William Gibson – Peripherie

William Gibson - Peripherie

Mit Peripherie macht es William Gibson dem Leser nicht einfach.

Sogar wenn man frühere Bücher wie Neuromancer und Mustererkennung kennt, fällt der Einstieg diesmal nicht leicht. Die Welt ist eine andere, die Technik wirkt noch weniger vertraut. Nichts wird erklärt – keine Fachbegriffe, keine handelnden Personen und schon gar keine Zusammenhänge. Überraschenderweise gibt es jedoch auf den ersten 100 Seiten ungewohnt viel Witz. Das hilft dran zu bleiben.

Doch warum soll es uns Lesern besser ergehen als den Protagonisten? Weder die toughe Kleinstadt-Gang noch die Superreichen verstehen die Situation, die sich aus einem Mord ergeben hat. Flynne, eine für Gibson typische Heldin, ist die einzige Zeugin und wird damit zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Zusammen mit ihr tasten wir uns voran. Doch auch das wird sich als falsche Fährte herausstellen: Niemand in diesem Buch versteht die Technik, die eingesetzt wird, so wirklich. Jeder ist von den Zusammenhängen überfordert, handelt aber trotzdem. Karma pur – nicht-handeln ist unmöglich.

Peripherie – lass dich einfach von der Geschichte führen

Ungefähr ab Seite 120 habe ich begonnen, mich im Buch zurechtzufinden und begann, mein Nicht-Wissen zu genießen. Glitchende Haptics, Stub, fabben und Peripherals? Mir egal, was das ist und wie es funktioniert. Wichtiger ist, was ich damit machen kann. Ab da hatte ich auch wieder Vertrauen zum Autor: Er wird mir schon rechtzeitig sagen, was ich wissen muss und jede unerwartete Wendung wurde sowieso nur zu meinem Vergnügen erschaffen.

Es ist bei diesem Buch fast unmöglich, eine spoilerfreie Rezension zu schreiben. Wer mehr zur Handlung erfahren möchte, möge diesen Spiegel-Artikel lesen. Empfehlen kann ich es nicht – nichts über die Handlung zu wissen hat mein Lesevergnügen definitiv vergrößert!

Trotz des unüblichen Einstiegs ist Peripherie durch und durch ein echter Gibson – spannend, philosophisch, voller Anspielungen auf Popkultur und auf aktuelle Diskurse!

Angaben zum Buch:

William Gibson
Peripherie

Übersetzt von Vornelia Holfelder-von der Tann

Tropen Verlag

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Ein Kommentar

  1. Faszinierend, dass es dir ähnlich wie mir mit diesem Roman ging. „Peripherie“ ist wirklich eine Herausforderung und zwar eine, die sich lohnt. Nach deiner Einschätzung spoilert meine Rezension ein wenig. Allerdings muss ich zugeben, dass ich das Interview lesen musste, um nach meiner Lesepause überhaupt wieder Lust aufs Buch zu bekommen. Ich bin sehr froh es gelesen zu haben 🙂

    Liebe Grüße
    Sandra

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