft. Dann änderten sich die Zeiten und alles verwilderte.

Dann kamen die Kunstliebhaber und Künstler und definierten alles neu. Bauten Häuser mit und ohne Kunst; schufen eine neue Landschaft ohne Park aber mit Wegen und renaturierten eine Auenlandschaft, wo keine mehr sein konnte.

In diese Wildnis, die eine Kulturlandschaft ist, brachte der Mensch sich und seine Visionen, seine Fragestellungen ein.

Wo stehe ich, wo schaue ich hin? Was möchte ich sehen, was kann ich erkennen? Was zeigt mit das Tageslicht heute, was morgen? Wie verändern die Jahreszeiten meinen Blick? In wie weit kann ich die Natur bereichern und in wie weit kann ich mich von ihr beschenken lassen?

Dieses Museum ist kein Park, kein Landschaftsgarten und keine Galerie. Hombroich ist eigentlich auch kein Museum. Es ist renaturierte Natur mit Ausstellungskonzept, aber ohne Plan. Hombroich ist Begegnungsstätte von Mensch, Kunst, Natur und Freiheit.

Hombroich ist eine Insel, wie kein anderes Museum eine Insel ist. Ein Sehnsuchtsort, ein Platz für Freidenker. Eine Ausstellungsfläche, ein Freiraum. Kunst wird hier nicht vermittelt, sie darf wirken.

Es gibt keinen Plan für das Gelände. Wie ich jetzt bemerkt habe, habe ich bei meinem ersten Besuch nicht alles entdeckt. Darüber ärgere ich mich nicht. Das ist vielmehr ein hochwillkommener Anlass für mich, bald wieder hinzufahren.

Informationen zur Museumsinsel Hombroich:

Webseite der Stiftung

Sehr guter Artikel mit Hintergrundinfos in der Bauzeitung:

… das Rot der Ziegelbauten und das üppige Grün der Vegetation im Komplementärkontrast, dazu das silbrig spiegelnde Licht der Wasserflächen. Alle weiteren Farben bleiben der Kunst vorbehalten.
Quelle: IN DIE JAHRE GEKOMMEN
MUSEUM INSEL HOMBROICH
1. Februar 2009 – db deutsche bauzeitung 11|2008
http://www.db-bauzeitung.de/db-themen/db-archiv/museum-insel-hombroich-2/

Wo das Ungeplante wachsen kann – Infos zum gärtnerischen Konzept in der FAZ

Fotos: Instagram-Fotos von meinem Besuch im Juli 2016.


 GeschichtenAgentin auf Reisen: Ausflugsziele und Reisebücher, die ich empfehlen kann


Lust auf Heimaturlaub? 101 deutsche Orte, die man gesehen haben muss. Hier meine Rezension:

Quedlinburg – Reise durch sechs Jahrhunderte Stadtgeschichte

Gasse in Quedlinburg

Noch gibt es sie, die unperfekten Ecken in Quedlinburg. Häuser, an denen der Putz in großen Stücken abblättert. Fassaden, die gestützt werden müssen. Fenster, durch die man auch ohne vergilbte Gardinen nicht hindurchblicken könnte. Doch es sind nicht mehr viele.

An solchen Häusern kann man verfolgen, wie sich die Nutzung im Laufe der Jahrhunderte geändert hat: hier ein zusätzliches Fenster, dort ein verblasstes Gewerbeschild und ganz oben unter der Dachrinne Reste einer alten Telefonleitung. In Quedlinburg wird das Stadtleben der letzten Jahrhunderte sichtbar: die neuesten Häuser und Stadtvillen stammen aus der Gründerzeit, einige zeigen Jugendstilelemente. Das älteste Haus stammt aus dem 14. Jahrhundert. Es ist unscheinbar – ich hätte es bei meinem ersten Besuch vor über 15 Jahren übersehen, wenn nicht eine Reisegruppe mit Stadtführer davor gestanden hätte. Es gibt Häuser aus jeder Bauperiode, eine architektonische Reise quer durch die Jahrhunderte. Das macht für mich den besonderen Reiz der Stadt Quedlinburg aus, die zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde.

An einigen der noch nicht sanierten Häusern und Brachen hängen große Werbeplakate einst hoffnungsfroher Investoren. Sie verkünden Lofts in historischem Ambiente, Luxuswohnungen. Die meisten Plakate sehen so aus, als würden sie schon länger hängen.

Quedlinburg Spiegelung im Fenster eines sanierten Hauses

Nicht alle Häuser, die saniert wurden, wirken glücklich. Manchmal scheint es, als hätte sich die Seele des Hauses ganz weit nach innen zurückgezogen, fast so, als wollte sie nicht mit der neuen Fassade in Berührung kommen. Andere Häuser sprühen vor Leben, denn sie werden bewohnt und geliebt. Sanierung und Renovierung ist eines, Nutzungskonzept noch einmal etwas ganz anderes.

Die Reisegruppen, die Quedlinburg besuchen, sprachen fast alle Ost-Dialekte. War das eine zufällige Moment-Aufnahme oder ist es immer noch so, dass nur wenige West-Deutsche neugierig auf die nun wirklich nicht mehr neuen Bundesländer sind?

Auch im Hainich, immerhin Unesco Weltnaturerbe, hörte ich kein schwäbisch, keine Ruhrgebiets-Dialekte – Mundarten, die sonst an allen touristischen Zielen erklingen.

In Quedlinburg hat sich viel getan in den letzten Jahren. Wer die Stadt noch nicht kennt, sollte sie besuchen, bevor sie aus- zuende- und hochglanz-saniert ist. Ein paar Jahre Zeit ist noch dafür.


GeschichtenAgentin auf Reisen: Ausflugsziele und Reisebücher, die ich empfehlen kann


Hainich – wandern im Noch-Nicht-Urwald

Wandern im Hainich Buchenwald
Buchen im Hainich. Zu groß für ein Instagram-Foto.

Es waren die alten Buchenwälder, die dem Hainich zum Status Unesco Weltnaturerbe verhalfen.

Doch selbst ein alter Buchenwald ist kein Urwald. Das liegt einmal an der Struktur des Waldes: das dichte Laubdach der alten Buchen lässt nur wenig Licht durch, so dass kaum Unterholz wächst. Erst, wenn ein Baum umstürzt, fällt genug Licht auf den Waldboden und das Wachstum beginnt.

Zudem wurden im Hainich bis 1998 noch Bäume gefällt. Die Spuren der Forstwirtschaft verblassen genauso wie die Spuren des Truppenübungsgeländes. Doch Urwald ist der Hainich nicht – eher ein Urwald-Erwartungsgebiet.

Dschungelgefühl kommt daher nur sehr selten auf – das kann man im Nationalpark Bayrischer Wald besser erleben. Aber auch dort sind es nur wenige Waldstücke, die schon seit sehr langer Zeit nicht mehr bewirtschaftet werden. Nicht, weil man den Wald schützen wollte, sondern weil sie einfach zu unzugänglich und abgelegen waren.

Es ist auch nicht nur der Hainich, der von der Unesco ausgezeichnet und unter Schutz gestellt wurde. Auch wenn auf manchen Informationstafeln dieser Eindruck entsteht. Zu den alten Buchenwäldern, die sich Unesco Weltnaturerbe nennen dürfen, zählen in Deutschland auch

  • Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen
  • Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen
  • Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg
  • Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern

Das Wahrzeichen des Hainich ist übrigens keine Buche, sondern eine Eiche: die Betteleiche nahe der Wüstung Ihlefeld. Dieser Ort fasst die ganze Geschichte des Hainichs zusammen: alte Handelsstraßen, Klostergründung, Umwandlung zum Gutshaus, Enteignung, Zerstörung und Nutzung als Truppenübungsplatz.

Betteleiche, Wahrzeichen des Hainich: eine alte Eiche mit zwei Stämmen
Betteleiche im Hainich

Wandern im Hainich

Der Hainich bietet eine touristische Infrastruktur, wie ich sie noch in keinem Wandergebiet vorgefunden habe: perfekt ausgezeichnete Wanderwege, Trocken-Toiletten mit Klopapier nicht nur an den Parkplätze, sondern auch dort, wo wichtige Routen sich kreuzen, Wanderwege und Radwege für jede Konditionsstufe und barrierefreie Spaziergänge, die sowohl für Rollstuhlfahrer als auch für Blinde geeignet sind.

Trotzdem waren wir, sobald wir die Spazierwege unter 4 km Länge oder den Weg zum Baumkronenpfad verlassen hatten, alleine im Wald. Im Juli in der Ferienzeit! Die wenigen Menschen, die uns begegneten, haben freundlich gegrüßt oder sogar nach dem woher und wohin gefragt. Das lässt vermuten, dass auch ihnen noch nicht allzu viele Menschen begegnet waren.

Wir sind den Saugraben-Weg entlang gewandert, der mir mit seiner Mischung aus blühenden Wiesen mit unzähligen Schmetterlingen und schönen Waldpassagen am besten gefallen hat.

Beim Bummelkuppenweg hat mich das lange Stück am Anfang entlang einer Schotterstraße gestört. Dieses Wegstück ist historisch bedeutend, da es sich um eine alte Handelsstraße mit Resten von Zollstationen handelt, aber mühsam zu laufen. Deswegen haben wir den Weg etwas variiert und um einen Abstecher zur Betteleiche ergänzt und am Ende des Weges noch einen Schlenker über den Urwaldpfad gemacht. So wurde trotz des Schotters zu Beginn noch eine schöne Wanderung daraus.

Den Naturpfad Thiemsburg haben wir als Abschiedsspaziergang gemacht. Dort waren wir, keinen Kilometer von der Hauptattraktion Baumkronenpfad entfernt, schon wieder von wäldlicher Stille umgeben.

Als Ausgangspunkt hatten wir Bad Langensalza gewählt, was sich als gute Idee herausstellte. Hier gibt es sogar eine Ferienwohnung, die mitten im kleinen botanischen Garten liegt, mit Kneippanlage direkt vor der Haustür! Allerdings sind es von Bad Langensalza bis zu den Wanderparkplätzen des Hainichs meist 45 Minuten Fahrzeit. Das liegt an den schmalen, schlecht ausgebauten Straßen und an der Tatsache, dass es in Thüringen generell an Umgehungsstraßen mangelt.

Wer wie ich die Pfalz vor der Haustür hat, ist schwer von anderen Wandergebieten zu begeistern. Der Hainich hat jedoch mein Herz erobert.


GeschichtenAgentin auf Reisen: Ausflugsziele und Reisebücher, die ich empfehlen kann


Raus aus dem Wald, rein in die Stadt: Chemnitz entdecken

In 33 Bieren durch Franken

Führer Biere FrankenKöstlich amüsiert habe ich mich bei der Lektüre von „33 Biere. Eine Reise durch Franken“. So köstlich amüsiert, dass es mir egal war, dass ich während des Lesens kein frisch gezapftes fränkisches Bier zur Hand hatte. Der Notvorrat an Flaschenbieren, den ich aus dem Urlaub in Franken mitgebracht hatte, schwand jedoch dahin.

Aber Anders Möhl und Elmar Tannert erzählen, schwadronieren und informieren ja nicht nur über das Bier aus Franken. Wer so viel Bier trinkt – alles nur zum hehren Zwecke der Recherche versteht sich – braucht auch etwas zu essen dazu. Nur etwas, im Sinne von Kleinigkeit, gibt es in Franken nicht. Neumodische Sitten, das war noch nie so, wo kämen wir da hin. Die Frage, ab welchem Alter man eigentlich einen Seniorenteller bestellen darf, wird leider auch diesmal nicht geklärt. Bleibt als Alternative eine Portion Zwetschgenbammes zu zweit zu bestellen und so dem Karpfen zu entgehen:

Der Karpfen spaltet das fränkische Volk in Liebhaber und Hasser – die ihn gerne auch Schlickwasserschweinebraten – sowie eine unbedeutende Minderheit, der er einfach egal ist. … Dieser Fisch indes versucht, mit allen Mitteln dem Verzehr zu entgehen. Er gründelt in modrigen Schlammgewässern in der Hoffnung, damit als ungenießbar zu gelten. Desweiteren wehrt er sich durch hauchdünne, nadelspitze Gabelgräten.
S. 82 – 33 Biere. Eine Reise durch Franken.

Die 33 Biere, auf die sich die Autoren nach vielen Ausflügen, Verkostungen und Abenteuer mit dem öffentlichen Nahverkehr schließlich einigen, sind natürlich eine völlig subjektive, aber dennoch gut begründete Auswahl. Ich kannte genau eines davon. Und ja, sie haben Recht! So sehr Recht, dass ich die anderen 32 Biere auch probieren möchte.

Dafür würde ich, zumindest für die Dauer des Franken-Urlaubs, auf Craft-Beer verzichten. Ein Franke braucht kein Craft Beer, denn gefühlt hat jedes fränkische Dorf noch seinen eigenen Gasthof mit Brauerei und ganz sicher hat jedes fränkische Bier seinen ganz eigenen Geschmack. Craft Beer ist nur was für arme Großstadt-Kinder wie mich, die sonst nie an vernünftiges Bier kämen.

… aber die meisten Frauen denken nur, dass sie kein Bier mögen, weil ihnen das von irgendwelchen Männern eingeredet wird, die jemanden brauchen, der sie nach Hause fährt, wenn sie betrunken sind. … Ich entgehe dieser Gefahr, indem ich gleich mehrere Tatbestände vortäusche: Ich erzähle von tragischen Autounfällen meiner Vergangenhiet … Ich lasse mich ab Einbruch der Dunkelheit an der Hand führen …
S. 90 Claudia Schulz, Die Frau des Bierpapstes in „33 Biere. Eine Reise durch Franken“

Angaben zum Buch:

Anders Möhl
Elmar Tannert

33 Biere
Eine Reise durch Franken

Ars Vivendi Verlag
ISBN 978-3-86913-641-7

Das könnte Dich auch interessieren: Ganz Franken ein einziger Brauereigasthof? Oder was man sonst im Urlaub bei Graupelschauern in Franken machen kann.

Pompejanum Aschaffenburg – mein Rom, meine Villa, mein Museum

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Manchmal ist die Welt ein seltsamer Ort und wird gerade erst dadurch schön. Ein König ist, ganz Kind des 19. Jahrhunderts, von der Antike begeistert. Inspiriert von den Ausgrabungen in Pompeji lässt er sich eine römische Villa bauen, samt Wandmalereien und Mosaiken.

Doch er möchte nicht in dieser Replik leben. Sie dient rein pädagogischen Zwecken und hat einen klaren Bildungsauftrag: das Haus, das so in Pompeji hätte stehen können, soll helfen, die Antike begreifbar zu machen.

Hier wird nicht das römische Alltagsleben gezeigt, sondern die opulente, bunte Prachtentfaltung der Oberschicht. Menschen kommen nur am Rande vor.

Damit ist die Villa, die heute ein Museum ist, ein Statussymbol, das ein antikes Statussymbol zeigt.

Pompejanum – von der Ruine zur Villa und wieder zurück

Im Zweiten Weltkrieg wird die Replik einer römischen Villa schwer beschädigt und ist fortan die Ruine, die sie nie sein sollte. Ziel des Königs war es damals, die römische Antike in ihrer vollen Pracht erfahrbar zu machen. Nun ist auch sein Statussymbol nicht mehr als ein Trümmerhaufen und gesellt sich zu den vielen anderen Ruinen auf dieser Welt.

Heute ist das Pompejanum in Aschaffenburg ein Mischwesen. Teils prächtige Villa, teils konservierte Ruine. Ein Ort zum Staunen und zum Kopfschütteln über Könige und Adlige aller Zeiten.


Details aus dem Pompejanum Aschaffenburg
Mosaiken und Wandmalereien im Pompejanum Aschaffenburg

Infos zum Museum:

Pompejanum Aschaffenburg

Pompejanumstraße 5
63739 Aschaffenburg

Das Museum wird nicht geheizt – unbedingt eine Jacke mitnehmen!

Im Anschluss an den Museumsbesuch im Pompejanum Aschaffenburg empfehle ich einen Spaziergang durch den Park Schönbusch, einem der frühesten Landschaftsgärten Deutschlands. Dort kann man auch das typische Kegelspiel eines Barockgartens ausprobieren – viel Spaß dabei!


Egal, wie das Wetter ist, ob zuhause oder im Urlaub: Ich bin eine leidenschaftliche Museumsbesucherin. Hier findet ihr meine Tipps für Museen.


Schöner wandern in Franken mit Graupelschauern

Fotos von den Wanderungen in Franken
Wandern in Franken im April 2016

Graupelschauer. Für diese Form des Niederschlag habe ich im Franken-Urlaub im winterlichen Frühling 2016 eine besondere Vorliebe entwickelt.

Graupelschauer prallen von der Regenjacke ab. Dabei wird man nicht nass. Einfach weiterlaufen bis zum nächsten Gasthof und dort wieder aufwärmen.

Geplant war ein Wander- und Biergartenurlaub; es wurde ein Wander-und Bierurlaub. Doch dank der Graupelschauer konnten wir trotz des unerwarteten Kälteeinbruch sehr viel wandern.

Bei der Urlaubsplanung und beim Finden der Wanderrouten geholfen haben diesmal diese Reiseführer aus dem fränkischen Ars Vivendi Verlag:

  • Fundort Sagen und Legenden in Franken. 30 Freizeittouren für Entdecker
  • Der Städte-Verführer Metropolregion Nürnberg

Pünktlich nach meinem Franken-Urlaub war dann auch der Bierführer lieferbar:

Wandern in Franken:
bergauf, bergab und wieder hinauf und wieder hinab

Ars Vivendi ist kein Reiseführer Verlag, verlegt aber Regionalia, nach denen man reisen kann. Diese Unterscheidung musste ich als Leserin stets im Hinterkopf behalten. „Fundort Sagen und Legenden in Franken“ enthält wenig Kartenmaterial, aber viel Geschichten, Anekdoten, Sagen und Wissenswertes zur Landschaft und zur Geschichte Frankens.

In diesem Buch habe ich mir die Anregungen und Inspirationen für wunderschöne Wandertouren gesucht. Danach habe ich mir eine Landkarte daneben gelegt und versucht, herauszubekommen, wie die Route verläuft. Oder ich habe gleich bei Outdooractive geschaut, ob es dort eine Wandertour gibt, die genau die beschriebenen Sehenswürdigkeiten beinhaltet.

Dabei sollte man die Angaben zu den Höhenmetern gut im Blick haben. Auch wenn die Berge in Franken nicht hoch sind, kommt im Laufe einer Wanderung doch einiges an Höhenmetern zusammen. Hinauf auf die Burg, hinab ins Tal und wieder bergauf zu den Felsformationen und wieder bergab zum Brauereigasthof – das ist eine typische fränkische Wanderroute.

Auf jeden Fall habe ich dank des Reiseführers „Fundort Sagen und Legenden in Franken“ wunderschöne Täler, Felsformationen und Burgen entdeckt und dabei jede Menge Schauergeschichten gelesen. Mein Traum wäre jedoch genau so ein Buch mit den GPS-Daten zur Tour zum Herunterladen.

Metropolregion Nürnberg:
Groß denken und die Kleinstädte nicht vergessen

Ich spotte gerne über den inflationären Gebrauch des Begriffs Metropolregion Rhein Neckar. Kaum eine amtliche Verlautbarung oder Pressemeldung, in der nicht auf diese großartige und innovative Region hingewiesen wird. In Zukunft werde ich weniger spotten, denn die Ausdehnung der Metropolregion Nürnberg reicht bis nach Sonneberg in Thüringen. Das nenne ich mal groß gedacht beim Thema Kleinstädte!

Damit umfasst der Reiseführer „Metropolregion Nürnberg“ ein Gebiet, das kaum jemand in einem Urlaub komplett bereisen wird.

Schön finde ich an diesem Buch, das hier auch über die kleinen Städte geschrieben wird, die in den klassischen Reiseführern immer zu kurz kommen. Das Tropfhaus Museum bei Hirschaid zum Beispiel hätte ich sonst nie entdeckt.

Dieser Reiseführer ist ideal, um zu entscheiden, ob es sich lohnt, die Stadt am Wegesrand zu besuchen. Aber auch hier wäre etwas mehr Kartenmaterial von Vorteil.

Ganz Franken ein einziger Brauereigasthof

Vor einiger Zeit habe ich Craft Beer für mich entdeckt. Würde ich in Franken leben, wäre mir das nicht passiert. Ganz ehrlich: ein Franke braucht kein Craft Beer. Das ist nur was für arme Großstadt-Kinder wie mich, die sonst nie an vernünftiges Bier mit Eigengeschmack kämen.

Gefühlt hat jedes fränkische Dorf noch seinen eigenen Gasthof mit Brauerei. Jedes Bier schmeckt anders, keines davon wie eines aus einer Großbrauerei und fast jedes Bier ist nur vor Ort zu bekommen. Ein Paradies!

33 Biere. Eine Reise durch Franken“ stellt genau solche Brauereigasthöfe vor. Sehr vergnüglich liest sich dieses Buch, das mehr ein Bier-Tagebuch als ein informativ-sachlicher Reiseführer ist. Ich werde es bei meinem nächsten Urlaub in Franken garantiert dabei haben, denn noch kenne ich nicht alle Brauereien.

Allerdings wäre es mir recht, wenn ich das nächste Mal nicht die Kachelöfen der Gasthöfe bewundern würde, sondern die Biergärten. Lieber fränkischer Wettergott, wäre das möglich?

Mehr Infos zu den Büchern und weitere Regionaltitel Franken beim Ars Vivendi Verlag


 Gibt es eigentlich ein Definition für Wandern? Dieses Buch hat die Antwort: Wandern. 100 Seiten

Juchhe & Juchhei! Besuch im Dr. Erika Fuchs Museum

Schilder im Erika Fuchs Museum
Ente gut – alles gut: Beschriftungen im Erika Fuchs Museum

Juchhe! Es hat geklappt: Endlich habe ich das Museum für Comic und Sprachkunst, das 2015 in Schwarzenbach an der Saale eröffnet wurde, besucht. *Geräusch quietschender Museumstüren*

Dieses Museum stand auf meiner persönlichen Museumsbesuch-Wunschliste ganz oben. *meins!* Doch Schwarzenbach ist für mich nun wirklich nicht gerade um die Ecke. Eigentlich ist es nur für sehr wenige Menschen gut erreichbar. *schlurf, schlurf* Dr. Erika Fuchs muss das ähnlich empfunden haben, als sie als junge Frau der Liebe wegen genau dort hin zog *schmacht!*

Da saß sie nun mit dem Mann ihres Herzens und zwei kleinen Söhnen *rabääh!*. Gerne hätte sie geforscht. Sie wurde schließlich die Donald-Duck-Übersetzerin, auch wenn der Auftraggeber lieber einen männlichen Professor für die Stelle gehabt hätte.

Faszination Entenhausen, die Sprachkreationen der Übersetzerin Dr. Erika Fuchs und grundlegendes Wissen über die Funktionsweise von Comics: diese drei Themen will das Museum für alle Besucher vom Kind bis zum Erwachsenen abdecken. Keine leichte Aufgabe! *stöhn* Doch das Museum für Comic und Sprachkunst im Erika Fuchs Haus löst diese Aufgabe mit Bravour *klatsch, klatsch*.

Solltet ihr Euch dieses Jahr nur ein Museum anschauen wollen, dann nehmt die lange Anreise in Kauf und besucht dieses!

Belohnt werdet ihr mit einem soliden Einführungsvideo in die Geschichte der Comics und Graphic Novels. Kaum öffnet sich nach dem Film der Vorhang des Saales steht ihr mitten in Entenhausen und könnt diesen Kosmos erkunden. Auch ein Geld-Bad in Onkel Dagoberts Geldspeicher ist möglich. Spielen im Museum erwünscht! *jubel*

Es folgt eine Einführung in die Lebensgeschichte der Dr. Erika Fuchs – natürlich als Comic mit vielen Bild- und Text-Zitaten aus den von ihr übersetzten Geschichten.

Comic zum Anfassen: damit geht es im nächsten Raum weiter. Mimik erkunden und ausprobieren, Alliterationen texten, onomatopoetische Spielereien, Geräusche erfinden und aufnehmen, neue Begriffe generieren, sich an Übersetzungen versuchen oder einfach dem O-Ton von Dr. Erika Fuchs lauschen. Spielstationen und Wissensvermittlung, die sowohl für erwachsene Comic-Fans als auch für Kinder ab dem Grundschulalter funktionieren *juchhe!*.

Danach folgt das Paradies *träum* Zumindest ich stell es mir so vor: eine Bibliothek voller Comics, die alle gelesen werden dürfen! Ich bin dann mal weg *blätter, raschel* und zeige Euch vorher noch ein paar Schnappschüsse aus dem Museum für Comic und Sprachkunst:


Infos zum Museum:

Erika-Fuchs-Haus | Museum für Comic und Sprachkunst
Deutschlands erstes Comicmuseum

Bahnhofstraße 12
95126 Schwarzenbach an der Saale

Beiträge in der Zeit und der FAZ


 Comic-Empfehlungen und Museum-Tipps auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Noch eine Pilgerstätte für Comic-Fans: das Belgische Comic-Zentrum Brüssel

Die Karte wollte lieber auf Mallorca bleiben

Mallorca Handbuch für den Urlaub

Ein guter Freund tröstete uns: Urlaub auf Mallorca kommt in den besten Familien vor.

Recht hat er.

Ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet, einmal mit schwäbischen Rentnern im Flieger nach Malle zu sitzen. Anfang Dezember letzten Jahres war es dann soweit. Um mich herum sonnengegerbte Blondinen, Sport-Aktivisten und Senioren in praktischen Outdoor-Klamotten. Ehrlich – das war wirklich so!

Ich habe die Reise nach Mallorca nicht bereut und das habe ich einmal (weiteren) guten Freunden zu verdanken, die vor Ort waren – und einem sehr guten Reiseführer.

Das Mallorca-Handbuch aus dem Reise Know-How bringt Struktur in das Urlaubsland, das so vielen unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden will: Sonnenanbeter, Party-People, Familien, Senioren, Radfahrer, Naturliebhaber und Menschen, die es sich einfach gut gehen lassen wollen (das beinhaltet gutes Essen). Das sind zum Teil gegensätzliche Interessen. Der Reiseführer aus dem Reise-Know-how Verlag ist jedoch so aufgebaut, dass ich locker alles, was mich nicht interessiert, ignorieren konnte.

Wichtig für mich sind Wanderungen, Spaziergänge, Naturschönheiten, Landschaften, kulinarische Highlights. Dazu bot mir der Reiseführer mehr als genug Anregungen.

Nur die empfohlenen Lokale konnten wir nicht testen. Anfang Dezember haben auf Mallorca 80% der Läden und Lokale geschlossen. Da mich aber 90% davon eh nicht interessiert hätten, hat mich das nicht gestört. Offen haben die Natur und das Licht, die Entspannung und der Himmel, die Ruhe und die Landschaft.

Ich glaube, ich komme wieder. Das richtige Reisehandbuch habe ich ja. Sogar wieder mit Karte. Zurück in Deutschland musste ich nämlich feststellen, dass die Karte aus dem Reiseführer es vorgezogen hatte, auf Mallorca zu bleiben. Kann ich ihr nicht verdenken.

Aber die netten Menschen aus dem Reise Know-How-Verlag konnten mir weiterhelfen. Sie hatten zwar keine PDF-Datei der Karte, wie ich als Online-Nerd gehofft hatte. Aber gegen die Zusendung von Briefmarken haben sie mir die Karte geschickt und der Reiseführer ist nun wieder komplett. Danke dafür – toller Service!


So sah es aus im Dezember auf Mallorca:


Angaben zum Reiseführer:

Hans R. Grundmann

Mallorca
Handbuch für den optimalen Urlaub

Reise Know-How Verlag


GeschichtenAgentin auf Reisen – meine Blogbeiträge und Buchrezensionen


War der erste Pauschlatourist nicht der schwäbische Rentner im Flieger nach Malle, sondern ein Pilger? Solche Fragen beantwortet dieses Buch: TraumZeitReise. Eine Geschichte des Tourismus


Ibiza Happy Hippie Cooking

Ibiza Kochbuch Happy Hippie Cooking

Dringendes Bedürfnis an trüben Februartagen: Sommer herbeilesen. Da zudem gerade meine Küche renoviert wird und ich nicht kochen kann lese ich den Sommer mit einem Ibiza-Kochbuch herbei: Happy Hippie Cooking.

Elke Clörs, die selbst auf Ibiza lebt, stellt Menschen vor, die genau wie sie auf der Insel die Möglichkeit gefunden haben, ihren Traum zu leben. Das hat etwas vom Besuch bei Freunden – bei Freunden mit besonders bunten Wohnungen oder bei solchen, die weit draußen in der Natur leben.

Wenn Freunde sich besuchen wird gefeiert und gekocht. 70 Rezepte, alle miteinander cross-over-mediterran-natürlich-lecker, bei denen aber auch durchaus mal die Heimatländer der happy Hippies eine Rolle spielen: Auberginenauflauf Parmigiana, grüne Bohnen in Tomatensauce mit Paneer, Süßkartoffeltortilla oder Vanilleporridge mit Erdbeeren und Chia. Rezepte von Menschen, die es sich gerne gut gehen lassen.

Unbekümmert leben, kochen, wohnen. Es ist ein sehr persönliches Kochbuch, dass die Menschen mit ihrem Lebensweg und ihren Lebensträumen in den Mittelpunkt stellt; ein sehr buntes Kochbuch voller Bilder, das zum Schmökern und Träumen einlädt. Nebenbei erfährt man auch, was es mit der Kombination von Häkel-Bikinis und Cowboystiefeln auf sich hat und wie sich Ibiza im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Jetzt wünsche ich mir außer Sommer und einer wieder funktionierenden Küche nur noch die Fernsehserie zum Kochbuch. Zugern würde ich all diesen Menschen, die im Ibiza Kochbuch „Happy Hippie Cooking“ vorgestellt werden, zuhören. Zu erzählen hätten sie genug!


Bibliographische Angaben zum Kochbuch:

Elke Clörs

Happy Hippie Cooking Ibiza

Systemed Verlag
ISBN 978-3-95814-025-7


Kochbücher, die ich empfehlen kann: meine Rezensionen hier auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


 Was Hippies bestimmt auch schmeckt: indische Küche!

Kein Steinzeit-Disneyland: Zu Besuch in Lascaux II

T-Shirt Lascaux
Höhlenmalerei auf dem T-Shirt: Mitbringsel aus Lascaux

Ich war skeptisch. Die Originalhöhle von Lascaux musste geschlossen werden, weil die vielen Besucher den prähistorischen Zeichnungen geschadet haben. Deswegen wurde die Höhle von Lascaux eins zu eins nachgebaut. Aus Beton.

Was das dann wohl sein mag – ein Steinzeit-Disneyland? Eine Betonwüste?

Doch die Umschreibung „Nachbau aus Beton“ führt in die Irre. Lascaux fühlt sich sehr lebendig an. Das hat meines Erachtens zwei Gründe: die ungeheure Genauigkeit des Nachbaus und die Art und Weise, wie die Bilder an die Wand gebracht wurden.

In Lascaux wurde nicht einfach eine Höhle aus Spritzbeton hingestellt. Vielmehr wurde die Originalhöhle millimetergenau vermessen und nachmodelliert. Der enge Durchgang zwischen den beiden Höhlenkammern ist auch in Lascaux II ein sehr enger Durchgang. Lediglich der Boden ist ein stolperfreier Turnhallenboden, das ist aber auch das einzige Zugeständnis an moderne Bequemlichkeitsbedürfnisse.

Graffiti mit Röhrenknochen – Künstler in der Steinzeit

Die Bilder wurden auch nicht mit einer modernen Projektionstechnik an die Wand gebracht. Ganz im Gegenteil: es kamen bei der modernen Höhlenmalerei genau die Techniken zum Einsatz, die für die Steinzeit nachgewiesen sind. Die Künstlerin hat exakt die Farben von damals verwendet und exakt die überlieferten Mal- und Zeichentechniken. So wurden auch Federn und Röhrenknochen, durch die die Farbe gepustet wurde, genutzt. Das sorgt für unglaublich lebendige, authentische Bilder.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass unsere Führerin durchgehend von Kunst und Steinzeitkünstlern sprach. Denn genau das sind diese Wandzeichnungen: Kunst, die uns auch heute noch beeindruckt und berührt.

Damit kann ich zum zweiten Mal innerhalb eines Urlaubs den alten Werbespruch der Beton-Industrie zitieren.

Beton – es kommt darauf an, was man daraus macht.

In Lascaux wurde aus dem Werkstoff Beton etwas sehr Beeindruckendes erschaffen. Nach nur wenigen Minuten Aufenthalt in der Höhle hatte ich vergessen, dass es sich um einen Nachbau aus Beton handelt. Von Steinzeit-Disneyland keine Spur!

Besuch im Prähistorischem Museum in Eyzies

Einige Tage zuvor war ich auf Empfehlung des Reiseführers Südwestfrankreich aus dem Michael Müller Verlag im Musée National de Préhistoire, dem Prähistorischen Museum in Eyzies. OK, die Sammlung an Funden aus der Steinzeit ist sehenswert – aber mehr als sehen kann man dort als deutscher Tourist, der der französischen Sprache kaum mächtig ist, nicht. Lange Reihen moderner, sehr gut ausgeleuchtetet Vitrinen voller Knochen und Knöchelchen, Steinen und Steinchen. Mal mit Ritzungen, mal ohne. So stellt es sich einem dar, der wie ich die dazugehörigen Texte in anspruchsvollem, wissenschaftlichen Französisch nicht lesen kann. Einen anderssprachigen Audioguide gibt es nicht.

Einziger Lichtblick sind die Videos: experimentelle Archäologie. Hier wird gezeigt, wie die Werkzeuge aus der Steinzeit hergestellt wurden und wie sie eingesetzt wurden. Jetzt weiß ich, wie mit einem Stück Feuerstein Fell und Haut von einer Hirschkeule geschabt werden. Es würde mich freuen, wenn irgendjemand mal die Outtakes dieser Videoproduktion veröffentlichen würde!

Überzeugt nicht nur mit Infos zu Lascaux:
Michelin Reiseführer Périgord Dordogne

Als Reiseführer für das Perigord kann ich den Michelin empfehlen und vom Michael Müller Südwestfrankreich abraten, denn dieser lässt zuviele Sehenswürdigkeiten aus und ist in seinen Texten und Infos sehr launisch. Der Grüne Michelin Reiseführer Périgord Dordogne hingegen war ein zuverlässiger Begleiter, informativ und übersichtlich.

Gerade bei Lascaux lohnt es sich, zuerst in den Reiseführer zu schauen. Die Eintrittskarten für die Höhle von Lascaux gibt es nämlich nicht am Höhleneingang, sondern im Ort Montignac an der Tourist Info. An Markttagen sollte man einplanen, dass man für die Fahrt zur Tourist-Info ein paar Minuten mehr braucht. Ich bin dank einer gewissen südländischen, flexiblen Organisation gerade noch in der letzten Minute in die letzte deutschsprachige Führung des Vormittags hineingerutscht. Steinzeit-Museumsbesuche können sehr spannend sein!


Bibliographische Angaben zum Reiseführer:

Der Grüne Reiseführer Périgord Dordogne

Michelin Verlag
9783834289216

Informationen zu Lascaux II:

In der SZ gibt es eine Bilderstrecke mit Infos zu Lascaux und Lascaux II.

Diese Webseite informiert darüber, wo und wie man Karten für Lascaux II erhalten kann. Eine Vorab-Reservierung via Internet ist nicht möglich! In der Höhle darf nicht fotografiert werden.

Es gibt deutschsprachige Führungen in Lascaux. Meine war sehr gut und ging weit über das Wiedergeben auswendig gelernter Informationen hinaus.


Updates: Mittlerweile sind wir bei Lascaux IV angekommen. Damit entfällt auch die Rennerei nach den Tickets. Die gibt es jetzt direkt am Museum. Der Höhlennachbau ist überzeugend. Drumherum gibt es jetzt aber deutlich mehr Show.
Die grünen Reiseführer von Michelin gibt es nicht mehr auf Deutsch. Die Reihe wurde eingestellt. Michelin Le Guide Vert wird aber weiterhin auf Französisch verlegt.


Lust auf mehr Beiträge zu Museen? Von Steinzeit bis Moderne: meine Museumsbesuche.


 

Buchs – es kommt darauf an, was man daraus macht: Jardin Eyrignac

Jardin Eyrignac Schattenplatz mit Sichtachse

Kann sich noch jemand an den alten Werbespruch der Zement­wirtschaft erinnern? „Beton – es kommt darauf an, was man daraus macht.“

Buchs war für mich immer so etwas wie der Beton im Garten. Ein williger Werkstoff, der genau zeigt, was der Gärtner alles nicht kann und was der Standort des Gartens alles nicht hergibt.

Die Gärtner aus dem Jardin Eyrignac hingegen zeigen, was jenseits des Reihenhausgartens mit Buchs alles möglich ist: Formschnitt in Vollendung.

Prachtvolle umrandete Wege, Sichtachsen, die den Blick lenken, lauschige Ecken, Umrahmungen für üppig blühende Beete, geheime Gartenzimmer, schattige Plätze und von der Sonne beschienen Plätze. Dieser Garten bietet einfach alles, was mit Buchs möglich ist und das in einer Formvollendung, wie ich sie noch nirgendswo gesehen habe. Auch in Großbritannien nicht.

Im Jardin Eyrignac gibt es kein welkes Blatt, keine zerzaustes Ästchen, keinen krummen Zweig. Nur Perfektion. Und freies WLAN – zumindestens im vorderen Teil des Gartens – und jemanden, der Instagram-Bilder mit dem #eyrignac wahrnimmt und darauf reagiert.

Bei so viel Pflegeaufwand wundert es nicht, dass Jardin Eyrignac 12,50€ Eintritt kostet (Stand 2015). Ob der Garten das wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich war auf jeden Fall beeindruckt.

Möge der Buchsbaumzünsler dort niemals ankommen!

Mein Buchs im eigenen Garten darf aber auch weiterhin wild vor sich hinwuchern und den hässlichen Maschendrahtzaun des Nachbarn verdecken. Das macht er nämlich ohne Formschnitt ganz hervorragend.


Informationen zum Garten:

Jardin Eyrignac

Les Jardins du Manoir d’Eyrignac
24590 SALIGNAC Dordogne – Périgord

Webseite Jardin Eyrignac

Selfie im Jardin Eyrignac
Selfie im Jardin Eyrignac

Eine süffig zu lesende Geschichte der Gartenkunst bietet dieses Buch: Lord Findlater und die Gärten seiner Zeit.