
Anselm Kiefer hat das Haus, in dem er aufgewachsen ist, zum Museum gemacht und ich war dort. Dieser Satz klingt harmlos. Aber so ist es nicht. Das Erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an Kunst von Anselm Kiefer denke, ist Monumentalität. Überwältigung. Vielschichtigkeit. Die komplette Menschheitsgeschichte – Götter, Mythen, Lyrik, Weltkriege und gescheiterte Entnazifizierung – zu Kunst verdichtet.
Große Menschheitsthemen. Doch sein Elternhaus, das jetzt zum Museum wurde, ist klein. Stimmt das? Im kleinen Rastatt-Ottersdorf ist es eines der größeren Häuser. Früher war es eine Schule, dann Wohnungen für Lehrer. Kann dieser Ort die Bilder von Anselm Kiefer überhaupt aufnehmen?
Ja, er kann – und genau das ermöglichte mir einen ganz neuen Zugang zum Werk Anselm Kiefers.
Ein Ort ohne Eile, an dem das Sonnenlicht über alte Dielen wandert
Rastatt-Ottersdorf ist beschaulich. Das Museum für den großen Künstler ist schon da, die Hinweisschilder werden irgendwann folgen. Gemach, die Landschaften der Rheinauen sind ja auch nicht innerhalb eines Jahres entstanden. Ich betone das nur, weil ich euch einstimmen möchte. Dieser Ort folgt keiner Museumslogik. Es ist eine persönliche Angelegenheit zwischen dem Künstler und seiner Kindheit. Wir können daran teilhaben – wenn wir bereit sind, uns darauf einzulassen.
In den kleinen Räumen kommt man den Bildern nahe. Statt Monumentalität auf einmal Intimität. Statt Überwältigung Nahbarkeit. Statt Menschheitsgeschichte Dialog. Aus meinem großen Staunen, wie ich es im Anblick von „Sephiroth“ im Foyer der Kunsthalle Mannheim erlebt habe, wurde ein stilleres, lächelndes Staunen.
Zwischendurch habe ich die Sonne beobachtet, wie sie über den Holzfußboden von Haus Kiefer wandert. Dann kehrte mein Blick zu den Kunstwerken zurück und irgendwann war alles eins – Elternhaus, Kunst, Geschichte, Landschaft.
Leicht gemacht hat es mir die Dame des Hauses. Wie eine Gastgeberin schaute sie mehrmals nach uns und erzählte uns von sich aus etwas über das Haus und die Kunstwerke. Dabei gab sie uns keinen Blick, keine Deutung vor, sondern ging ganz empathisch auf unsere eigenen Beobachtungen ein. Danke dafür!
Nähe statt Monumentalität: für mich ein neuer Zugang zur Kunst von Anselm Kiefer
Mir hat die Intimität des Elternhauses gezeigt, dass auch bei Anselm Kiefer das Monumentale aus dem Kleinen erwachsen ist. In diesem kleinen Haus in Ottersdorf kehren die Bilder zurück zu den Anfängen, zur Kindheit, zu den Fragen, die uns ein Leben lang begleiten. Wer seiner Kunst wirklich begegnen möchte, sollte diesen Ort besuchen. Ohne Eile. Ohne Erwartung. Einfach da sein.




Nützliche Tipps für den Besuch im Haus Kiefer:
Das Wichtigste zuerst: Es gibt nur Tickets mit Zeitfenster. Diese müssen zuvor online gekauft werden! Vor Ort gibt es keine Museumskasse. Die Bestätigungsmail für den Ticketkauf kam bei mir in einer charmanten Mischung aus Deutsch und Französisch daher. Um die Tickets herzunterzuladen musste ich den Button „telécharger“ nutzen. (Darauf hatte mich mein Schul-Französisch nicht vorbereitet!)
Website des Museums: Haus Kiefer Rastatt
Öffnungszeiten:
Freitags 10h – 17h
Samstags 14h – 17h
Adresse notieren, da die Hinweisschilder noch fehlen:
Haus Kiefer
Friedhofstr. 1
76437 Rastatt-Ottersdorf
Einen informativen und stimmungsvollen Beitrag zum Museum findet ihr hier beim SWR
Nach dem Besuch im Anselm Kiefer Museum in Rastatt war klar: Ich will unbedingt auch La Ribaute sehen, das Anselm Kiefer Museum in Barjac, Frankreich. Wobei der Begriff Museum absolut nicht passt. La Ribaute ist ein 40 Hektar großes Ateliergelände, ein Landschaftspark, ein Kunst-Labor und ein Zuhause für Gemälde und Skulpturen, die gerade nicht ausgestellt werden. In Rastatt zeigt sich Anselm Kiefer im Kleinen und Nahbaren. In Barjac hingegen ist alles groß und überwältigend.
Aber es gibt eine Frage, die sich alle stellen:
Wie bekomme ich Tickets für La Ribaute, die Anselm Kiefer Foundation in Barjac?
Anselm Kiefers Ateliergelände kann nur an wenigen Tagen mit Führung besucht werden, die in Französisch, Englisch und Deutsch angeboten wird. Die Touren gibt es in zwei Varianten. Die kurze dauert zweieinhalb Stunden und es wird eine kuratierte Auswahl aus rund 70 Kunstwerken gezeigt. Außerdem gibt es auch eine ganztägige Tour.
Doch egal, für welche Variante ihr euch interessiert: Wer jetzt seinen Frankreich-Urlaub plant, wird merken, dass für dieses Jahr alle Touren ausgebucht sind. Hinfahren und auf Rest-Tickets hoffen ist sinnlos. Eintrittskarten für La Ribaute gibt es wirklich nur online auf der Website der Anselm Kiefer Foundation. Vor Ort in Barjac gibt es noch nicht einmal ein Kassenhäuschen.
Wie ist es mir gelungen, die begehrten Tickets zu bekommen? Ich habe mich für den Newsletter der Anselm Kiefer Foundation angemeldet. Der Trick: Es gibt zwei Zeitfenster im Jahr. Anfang des Jahres werden die Tickets freigeschalten und sind spätestens nach 14 Tagen komplett weg, Ganztages-Tickets noch schneller. Im Sommer gibt es eine zweite Phase, in der noch einmal Rest-Tickets aus Stornierungen zu haben sind. Auch darüber informiert der Newsletter.
Anschließend habe ich meinen Urlaub um den Besuch drumherum geplant – und ja, es hat sich gelohnt! Ich wünsche euch viel Glück bei der Jagd nach Tickets für La Ribaute, die Anselm Kiefer Foundation in Barjac. Auf das ihr bald selbst Kiefers Himmelspaläste bestaunen könnt!

Nützliche Tipps für den Besuch in La Ribaute in Barjac, Südfrankreich
- Das Wichtigste zuerst: Tickets gibt es ausschließlich online über die Anselm Kiefer Foundation – vor Ort in Barjac gibt es nicht einmal ein Kassenhäuschen.
- Meldet euch für den Newsletter der Foundation an, um keine Freischaltung zu verpassen. Anfang des Jahres werden die Tickets vergeben – und sind oft innerhalb weniger Stunden komplett weg. Im Sommer gibt es eine zweite Chance: Dann werden Rest-Tickets aus Stornierungen freigegeben, worüber der Newsletter ebenfalls informiert.
- Website der Foundation: eschaton-foundation.com
- Saison: Mitte April bis Ende Oktober (mit Sommerpause aus gutem Grund: Anselm Kiefer arbeitet viel mit Blei, das in der August-Hitze schmelzen und Dämpfe absondern kann)
- Touren: Mittwochs, donnerstags und freitags, ausschließlich mit Guide
- 2,5-Stunden-Tour oder Ganztagestour
Ohne Museen, ohne mich: 10 gute Gründe für einen Museumsbesuch – und Grund 10 führte mich dann vom Haus Kiefer in Rastatt nach Baden-Baden in das Frieder Burda Museum

