Die Memoiren der Jella Lepman, Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek

Jella Lepman - Biografie

Die Nazis nahmen ihr die Heimat und das Verhalten der deutschen Bürger machte sie fassungslos. Doch als das amerikanische Militär bei Jella Lepman 1945 anfragte, ob sie bereit wäre, sich in Deutschland für die „Re-Education“ der Frauen und Kinder zu engagieren, sagte sie ja. Dabei folgte sie der Logik des Herzens: Was auch immer während der Nazi-Diktatur geschehen war, die Kinder waren nicht schuld. Ihre Hoffnung war groß: Die Kinder werden den Erwachsenen den Weg weisen. Das Werkzeug dafür: Bücher. Kinderbücher aus aller Welt, die mit ihren Geschichten zeigen, dass alle Menschen gleich sind und es verdient haben, in Frieden zu leben. Das war die Geburtsstunde der IJB, der Internationalen Jugendbibliothek München, die sich heute in der Blutenburg in Obermenzing befindet. In „Die Kinderbuchbrücke“ erzählt Jella Lepman von der Rückkehr in das zerbombte Deutschland, von hungernden Kindern, von engagierten Mitstreitern und von Erwachsenen, die versuchten, die Zeit der Nazi-Diktatur und…

weiterlesen

Dagmar sucht das Glück und findet nur ein personalisiertes Buch

Kinderbuch personalisiert: Dagmar sucht das Glück. Hier könnte auch dein Name stehen.

In den 90er Jahren boten wir in der Buchhandlung bereits personalisierte Kinderbücher an. Der Name des Kindes erschien auf dem Cover und auf einigen Seiten im Buch – das war es. Wenn ich mich recht erinnere, lag dem Ganzen ein Franchise-Modell zugrunde. Wir bekamen die Maschinen für Druck und Bindung und die Rohlinge geliefert, für den Vertrieb mussten wir selbst sorgen. Unser Einsatz für den Verkauf der Bücher hielt sich jedoch in Grenzen. Wir waren alle miteinander Buchhändler geworden, weil wir gute Geschichten liebten. Die Geschichten, die in den personalisierten Kinderbüchern erzählt wurden, entfachten unsere Leidenschaft nicht. Zudem sahen wir mit unserem erwachsenen Blick genau, wo der Name des Kindes in das bereits bestehende Buch hineingedruckt wurde. Für mich hatten diese Bücher keinen Zauber. Das war damals – wie wird heute personalisiert? Heute würde ich den Büchern ihren Herstellungsprozess nicht mehr ansehen – dank Digitaldruck. Wir „dengelten“ die Kinderbüchern mit…

weiterlesen

Eigentlich für Kinder, aber: Frankfurter Museumsarchitektur – anschaulich erklärt

Museen in Frankfurt und ihre Architekur. Museumsarchitektur erklärt für Kinder

OK, es dürfte nur wenige Kinder geben, die ihre Eltern mit Fragen wie „Warum hat das Museum so ein spitzes Dach? Wieso hat dieses Museum Säulen und das hier keine?“ löchern. Dafür gibt es um so mehr Erwachsene wie mich, die sich freuen, wenn komplexe Zusammenhänge einfach erläutert werden. So wie in dem Buch „Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder.„ Museen müssen praktisch sein, sie sind Landmarken, Orte, an die man sich erinnert und Erinnerungsorte, sie sollen zeigen, dass der Stifter ein toller Hecht war. Vor allen Dingen soll Museumsarchitektur schon von außen auf das aufmerksam machen, was im Museum steckt. So kommt es, dass Museen und ihre Architektur fast immer im Gedächtnis bleiben. Die Staatsgalerie in Stuttgart ist die mit dem grünen Boden und den rosa Röhren, dass Rheinische Landesmuseum in Trier hat zwei seltsam dreinblickende Figuren über dem Eingang und die Bundeskunsthalle in Bonn seltsame Türmchen auf dem Dach.…

weiterlesen

Der Buchkönig und ich: eine Glücksgeschichte

Wenn es eine Göttin des Bloggens gibt (Saraswati, bist Du das?) dann meint sie es gut mit mir. Sie beschert mir Glücksfälle wie (in chronolgischer Reihenfolge) den Hugendubel-Buchblog, Blogger schenken Lesefreude, den Kinderbuchlotsen und den Buchkönig. Gerade der Buchkönig hat mich in diesem Jahr wieder zum Staunen gebracht. Nicht, weil alle Leser und die gesamte Buchbranche unserem ideellen Preis für Bilderbücher und Kinderbücher aus Kleinverlagen zujubelt (wir arbeiten daran) – mein ganz persönliches Buchkönig-Wunder kommt anders zustande. Als ich vor knapp 4 Jahren den Buchhandel den Rücken zukehrte dachte ich mir: endlich kann ich lesen, was ich will, ohne mir gleich überlegen zu müssen, ob es verkäuflich ist. Klingt banal, hat sich aber als gar nicht so leicht umsetzbar herausgestellt. Wenn ich nicht mehr lesen muss, was neu auf den Markt kommt und von mir verkauft werden will – wonach suche ich dann meine Lektüre aus? Ganz ehrlich: ich hatte…

weiterlesen

Bilderbücher für Erwachsene oder vom Vorteil, zwei Blogs zu betreiben

Buchtipps vom Buchkind

Manchmal begegnen mir, wenn ich in meiner Blog-Identität als Buchkind unterwegs bin, Bilderbücher, die nicht so recht auf den Kinderbuch-Blog wollen. Das sind meist sehr schön illustrierte Bücher, bei denen mir aber die Geschichte zu wenig im kindlichen Erleben verwurzelt ist. Doch manche dieser Bilderbuch-Schätzchen gehen mir trotzdem nicht aus dem Kopf, denn sie besitzen einen Zauber, eine magische Verbindung von Illustration und Geschichte. Sie verdienen also auf jeden Fall eine Rezension – aber lieber unter einer Rubrik namens „Bilderbücher für Erwachsene„. Grundsätzlich ist mein Vertrauen in die Fähigkeit von Kindern, sich auf Geschichten aller Art einzulassen und sie für sich passend zu adaptieren, sehr groß. Es liegt also nicht an den Kindern – denn es liegt nie an den Kindern – das ich bei diesen Bilderbüchern unsicher bin, wie ich sie besprechen soll. Ich kann mir bei diesen Bilderbuch-Schätzchen nicht so recht vorstellen, auf welchen Wegen sich Kinder dem…

weiterlesen

Philip Ardagh – Familie Grunz – Rezension

Kinderbuch Familie Grunz hat Ärger Band 1

„Wenn Du so schlau werden willst wie Vati, denk nicht so viel!” Familie Grunz hat Ärger und wir haben den Spaß Schubladen vereinfachen das Leben. Nicht schön, aber wahr. Aber in welche Schublade würde dieses Kinderbuch passen? Kurze Antwort: das ist nicht so einfach. Vielleicht trägt die passende Schublade für das Buch „Familie Grunz“ die Beschriftung „Olchis auf Speed“. Das mag zwar passend sein, aber eine Vereinfachung ist das nicht. Was könnte noch passen? Ich stelle mir folgende Lesesituation vor: Ein Vater mit einem dibbel-schisserischen Vorgesetzten. Voll mit Bürofrust. Sein Sohn. Seinem Englisch-Lehrer ist die Handschrift wichtiger als der kreative Umgang mit dem Vokabular. Beide sitzen in einer Wohnung ohne Gardinen in einem Haus voller Nachbarn, denen die Kehrwoche heilig ist. Sie lesen. Gemeinsam (man wird ja noch träumen dürfen …) Und lachen, lachen, lachen – bis das Lachen in glucksendes Grunzen übergeht. Ich versuche es jetzt noch einmal mit…

weiterlesen

Wie Erwachsene entdecken können, wie Kinder die Welt entdecken – Weltwissen der Siebenjährigen – Rezension

„Wie Kinder die Welt entdecken können“ – so lautet der Untertitel von Donata Elschenbroichs Buch „Weltwissen der Siebenjährigen“. Mir ging es bei der Lektüre vor vielen Jahren jedoch darum, wie ich als Erwachsene die Sicht der Kinder auf die Welt entdecken könnte. Und da hat mir dieses Buch wirklich die Augen geöffnet … Doch der Reihe nach. Damals wollte ich mal wieder etwas ganz genau wissen. Wie sehen Kinder die Kinderbuchabteilung, in der ich arbeite? Wie sehen sie die Bücher? Was interessiert sie? Und warum? Wie treffen sie ihre (Kauf)Entscheidungen? Und wie kann ich als Buchhändlerin ein Kind beraten? Auslöser war damals, dass ein paar mal zu oft ein Beratungsgespräch damit endete, dass das Kind die Klappentexte las und dann nach dem Cover auswählte … das ging gegen meine Berufs-Ehre. „Weltwissen der Siebenjährigen“ war für mich eines der wichtigsten Bücher – vorsicht, Pathos – es hat meinen Blick auf meine Kinderbuchabteilung…

weiterlesen

Das dicke Urmel Buch oder: fröhlich scheitern beim Vorlesen

Meine derzeitige Lektüre (und damit der Start meines Buch-Blogs) ist ein Kinderbuch-Klassiker: Das Urmel von Max Kruse.Nicht wirklich verwunderlich, da ich ja jetzt für „Urmel – Richtig gutes Spielzeug“ arbeite. Natürlich wollte ich genau wissen, wo ich eigentlich gelandet bin – und dabei eine Bildungslücke schließen! Ich kann mich an das Urmel nicht erinnern. Augsburger Puppenkiste habe ich nie geschaut (war ein fernseh-armer Haushalt), aber dass das Buch an mir vorbei gegangen ist, finde ich verwunderlich. Gefühlt habe ich schließlich damals die ganze Bücherei leergelesen! Ähnlich wie Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt war Urmel für die Buchhandels-Kunden nicht so wirklich ein Must-Have-Kinderbuch-Klassiker. Bücher wie „Die kleine Hexe“ und „Lukas, der Lokomotivführer“ spielen da in einer ganz anderen Liga. Urmel war immer das Buch für die Fans, das besondere Kinderbuch. Darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Aber jetzt, da ich es lese, erschließt sich mir die Kunden-Logik. Urmel vorlesen ist…

weiterlesen