Disruptive thinking. Machen Menschen den Unterschied?

disruptive thinking. was nun? Doppelseite aus dem Buch.

Manchmal denke ich mir, dass gerade wir Buchhändlerinnen perfekt auf das digitale Zeitalter vorbereitet sind. Schließlich konnten wir schon in Stichwörtern und Schlagwörtern denken, bevor es Begriffe wie Keywords und SEO gab. Wenn ich dann in dem Buch Disruptive Thinking lese, dass Nichtwissen aushalten eine Schlüsselqualifikation für das Disruptive Zeitalter sei, denke ich mir schon wieder, dass ich als Buchhändlerin darauf perfekt vorbereitet bin. Wir lernen schon im allerersten Lehrjahr, dass wir nicht auf alle Kundenfragen sofort eine Antwort haben. Mit etwas Ausdauer und Talent haben wir dann schon nur wenige Jahre später Strategien entwickelt, wie wir mit unserem Nichtwissen umgehen und es in Verkaufserfolge umwandeln können. Doch ich schweife ab und das schon bevor wir zum Buch „Disruptive Thinking. Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist“ kommen. Das kann ja heiter werden. Disruption. Schon erlebt. Ich hatte schon seit einiger Zeit kein Wirtschaftssachbuch mehr gelesen. Die letzten Hypes und Buzzwords berührten mich nicht. Industrie…

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Jede Buchmesse ist anders schön. Wie war diese?

Jede Buchmesse ist anders schön, jede hat eine andere Grundstimmung, jede fühlt sich anders an. In mir diskutiert gerade die Leserin mit der Bloggerin mit der Buchhändlerin mit der Online Marketing Managerin, was denn nun diese Buchmesse auszeichnet. Ich versuche, das mal zu sortieren. Die Leserin sagt, dass die ganz großen Themen, die anscheinend jeder Verlag machen MUSS, diesmal fehlten, und fand das sehr wohltuend. Wie schön wäre eine Buchwelt, in der weniger Bücher erscheinen, aber dafür mehr Bücher, die unbedingt hinaus in die Welt wollen. Bücher, die eine Herzensangelegenheit sind. Für die Buchbloggerin war die Welt erst einmal in Ordnung. Bücher, Blogger*innen und Wertschätzung für Blogs überall. Sie freute sich an Sätzen von Verlagsmitarbeitern wie „Ja, wir schauen uns die Blogs erst mal an.“ und „Klar verfolgen wir, ob wir auch die Beleglinks erhalten!“. Noch mehr freute sie sich über Anekdoten, dass Blogger von Verlagsmitarbeitern erkannt wurden, obwohl sie noch nie etwas miteinander zu…

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Blumen für Algernon

Blumen für Algernon. Einer der erfolgreichsten Klassiker der Science-fiction

Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Das gilt nicht nur für den Helden des Buches Blumen für Algernon, der hartnäckig an seinem Traum „intelgent“ zu werden, festhält. Das gilt auch für Simone vom Blog Papiergeflüster, die hartnäckig seit 2014 diesen Klassiker der wissenschaftlichen Science Fiction empfiehlt und so nach und nach alle von der Qualität des Buches überzeugt. Nun also auch mich. Was fasziniert so an der 1966 erschienen Geschichte um den geistig zurück gebliebenen Charlie Gordon, der durch ein wissenschaftliches Experiment innerhalb weniger Wochen hochintelligent wird? Ganz einfach: dieser Science Fiction berührt zutiefst menschliche Fragen. Was macht das Menschsein aus? Was brauchen wir, um glücklich zu sein? Wie ist der Zusammenhang von Sprache und Bewusstsein? Hilft Intelligenz alleine schon, ein guter Mensch zu sein? Wie kann man Intelligenz, Seelenleben und Affekte ausbalancieren? Sollen Wissenschaftler alles umsetzen, was sie können könnten? Auf diese Fragen haben wir 2017 immer noch keine umfassenden Antworten gefunden. Müsste ein Science Fiction,…

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Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden

Buch Cover: LAURENT GOUNELLE Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden

Allzu viel hat Alice, die erfolgreiche Marketing- und Kommunikations-Beraterin, noch nie über Gott nachgedacht. Mann mit weißem Bart auf einer Wolke? Lächerlich. Zeitverschwendung, ihr Leben beschäftigt sie voll auf. Vermisst hat sie nichts. Ihrem Jugendfreund Jérémie, der in ihrer Heimatstadt Cluny Priester ist und vor einer fast leeren Kirche predigt, fehlt aber offensichtlich etwas ganz Wichtiges: eine gescheite Marketing- und PR-Strategie! Sie beschließt, ihm zu helfen. Sie geht es gründlich an, mit genau den Methoden, die ihr im Job zum Erfolg verhelfen. Quellenstudien – sie liest die Bibel. Mehrfach. Fühlt sich aber wohler damit, sie in einem neutralen Buchumschlag zu verstecken. Was würden die Leute sonst denken? Sie fragt sich, was die Gläubigen suchen. Schließlich muss man die Zielgruppe kennen. Sie feilt am Auftritt des Priesters. Sie verändert die Show, pardon, den Gottesdienst … und das, was für sie als Job begann, verändert sie. Schuld daran ist ihre Reise durch die Welt des Glaubens und der…

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Charme, Erotik, Provokation: ein Blick auf Bücher aus Frankreich

Zitronentörtchen aus Frankreich

Alle lasen Bukowski, also las ich Anais Nin, damals im Gymnasium. Verstanden habe ich sie erst mal nicht. Dazu fehlte mir noch vielerlei Erfahrung. Aber das störte mich nicht: Die Faszination war groß und das genügte mir vollkommen. Aber hoppla,  was sucht Anis Nin in diesem  Beitrag? Nun, dass ihre Bücher zwar in Paris entstanden sind und wohl auch nur dort entstehen konnten, sie aber gar keine Französin ist, fiel mir erst später auf. Dieser erste Kontakt mit französischer Literatur oder mit dem, was ich für französische Literatur hielt, enthielt also schon alles, was mich in meinem weiteren Leserinnen-Leben begleiten würde. Frankreich, das war Lust, Charme, Erotik, Grenzgänger, freieres Denken, Kunst, eigensinnige Frauen. Zudem zeigt dieser Erstkontakt auch, dass immer mein Bild von Frankreich meinen Blick auf die Bücher überlagert hat. So war Literatur aus Frankreich vor allen Dingen immer eines: das, was deutsche oder angelsächsische Literatur nicht hatte. Zur französischen Literatur griff ich stets…

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Farewell Photography – Foto Biennale – Hack Museum

Biennale für aktuelle Fotografie 2017 – Farewell Photography. Hack Museum Ludwigshafen

Nein, das Wilhelm Hack Museum hat nicht vergessen, aufzuräumen. Das gehört so und ist Teil der Biennale für aktuelle Fotografie Mannheim / Ludwigshafen / Heidelberg. Die Ausstellung im Hackmuseum war die erste, die ich mir innerhalb der Biennale angeschaut habe. Hier geht es stark um den technischen Prozess des Fotografierens und seine Auswirkung auf das Bild. Nun, das war das erste Problem, das ich mit der Ausstellung hatte: das ist nicht nur nicht mein Blickwinkel auf Fotografie, es ist ein mir sehr fremder Blickwinkel. Aber das macht ja nichts, ganz im Gegenteil. Kunst entdecken kann ich überall und neue Blickwinkel probiere ich gerne aus. Das zweite Problem begegnete mir gleich am Anfang der Ausstellung. Die einführende Texte sind sehr abgehoben und ohne Vorkenntnisse kaum zu erfassen. Das kenne ich von diesem Museum so gar nicht. Sonst helfen die Texte hier sehr, einen Zugang zur Kunst zu finden. Womit wir beim dritten Problem sind, das allerdings…

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Parthenon of books – Tempel der verbotenen Bücher

Nun ist er selbst im Kunsthimmel, der Tempel der verbotenen Bücher auf der Documenta 14. Ich hatte mich sehr darauf gefreut. Dann stand ich davor, daneben und darin – und wurde nicht so recht warm damit. Seltsam, oder?   War mir der Tempel der verbotenen Bücher zu groß? Nein, eigentlich nicht. Er war groß, sehr groß. Aber der Standort hat das gut vertragen und gegen Kunst im öffentlichen Raum, die sich nicht einfügt, sondern sperrig und laut ist, habe ich gar nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil.   Die Fernwirkung des Parthenons war genial. Aber was war innen? Bei Büchern kommt es doch auf das Innen an, oder? Dort fand ich nichts, noch nicht mal einen inspirierenden Leerraum, den ich hätte füllen können. Der Tempel der verbotenen Bücher wirkte von innen wie ein potemkinsches Dorf.   Ist das alles, was Bücher heute noch können? Eine mahnende Fernwirkung? Meinen Fotos sieht man meine Irritation sehr deutlich an.…

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Nick Cave – Graphic Novel von Reinhard Kleist

Die Graphic Novel über Nick Cave und mein Knie auf der Couch. Erotischer wird es heute nicht mehr.

Als ich mit der Graphic Novel „Nick Cave – Mercy on me“ von Reinhard Kleist auf der Couch lag gingen mir drei Gedanken durch den Kopf: Eine Graphic Novel liest sich also auch nicht schneller als ein Buch. Verdammt, ich habe kein Vokabular um angemessen über die Illustrationen zu schreiben. Wie um Himmels Willen konnte ich Anita Lane bisher übersehen? Verdammnis, der Himmel und die Frage nach der Zeit – daraus könnte Nick Cave gleich einen richtig guten Song machen. Ich gehe es ein paar Nummern kleiner an und versuche mich an einer ordentlichen Rezension im Stil der GeschichtenAgentin: was habe ich mit der Graphic Novel erlebt? Tote Frauen und Pathos Nick Cave ist für mich ein großer Künstler und ein Phänomen. Ich ergänze dazu ganz sexistisch: ein gut aussehender Mann (vor allen Dinger später, als er etwas mehr auf den Rippen hat), stilbewusst bis eitel, mit einer wunderbaren Stimme. Den sexistischen Blick auf Nick…

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Der erste Buchblog-Award. Sind wir jetzt angekommen?

Blog GeschichtenAgentin beim ersten Buchblog Award

Braucht es diesen Buchblog-Award? Ja, denn er macht die Vielfalt der Buchblogs sichtbar. Rund 400 Blogs nehmen teil, das dürfte knapp ein Drittel der aktiven Buchblogger sein. Nicht schlecht für die erste Runde und die Longlist zeigt, dass wirklich aus jedem Dorf ein Hund, aus jedem Bücherregal ein Wurm, aus jedem Lese-Universum ein Vertreter dabei ist. Warum bin ich beim Buchblog-Award dabei? Die einfache Antwort ist, dass ich mit meinem Blog dazu beitragen möchte, eben genau diese Vielfalt an Lesern, Bloggern und Büchern sichtbar zu machen. So einen Blog wie diesen gibt es kein zweites Mal auf der Liste. Circa 399 andere Blogs können das ebenso von sich behaupten. Nochmal – warum bin ich dabei? OK, die etwas längere Antwort lautet ungefähr so: Als wir damals Blogger schenken Lesefreude starteten, wollten wir mehr als nur den Welttag des Buches feiern. Wir wollten zeigen, dass wir Buchblogger Teil der Buchwelt sind – und ein verdammt lebendiger…

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Documenta. Meine erste.

Hätte man mich vor meiner Fahrt nach Kassel gefragt, welche Art Kunst ich auf der Documenta erwarte, wäre dieses Bild die passende Antwort gewesen: Stahlbarren in Säcken. Kunst, für die man ein Handbuch braucht. Kunst, die ohne den dazugehörigen Diskurs unverständlich bleibt. Kunst, bei der der theoretische Überbau schon vorhanden ist, bevor der erste Pinselstrich, der erste Schlag mit dem Meisel getan ist. Zum Glück habe ich auf der #documenta14 sehr viel andere Kunst gefunden. Sehr andere. Das hat gut getan. Liebe Documenta, was erwarte ich eigentlich? Was erwarte ich von Kunst? Ich möchte einen spontanen Zugang zum Kunstwerk finden. Einfach so, von Kunstwerk zu Mensch. Ein Kunstwerk muss mich berühren, eine Verbindung herstellen. Das kann ein zartes Hallo! sein. Oder ein Kratzen. Ein befremdlicher Ton. Eine Harmonie. Ein Faustschlag. Ein Häh? Ein Brüller. Ein Ich-glaube-wir-kennen-uns. Ein Stolpern. Ein warum-finde-ich-dich-jetzt-erst. Wenn dieser erste Kontakt zwischen Kunstwerk und mir hergestellt ist, darf die Reise weitergehen. Hintergründe über…

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Gamification als Lebensprinzip: Gamify your Life

Sachbuch: Gamify your Life. Durch Gamification das eigene Leben verbessern.

Gamification, das bedeutet doch Highscores sammeln und Badges freischalten, die mir alle bestätigen, dass ich einen „great job“ mache und „awesome“ sei, oder? Das war so in etwa mein Wissensstand über Gamification vor der Lektüre von Gamify your  Life – Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben von Jane McGonigal. Falsch war das nicht. Aber Gamification ist deutlich mehr und genau in diesem „mehr“ verbirgt sich der interessante Teil. Wenn in der Achtsamkeitspraxis ein Tag lang die nicht-dominante Hand benutzt wird, dann könnte man das durchaus auch als Gamification beschreiben. Aber der Reihe nach: wie können uns Spiele gesünder, glücklicher und resilienter machen? Gamification: Kleine Spieleinheiten, große Wirkung Nehmen wir mal an, wir haben ein inniges, aber ungesundes Verhältnis zu unserer Couch. Vielleicht, weil wir eine Verletzung auskurieren oder weil wir an Depression erkrankt sind. Auf jeden Fall ist die Idee, aufzustehen und uns zu bewegen, ungefähr so leicht umzusetzen wie die Besteigung eines Dreitausenders. Kommt vor,…

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Burgen für neugierige Einsteiger

Sachbuch zum Thema Burgen: Ritterburgen aus der Buchreihe Beck Wissen

Burgen gibt es hier in der Pfalz mehr als genug. Roter Sandstein, Reste eines Turms, ein Schild, das eine Jahreszahl angibt und weitere Informationen, die nur dem Fachmann etwas sagen, Brennnesseln, Eidechsen. In der Burg oder etwas unterhalb eine Pfälzer Hütter oder Gastwirtschaft, in der man gut einkehren kann. Das war lange mein Bild von Burgen. Mit jeder Reise kam eine neue Idee, ein neues Bild dazu, wie eine Burg aussehen konnte. Bauwerke von Vauban, Fake-Festungen wie Carcassone, Katharerburgen, wehrhafte Wasserschlösser, slawische Wallanlagen, keltische Ringwälle und Menschen in Kostümen, die versuchen, das Leben in Burgen in Großbritannien zum Leben zu erwecken. Nur die Einkehrmöglichkeiten waren nie so gut wie in der Pfalz. Fantasy, Romantik und Historiker Die slawische Wallanlage Groß-Raden und die imposanten Burgen der Katharer weckten dann meine Neugier. Ein Buch musste her. Meine Wahl fiel auf eine Einstiegslektüre: Ritterburgen – Bauwerk, Herrschaft und Kultur aus der Reihe Beck Wissen. Ich schätze die Reihe…

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