Früher war mehr Lametta? 13 Jahre Buch-Blog GeschichtenAgentin. Eine Bestandsaufnahme

13 Jahre und 640 Blogbeiträgen später merke ich: Das Tolle an meinem Buch-Blog ist, das ich Rezension auf Rezension veröffentlichen kann. Einfach immer weiterschreiben und sich an den neuen Buchrezensionen auf der Startseite erfreuen. Das Üble ist, dass ich genau das getan habe.

Doch jetzt ist Zeit für eine Bestandsaufnahme! Seit Dezember gehe ich sie alle durch. Funktionieren die Links noch? Was kann ich aus SEO-Sicht verbessern? Vor allem: möchte ich den Beitrag überhaupt behalten?

Das sind meine Erkenntnisse:

Content-Audit ist eine Fleißaufgabe. Warum gehe ich das jetzt an?

Weil ich jetzt Zeit dafür habe. Seit Dezember arbeite ich nicht mehr. Ob das eine lange Auszeit ist oder der Beginn meines Vorruhestands, das werde ich Ende des Jahres entscheiden.

In den letzten Jahren hatte ich einen Online-Job: Buchmarketing. Das war zu nah an meinem Online-Hobby, dem Buch-Blog. Deswegen habe ich mich auf GeschichtenAgentin.de auf das konzentriert, was mir am meisten Spaß brachte: Schreiben und Bücher rezensieren. Weder Menü-Struktur noch SEO-Maßnahmen waren auf einem aktuellen Stand. Das kann ich jetzt endlich mit freiem Kopf angehen!

Backlist-Liebe oder Altpapier – was ist aus den Büchern, die ich gelesen habe, geworden?

Bücher Ganesh GeschichtenAgentin

Ich war gespannt, wie viele der Bücher, die ich besprochen habe, überhaupt noch lieferbar sind. Überraschung: mehr als gedacht! Allerdings kommt es sehr auf das Genre, die Warengruppe an.
Von den Ratgebern waren noch erstaunlich viele lieferbar. Das liegt aber daran, dass die großen Publikumsverlage (Herder, Droemer Knaur, Penguin-Randomhouse-Bertelsmann) sie als E-Book weiterführen.
Bei den Fachbüchern haben die dicken Standardwerke ein, zwei Neuauflagen erlebt.
Bücher zu Nischen-Themen sind meist vergriffen. Die Beiträge dazu habe ich gelöscht. Rezensionen zu 10 Jahre alten Werken zu Social Media Marketing wird niemand vermissen.
Übel sieht es hingegen bei Unterhaltungs-Romane und im Bereich der Phantastik aus. Hier hat vieles nicht überlebt, darunter auch Titel, bei denen ich das sehr bedauer.

Dann gibt es Verlage, die es nicht mehr gibt – und deren Bücher trotzdem weiterleben. Der systemed Verlag ist von Riva übernommen worden. Windpferd, ein früherer Lieblingsverlag, wurde erst eingestellt – und lebt jetzt doch mit neuem Inhaber weiter.

Andere haben sich gewandelt. Als Beispiel nenne ich den Dumont Verlag, der mal für sein Kunstbuch-Programm berühmt war. Ist vorbei. Aber dass sie die Taschenbücher „Dumont Schnellkurs“ eingestellt haben, nehme ich ihnen immer noch übel.

Sieht mich noch jemand? SEO-Probleme meines Buch-Blogs

Als ich 2012 begonnen habe, hat Google Blogs geliebt. Wir lieferten den frischen Content, den die Suchmaschine finden wollte. Und heute? Sagt Google lapidar: Gecrawled, nicht indexiert. Ja, der Bot kommt vorbei und sammelt Daten. Aber nicht, um sie für Suchergebnisse zu verwenden. Es werden immer weniger Seiten in den Suchindex aufgenommen, weil es angeblich zu viel Online-Content gibt.

Was die Bots allerdings tun: Sie bedienen sich für die KI an den Blog-Inhalten. Die KI-Overview für meinen Buch-Blog Geschichtenagentin ist deutlich besser als meine Auffindbarkeit in den Suchergebnissen. Website-Traffic bringt mir das jedoch nicht.

Nervt mich das? Ja! Verfalle ich deswegen in Aktionismus – Optimierungen für die KI, GEO statt SEO? Nein! Ich habe schon zu vieles kommen und gehen sehen. Einst haben wir alle Google Snippets um 30 Zeichen erweitert. Kurz darauf wieder gekürzt, weil Google sich umentschieden hatte. Solche Beschäftigungstherapien brauche ich nicht. In der Zeit lese ich lieber ein gutes Buch.

Aber ich habe gut reden: Mein Blog ist mein Hobby. Ich verdiene kein Geld damit und habe das auch nicht vor. Wenn meine Beiträge gefunden werde, freue ich mich. Und wenn nicht – dann mache ich trotzdem weiter.

Die Karawane zieht weiter: Blogsterben

Ertappt - ein frühes Foto der GeschichtenAgentin

Das sehen offensichtlich nicht alle so – und ich kann es verstehen. Viele Buch-Blogs, mit denen ich mich anfangs vernetzt habe, existieren nicht mehr. Meist ist das Leben dazwischen gekommen (Kinder, Beruf, Familie, Krankheiten). Etliche hörten aber auch wegen technischer und rechtlicher Unsicherheiten auf. Gerade die Einführung der DSGVO führte zur Stilllegung vieler Blogs. Ich merke das, da ich immer großzügig auf Buchrezensionen auf anderen Blogs verlinkt habe. Diese gehen jetzt ins Leere und ich entferne sie so nach und nach.

Früher war mehr Kommentar: Blogs im Wandel

Bis 2015 in etwa wurde auf meinem Buch-Blog rege kommentiert. Das gehörte in der Blogosphäre einfach zum guten Ton. Dann wurde es auf dem Blog stiller, dafür gab es mehr Kommentare auf Facebook. Heute ist es auch dort ruhig. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt:

Es hätte so schön sein können: Social Media

Menschen begegnen Menschen, die sie sonst nie getroffen hätten, und tauschen sich aus. Social Media, insbesondere Facebook und Twitter, hätten ein Wunderland werden können. Wurden es aber nicht.

Ganz krass zeigt sich das bei meinen Artikeln zu Tweetups in Museen und zu Veranstaltung mit Social Media Wall. Fast alle verlinkten Zitate führen heute ins Leere. Von den damals sehr aktiven Accounts ist quasi niemand mehr auf X. Nur ein paar Institutionen harren dort noch aus.

Für meinen Buch-Blog bedeutet die zunehmende und sehr verständliche Nicht-Nutzung von Facebook und X: weniger Sichtbarkeit für meine Nischen-Themen, da diese Traffic-Quellen wegfallen. Wo bekomme ich 2026 überhaupt noch Sichtbarkeit und Traffic? Im Moment noch via Insta-Storys und LinkedIn. Wie lange noch? Keine Ahnung!

Authentisch bloggen? Was sonst!

Wenn ich mit zeitlichem Abstand meine Artikel aus der Anfangszeit lese, merke ich, dass sich meine Art zu schreiben geändert hat. Und das ist gut so! Ich habe rund 2 Jahre gebraucht, um meine eigene Blogstimme zu finden. Die ersten Beiträge klangen sehr girlie. Da habe ich mich an dem Stil anderer Buchbloggerinnen orientiert. Nur: Die waren gut 20 Jahre jünger als ich. Blog-Vorbilder in meinem Alter gab es damals kaum.

Heute habe ich meinen eigenen Stil. Ich schreibe keine klassischen Buchrezensionen. Viel lieber erzähle ich, was ich mit dem Buch erlebt habe. Denn mein Blog ist vor allem eines: mein Lesetagebuch. Ich möchte mich nicht an den Inhalt eines Buches erinnern, sondern an Emotionen und Gedanken, die es ausgelöst hat.

Doch das ist nicht meine einzige Motivation: Ich möchte Büchern, die mir gefallen haben, zu mehr Online-Sichtbarkeit verhelfen und andere Menschen auf sie neugierig machen. Sonst könnte ich meine Gedanken zum Buch auch mit deutlich weniger Aufwand in einer Kladde aus Papier notieren!

Mein Blog, meine Party – aber wie will ich feiern?

Brauche ich das Blog-Lametta von früher? Ich trauere der Nähe und der Menschlichkeit der Buchblogger*innen-Szene der Anfangsjahre etwas nach. Aber ich habe tolle Menschen kennengelernt und bin mit vielen davon weiterhin in Kontakt. Das trägt. Noch mehr trauere ich den verpassten Chancen nach, die Social Media eigentlich geboten hätte – und die die Tech-Firmen nicht haben wollten.

Doch ich bin jetzt 57. Ich sollte gelernt haben, dass das Leben und insbesondere das Online-Leben immer im Wandel ist. Daher: nein, ich brauche das Blog-Lametta nicht. Aber ich erinnere mich gerne daran!

Mehr als 13 Jahre GeschichtenAgentin – wie geht es mit dem Buch-Blog weiter?

Ich atme, ich lese, ich habe Spaß am Schreiben – also geht es weiter! Ich rechne mit 4 bis 6 Blog-Beiträgen pro Monat. Auch die Überarbeitung der alten Artikel und Rezensionen setze ich fort. Für die Jahre 2012 bis 2017 habe ich 3 Monate gebraucht. Danach ging es schneller. Die Blog-Technik werde ich weiterhin so schlank wie möglich halten, denn dann bleibt mehr Zeit für das, was mir wichtig ist: Lesen, Schreiben und Menschen begegnen!


Mein Buch-Blog, meine Party – aber natürlich wird eine Party erst durch Gäste richtig gut! Wie kann ich mich mit Leser*innen, Blogger*innen und Bookfluencer*innen vernetzen? Warum blogge ich überhaupt? Was wünsche ich mir von Verlagen, Autor*innen und anderen Akteur*innen der Buchbranche? Und vor allem: Was kann ich als Blogger*in tun, um Lesen und Bücher sichtbarer machen? Meine Gedanken dazu findet ihr in diesen Artikeln auf meinem Buch-Blog!


Eine Auswahl an Beiträgen, die zeigen, was mir mein Buch-Blog bedeutet:

Zum Abschluss noch ein Herzensbeitrag auf meinem Zweit-Blog, dem Buchkind-Blog:

3 Kommentare

  1. Liebe Dagmar,
    ich lese gerne bei dir und bin beeindruckt von deiner Aufräumaktion. Vor habe ich das auch, nötig ist es ebenfalls, aber … ich arbeite noch. Du verstehst 😀
    Nichtsdestotrotz hangel ich mich langsam durch alte Beiträge und danke dir für deine Gedankenanstöße.
    Meine Blogroll muss auch unbedingt wieder online *augenzuhalte*, aber auch das muss noch etwas warten. Auf viele weitere schöne Blog-Jahre.
    Liebe Grüße
    Sandra

    • Danke! Ich verstehe dich zu gut. Im letzten Jahr wäre ich das Projekt Blog-Aufräumen nicht angegangen. Und auch so muss ich sagen: ich habe es unterschätzt. Obwohl ich mich sehr bemühe, mich nicht zu verzetteln, bin ich nach 3 Monaten gerade mal im Spätsommer 2018 angekommen. Dabei habe ich alle „Ach, die Farben und das Design könnte ich auch mal wieder ändern“ Anfälle tapfer ignoriert!

  2. Pingback:Pssst, Kinderbuch-Blog schläft – Buchkind-Blog

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