Wie wird aus einem Ein-Raum-Museum ein lebendiger Ort? Das Literaturmuseum Augusta Bender in Schefflenz macht es vor

Damit ein Museum ein lebendiger Ort ist, braucht es Ideen. Das gilt für alle Museen der Welt. Aber für eines, das sich in Schefflenz, einem kleinen Dorf mit knapp 4000 Einwohnern im Odenwald, befindet, um so mehr. Wenn das Hauptthema des Museums dann noch Augusta Bender ist, eine Schriftstellerin, von der kaum jemand etwas gehört hat, erst recht. Das Literaturmuseum Augusta Bender ist so ein lebendiger Ort. Wie konnte das gelingen? Es erzählt das Leben der Augusta Bender packend nach und bietet dabei viele Anknüpfungspunkte. Menschen, die an Heimatgeschichte interessiert sind, Literaturinteressierte, Feministinnen, Odenwald-Touristen, Kinder und Jugendliche, die wissen wollen, wie man früher lebte oder einfach nur Menschen, die ungewöhnliche Biografien lieben – für sie ist das Museum bestens geeignet. Denn es bietet sehr viele unterschiedliche Einflugschneisen, Möglichkeiten, mit seinem eigenen Leben an damals und an die Lebensgeschichte von Augusta Bender anzuknüpfen. Obwohl das Museum nur einen großen Raum belegt…

weiterlesen

Anselm Kiefer ganz nah: Museum Haus Kiefer in Rastatt-Ottersdorf

Anselm Kiefer hat das Haus, in dem er aufgewachsen ist, zum Museum gemacht und ich war dort. Dieser Satz klingt harmlos. Aber so ist es nicht. Das Erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an Kunst von Anselm Kiefer denke, ist Monumentalität. Überwältigung. Vielschichtigkeit. Die komplette Menschheitsgeschichte – Götter, Mythen, Lyrik, Weltkriege und gescheiterte Entnazifizierung – zu Kunst verdichtet. Große Menschheitsthemen. Doch sein Elternhaus, das jetzt zum Museum wurde, ist klein. Stimmt das? Im kleinen Rastatt-Ottersdorf ist es eines der größeren Häuser. Früher war es eine Schule, dann Wohnungen für Lehrer. Kann dieser Ort die Bilder von Anselm Kiefer überhaupt aufnehmen? Ja, er kann – und genau das ermöglichte mir einen ganz neuen Zugang zum Werk Anselm Kiefers. Ein Ort ohne Eile, an dem das Sonnenlicht über alte Dielen wandert Rastatt-Ottersdorf ist beschaulich. Das Museum für den großen Künstler ist schon da, die Hinweisschilder werden irgendwann folgen. Gemach,…

weiterlesen

Ohne Museen, ohne mich: 10 gute Gründe für einen Museumsbesuch

Ich war im Museum. Ja, schon wieder. Bevor ihr jetzt denkt, ich hätte ein ernsthaftes Problem (oder sei einfach nur hoffnungslos langweilig), lasst mich euch versichern: Ich weiß genau, was ich tue! Museumsbesuche sind mein kleines Laster – nur eben deutlich günstiger als Shopping und weniger schweißtreibend als Marathon laufen. Hier sind meine zehn persönlichen Gründe, warum ich regelmäßig ins Museum gehe. So betrachtet sind Museen Fitnessstudios für Körper und Geist, Inspirationsquellen, soziale Treffpunkte und Türöffner zu neuen Welten. Hier findet ihr meine Museumstipps. Habt ihr ein Lieblingsmuseum, das ich mir unbedingt anschauen sollte? Eine kleine Auswahl an Museen, die ich euch ans Herz lege:

weiterlesen

Museum Wagenschwend: Reise in die Odenwälder Vergangenheit

gerät aus dem alten friseur-salon im museum wagenschwend: eine Trockenhaube

Die Anreise zu den Urlaubsorten meiner Kindheit dauerte keine Stunde. Der Odenwald war das Ziel. In Hammelbach oder Kröckelbach wurde Quartier bezogen. Gewandert wurde auf der Tromm und im Café-Bauer-Tal. Nebenbei haben wir im Sommer Nibelungen-Brunnen gezählt und im Herbst Walnüsse gesammelt. Wer sich etwas gönnen wollte, fuhr bis zum Katzenbuckel, der damals ein touristisches Zentrum war. Das dürfte der Grund sein, warum Touren durch den Odenwald bei mir zuverlässig nostalgische Gefühle auslösen. Mein Besuch im Dorfmuseum in Wagenschwend am Katzenbuckel hat das jetzt noch gesteigert. Kleines Museum, große Wunderkammer Vorneweg: Es gibt einen Audioguide für das Heimatmuseum. Mit ihm kann man die Ausstellung bestimmt systematisch erkunden. Ich habe natürlich die Systematik ignoriert und bin frei durch das Haus gestreunt. Insbesondere der Keller samt Küche war für mich ein Paradies. Hier dürfen die Dinge einfach sein. Manches wie das Lot sieht aus, als läge es schon immer da. Anderes, als…

weiterlesen

August Macke – Paradies? Paradies!

Das, was nur außerhalb der vier Wände meiner Wohnung und außerhalb meines Hirn stattfinden kann, fehlt. Die Anregungen, die Beobachtungen, die Begegnungen und alles, was nur im Zusammenspiel entsteht – ich vermisse es. So sehr, dass ich jetzt doch bereit war, mich auf ein Zoom-Kultur-Event einzulassen. Mein Fazit vorneweg: Es war inspirierend und ich werde lange davon zehren können. Aber es hat mir genauso schmerzlich bewusst gemacht, wie sehr mir das draußen fehlt. Ich will wieder in Bilder hineinfallen können. Vor ihnen ruhig verweilen. Oder auch auf und ab tigern, um zu beobachten, wie andere Blickwinkel das Bild verändern. Ich will die Struktur des Pinselstrichs sehen können und mir einbilden, die Farbe zu riechen. Ja, ich möchte sogar wieder fremde Museumsbesucher beobachten können, ihre Wortfetzen hören und an ihrem Gesicht ablesen können, ob das Kunstwerk sie berührt. Die beste Kuratorenführung und das aufmerksamste Zoom-Publikum sind dafür kein Ersatz. Das weiß…

weiterlesen

Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen. Katalog zur Ausstellung.

In diesem Jahr leide ich definitiv an Vitamin-M-Mangel. Museen und Reisen kamen zu kurz. Aber immerhin habe ich das geschafft, was wir Wessis meiner Meinung nach immer noch viel zu selten tun: Ich war im Osten unterwegs. Diesmal führte mich die Route von Leipzig aus über Land nach Zwickau. Gelockt hat mich die große Landesausstellung „Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen.“ Wer die Ausstellung verpasst hat: Der Katalog ist ein guter Ersatz! Er fasst das Wichtigste aus den einzelnen Ausstellungen in Zwickau, Chemnitz, Freiberg, Crimmitschau und Oelsnitz zusammen und bietet zusätzlich vertiefende Essays. Wie immer bei Ausstellungskatalogen liest sich das mal besser, mal schlechter. Aber die gelegentliche Mühe lohnt sich, bietet das Buch doch eine Fülle von Herangehensweisen an das Thema Industrialisierung, Industrie- und Sozialgeschichte in Deutschland: Barock & Berggeschrey: die ersten Silberfunde und die Geschichte des Bergbaus in Sachsen Garn & Globalisierung: von der Handweberei zur Plauener Spitze. Maschinenbau…

weiterlesen

Leere Räume, Kunst erwartend: die neue Kunsthalle Mannheim

Blick aus der neuen Kunsthalle Mannheim auf die Jugendstil-Anlage am Wasserturm

Wie ist sie nun geworden, die neue Kunsthalle Mannheim? Die Räume, das Licht und die Blicke nach draußen sind großartig. Ich habe mich gleich dort wohlgefühlt. Der Lichthof ist eine wahre Pracht und die Kunstwerke, die dort schon hängen, sind klug gewählt. Die Instagram-Gemeinde hatte jetzt schon Spaß damit! Nur von außen ist die neue Kunsthalle Mannheim keine Schönheit und nein, sie fügt sich weder harmonisch in das Jugendstil-Ensemble am Wasserturm ein, noch setzt sie einen mutigen Kontrapunkt. Sie ist einfach nur da. Allein das Lichtspiel der Fassade könnte interessant werden. An diesem trüben Tag im Dezember wirkte die Außenhülle leicht verschwommen. Fast wie im Nebel, ein Avalon der Kunst. Das erschien mir vielversprechend – vielleicht hat die Fassade ja eine eigene Stimme und möchte uns etwas erzählen? Zum Tag der offenen Tür, dem preopening vor der eigentlichen Eröffnung im Sommer 2018, war wohl ganz Mannheim gekommen. Die Räume haben…

weiterlesen

Farewell Photography – Foto Biennale – Hack Museum

Biennale für aktuelle Fotografie 2017 – Farewell Photography. Hack Museum Ludwigshafen

Nein, das Wilhelm Hack Museum hat nicht vergessen, aufzuräumen. Das gehört so und ist Teil der Biennale für aktuelle Fotografie Mannheim / Ludwigshafen / Heidelberg. Die Ausstellung im Hackmuseum war die erste, die ich mir innerhalb der Biennale angeschaut habe. Hier geht es stark um den technischen Prozess des Fotografierens und seine Auswirkung auf das Bild. Nun, das war das erste Problem, das ich mit der Ausstellung hatte: das ist nicht nur nicht mein Blickwinkel auf Fotografie, es ist ein mir sehr fremder Blickwinkel. Aber das macht ja nichts, ganz im Gegenteil. Kunst entdecken kann ich überall und neue Blickwinkel probiere ich gerne aus. Das zweite Problem begegnete mir gleich am Anfang der Ausstellung. Die einführende Texte sind sehr abgehoben und ohne Vorkenntnisse kaum zu erfassen. Das kenne ich von diesem Museum so gar nicht. Sonst helfen die Texte hier sehr, einen Zugang zur Kunst zu finden. Womit wir beim…

weiterlesen

Die andere Seite – Ausstellung im Hack-Museum

Hack Museum Ludwigshafen - ausstellung die andere Seite

Stellt Euch vor, ihr kommt in ein Museum und merkt schon auf der Treppe, die zum Ausstellungsraum hinunter führt, dass diesmal etwas anders ist. Ist da nicht ein Geräusch? Plätscherndes Wasser? Ein Geruch? Frisches Holz, das nass geworden ist? Ihr werdet zielstrebig an den Highlights vorbei gehen, mit denen die Ausstellung eröffnet: Drucke von Alfred Kubin, die zu seinem Buch Die andere Seite gehören. Das macht nichts, ihr werdet eh mehrmals durch die Ausstellung kreisen und habt damit genug Gelegenheit, die Bilder von Kubin zu genießen. Doch euer Ziel auf diesen Runden durch das Museum wird jedesmal das Kunstwerk sein, das ihr schon beim reinkommen erahnt habt: Sans titre (Le Refuge) von Stéphane Thidet.   Ich behaupte, dass es so kommen wird, weil es eigentlich allen Teilnehmer beim zweiten Instawalk des Hack-Museums, dem #hackwalk_02, so erging. OK, ich war ein klein wenig stur und habe mich zuerst hingesetzt und ein wenig im Buch…

weiterlesen

Tomás Saraceno: Fotografieren im Museum erwünscht!

Museumsselfie. Tomás Saraceno Ausstellung im Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen.

Na, das ist doch mal eine Ausstellung nach meinem Geschmack: Tomás Saraceno – Aerosolar Journeys. Fotografieren ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. So sehr erwünscht, dass am Eingang zur Ausstellung gleich ein Schild steht, dass die passenden Hashtags nennt. Die Ausstellung lässt den fliegenden Skulpturen von Tomás Saraceno viel Raum. Platz zum drumherum gehen, zum sich darunter legen, zum Ausprobieren, zum Blickwinkel wechseln. Alle Skulpturen bewegen sich allein durch die Thermik. Ein Lufthauch genügt und schon verändert sich etwas: ein Glitzern, eine neue Reflexion, ein Hauch einer Bewegung, ein Wehen, ein leises Rascheln. Tomás Saraceno verbindet Forschung und Kunst. An seinen Projekten sind auch Wissenschaftler und Architekten beteiligt. Ziel ist eine realisierbare Utopie; das Mittel dazu ist Kunst, die die Welt verändern kann, und die glitzernden, schwebenden und raschelnden Skulpturen sind die Einladung an den Museumsbesucher sich gemeinsam mit Künstlern und Forschern auf den Weg zu machen. Impressionen aus der Ausstellung,…

weiterlesen

Eigentlich für Kinder, aber: Frankfurter Museumsarchitektur – anschaulich erklärt

Museen in Frankfurt und ihre Architekur. Museumsarchitektur erklärt für Kinder

OK, es dürfte nur wenige Kinder geben, die ihre Eltern mit Fragen wie „Warum hat das Museum so ein spitzes Dach? Wieso hat dieses Museum Säulen und das hier keine?“ löchern. Dafür gibt es um so mehr Erwachsene wie mich, die sich freuen, wenn komplexe Zusammenhänge einfach erläutert werden. So wie in dem Buch „Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder.„ Museen müssen praktisch sein, sie sind Landmarken, Orte, an die man sich erinnert und Erinnerungsorte, sie sollen zeigen, dass der Stifter ein toller Hecht war. Vor allen Dingen soll Museumsarchitektur schon von außen auf das aufmerksam machen, was im Museum steckt. So kommt es, dass Museen und ihre Architektur fast immer im Gedächtnis bleiben. Die Staatsgalerie in Stuttgart ist die mit dem grünen Boden und den rosa Röhren, dass Rheinische Landesmuseum in Trier hat zwei seltsam dreinblickende Figuren über dem Eingang und die Bundeskunsthalle in Bonn seltsame Türmchen auf dem Dach.…

weiterlesen

Rheinisches Landesmuseum Trier

Eingang zum Rheinischen Landesmuseum Trier

Ein großes, begehbares Geschichtsbuch: so kam mir das Rheinische Landesmuseum in Trier vor. Eines dieser Museen, bei denen man sich erinnern sollte, dass es keinerlei Verpflichtung gibt, sich jedes einzelne Schaustück anzuschauen. Geht auch gar nicht, denn dazu gibt es einfach zu viele Funde im Raum Trier. Ein wenig Frühzeit, sehr schöne Objekte aus der Zeit der Kelten, etwas über die Franken, das Mittelalter. Dazwischen vor allen Dingen Römer in allen Varianten: Leben und lieben, wohnen und arbeiten, Krieg und Spiele. Landesmuseum Trier – viele Scherben und gute Gründe, römischen Wein zu meiden Bei einer solchen Fülle ist es schwierig, einzelne Objekte im Gedächtnis zu behalten. Das hier blieb bei mir hängen (völlig unsortiert und subjektiv): Kurz: Besuch lohnt sich, Zeit mitbringen. Informationen zum Rheinischen Landesmuseum Trier findet Ihr hier auf der Webseite. Ohne Museen, ohne mich! Egal, wie das Wetter ist, ob zuhause oder im Urlaub: Ich bin eine leidenschaftliche…

weiterlesen