Fotzenfenderschweine: eine unvollendete Liebeserklärung von Almut Klotz

Fotzenfenderschweine. Buch von Almut Klotz

Fotzenfenderschweine. Da das Buch von einer deutschen Indie-Musikerin stammt, hatte ich für mich gleich eine Übersetzung des Titels parat. Fender konnte nur die Gitarre sein, Fotze und Schweine stand für manches, was man als Musikerin in der Szene erlebt. Ich lag falsch. Es gibt auch sonst einiges, was das Buch Fotzenfenderschweine von Almut Klotz nicht ist. Die von ihr mitgegründete Kult-Band Lassie Singers, die sich 1998 nach 10 Jahren aufgelöst hatte, kommt nur als bereits abgeschlossenes Kapitel vor. Wie und warum sie Musik macht, das steht nicht im Mittelpunkt. Der Klappentext behauptet es zwar, doch eine Abrechnung mit Frauenrollen in der Indie-Szene sehe ich darin nicht. Wenn dann eine Standortbestimmung der Rollen, die Almut Klotz selbst eingenommen hat oder die ihr Mann, der Musiker und Autor Rev. Christian Dabeler ihr zugeschrieben hat. Doch vor allem ist Fotzenfenderschweine eines nicht: fertig. Almut Klotz konnte es nicht beenden. Sie starb im August 2013 an Krebs. Dass ihr…

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Die 80er, die 90er und ich: Popkultur als Zeitreise mit Jens Balzer als Reiseleiter

Was ist mir von den 80er Jahren im Gedächtnis geblieben? Kajal und Haarspray, The Cure und Siouxsie and the Banshees. Ostermärsche und die Angst vor dem atomaren Wettrüsten. BWL Studenten überall und eine beginnende soziale Kälte in Deutschland. Viele Details und eine Erinnerung an eine Grundstimmung. Obwohl mich das Jahrzehnt geprägt hat, ist es für mich schwer zu greifen. Jens Balzer hilft. Natürlich schenkte mir sein Buch „High Energy. Die Achtziger -das pulsierende Jahrzehnt“ jede Menge sentimentale weißt-du-noch Momente. Doch er nimmt die Adlerperspektive ein und macht aus all den politischen und popkulturellen Details, an die ich mich noch gut erinnern kann, ein großes Ganzes. Vor allem arbeite er Querverbindungen heraus. So zeigt er, wie eins zum anderen führte und damit zu der Welt, in der wir heute leben. Wie sehr Jahrzehnte uns formen, ohne dass wir es immer merken. Kaum ausgelesen, griff ich gleich zum Folgeband. „No Limit. Die Neunziger – das Jahrzehnt der…

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Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik

Was passiert, wenn Fender auf Gender trifft? Eine geniale Frage. Kersty und Sandra Grether sind die richtigen, um sie zu beantworten. Weniger, weil sie als die berühmtesten Pop-Feministinnen Deutschlands gelten (sagt Birgit Fuß, Rolling Stone Germany). Sondern weil sie leidenschaftliche Musik-Fans, Musik-Journalistinnen, Musikerinnen, Label-Betreiberinnen und noch viel mehr sind. Sie leben Musik und Popkultur und Feminismus. Doch anders als so viele männliche Musik-Nerds steht bei ihnen die Vermittlung von Wissen und die Ermutigung, selbst mitzumischen, im Vordergrund. Wer jetzt an die Riot Grrrls denkt, liegt richtig. Dementsprechend ist ihr Buch „Rebel Queens. Frauen in der Rockmusik“ ausgefallen. Es ist nerdig, empowernd, überraschend. Es ist lexikalisch und essayistisch, analytisch und subjektiv. Doch eines ist es immer: fair. Das haben die Autorinnen so vielen männlichen Kollegen voraus: Sie sind genauso meinungsstark, haben aber eine andere Art, über Musik zu schreiben – wertschätzend, analytisch, fest im eigenen Erleben verwurzelt und dabei immer mit diesem Funken Begeisterung, der ansteckt.…

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Nerd Girl Magic. Noch genauer: Nrrd Grrrls

Die ersten Nerds, die mir begegnet sind, waren die Perry Rhodan Fans in meiner Klasse. Alles Jungs. Später folgten die Musik-Nerds. Mädchen wie ich versuchten, mitzuhalten. Das führte zu meiner ersten Begegnung mit den Gatekeepern. Jungs, die bestimmen wollten, was niedliche Schwärmerei und was echtes Fandom ist. Mädchen = Schwärmen = muss Mann nicht ernst nehmen. Wirklich darüber nachgedacht habe ich nicht, sondern lieber weiter Musik entdeckt. Bewusst wurde mir der Mechanismus Jahre später beim anerkennenden Nicken eines WOM-Mitarbeiters, der durch seinen Job und seine Arbeit als Musikjournalist der personifizierte Gatekeeper war: „Hätte nicht gedacht, dass du so etwas (Geniales) hörst.“ Meine Reaktion lag wahrscheinlich irgendwo zwischen Schulterzucken, hochgezogener Augenbraue und Lachen. Lachen hilft ja immer. Was ich daran lustig fand, hätte er eh nicht verstanden: Es ging um die Band Monster Magnet, die ich musikalisch gut und erfrischend, aber ihre überzogene Männlichkeit einfach nur amüsant fand. Und ihn durch seine Reaktion auch. Eine Perspektive,…

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Pop und Politik: Was erzählt deutsche Popmusik über unser Land und unsere Geschichte?

Über 400 Seiten, ein üppiges Literaturverzeichnis, an das sich die Playlist anschließt, 11 kleingedruckte Seiten mit Songs: „Keine Macht für Niemand. Pop und Politik in Deutschland“ ist nicht gerade snackable, sondern eine ernste Angelegenheit. Es ist keine Liste von „100 politische Songs aus Deutschland, die du kennen musst“ und auch nicht „Die 20 wichtigsten Bands, die was zu sagen haben“. Marcus S. Kleiner wählt für sein Buch einen anderen Ansatz. Im ersten Schritt analysiert er die deutsche Geschichte seit 1945, immer 10 Jahre in einem Kapitel. Was war wichtig, was hat das Land geprägt? Wie hat es sich in den einzelnen Jahrzehnten angefühlt, in Deutschland zu leben? Im zweiten Schritt prüft er, ob diese Ereignisse, diese Diskussionen und diese Stimmung in der deutschen Musik aufgegriffen wurde. Dafür analysiert er vor allem die Songtexte. Aufgelockert wird das durch Interviews, vielen Anekdoten aus seiner eigenen Biografie und vielleicht ein paar zu vielen Fotos, die den Autor mit…

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Feministische Musikgeschichte: Die Rache der She-Punks – Buch und Playlist

Habe ich das Buch nun ausgelesen oder ausgehört? Wie zuletzt beim Punk-Roman von Tijan Sila habe ich auch »Die Rache der She-Punks« gleich mit einer Spotify-Playlist genossen. Vivien Goldman stellt jedem Kapitel eine thematisch passende Auswahl an Songs vorneweg: Girly Identity, Geld, Love/Unlove und Protest. Nette Menschen habe daraus Playlists kuratiert, was das Lesevergnügen enorm erhöht. Ja, dieses Buch macht Spaß. Vivien Goldman erzählt lebendig, geradezu quirlig. Sie weiß genau, wann eine Anekdote das beste Mittel ist, eine Aussage zu unterstreichen. Sie vermittelt immer im passenden Moment theoretisches Hintergrundwissen zum Feminismus, zu Kreativität und zur Musikbranche. Aber vor allem gibt sie den Musikerinnen Raum und lässt sie erzählen. Denn Vivien Goldman kennt sie alle: Poly Styrene, Chrissie Hynde, Blondie, aber auch ESG, Neneh Cherry und Maid of Ace und Skinny Girl Diet. Also nicht nur die Heldinnen der ersten Stunde, sondern auch die, die folgten. Und nicht nur die, die Punk im Sinne von »3,2,1…

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Krach von Tijan Sila: Punk, Provinz und echtes Leben

Punk in der pfälzischen Provinz – natürlich bleibe ich bei meiner Suche nach neuer Lektüre an so einem Buch hängen. Und doch wollte ich „Krach“ von Tijan Sila zunächst nicht lesen. Denn weder mit Punks noch mit Männern, die über ihr Erwachsenwerden schreiben, hatte ich gute (Lese)Erfahrungen gemacht. Ihr Blick auf Frauen brachte mich regelmäßig auf die Palme und was das Macho-Gehabe gewisser Männer in der Punk-Szene angeht … lest einfach die klugen Beiträge von Diana Ringelsiep wie Sexismus geh sterben und verfolgt #punktoo Dass es das Buch dann doch auf meine Leseliste geschafft hat, habe ich zweierlei zu verdanken. Einmal dem Leuchten in den Augen von Florian Valerius, dem Literarischen Nerd, als er Tijan Sila interviewte. Und Bri vom Blog Feiner reiner Buchstoff, deren Blick auf Bücher von Männern meinem ähneln dürfte, und die „Krach“ begeistert anpries. Die zwei haben sich nicht geirrt. „Krach“ von Tijan Sila ist großartig und zählt für mich zu…

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Lazy Confessions. Sammelband mit Texten von Martin Büsser.

Autonom, emanzipatorisch, analytisch: Für mich sind Martin Büssers Texte Suchscheinwerfer, die vom Tellerrand in alle Richtungen leuchten. Ein Autor, von dem ich alle paar Monate etwas lesen MUSS. Dabei packt mich jedes Mal der blanke Neid: Ich will so schreiben, so kritisieren können! Weil ich auf meinem Blog schon häufiger von meiner Faszination für Büssers Kritiken und Texte berichte habe – nämlich hier, hier und hier – gibt es zum gerade ausgelesenen Buch „Lazy Confessions. Artikel, Interviews und Bekenntnisse aus zwei Jahrzehnten.“ nur Zitate: Gegenüber Jim Morrison und Johnny Rotten klingen die Sprachen von Blumfeld und den Goldenen Zitronen plötzlich wie das, was früher als Lyrik bei Suhrkamp erschien, während Suhrkamp mit Rainald Goetz eine Prosa veröffentlicht, die auf ihre Weise gerne wieder so authentisch wie Jim Morrison wäre. Die Sprechweisen der Popkultur. Zum Problem der Vermittelbarkeit. Erschienen in kritische Ausgabe 5/2000. Aus Lazy Confessions – Sammelband mit Texten von Martin Büsser. Ich finde, das…

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Banksy. Street-Art ist vergänglich. Dieses Buch nicht.

Bei Banksy war ich mir nie sicher, ob ich jetzt fasziniert oder genervt bin. Fasziniert, weil die unterschiedlichsten Menschen ihn großartig finden – darunter Menschen, die eigentlich mit Streetart oder moderner Kunst nichts am Hut haben. Genervt wegen seiner Überpräsenz in den Medien und weil viele das kleine Mädchen mit dem Ballon einfach niedlich finden, ohne auch nur einen Gedanken an eine mögliche, gesellschaftskritische Botschaft zu verschwenden. Ein wenig erinnert mich das an Keith Haring in den 80er Jahren. Seine Bilder waren damals überall – auf Postern, Kaffee-Tassen, T-Shirts. Einfach nur weil sie so schön bunt waren und so fröhlich wirkten. Was sie aber gar nicht waren. Es nervte. Dass etliche der Käufer*innen der Kaffeetassen so jemanden wie Haring wohl nie in ihrem Freundeskreis geduldet hätten, machte die Sache nicht besser. Die Welle an Banksy-Merch blieb uns bisher erspart. Wohl nur, weil der Künstler es vorzieht, ein Mysterium zu bleiben. Oder die Künstlerin. Denn warum…

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Die wahre Geschichte der Popmusik

Für die gut 200 Seiten von „On the wild side – die wahre Geschichte der Popmusik“ habe ich Wochen gebraucht, weil ich ständig unterbrechen musste, um Musik zu hören. Ich glaube, ein größeres Kompliment kann ich Buch und Autor kaum machen. Schon alleine der Anhang ist den Preis des Buches wert: Eine Auswahl stilbildender LPs von 1966 bis 2004, die Martin Büsser jeweils mit einem prägnanten Satz beschreibt. Big Black – Songs about Fucking Provokantes, musikalisch wegweisendes Album des späteren Starproduzenten Steve Albini: sägende Gitarren zu wummernder Drumbox zwischen Post-Punk und Prä-Techno. Martin Büsser: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik Oder das hier: The The – Soul Mining Vielleicht die einzige Band, der es gelang, den Blues im Wave-Kontext auferstehen zu lassen. Martin Büsser: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik Kein Wunder, dass ich ständig seinen Analysen hinterher hören musste! Doch in diesem Buch geht es um mehr als…

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Für immer in Pop

Martin Büsser habe ich spät entdeckt – dafür dann um so heftiger lieben gelernt. Der Plan steht: ich will alles von ihm lesen. Wenn ich allerdings jedes Buch so genüsslich zelebriere und mir während des Lesens alle seine Musiktipps anhöre – dann wird das noch Jahre dauern! Martin Büsser hat sich durch die Musikgeschichte abseits des Mainstreams geschrieben. Leidenschaftlich empfahl er Bands, die es nie ins Radio schafften. Er stellte Zusammenhänge her, analysierte musikalische Strömungen, Moden und Jugendbewegungen. Was er aber vielen Nerds voraus hatte: er hat stets so geschrieben, dass seine Begeisterung begreifbar wird. Auch ohne Vorkenntnisse kann man ihm nicht nur folgen, man liest auch all seine Texte mit Spaß und Erkenntnisgewinn. Selten war das Angebot an undogmatischer, nonkonformer Musik so groß wie in den letzten Jahren. … die derzeit spannendste Musik ist zwar jederzeit verfügbar, obwohl kein Radiosender die mehr spielt und obwohl kein Musikmagazin mehr über sie schreibt. Martin Büsser –…

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Wie das Handbuch Popkultur meinen Hair-Metal-Konsum steigerte

Handbuch Popkultur - Sachbuch

Popkultur als Wissenschaftsdisziplin und Forschungsfeld – darum geht es im »Handbuch Popkultur« das im Metzler Verlag erschienen ist. Ich, obwohl »nur« interessierter Laie mit leichtem Hang zum Nerdtum, habe es trotzdem gelesen – mal mit Genuss und Informationsgewinn, mal mit Kopfschütteln, mal mit einem klar sichtbaren Häh? auf meiner Leserinnen-Stirn. Der Einstieg: Gattungen und Medien Grandios war für mich der Einstieg ins Buch. Der Überblick über die Musikgeschichte von Rhythm & Blues bis Hip-Hop führt dazu, dass ich ständig online nach Musik suchte, Künstler neu oder wieder für mich entdeckte. Das Besondere: Jede Musikrichtung wird von einem anderen Autor vorgestellt. Das erfordert zwar stilistische Flexibilität auf Leser-Seite, tut aber insbesondere den Artikeln über Subkulturen wie Hardcore und EBM gut. Den größten Spaß hatte ich mit dem Kapitel über Metal, weil die Lektüre bei mir dazu führte, dass ich einen ganzen Abend lang klassischen Hair-Metal gehört habe. Ok, dazu wurde das Handbuch Popkultur zwar sicherlich nicht…

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