Selbstwert-Generator

Der Selbstwert-Generator im Einsatz
Im Handumdrehen zu einem starken Selbstwert mit selbst erstellten Affirmationen.

Natürlich steckt hinter dem Selbstwert-Generator fundiertes, psychologisches Fachwissen – schließlich kommt er aus dem Carl Auer Fachverlag und wurde von Michael Bohne, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Sabine Ebersberger, Coach, Sozialwissenschaftlerin und Kunsttherapeutin entwickelt.

Aber dem Spielkind in mir ist das jetzt schon mehrere Wochen schnurz. Wir bilden munter Sätze und haben Spaß mit dem, was dabei entsteht:

Hundertprozentig begreife auch ich, dass ich meine Grenzen deutlich setze.

Ganz spontan macht sich der Gedanke breit, dass es immer eine Alternative gibt.

Höchstwahrscheinlich ist es nicht nur Kür, sondern auch meine Pflicht anzuerkennen, dass mir Erfolg und Souveränität gut stehen.

Was auf diese spielerische Art entsteht, sind Affirmationen, kraftvolle Glaubenssätze aus den Bereichen positive Selbstbeziehung, Abgrenzung & Autonomie, Perfektionismus & Sicherheit sowie Erfolg. Immer drei Klappkarten bilden einen Satz, 216.000 Kombinationen sind möglich.

Diese kann man einsetzen, um schwächenden Glaubenssätzen und negativen Kernüberzeugungen Paroli zu bieten und diese durch frische, wohltuendere Varianten zu ersetzen.

Bei mir steht der Tischaufsteller links am Schreibtisch. Mindestens einmal pro Woche bilde ich mir einen neuen Satz, der mich dann durch den Arbeitstag begleitet. Derzeit steht dort:

Gott sei Dank komme ich nicht umhin zu erkennen, dass nur ich weiß, was gut für mich ist.

Auf Instagram habe ich noch ein paar Varianten der letzten Tage gezeigt:

Im Video des Verlags, dessen Einleitung leider etwas lang geraten ist, seht ihr noch weitere Kombinationen:

Für mich eine schöne Alternative zu den Spruch- und Orakelkarten, mit denen ich mir sonst gerne mein Wochenmotto zusammenstelle!

Weitere Infos:

Michael Bohne, Sabine Ebersberger


Der Selbstwert-Generator
Im Handumdrehen zu einem starken Selbstwert

Tischaufsteller

Carl Auer Verlag

Das mochte mein inneres Spielkind auch sehr:
Gamification als Lebensprinzip

Patti Smith – M-Train

Die Taschenbuchausgabe von m-Train von Patti Smith im Kerzenlicht.

Manchmal gefällt ein Buch, gerade weil es nicht der Erwartungshaltung entspricht. Anscheinend hatte ich mit nach der Lektüre von just Kids ein Bild gemacht, wie Patti Smith erzählt und schreibt. Nun, M-Train ist anders. Während in just Kids noch konkrete Erlebnisse und biographische Reflexionen im Mittelpunkt stehen, ist M-Train viel mehr ein Blick ins Gemüt der Künstlerin und kommt mit erstaunlich wenig konkreter Handlung aus. Das war für mich gelinde gesagt ungewohnt und so habe ich, obwohl ich das Buch vom ersten Kapitel an großartig fand, eine Weile gebraucht, um mich darin zurechtzufinden.

Bewusst wurde mir mein Fremdeln mit der Erzählweise erst gegen Ende. Da fällt ein für mich geradezu magischer Satz:

Ich habe in meinem eigenen Buch gelebt. Einem Buch, das die vergangene und zukünftige Zeit festhält.

Patti Smith, M-Train

Wer so lebt, dem fehlt das Jetzt. Doch schreiben, kreativ sein, ist nur im Jetzt möglich.

Für mich war das der Schlüsselsatz: M-Train wirkt auf mich wie ein Versuch, den eigenen Schaffensprozess anhand eines besonderen Jahres zu verstehen, in dem die Kreativität zum erliegen kam.

Wer ein Buch schreiben will, muss zuerst das eigene Buch verlassen und wieder hinaus ins Leben treten.

Jetzt will ich immer noch alle anderen Bücher von Patti Smith auch lesen, aber ich glaube, ich brauche erst mal eine Pause. Die ich mit ihrem Instagram-Account fülle, der so wunderbar zwischen Poesie und Realität flimmert.

Infos zum Buch:
Patti Smith
M-Train
Erinnerungen

Fischer Taschenbuch


Mehr über Patti Smith auf meinem Blog:

Just Kids. Warum habe ich das nicht schon viel früher gelesen?
Patti Smith – Godmother of Punk


Diese Geschichte wäre nicht vollständig ohne dieses Bild.

Polaroids von Michael Dörr mit Mainzer Buchhandlungen.

Polaroids von Michael Dörr von Mainzer Buchhandlungen, ein Buchgutschein zu meinem 50. Geburtstag. M-Train war eines der Bücher, die so zu mir kamen. Danke!

Beweg dich und dein Gehirn sagt danke!

Manchmal frage ich mich, ob ich mit dieser Art Sachbuch-Lektüre eine verborgene masochistische Ader pflege. Oder warum lese ich mehr Bücher über Bewegung, als ich mich tatsächlich bewege?

Andererseits war die Lektüre alles andere als eine Qual. Gehirnforschung anschaulich dargestellt, locker erzählt und hervorragend illustriert – dieses Buch macht schlicht und einfach Spaß!

Die Kernbotschaft ist schnell zusammengefasst: Bewegung hält unser Gehirn gesund. Die frohe Botschaft dabei: Damit ist nicht unbedingt Sport gemeint! Das, was unser Gehirn gesund hält, ist Ausdauerbewegung. Wie viel es davon braucht, hängt wohl eher von der persönlichen Fitness ab. Bei Senioren ist es der tägliche Spaziergang, bei jüngeren Menschen die große Runde mit dem Fahrrad.

Die schlechte Nachricht dabei: Regelmäßigkeit ist wichtig. Die ganze Woche im Büro sitzen und am Wochenende Höhenmeter machen mag zwar besser als gar keine Bewegung sein, aber dieser Rhythmus ist nicht das, was unser Gehirn gerne hätte. Das bevorzugt die tägliche Dosis Ausdauersport.

Liebe Neurowissenschaftler, wie findet man so etwas eigentlich heraus?

Doch wenn sich die Kernbotschaft so schnell zusammenfassen lässt, warum braucht es dann ein ganzes Buch dafür, um das zu erklären? Weil Dr. Manuela Macedonia die Menschen kennt und genau weiß, dass klare Ansagen ohne Argumente keine Verhaltensänderungen herbeiführen.

Deswegen erläutert sie detailliert, wie unser Gehirn funktioniert und welche Mechanismen dafür sorgen, dass es sich fortlaufen selbst reparieren kann. All das lässt sich mit gesunder Lebensführung, ausgewogener Ernährung und ausdauernder Bewegung positiv beeinflussen.

Besonders spannend fand ich ihre Beschreibungen der Forschungen und Versuchsanordnungen, die zu diesen Erkenntnissen führten. Dabei bedankt sich Dr. Manuela Macedonia bei all den Wissenschaftlern, von denen sie selbst lernen durfte, und macht immer wieder die Leistungen von Wissenschaftlerinnen sichtbar.

Doch der Clou waren für mich das Layout und die Illustrationen! Die gelb markierten Stichwörter im Text und die farblich darauf abgestimmten, leicht cartoon-artigen Zeichnungen helfen ungemein beim Verständnis.

Und jetzt? Habe ich schon wieder lieber eine Buchbesprechung geschrieben als spazieren zu gehen. Hmpf. So wird das nie was mit der Hirn-Fitness!

Infos zum Buch:

Manuela Macedonia

Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke
Wie wir schlauer werden, besser denken und uns vor Demenz schützen
Anti Aging für den Kopf: Tipps und Tricks für besseres Denken von der Neurowissenschaftlerin


Brandstätter Verlag

Eine ausführliche Rezension findet ihr auch bei Spektrum.
In diesem Zusammenhang auch interessant: meine Artikel über Alltagsbewegung und Sturzprophylaxe.

Vincent Klink – Erinnerungen eines Kochs

Biografie: Vincent Klink Sitting Küchenbull Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs

„In den eigenen Bauch investieren“ ist kein Rat in Zeiten von Niedrigzinsen, sondern eine Lebensweisheit von Vincent Klink. Er, der dank oder wegen seines Vaters schon mit 24 Jahren sein eigenes Restaurant hatte, hat offensichtlich gründlich in seinen Bauch investiert und ist mit seiner Frau quer durch Frankreich und Italien gereist, um zu erleben, was Meisterköche servieren. Für ihn war das die Fortsetzung seiner recht kurzen Ausbildungszeit. Respekt vor Handwerkskunst und Lust, über den Tellerrand zu schauen, prägen seit dem seine Art zu kochen.

Sitting Küchenbull – Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs“ ist ein Buch, das man nicht hungrig lesen sollte. Auch ein Glas Wasser als Getränk zum Buch passt nicht, denn es wird üppig geschlemmt und reichlich getrunken. Ansonsten gibt Vincent Klink sich große Mühe, sich selbst als toller Hecht darzustellen. Doch das nimmt man ihm sofort ab, denn seine Anekdoten sind nicht nur amüsant, sie spiegeln auch perfekt seine Lebensphilosophie wieder.

Für Buchmenschen wie mich gibt es ein Bonuskapitel, in dem er erzählt, wie durch einen Anruf bei Loriot letztendlich zuerst der kulinarische Almanach „Die Rübe“ im Haffmanns Verlag entstand und wie diese sich dann zur kulinarischen Zeitschrift „Häuptling eigener Herd“ wandelte.

Sitting Küchenbull – Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs“ ist eine spaßige Lektüre, in der die Wirtschaftswunderzeit, die kulinarische Entwicklung Deutschlands und schwäbische Eigenheiten eine große Rolle spielen. Leseempfehlung – und jetzt mache ich mir was zu essen.

Infos zum Buch:

Vincent Klink
Sitting Küchenbull – Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs

Rowohlt Taschenbuch

Appetit bekommen? An diesem Buch war Vincent Klink auch beteiligt:

Weihnachten – nach der Art von Wiglaf Droste, Nikolaus Heidelbach und Vincent Klink

Make „Mädchen“ great again

Riot Grrrl Revisited Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung

Mädchen war für mich immer ein guter Begriff, gerade zu ein Ehrentitel. Mädchen – das bedeutet für mich unbändige Kraft, Offenheit und Lebenslust. Als Mädchen entdecken wir die Welt und probieren aus, was wir vom Leben wollen. Wir haben die Möglichkeit, alles auszutesten: Wir können auf den Baum klettern oder ihn malen. Wir können mit den Jungs raufen oder mit ihnen die Welt verändern. Wir können alles sein, wir müssten uns nur entscheiden. Aber wir haben noch Zeit – wir müssen noch gar nichts.

Als ich das erste Mal von einer Frau ermahnt wurde, weil ich mich und meine Kolleginnen als Mädels bezeichnet habe, war ich perplex. Sie wiederum war irritiert, warum mir nicht bewusst war, dass Mädchen ein Begriff ist, der erwachsene Frauen klein macht. Es folgte eine lange, bereichernde Diskussion. Seit dem passe ich auf, in welchem Kontext ich Begriffe wie Mädchen, Mädels oder Girls verwende.

Interessant war, dass ich mich in der Diskussion nicht dran erinnern konnte, warum Mädchen für mich durch und durch positiv belegt ist. Das erste, was mir einfiel, waren meine schwulen Freunde, die sich selbst als Mädels bezeichneten. An die Riot Grrrls habe ich in dem Moment nicht gedacht. Was daran liegen könnte, dass ich ihre Musik und ihre Werte eher unbewusst inhaliert hatte. Als Bewegung habe ich sie nie wirklich wahrgenommen.

Riot Grrrls – als Mädchen für ein paar Sommer ein Ehrentitel war

Was bei mir in Deutschland von der Riot Grrrl Bewegung in Clubs, Musikpresse und Radio ankam, waren nur aus dem Kontext gerissene und in sich verdrehte Bruchstücke. Hole und L7, die Bands, die ich damals am liebsten hörte, zählten sich selbst auch gar nicht zu den Riot Grrrls. Solche Zusammenhänge wurden mir erst durch das Buch „Riot Grrrls revisited – Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung“ bewusst.

Wie die Bewegung eigentlich entstand, was für eine Infrastruktur an Fanzines, Clubs und freiem Radio dafür nötig war, darüber informiert das Buch Riot Grrrls revisited sehr, sehr gründlich. Detaillierte Recherche und klug gewählte Interviewpartnerinnen zeigen, was für eine Kraft die Musikerinnen damals frei setzten. Der Kontrast zwischen dem, was die Riot Grrrls wollten, und dem, was ihnen die Musikpresse andichtete, ist krass. Und lehrreich.

„Die Revolution besteht darin, mit deinen besten Freundinnen den Spielplatz zu erobern. Du hängst mit dem Kopf nach unten an der Stange und alles Blut strömt dir in den Kopf. Ein euphorisches Gefühl. Die Jungs können deine Unterwäsche sehen, aber uns ist es egal.“
Zitat – Bikini Kill. Aus dem Buch „Riot Grrrls revisited.“

Und was blieb übrig?

Auf die Riot Grrrls folgte Girl Power und die Spice Girls fluteten die Mädchenzimmer mit Merchandising. Die Presse atmete auf, denn Mädchen waren ab da vor allem wieder niedlich und damit deutlich weniger gefährlich. Was ich, als Tank-Girl-Fan, für eine Fehleinschätzung halte.

Wurde die Strahlkraft und Energie der Riot Grrrls durch die darauf folgende Welle an Niedlichkeit ausgelöscht? Nein. Spuren der Riot Grrrls finden sich auch heute noch. Sie haben genug Mädchen und Frauen ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen. Das wirkt immer noch nach. Auch das macht das Buch sichtbar.

Make „Mädchen“ great again!

In einer Zeit, in der Bücher zum inneren Kind sich jahrelang auf der Sachbuch-Bestsellerliste halten, wäre meine Hoffnung, dass mehr Menschen ihr inneres Mädchen entdecken und ihm wieder die Freiheit geben, die es damals als Riot Grrrl lautstark eingefordert hat.

Ich freue mich auf jeden Fall darauf, auch irgendwann mit 90 Jahren noch Mädelsabende zu feiern und mich und meine Freundinnen voller Stolz als Mädchen bezeichnen zu können! In diesem Sinne: Make „Mädchen“ great again!

Infos zum Buch:

Katja Peglow / Jonas Engelmann (Hg.)

Riot Grrrl Revisited
Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung
Erweiterte Auflage des Standardwerks


Ventil Verlag

Bücher, die bestens dazu passen:

50 Werkzeuge für gute Texte

Roy Peter Clark Die 50 Werkzeuge gutes Schreiben Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter

Wie lernt man, gute Texte zu schreiben? Darüber habe ich in letzter Zeit viel mit meinen Agentur-Kolleginnen diskutiert.

Talent mag die Basis sein, aber meiner Meinung nach ist texten vor allem Handwerk.

Daher passt die Haltung, die ein Buchtitel wie „Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben. Handbuch für Autoren, Journalisten und Texter.“ ausdrückt, für mich perfekt.

Handwerk und Werkzeuggebrauch kann man lernen. Üben, üben und noch einmal üben meint Malcolm Gladwell dazu und nennt einen Aufwand von 10.000 Stunden.

Roy Peter Clarke wird dem sicherlich nicht widersprechen: Er liefert in seinem Buch jede Menge Übungsaufgaben gleich mit.

Die ich, wie das meistens bei mir der Fall ist, weitesgehend ignoriere. Ich gehe mit seinen Tipps lieber gleich in die Praxis und arbeite direkt an meinen Blog-Beiträgen, SEO-Texten, Klappentexten, Pressemeldungen und allem, was ich sonst noch schreibe.

Denn das ist für mich das Tolle an dem Buch: Diese Tipps sind universell einsetzbar – egal ob Roman, Presseartikel oder privates vor sich hin schreiben. Die meisten anderen Büchern beleuchten nur einen bestimmten Aspekt wie Stil, Journalismus oder Romane.

Das hier zum Beispiel könnte direkt aus einer Anleitung für gute Online-Texte stammen – passt aber auch für viele andere Textformen:

Packen Sie das Beste an den Anfang und den Schluss, verbergen Sie weniger Wichtiges in der Mitte!

Aus: Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben
Das A und O, Seite 31

Doch in einem Punkt stellt mich das Buch vor ein Rätsel: Ich habe es gebraucht bei Medimops erstanden. Wer um Himmels willen hat denn dieses Buch verkauft? So etwas gehört in die Handbibliothek!

Infos zum Buch:

Roy Peter Clark

Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben
Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter


Autorenhaus Verlag

Mehr Buch-Tipps auf meinem Blog:

Sturzprophylaxe? So alt bin ich doch noch nicht!

Carol Clements: Besser in Balance
Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag | Gesund und fit in jedem Alter | für mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden | Balance üben, Stürze vermeiden und aktiv bleiben!Besser in Balance
Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag | Gesund und fit in jedem Alter | für mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden | Balance üben, Stürze vermeiden und aktiv bleiben! Das Buch balanciert auf einem gen Decke ausgestrecktem Fuß.

Warum greift jemand wie ich, noch fit und beweglich, zu einem Buch, das sich mit Gleichgewichtsübungen im Alltag befasst und sich eher an Senioren richtet?

Bei mir waren es gleich zwei Gründe – Alltagsbewegung und Sturzprophylaxe – wenn auch mit sehr unterschiedlichen Geschichten dahinter, die ich beide erzählen möchte.

Eines vorneweg: Ich habe „Besser in Balance – Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag“ mit viel Gewinn gelesen.

Bequemlichkeit und Bewegungsarmut im Alltag

Durch meinen Wechsel vom Einzelhandel in einen Bürojob habe ich gelernt, wie schnell ein Mensch sich in einem neuen, bequemeren Leben einrichten kann. Bewegungen wie in die Hocke gehen, die früher zum Berufsalltag gehörten, waren auf einmal nicht mehr notwendig. Bald knackste das Knie, die Gelenke wurden steif. Unglaublich, wie schnell so etwas passiert! Noch erschreckender fand ich, wie leicht ich das mit einem Schulterzucken abtat – ist halt so, das Alter, ich werde auch nicht jünger.

Seit dieser Erkenntnis versuche ich, bereits in meinen Alltag mehr Bewegung einzubauen. Die Treppe wurde mein Freund, der Wäschekorb meine Hantel – darüber hatte ich hier schon geschrieben.

Carol Clements ist mir eine Schwester im Geiste. Ihre Übungen sind kein Sport, sondern kleine Zusatzbewegungen zu Bewegungsabläufen, die wir eh schon machen. Neu herausgepickt habe ich mir aus ihrem Programm das „rückwärts durch die Wohnung laufen“ – genau das richtige für mein inneres Spielkind.

In diesem Buch habe ich wirklich viel Material gefunden, wie ich Bewegungsarmut vermeiden kann, ohne dafür Sport machen zu müssen. Das ich damit Koordination und Gleichgewicht verbessere, ist ein erfreulicher Nebeneffekt.

Motorisches Lernen und Sturzprophylaxe

Der Zeitpunkt, an dem meine Eltern das Buch hätten lesen sollen, ist leider schon einige Jahre verstrichen. Und das obwohl Carol Clement mit ihren Übungen auf sehr niedrigem Niveau einsteigt: Die Füße nach dem Duschen gründlich abtrocknen und dabei auch zwischen den Zehenräumen massieren oder im Bett liegend die Knie angewinkelt zum Bauch ziehen. In Mini-Schritten geht es weiter durch ihr 10-Wochen-Programm bis wir am Ende bei Übungen wie Liegestütz an der Fensterbank oder Ausfallschritt-Kniebeuge mit festhalten an der Stuhllehne sind.

Mit ihrem Programm für mehr Balance habe ich viel darüber gelernt, wie Bewegungen aufgebaut sind. Genau deswegen war das Buch für mich ein gutes Buch! Im Tai-Chi habe ich damals erfahren, dass ich jede Bewegung, die ich langsam machen kann, auch schnell machen kann – umgekehrt funktioniert das nicht unbedingt. Mit diesem Buch habe ich Grundlagenforschung betrieben und gelernt, auf welcher Basis Balance aufbaut. Der kleinste Teil davon ist Kraft. Achtsames Spüren, wo ich mich gerade im Raum befinde, Koordination und Beweglichkeit, im Sinne von sich drehen und strecken können, sind viel wichtiger. Das gibt Sicherheit und aus Sicherheit entsteht Balance. So funktioniert Sturzprophylaxe und nicht so, wie damals bei meiner Oma, die für ihre Rollator-Ausflüge einen gepolsterten Lederhelm tragen sollte.

Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Ratgeber, der mich noch eine Weile begleiten wird.

Infos zum Buch:

Carol Clements

Besser in Balance
Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag | Gesund und fit in jedem Alter | für mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden | Balance üben, Stürze vermeiden und aktiv bleiben!

Copress Verlag

Die wahre Geschichte der Popmusik

On the Wild Side.
Die wahre Geschichte der Popmusik von Martin Büsser

Für die gut 200 Seiten von „On the wild side – die wahre Geschichte der Popmusik“ habe ich Wochen gebraucht, weil ich ständig unterbrechen musste, um Musik zu hören.

Ich glaube, ein größeres Kompliment kann ich Buch und Autor kaum machen.

Schon alleine der Anhang ist den Preis des Buches wert: Eine Auswahl stilbildender LPs von 1966 bis 2004, die Martin Büsser jeweils mit einem prägnanten Satz beschreibt.

Big Black – Songs about Fucking
Provokantes, musikalisch wegweisendes Album des späteren Starproduzenten Steve Albini: sägende Gitarren zu wummernder Drumbox zwischen Post-Punk und Prä-Techno.

Martin Büsser: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik

Oder das hier:

The The – Soul Mining
Vielleicht die einzige Band, der es gelang, den Blues im Wave-Kontext auferstehen zu lassen.

Martin Büsser: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik

Kein Wunder, dass ich ständig seinen Analysen hinterher hören musste!

Doch in diesem Buch geht es um mehr als Musik – es geht um Musikgeschichte und ihre Einordnung in soziale und politische Bewegungen. Also nicht nur Futter für die Ohren, sondern für den ganzen lesenden Menschen. Mehr dazu in der großartigen Buchbesprechung hier bei kritisch lesen.

Ein ganzes Album hören – eine fast verlernte Kulturtechnik

Während ich in letzter Zeit Musik fast nur noch in Form von Playlists oder Einzelsongs hörte, brachte es diese Lektüre mit sich, dass ich mir wieder komplette Alben angehört habe. Ich gestehe: Ich bin aus der Übung und erwische mich regelmäßig dabei, dass meine Aufmerksamkeitsspanne gar nicht mehr so lange reicht. Das muss sich ändern, denn ich habe die Plattentipps aus dem Buch noch lange nicht durch!

Erst danach kann ich mit meiner Mission „Ich will alles von Martin Büsser lesen“ weitermachen …


Infos zum Buch:

Martin Büsser

On the Wild Side
Die wahre Geschichte der Popmusik


Ventil Verlag


Noch ein Grundlagenwerk: Verschwende deine Jugend.


Alles nur Fassade – Architektur deuten lernen

Alles nur Fassade? Bestimmungsbuch für moderne Architektur. Wurde dieses Gebäude in den 50er-, 70er- oder doch eher 80er-Jahren erbaut? Und wie nennt man eigentlich den Stil? Brutalismus, Hightech, Postmoderne? 
Die Architekturhistorikerin Turit Fröbe zeigt, dass es ganz leicht ist, Antworten auf diese Fragen zu finden – wenn man weiß, wo man hinsehen muss: zuerst auf die Fenster, alles weitere kann man davon ableiten!

Natürlich ist es schön, sich einfach so durch eine Stadt treiben zu lassen. Laufen, atmen, schauen. Das genügt völlig. Eigentlich.

Noch schöner finde ich es aber, sich durch eine Stadt treiben lassen, den Blick zu öffnen und nach Strukturen Ausschau zu halten.

In Berlin fasziniert mich zum Beispiel jedes Mal der Rhythmus der Stadtviertel: Wohngebiet, Park, Häuser aus unterschiedlichen Jahrzehnten und dann, wenn es wieder mehr Läden gibt, kann die nächste U-Bahn-Station nicht mehr weit sein. Mit einher gehen Geschichten voller Leben, die sich in den Straßen einer Stadt widerspiegeln.

Architektur erzählt ebenfalls Geschichten über die Stadt und die Menschen. Man muss sie nur lesen können. »Alles nur Fassade?« Ist ein Wörterbuch für solche Geschichten.

Schau dir die Fenster an – Architektur deuten lernen

Die Fassade ist bei Stadtspaziergängen das, was wir auf jeden Fall erblicken können. Wenn wir denn hinschauen. Einem Jugendstilgebäude fällt es leicht, unseren Blick auf sich zu ziehen. Ein Gebäude aus den 50er Jahren weckt unsere Aufmerksamkeit vielleicht so gerade eben noch mit einem nierenförmig geschwungenen Vordach oder einem Mosaik rund um die Eingangstür. Doch an vielem gehen wir achtlos vorbei, weil wir es nicht deuten können.

»Alles nur Fassade?« war für mich ein Blick-Öffner. Ich schaue mir seit dem tatsächlich sogar meine Heimatstadt anders an. Turit Fröbe öffnet einen ganz einfachen Zugang zur Architektur: schau dir die Fenster an. Davon ausgehend kannst du das ganze Gebäude anhand von verwendeten Materialien und der Formen deuten und abschätzen, wann und warum es gebaut wurde. Die Methode ist ebenso einfach wie großartig – eine Sehschule für Stadtflaneure (und Flaneusen)

Und dann entdeckst du deine Heimatstadt im Buch

Reformarchitektur, neues Bauen, Moderne, High-Tech – zu jeder architektonischen Stilrichtung und Epoche werden ikonische Gebäude vorgestellt.

Ausschnitt aus der Fassade des Stadthaus in Mannheim, N1. Laut Turit Fröbe eine Ikone der Postmoderne.
Stadthaus Mannheim. Postmodern ist es auf jeden Fall.

Meine Heimatstadt Mannheim hat es auch in das Buch geschafft, wenn auch ausgerechnet mit einem Gebäude, mit dem kaum ein Mannheimer etwas anfangen kann, und das, was die Nutzung der Flächen angeht, eine einzige Fehlplanung war: das Stadthaus in N1, eine Ikone der Postmoderne.

Doch gerade die Quadrate rund um N1 bieten sich für einen architektonischen Stadtspaziergang à la Turit Fröbe an, denn dort findet man auf engstem Raum sehr viele unterschiedliche Architekturstile. Buch lesen, loslaufen, Blick heben – entdecken und staunen! Ich habe es genossen.

Infos zum Buch:

Turit Fröbe
Alles nur Fassade?
Das Bestimmungsbuch für moderne Architektur

176 Seiten, 500 farbige Abbildungen
Dumont Verlag

Auch dieses Buch war für mich ein Blicköffner:
Schule des Sehens – Peter Jenny

Und wem die moderne Architektur nicht so wirklich gefällt, der darf gerne Tag für Tag eine Bausünde abreißen – wirklich!

Turit Fröbe
Der Abrisskalender
366 Bausünden zum Abreißen
Dumont Verlag


Noch mehr gute Gedanken zur modernen Architektur findet ihr in diesem Buch: Platz nehmen.

Fein. Ruhig. Wohltuend. Ein Monat auf dem Land.

Ein Monat auf dem Land von J.L. Carr.  Ein moderner Klassiker der englischen Literatur

Ein Monat auf dem Land – der Buchtitel könnte in die Irre führen. Daher eines vorneweg: Das hier ist kein britischer Landhauskitsch. Ganz im Gegenteil.

„Ein Monat auf dem Land“ von J.L. Carr ist etwas ganz anderes: Es ist fein. Ruhig. Wohltuend. Es erzählt von der unglaublichen Fähigkeit des Menschen, wieder ganz zu werden. Sich zu heilen. Sogar dann, wenn er die Schrecken der Schützengräben überlebt hat und nur der Körper heil blieb.

Alles, was er zur Genesung braucht, ist Ruhe. Eine sinnvolle, schöpferische Tätigkeit mit den Händen. Die Kraft der Natur. Und die Aussicht, das Liebe möglich sein könnte. All das gibt es für den, der bereit ist zu finden, im August auf dem Land reichlich.

Doch die Liebe, sie muss nicht Wirklichkeit werden. Das ist nicht nötig. Die Ahnung, dass sie existiert, genügt. Am Ende zieht jeder seiner Wege. Eines Tages, an einem anderen Ort, wird alles zueinander passen. Wenn nicht so, dann ganz anders. Das nennt sich Leben.

Infos zum Buch:

J.L. Carr
Ein Monat auf dem Land

Dumont Verlag

Eine ausführliche Rezension findest Du auch bei Lust auf Lesen.

Wenn Du ruhige Bücher magst, dann könnte Dir dieses hier gefallen:
Die schönen Dinge siehst Du nur, wenn Du langsam gehst

Scharnow. Der Rhythmus, bei dem ich mit muss

Bela B. - Scharnow -  Roman.

Ist es möglich, über Scharnow von Bela B. Felsenheimer zu schreiben, ohne Querverbindungen zur Band Die Ärzte zu knüpfen? Ich will es versuchen.

Schön schräg. Das wäre ein umfassendes Fazit, damit wäre eigentlich alles über den Roman gesagt. Aber selbst für meine Verhältnisse wäre das etwas knapp und kürzer als ein Punk-Song wäre es auch. Gut, dann eben mehr.

Was mir an Scharnow richtig gut gefallen hat, war der Blick auf die Menschen. Jede Figur hätte man auch als komplett gescheiterte Existenz zeichnen können. Aber sie dürfen ihre Würde behalten und jeder von ihnen ist zur Veränderung fähig. Deswegen besteht Hoffnung, immer und überall und für jeden in Scharnow. Letztlich kommt es im Leben darauf an, das Herz am rechten Fleck zu haben und dementsprechend zu handeln. Den Liebenden fällt das leichter, die anderen brauchen Schockmomente.

Davon gibt es in Scharnow genug. Die wenigsten davon sind subtil. Ich hätte den Splatter nicht gebraucht, überraschend kam er nicht. Die Anspielungen auf Trash und B-Movies waren an mich eh vergeudet – ich dürfte nur einen Bruchteil davon verstanden haben.

Dann, wenn die Handlung den Eindruck erweckt, dass sie das Höchstmaß an Verwirrung erreicht hat, kommen Aliens ins Spiel. Das passt, trotzdem wünsche ich mir, dass Bela B. sich in seinem nächsten Roman nicht auf außerirdische Hilfe verlässt, sondern seine Handlungsfäden selbst wieder entwirrt.

Womit klar ist: Ich würde durchaus ein weiteres Buch von ihm lesen. Trotz des mit unter seltsamen Frauenbildes (Frauen haben ein großes Herz und sind für die Organisation des Alltags zuständig) – aber ganz ehrlich: Die Männer kommen auch nicht besser weg. Ausgleichende Ungerechtigkeit für alle.

Lesen würde ich es, weil mir der Beat von Scharnow so gut gefallen hat. Zwei Schritte vor, Break, einer zurück und dabei exakt den Takt der vorletzten Strophe aufgreifen. Das Buch hat seinen eigenen Rhythmus, der von einem bestimmten Instrument geprägt ist. Aber genau darüber wollte ich ja nicht schreiben …

Infos zum Buch:

Bela B. Felsenheimer

Scharnow

Heyne Hardcore

Hintergründe zum Roman und ein Bericht über die Lesung in der Alten Feuerwache Mannheim.

Lust auf mehr schräges Zeug?

Die Kräuter in meinem Garten

Die Kräuter in meinem Garten - 800 Seiten Buch aus dem Freya Verlag

Ich gestehe: Die meisten Kräuter in meinem Garten wurden aus kulinarischen Gründen gepflanzt – Salbei, Lorbeer, Thymian.

Manche auch, weil ich statt Vorgarten einen Sandstreifen habe, der sich in der prallen Mittagssonne stark aufheizt.

Hier wuchert Rosmarin, der sich offensichtlich wie zuhause fühlt und froh ist, dass er nicht von wilden Ziegen zurück gebissen wird.

Ich bin mir der Heilwirkung der Kräuter wohl bewusst. Nichts hilft bei mir so gut gegen Wetterfühligkeits-Kopfschmerz wie ein Mädesüß-Tee. Doch die Blüten in meinem Garten überlasse ich lieber den Hummeln und Bienen und hole mir den Tee in der Apotheke.

Ein paar mal habe ich Heilkräuter gesammelt – Lindenblüten zum Beispiel. Wisst ihr, wie klebrig die sind? Das Trocknen wollte nicht so recht klappen und im Endeffekt sind sie dann doch wieder im Garten gelandet, auf dem Kompost. Die einzige Heilpflanze, von der ich immer einen großen Vorrat habe, ist Salbei. Kein Wunder: Wenn ich den nicht zweimal im Jahr kräftig zurückschneide, überwuchert er mir das ganze Kräuterbeet.

Doch so alle paar Jahre denke ich mir: Du solltest mehr mit Kräutern machen als nur Tee und Inhaliersalz.

Die Kräuter in meinem Garten – was für ein Wälzer!

800 Seiten Buch geben mir das sichere Gefühl: Es ist viel mehr möglich. 500 Heilpflanzen, 2000 Anwendungen, 1000 Rezepte. Ich fühle mich ein wenig erschlagen.

Wie nähert man sich einem so umfassenden Standardwerk? In meinem Fall blätternd. Bilder betrachtend. Pflanzen ratend. Ich bin überrascht, wie viele ich kenne.

An denen bleibe ich hängen. Lese. Freue mich, dass neben den informativen Texten und botanischen Fakten auch der Kurzweil seinen Platz findet. Unter »Magisches« wird vom Volksglauben erzählt und alte Geschichten weitergetragen. Ich mag das. In kleinen Infokästen wird auf Hildegard-Medizin, TCM und Homöopathie eingegangen. Ab und an gibt es einen Garten-Tipp. Den meisten Platz nehmen natürlich die Anwendungen und Rezepte ein. Vieles davon klingt machbar – selbst für mich.

Das Buch und ich, wir sind uns also sympathisch. Einen Haken hat die Sache natürlich doch: Ich muss 5 cm Platz in meinem Regal mit den Gartenbüchern schaffen. Erst dann kann »Die Kräuter in meinem Garten« von Siegrid Hirsch und Felix Grünberger so richtig bei mir einziehen. Dann schauen wir, ob aus der Sympathie eine innige Freundschaft wird und ich tatsächlich Rezepte und Anwendungen umsetzen werde!

Wobei, der Rosmarin müsste eh mal wieder zurückgeschnitten werden – lass mal schauen: Rosmarin-Tee, Rosmarinwein, Massageöl, Tinktur, Salbe, Räuchern …

Infos zum Buch:

Sigrid Hirsch & Felix Grünberger

Die Kräuter in meinem Garten
500 Heilpflanzen, 2000 Anwendungen, 1000 Rezepte, Botanik, Anbau, Magisches, Homöopathie, Hildegardmedizin, TCM, Volksheilkunde

Freya Verlag

Noch mehr Buch-Tipps:

Zuerst wollte ich ja in der Zwischenüberschrift statt „Wälzer“ das schöne pfälzische Wort „Wescher“ verwenden, denn dann hätte der Beitrag gut zu dieser Empfehlung für ein weiteres Buch aus dem Freya Verlag gepasst:

Waldbaden – warum das für Pälzer Krischer eine gute Idee wäre

Hier findet ihr noch mehr Bücher und Beiträge zum Thema Natur und hier die schönste Rezension, die ich je geschrieben habe: Black Box Gardening und die Geschichte mit der Akelei.