Von Spinnen und Menschen. Eine verwobene Beziehung

Von Spinnen und Menschen. Das Buch liegt an einem metallenen Spinnennetz in einem herbstlichen Garten

Ich mag Spinnen. Als Kind konnte ich tote Spinnen anfassen und lebende Spinnen über meine Hand laufen lassen. Ein wenig ging mir das verloren. Heute zögere ich und bedauere das gleichzeitig sehr.
Der Autor Jan Mohnhaupt schreibt über beide Seiten, über die Lebensweise der Arachniden und über unseren Blick auf diese Tiere. Biologie und Kulturgeschichte gehören für ihn zusammen. Verbunden wird beides durch die Faszination, die Spinnen ausüben. Denn wirklich neutral verhält sich kaum ein Mensch bei diesem Thema.

Die Spinne, die fast bei uns wohnte

Die erste Spinne, die ich bewusst über einen längeren Zeitraum beobachtet habe, hatte ein Netz vor unserem Küchenfenster. Meine Mutter entschied, dass sie bleiben darf. Wir nannten sie Thekla, nach der Spinne aus der Zeichentrickserie Biene Maja, und freuten uns über jede Stechmücke, die sich im Spinnenetz verfing. In meiner Erinnerung wohnte Thekla lange bei uns. Aber wahrscheinlich gab es viele Theklas und dadurch deutlich weniger Schnaken in der Wohnung. Von dieser Forschung wusste ich damals noch nichts:

Nimmt man etwa einen Hektar Wiese in Mitteleuropa, so finden sich darauf im besten Falle 1,3 Millionen Spinnen, die geschätzte 200 Kilogramm Insekten jährlich fressen.

Jan Mohnhaupt, Von Spinnen und Menschen. S. 65

In der Zeit fand ich heraus, dass die Nachbarjungs, mit denen ich spielte, von ihren Müttern einen anderen Blick auf Spinnen gelernt hatten. Sie ekelten sich und ich präsentierte ihnen tote Spinnen. Was man eben so macht als einziges Mädchen in einer Jungsclique.

Ist es kompliziert? Unsere verwobene Beziehung zu Spinnen

Auf gerade mal 200 Seiten folgt Jan Mohnhaupt den verwobenen Fäden zwischen Spinnen und Menschen. Symbolik und Träume, Sprache und Kunst, Forschung und Geschichte. Spinnen im Weltraum und im Keller. Menschen, die mit Spinnen verglichen wurden, und Menschen, die mit ihnen zusammenleben. Die Angst vor diesen Tieren und die Freude in Kulturen, in denen Spinnen als gutes Omen gelten.

Nicht nur, dass ich mit dem Buch viel über Spinnen gelernt habe – ich konnte auch wieder an meine kindliche Neugier anknüpfen. Mohnhaupt verurteilt weder die Angst noch romantisiert er die Faszination. Genau diese Haltung machte sein Buch „Von Spinnen und Menschen. Eine verwobene Beziehung“ für mich so wertvoll.

Buchcover: Von Spinnen und Menschen. Architektur, Wissen, Geschichte, Kunst und Sprache – die Spinne und ihr ungeahnter Einfluss auf unsere Kultur

Bibliographische Angaben:

Jan Mohnhaupt
Von Spinnen und Menschen
Eine verwobene Beziehung

Hanser Verlag


Auch dieser Autor ist von Spinnen fasziniert und imaginiert ein bemerkenswertes Alien: Jaroslav Kalfar – Spaceman of Bohemia. Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt


Natur beobachten, Natur erleben, Natur verstehen – meine Buch-Tipps auf meinem Blog. Sehr gut gefallen mir die Bücher von Bernhard Kegel. Zum Beispiel dieses hier: Mit Pflanzen die Welt retten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert