Was wir alles über Afrika nicht wissen: „Motherland“ – eine Reise durch 500.000 Jahre afrikanische Geschichte

Luke Pepera - Motherland. Das IPad mit dem Cover des E-Books liegt auf einer gleben Tischdecke aus Afrike. Daneben eine Metall-Maske von der Elfenbeinküste.

Dass mich auf 336 Seiten kein kompletter Abriss der Geschichte Afrikas erwarten kann, war mir klar. Dafür ist der Kontinent zu groß, zu vielfältig und zu reich an Geschichte und Kultur. Doch ungefähr auf Seite 52 von „Motherland. Von Mansa Musa bis Black Panther: Eine persönliche Reise durch 500.000 Jahre afrikanische Geschichten“ dachte ich mir: Ich habe keine Ahnung, worauf der Autor Luke Pepera hinaus will. Aber ich folge ihm gerne!

In 10 Kapiteln erzählt er von sehr unterschiedlichen Facetten Afrikas. Von Königinnen, Kriegerinnen und generell der Stellung der Frau, die Partnerin auf Augenhöhe ist. Von Totenkult, Ahnenverehrung und einem Gemeinschaftsgefühl, das das gestern mit dem Heute verbindet. Von fahrenden Sängern und Oral History, was zum Battle Rap führt, der afrikanischen Ursprungs ist.

Was wie ein Mäandern wirkt, folgt einem Plan: eine andere Perspektive, ein neues Framing für die Geschichte und Kultur Afrikas. Weg von der Fokussierung auf Armut, Rassismus und Sklaverei; weg von Afrika als Schauplatz von Fremdherrschaft und Krisen. Hin zu kulturellem Reichtum, Erfolgsgeschichten und einer unglaublichen Vielfalt und hin zu der Tatsache, dass Kultur, Wissen, Sprache und Zivilisation ihren Ursprung nicht in Europa, sondern in Afrika haben. Das weitet den Blick enorm!

Manch eine der Lebensgeschichte aus diesem Buch wäre gut mit ein paar anekdotischen Details und ein paar Jahreszahlen weniger ausgekommen. Aber ich kann den Autor Luke Pepera gut verstehen. Er ist Historiker, Archäologe und Anthropologe. Ich stelle ihn mir als Hardcore-Nerd vor. Seine Mission ist die Vermittlung afrikanischer Geschichte und Kulturen, weswegen er in die 336 Seiten des Buchs wohl so viel hineingepackt, wie ihm das Lektorat erlaubt hat. Das wirkte auf mich manchmal etwas atemlos, aber immer enthusiastisch und mitreißend. Doch wer neugierig auf Afrika ist, sollte Luke Pepera unbedingt auf seiner persönliche Reise durch 500.000 Jahre afrikanische Geschichte(n) begleiten!


Infos zum Buch:

Luke Pepera

Motherland
Von Mansa Musa bis Black Panther: Eine persönliche Reise durch 500.000 Jahre afrikanische Geschichten

Übersetzt von Janine Malz

Aufbau Verlag

Rezension im Südwind Magazin: Ein Afrika jenseits des Kolonialismus

Leseexemplar – gelesen mit netgalley


Geschichte und Zeitgeschichte – meine Rezensionen hier auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Ein Science-Fiction, der in Lagos, Nigeria spielt: Lagune von Nnedi Okorafor. Seite für Seite bekam ich ein Gefühl dafür, wie sich Eurozentrismus für Nicht-Europäer anfühlen muss: diese Erzählung gehorcht Regeln, mit denen ich nicht aufgewachsen bin. Hier meine Rezension zum Buch:

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