William Gibson – #sfvongestern – Neuromancer

Dicker Schmöker: SF-KLassiker Neuromancer von William Gibson in der NeuübersetzungEs gibt mehr interessante Bücher, als ich in einem Leben lesen kann. Das führt bei mir dazu, dass ich mir nur sehr selten den Luxus gönne, ein Buch ein zweites Mal zu lesen.

Daher war mein erster Gedanke, als ich vom Blogstöckchen #sfvongestern hörte: Gute Gelegenheit, einen SF-Klassiker zu lesen, den du noch nicht kennst. Vielleicht was von Niven, oder Heinlein. Auch Perry Rhodan habe ich noch nie gelesen und bin eigentlich neugierig darauf.

Es wurde dann doch ein re-read, ein erneutes Lesen von Neuromancer von William Gibson. Trotzdem war es kein Wiedersehen mit einem alten Buch-Bekannten – es war eine Neubegegnung.

Kann ich überhaupt zweimal das gleiche Buch lesen?

Neuromancer erschien 1984. Ich dürfte es um 1990 gelesen haben. Die Übersetzung, die damals auf dem Markt war, war so schlecht, dass ich den zweiten Band der Trilogie auf Englisch gelesen habe. Ob ich damals wirklich alle drei Bände zu Ende gelesen habe, könnte ich jetzt nicht mehr mit Sicherheit sagen – zu vieles kam mir unbekannt vor. Vor allem war mir nicht bewusst, wie wunderschön und erfindungsreich die Sprache William Gibsons ist. Seine Art, Begegnungen zwischen Mensch und Technik zu beschreiben, lässt poetische Bilder beim Lesen entstehen. Technik ist hier mehr als ein nützliches Tool, es ist eine Welt, in der sich Menschen und Ideen begegnen können – mal als Tanz, mal als Konfrontation, mal als Schöpfungsakt.

Doch die Sprache ist nicht der einzige Grund, warum ich das Gefühl hatte, ein komplett neues Buch zu entdecken.

William Gibson - Neuromancer Trilogie - #sfvongestern

1038 Seiten von William Gibson.

William Gibson hat über den Cyberspace geschrieben, als es ihn noch gar nicht gab. Wer heute Neuromancer liest, der gleicht die Welt, die der Autor erschaffen hat, automatisch mit dem ab, was heute an Technik möglich ist. Diesen Blickwinkel hatte ich damals, bei meiner ersten Lektüre natürlich noch nicht. Gleichzeitig beziehen sich viele heutige Werke – von Shadowrun über Matrix bis Ready Player One – auf Ideen und Bilder, die William Gibson entwickelt hat. Beim Lesen gleiche ich also nicht nur meine Realität und meine Vorstellung von der Zukunft mit Neuromancer ab, sondern auch meinen weiteren Lese-Erfahrungsschatz und meine Begegnungen mit der Pop-Kultur. Das führt zu Gedankengängen, an denen M.C. Escher sicherlich seine Freude hätte.

Ich dachte also nur, dass ich ein Buch ein zweites Mal lesen würde. Tatsächlich habe ich ein komplett neues Buch gelesen. Diese Vorstellung würde William Gibson sicherlich gefallen. Genauso wie die Tatsache, dass ich jetzt beschlossen habe, einfach alles von ihm zu lesen:

 

Weitere Infos: Rezension zu Neuromancer bei literaturkritik.de und ein empfehlenswertes Interview mit William Gibson im Zeit-Magazin.  Leseeindruck bei Roland Jesse. Neu übersetzt wurde das Buch, das bei Heyne erschienen ist, von Reinhard Heinz und Peter Robert.

Lust auf ein Blogstöckchen? Hier findet ihr alle Infos zu Zurück in die Zukunft der Vergangenheit – #sfvongestern. Auch das Sachbuch-Blogstöckchen würde gerne gefangen werden!

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